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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Warteschlange
Eingestellt am 25. 06. 2003 13:32


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Alta
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Jun 2003

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Kommentare: 4
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Die Abflughalle war zu dieser fr├╝hen Stunde noch leer. Die Putzkolonnen mu├čten ihre Arbeit gerade beendet haben, ein scharfer Geruch nach Reinigungsmitteln lag in der Luft, wurde aber schon ├╝berdeckt von dem Duft nach frisch gebr├╝htem Kaffee und warmen Croissants. Eine junge, sehr h├╝bsche Frau betrat die Halle. Sie z├Âgerte kaum merklich, w├Ąhrend sie sich orientierte und dann aufrecht auf einen der wenigen ge├Âffneten Schalter zum Einchecken zuschritt, an dem sich bereits eine lange Schlange von Urlaubern gebildet hatte. Sie musterte die vielen Familien, die in freudiger Erwartung auf ihr sonniges Urlaubsziel viel zu leicht bekleidet und noch m├╝de vor sich hin fr├Âstelten. Die Kinder hielten ihre Kuscheltiere fest umschlungen und sa├čen, vermutlich aus dem Tiefschlaf gerissen, verschlafen auf den Koffern. "Nein!", dachte sie, w├Ąhrend sie sich hinter die bereits Wartenden einreihte und ihren Koffer neben sich abstellte. "Das kann ja wieder ein toller Flug werden." Sie mochte keine aufgekratzten Kinder, die sich vor lauter Vorfreude auf den Urlaub nicht benehmen konnten, ├╝berarbeitete V├Ąter, die st├Ąndig mit den Kindern schimpften und vor allem keine hektischen M├╝tter, die im Geiste noch immer ├╝berlegten, ob sie auch wirklich alles in den Koffer gepackt und das B├╝geleisen auch ausgestellt atten! "Nein!", dachte sie noch einmal und lie├č ihren Blick mit hochgezogenen Augenbrauen ├╝ber die Menschen um sich herum streifen. Fast h├Ątte sie sogar mit dem Kopf gesch├╝ttelt.

Es ging ein paar Schritte vorw├Ąrts. Sie atmete tief durch und versuchte, an ihren Urlaub zu denken. Sorgf├Ąltig hatte sie viele Kataloge durchbl├Ąttert und sich schlie├člich f├╝r einen teuren Club-Urlaub entschieden. In ihren Koffer hatte sie nur ihre schickste und modernste Sommergarderobe gepackt. Am Tag zuvor war sie noch beim Friseur gewesen und hatte sich einen pfiffigen Pagenkopf schneiden lassen. Und am Abend hatte sie ihre Finger- und Fu├čn├Ągel lackiert. Ja, sie war mehr als zufrieden mit ihrem ├äu├čeren.

Wieder ging es ein paar Schritte voran. Ihr Blick wanderte unauff├Ąllig zu der Familie, die sich inzwischen hinter ihr in die Warteschlange eingereiht hatte. "Tja, das waren wohl ein paar Kilo zuviel auf den H├╝ften. Kein Wunder, bei drei Kindern! Und dann noch dieses unvorteilhafte Outfit; Jeans und Jeansjacke, legerer ging es wohl kaum! So w├╝rde sie selbst noch nicht einmal im Garten arbeiten, geschweige denn eine Reise antreten. Nun sch├╝ttelte sie doch mit dem Kopf und erstarrte fast im selben Augenblick. Sie sp├╝rte, wie sich die R├Âte langsam von unten nach oben in ihrem Gesicht ausbreitete und wie ihr gleichzeitig hei├č wurde. Denn die junge Mutter, die ihr gegen├╝berstand, hatte die abf├Ąlligen Blicke sehr wohl bemerkt und musterte sie nun ihrerseits sehr genau.

Der Blitz des Wiedererkennens traf die beiden Frauen in der selben Sekunde und schon lagen sie sich in den Armen. "Das ist doch nicht m├Âglich! Anja! Wie lange ist es her, dass wir uns nicht gesehen haben! Ich glaube, als Du Dein Studium begonnen hast und weggezogen bist, da haben wir uns aus den Augen verloren. Nicht zu fassen!" Im Nu waren die beiden Frauen angeregt dabei, Erinnerungen auszutauschen. Ach, was war das sch├Ân, eine verwandte Seele zu treffen, Anja war viele Jahre ihre liebste und engste Freundin gewesen. Sie waren gemeinsam durch dick und d├╝nn gegangen und hatten sich alles, aber auch alles, anvertraut. Und diese Vertrautheit war auch jetzt wieder zu sp├╝ren. Nach all den Jahren, als h├Ątten sie sich erst gestern zuletzt gesehen! Unglaublich! Pl├Âtzlich wurde ihr bewu├čt, wie sehr ihr gerade diese Freundin gefehlt hatte und im selben Moment sch├Ąmte sie sich ihrer Gedanken, die sie noch vor ein paar Minuten gehabt hatte! Nein, das Wiedersehen war kein Zufall. Diesen Kontakt wollte sie nicht wieder abrei├čen lassen. Und w├Ąhren sie ihren Koffer auf das Transportband am Eincheckschalter hievte, l├Ąchelte sie ihrer Freundin gl├╝cklich zu.

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Gabriel
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Alta!

Eine im Grunde genommen allt├Ągliche Situation, durch feinf├╝hlige Beschreibung scheinbar nebens├Ąchlicher Kleinigkeiten zu einer runden, sch├Ânen Geschichte gemacht.
Hat mir gefallen!

Ein klein wenig Textarbeit??

Die Abflughalle war zu dieser fr├╝hen Stunde noch leer. Absatz
Die Putzkolonnen mu├čten ihre Arbeit gerade beendet haben, Punktein scharfer Geruch nach Reinigungsmitteln lag in der Luft, wurde aber schon ├╝berdeckt von dem Duft nach frisch gebr├╝htem Kaffee und warmen Croissants. sch├Ân! Absatz
Eine junge, sehr h├╝bsche Frau betrat die Halle. Sie z├Âgerte kaum merklich, w├Ąhrend sie sich orientierte und dann aufrecht auf einen der wenigen ge├Âffneten Schalter zum Einchecken zuschritt, an dem sich bereits eine lange Schlange von Urlaubern gebildet hatte. Sie musterte die vielen Familien, die in freudiger Erwartung auf ihr sonniges Urlaubsziel viel zu leicht bekleidet und noch m├╝de vor sich hin fr├Âstelten. Die Kinder hielten ihre Kuscheltiere fest umschlungen und sa├čen, vermutlich aus dem Tiefschlaf gerissen, verschlafen auf den Koffern. Sch├Ânes Bild "Nein!", dachte sie, w├Ąhrend sie sich hinter die bereits Wartenden einreihte und ihren Koffer neben sich abstellte. "Das kann ja wieder ein toller Flug werden." Sie mochte keine aufgekratzten Kinder, die sich vor lauter Vorfreude auf den Urlaub nicht benehmen konnten, ├╝berarbeitete V├Ąter, die st├Ąndig mit den Kindern schimpften und vor allem keine hektischen M├╝tter, die im Geiste noch immer ├╝berlegten, ob sie auch wirklich alles in den Koffer gepackt und das B├╝geleisen auch ausgestellt atten! Der Satz ist zu lang! "Nein!", dachte sie noch einmal und lie├č ihren Blick mit hochgezogenen Augenbrauen ├╝ber die Menschen um sich herum streifen. Fast h├Ątte sie sogar mit dem Kopf gesch├╝ttelt.

Es ging ein paar Schritte vorw├Ąrts. Sie atmete tief durch und versuchte, an ihren Urlaub zu denken. Sorgf├Ąltig hatte sie viele Kataloge durchgebl├Ąttert und sich schlie├člich f├╝r einen teuren Club-Urlaub entschieden. In ihren ‘den‘, um die Wiederholung von ‚ihren‘ zu vermeiden Koffer hatte sie nur ihre schickste und modernste Sommergarderobe gepackt. Am Tag zuvor war sie noch beim Friseur gewesen und hatte sich einen pfiffigen Pagenkopf schneiden lassen. Und am Abend hatte sie ihre Finger- und Fu├čn├Ągel lackiert. Ja, sie war mehr als zufrieden mit ihrem ├äu├čeren.

Wieder ging es ein paar Schritte voran. Ihr Blick wanderte unauff├Ąllig zu der Familie, die sich inzwischen hinter ihr in die Warteschlange eingereiht hatte. "Tja, warum die Anf├╝hrungszeichen? das waren wohl ein paar Kilo zuviel auf den H├╝ften. Kein Wunder, bei drei Kindern! Und dann noch dieses unvorteilhafte Outfit; Jeans und Jeansjacke, legerer ging es wohl kaum! So w├╝rde sie selbst noch nicht einmal im Garten arbeiten, geschweige denn eine Reise antreten. Nun sch├╝ttelte sie doch mit dem den Kopf und erstarrte fast im selben Augenblick. Sie sp├╝rte, wie sich die R├Âte langsam von unten nach oben in ihrem Gesicht ausbreitete und wie ihr gleichzeitig hei├č wurde. Denn die junge Mutter, die ihr gegen├╝berstand, hatte die abf├Ąlligen Blicke sehr wohl bemerkt und musterte sie nun ihrerseits sehr genau.

Der Blitz des Wiedererkennens traf die beiden Frauen in der selben Sekunde und schon lagen sie sich in den Armen. "Das ist doch nicht m├Âglich! Anja! Wie lange ist es her, dass wir uns nicht gesehen haben! Ich glaube, als Du Dein Studium begonnen hast und weggezogen bist, da haben wir uns aus den Augen verloren. Nicht zu fassen!" Im Nu waren die beiden Frauen angeregt dabei, Erinnerungen auszutauschen. Ach, was war das sch├Ân, eine verwandte Seele zu treffen, Punkt Anja war viele Jahre ihre liebste und engste Freundin gewesen. Sie waren gemeinsam durch dick und d├╝nn gegangen und hatten sich alles, aber auch alles, anvertraut. Und diese Vertrautheit war auch jetzt wieder zu sp├╝ren. Nach all den Jahren, als h├Ątten sie sich erst gestern zuletzt gesehen! Unglaublich! Pl├Âtzlich wurde ihr bewu├čt, wie sehr ihr gerade diese Freundin gefehlt hatte und im selben Moment sch├Ąmte sie sich ihrer Gedanken, die sie noch vor ein paar Minuten gehabt hatte! Nein, das Wiedersehen war kein Zufall. Diesen Kontakt wollte sie nicht wieder abrei├čen lassen. Und w├Ąhrend sie ihren Koffer auf das Transportband am Eincheckschalter hievte, l├Ąchelte sie ihrer Freundin gl├╝cklich zu.

Gru├č, Gabriel

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Zefira
???
Registriert: Jan 2001

Werke: 14
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Ich stimme Gabriel zu: eine gelungene Geschichte. Aber man k├Ânnte, glaube ich, noch mehr daraus machen.

Du hast sehr einf├╝hlsam, geradezu liebevoll die Atmosph├Ąre im Flughafen geschildert und den Leser behutsam in die Pers├Ânlichkeit Deiner Prot. eingef├╝hrt - ein ausgezeichneter Einstieg. Aber auf dem H├Âhepunkt der Geschichte weichst Du dann pl├Âtzlich ins Allgemeine, Betrachtende und Beschreibende aus.

Ich meine damit nicht den Augenblick, als sich die beiden wiedererkennen, sondern das, was darauf folgt. Es scheint so, als ob sich Deine Hauptperson, kaum haben sich die beiden einmal kurz gedr├╝ckt, schon wieder ganz allgemeine Gedanken ├╝ber das Leben und die Zukunft macht, statt - wie ich es f├╝r wahrscheinlicher halten w├╝rde - sich erst einmal von der Dramatik des Augenblicks fesseln zu lassen. Was f├╝hlt sie, wenn sie das liebe Gesicht von fr├╝her wiedersieht? Denkt sie wirklich "das war kein Zufall, den Kontakt lasse ich jetzt nicht wieder abrei├čen"? Verstehst Du, was ich meine? Irgendwie ist sie mir emotional zu schnell wieder im normalen Fahrwasser ...

Lieben Gru├č,
Zefira




__________________
schmollfisch

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Alta
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Jun 2003

Werke: 1
Kommentare: 4
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Hallo Zefira,

Danke f├╝r Deine konstruktiven Anregungen. Ich selber merke zwar oft, dass etwas nicht pa├čt oder nicht ganz stimmt, wei├č aber nicht immer, was es genau ausmacht... Manchmal hilft es, wenn ich mir den Text selbst laut vorlese, aber eben nicht immer. Es kann gut sein, dass ich die Stelle nochmal ├╝berarbeite... m├Âchte im Moment aber lieber etwas Neues schreiben!

Viele Gr├╝├če, Alta

__________________
Schlange...komm gekrochen,
Funkelndes Feuer in Deinen Augen.
Bei├č mich, stimuliere mich...

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