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Leselupe.de > Kindergeschichten
Warum schaust du so traurig?
Eingestellt am 21. 01. 2016 20:26


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guelle
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Registriert: Aug 2006

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„Warum schaust du so traurig?“
„Sag mir doch, warum du so traurig bist!"
Die Schildkröte sah nach oben. Vor ihr stand ein großer zottiger Hund.
„Wo sind deine Ohren?“, fragte die Schildkröte erstaunt, statt dem Hund auf seine Frage zu antworten.
Der Hund sah sie nur mit groĂźen Augen an.
„Wo sind deine Ohren?“, wollte die Schildkröte wieder wissen.
Der Hund sah sie immer noch fragend an.
„Oh, natürlich, wie dumm von mir“, sagte die Schildkröte zu sich selbst.
„ Wo sind deine Ohren?“, rief sie, so laut sie konnte.
Jetzt sah der Hund traurig aus.
„Ich bin so geboren, ich kann nichts dafür!“
„Ich auch nicht!“, sagte die Schildkröte und sah an sich herab.
„Deine Hinterbeine fehlen ja!“, rief der Hund verblüfft.
„Jetzt verstehe ich, warum du so traurig bist“, murmelte er.
Er setzte sich zur Schildkröte.
Sie saĂźen lange still nebeneinander.
„Die anderen machen sich ständig lustig über mich“, seufzte die Schildkröte.
„Das kenne ich!"
Der Hund seufzte ebenfalls.
"Ich träume schon ein Leben lang davon, gut zu hören.“
„Und ich träume schon ein Leben lang davon, schnell laufen zu können!“, rief die Schildkröte.

Wieder herrschte Stille.
„Weißt du was, ich habe da eine Idee!“
Der Hund nahm die Schildkröte und setzte sie sich auf seinen Kopf. Die Schildkröte klammerte sich erschrocken mit den Vorderfüßen fest.
„Halte dich gut fest!“, rief der Hund und lief los.

Die Schildkröte hatte so etwas noch nie empfunden. So schnell war die Welt noch nie an ihr vorbeigeflogen.
„Mir ist ganz schwindelig im Bauch!"
Die Schildkröte quietschte vergnügt.
Der Hund lief schneller und schneller.
„ Achtung!“, rief er zu ihr nach oben, dann sprang er auch schon mit einem riesigen Satz über eine Pfütze.
„Ich kann fliegen!“, schrie die Schildkröte aufgeregt, „ich kann fliegen!“
Sie war ĂĽberglĂĽcklich.
In diesem Moment blieb der Hund stehen. Fast hätte die Schildkröte den Halt verloren. Sie wollte sich beschweren als sie bemerkte, dass sie vor einem Schaufenster standen und der Hund ihr gemeinsames Spiegelbild anstarrte.

"Ich habe Ohren!", brachte er heiĂźer hervor.
"Schau doch, ich habe Ohren!"
Die Schildkröte verstand zuerst nicht, dann sah sie aber genauer hin.
Ihre VorderfĂĽĂźe, mit denen sie sich am Kopf festhielt, sahen in der Glasscheibe wie Ohren aus.
„Warte!“, rief sie hastig und drehte die Füße ein wenig. Dann flüsterte sie kaum hörbar: „Kannst du mich verstehen?“
„Klar und deutlich!“, jubelte der Hund.
„Ich habe nicht nur Ohren, die wie echte Ohren aussehen, ich kann damit auch das kleinste Geräusch hören!“, rief er begeistert.
Tränen liefen ihm über die Wangen.
„Wir sind das perfekte Team!“, triumphierte die Schildkröte.
"Uns kann keiner mehr schlagen!“

Dieser Meinung war auch der Hund.
„Ich möchte die Grillen zirpen hören!“, sagte der Hund träumerisch.
"Lass uns in den Park laufen!“
„Und ich möchte über eine Parkbank springen!“, rief die Schildkröte begeistert.
Die beiden hatten den ganzen Tag großen Spaß. Als die Schildkröte ein letztes Mal über einen umgestürzten Baum springen wollte, fing der Hund an nervös zu werden.
„Was ist los?“, wollte die Schildkröte wissen.
„Dreh meine Ohren bitte etwas nach links!“, sagte der Hund nur.
Die Schildkröte bewegte ihre Beine nach links.
Irgendetwas war nicht in Ordnung.

„Ich höre eine Frau um Hilfe rufen“, sagte der Hund aufgeregt.
„Es kommt von da drüben!“
Er zeigte mit der Pfote in Richtung des Sees.
„Wir müssen helfen! Halt dich fest!“
Der Hund rannte los. So schnell war er noch nie. Der Schildkröte tränten die Augen. Wie sie ganz nah am See waren, sahen sie eine alte Frau auf der anderen Seite im Wasser. Sie schlug wild mit den Armen um sich. Offenbar konnte sie nicht schwimmen.

„Schau nur“, keuchte der Hund, „sie wird gleich untergehen, wir kommen zu spät!“
Die Schildkröte dachte kurz nach.
„Wenn ich dir sage bleib stehen, dann mach sofort halt!“, rief sie dem Hund zu.
„Vertrau mir!“
Wenige Meter vom Ufer entfernt, dort wo der Rettungssitz der Seewacht stand, rief die Schildkröte laut: „Bleib stehen!“
Sofort bremste der Hund ab. In diesem Moment löste die Schildkröte die Vorderpfoten. Sie flog in einem hohen Bogen durch den Rettungsring am Badesteg und mit dem Ring um den Hals flitschte sie wie ein Stein mit riesigen Hüpfern übers Wasser bis zur alten Frau. Diese griff sofort nach der rotweiß gestreiften Hilfe.
Es dauerte noch eine Weile, bis der Hund an der Unglücksstelle angekommen war. Er sprang sofort ins Wasser und schwamm zu den beiden. Dort nahm er die Schnur des Rettungsringes in sein Maul und zog die alte Frau und die Schildkröte zurück ans Ufer.
„Das war Hilfe in letzter Sekunde“, sagte ein Mann, der den Vorfall beobachtet hatte und herbeigeeilt war. Er half dem Hund die Frau und die Schildkröte die steile Böschung hochzuziehen. Anschließend zog er seine Jacke aus und legte sie der Frau um die Schulter. Dann rief er mit dem Handy die Rettungsleitstelle an.

Die alte Frau zitterte am ganzen Körper. Sie wusste selbst nicht, ob vor Schreck oder vor Kälte.
Der Hund und die Schildkröte saßen ganz dicht bei ihr um sie zu wärmen.
„Danke!“, sagte die Frau zu ihnen, als sie sich etwas beruhigt hatte, „ihr seit meine Retter, meine Helden!“
Sie umarmte beide herzlich und drückte sie ganz fest. Tränen liefen ihr über die Wangen
In diesem Moment trafen die Rettungskräfte ein. Die Sanitäter packten die alte Frau sofort in warme Decken. Dann halfen sie ihr in den Rettungswagen. Der Hund und die Schildkröte blieben bei ihr.
Der Einsatzleiter der Feuerwehr erkundigte sich kurz darauf, wie es zu dem UnglĂĽck gekommen war.
Die alte Frau erklärte ihm, dass sie durch ein morsches Brett am Bootssteg gebrochen sei.
Der Steg wurde sofort mit einem Sperrband gesichert.
Mittlerweile war auch die Polizei eingetroffen. Der Polizist schüttelte den Kopf, als er hörte, wie es zu dem Unfall und der anschließenden Rettung gekommen war.
„ So etwas habe ich in meiner langjährigen Dienstzeit noch nie erlebt“, sagte er erstaunt, „ ein Hund der nichts hört und eine Schildkröte die nicht laufen kann retten einer alten Frau das Leben.“
„Das glaubt mir keiner!“, murmelte er.
KopfschĂĽttelnd ging er zum Dienstwagen zurĂĽck.

Die Rettungsassistenten fuhren die alte Frau nach Hause.
„Habt ihr ein Zuhause?“, wollte die Frau während der Fahrt von dem Hund und der Schildkröte wissen. Beide schüttelten den Kopf.
„Wollt ihr nicht zu mir ziehen?“, fragte die alte Frau darauf hoffnungsvoll, und ihre Augen begannen zu glänzen.
„Ich habe ein kleines Haus und einen großen Garten. Ich wäre froh, wenn wir eine Familie sein könnten.“
„Was haltet ihr davon?“
Der Hund und die Schildkröte sahen sich an.
Ja, das wollten die beiden auch. Zustimmend nickten sie, worauf die alte Frau sie wieder ĂĽberglĂĽcklich umarmte.
„Jetzt müssen wir nie wieder traurig sein“, sagte darauf der Hund zur Schildkröte.
„Nein, das will ich auch nicht mehr. Glücklich sein ist viel, viel schöner!“, erwiderte die Schildkröte und lachte.

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Version vom 05. 02. 2016 22:23

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