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Leselupe.de > Ungereimtes
Warum willst du fort?
Eingestellt am 23. 09. 2009 17:58


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Vera-Lena
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Warum willst du fort?

Das Licht ist ein F├Ąhrmann,
sagst du,
ziehst mir die Sonnenkappe
tiefer ├╝ber die Augen.
Irgendwann wird es dich
entf├╝hren,
wenn du deinen K├Ârper
schmetterlingsgleich
verwandelt hast.

Leugne es nicht,
ich habe dich ├╝ben gesehen:
ein Flatterding mit
schwerf├Ąlligen Spr├╝ngen noch,
eingezw├Ąngt
zwischen den Weiden
am Fluss.

Die Sonne habe ich kichern
geh├Ârt,
aber mir ist dabei
nicht komisch
zu Mute.




__________________
Der Mensch ist sich selbst das gr├Â├čte Geheimnis, ein unverzichtbarer Blutstropfen im Universum, ein Spiegel allen Seins.

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Franke
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Hallo Vera-Lena!

Wenn du die dritte Strophe ersatzlos streichen w├╝rdest, dann w├Ąre dies ein klasse Gedicht.
Du ziehst n├Ąmlich hier eine Schlussfolgerung, die du dem Leser ├╝berlassen solltest. Du l├Ąsst mir so keinen Raum f├╝r eigene Gedanken, schade.

In der zweiten Strophe w├╝rde ich schreiben:
"ich sah dich ├╝ben"

Das h├Ârst sich m.E. sprachlich besser an.

Aber ansonsten gerne gelesen!

Liebe Gr├╝├če
Manfred
__________________
Das Leben ist eine Krankheit der Materie (Thomas Mann)

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Vera-Lena
Routinierter Autor
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Hallo Franke,

danke f├╝r Deinen Kommentar!

"Ich sah Dich ├╝ben" hatte ich auch ins Auge gefasst, aber das war mir dann vom Klang her zu krass, es h├Ârte sich so streng und so wenig liebevoll an.

Die dritte Strophe wegzulassen, w├╝rde, nach meiner Ansicht, den Text zu stark verschl├╝sseln.

Sieh einmal, da sp├╝rt der Partner, dass die Geliebte sich aufl├Âsen m├Âchte. Sie aber will diesen Sachverhalt nicht zugeben. Letzteres k├Ânntest Du au├čer in der dritten Strophe nirgendswoher entnehmen. Es ist aber wichtig f├╝r diesen Text.
Das "eingezw├Ąngt zwischen den Weiden am Fluss" gibt gen├╝gend Spielraum f├╝r Interpretationen. Was k├Ânnte damit gemeint sein?
Insofern bietet gerade die dritte Strophe den Spielraum f├╝r eigene Gedanken.

Ich freue mich aber, dass Dir der Text ansonsten zusagt.

Liebe Gr├╝├če
Vera-Lena


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Heidrun D.
Guest
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Ma ch├Ęre,

f├╝r mich ist das ein Gedicht ├╝ber den nahenden Tod eines geliebten Menschen - wie nur du es schreiben kannst; eine, die sich auf das Jenseits freut und ihm entgegen sieht als herbstlich geschm├╝ckte Braut.

Wunderbar: die Sache mit der Tarnkappe, ebenso die ├ťbungsg├Ąnge und die kichernde Sonne (mein Favorit).

Ich finde das Gedicht perfekt und w├╝rde nicht das kleinste T├╝pfelchen ver├Ąndern.

Beeindruckte Gr├╝├če
Heidrun

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Vera-Lena
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Ihr Lieben,

Marie-Luise- Maren und Heidrun,

ja ich finde es auch interessant, wie weitr├Ąumig der Text interpretierbar ist, ohne dadurch ins Beliebige abzugleiten, denn auch Deine Sicht, liebe Marie-Luise k├Ânnte man aus dem Text entnehmen.

Liebe Maren,

das "ich habe dich ├╝ben gesehen" hat f├╝r mich nicht nur klangliche sondern auch inhaltliche Gr├╝nde. Ich habe hier das Plusquamperfekt gew├Ąhlt, weil der Lebensgef├Ąhrte die Geliebte schon viele Male beobachtet hat, wie sie darum gerungen hat, sich ins Jenseites aufmachen zu d├╝rfen.


Denn darum, liebe Heidrun, geht es mir bei diesem Text tats├Ąchlich. Nat├╝rlich will der Lebenspartner gerne, dass sie noch auf Erden bleibt und er versucht, sie zur├╝ckzuhalten, schon allein dadurch, dass er mit ihr ├╝ber diese diesbez├╝glichen W├╝nsche spricht.

"Warum willst du fort?", diese Frage steht im Raum, aber sie wird nicht beantwortet.

Das "├ťben zwischen den Weiden" hatte ich mir so vorgestellt, dass es der Frau (wenn wir das Lyri mal so bezeichnen wollen) schwer f├Ąllt sich g├Ąnzlich abzul├Âsen, von Wesen, die nah bei ihr emporwachsen und vielleicht noch eine Orientierung bei ihr suchen k├Ânnten. Sich nach dem Jenseits zu sehnen ist die eine Sache, Abschied zu nehmen ist wieder eine andere Sache.

Dass der Gef├Ąhrte "die Sonne kichern h├Ârte", macht deutlich, dass er um die Gedanken seiner Frau gut Bescheid wei├č und dass er es nicht verurteilt, dass sie gerne in ein leichtf├╝ssigeres Leben ohne physischen K├Ârper hin├╝berwechseln m├Âchte. Trotzdem will er sich nicht von ihr trennen.

So, wie es ein Text ├╝ber den Tod ist, ist es aber auch ein Text ├╝ber die Liebe, finde ich. Die Beiden sind einander sehr nah. Eigentlich w├╝nschen sich alle Paare, gemeinsam sterben zu d├╝rfen, aber den wenigsten wird das geschenkt. Ich habe es schon zwei Mal erleben d├╝rfen, dass wirklich alte Ehepaare im Abstand von 6 Wochen gestorben sind ohne ├Ąu├čeren Anlass, einfach so.

Nun muss ich noch anmerken, dass ich pers├Ânlich gesund und munter bin, mich aber trotzdem auf meinen eigenen Tod schon im Voraus freue und mir w├╝nsche, dass er sanft sein m├Âge, wie ich das sowieso allen Menschen w├╝nsche, wenn es dann einmal so weit ist.

Ich danke Euch ganz herzlich f├╝r Eure Kommentare, durch die mir meine Texte stets n├Ąher kommen.

Ganz liebe Gr├╝├če
Vera-Lena


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Perry
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Hallo Vera-Lena,
ich denke, der F├Ąhrmann und das schmetterlingsgleiche Verpuppen sind doch eindeutige Hinweise auf den sich ank├╝ndigenden Tod.
Problematisch ist nur die ungew├Âhnliche Art damit umzugehen, denn dass man den Tod probt, da geh├Ârt schon eine gewisse sarkastische Abgekl├Ąrtheit dazu, die die Zur├╝ckbleibenden wohl selten nachvollziehen, bzw. teilen k├Ânnen.
Jedenfalls ein Text, der den Tod einmal ein anderes Gesicht gibt.
LG
Manfred

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Vera-Lena
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Lieber Manfred,

sarkastisch w├Ąre das Ganze nur, wenn der Tod sich pl├Âtzlich angek├╝ndigt h├Ątte und die Person, die sich w├╝nscht, bald in den Tod gehen zu d├╝rfen, sich ein Leben lang nie mit dem Tod besch├Ąftigt h├Ątte.

Aber es gibt ja auch Menschen, die bei aller Lebensfreude irgendwo immer auch im Hinterkopf haben, dass ihr diesmaliges Erdenleben irgendwann einmal zu Ende sein wird und sich auch darauf einstellen. Auf diese Weise kann man den Tod proben, sich immer wieder vorstellen, wie es wohl sein wird danach.

Klar m├Âchten die Angeh├Ârigen, dass ihre Lieben m├Âglichst lange noch auf der Erde sind und sind nicht begeistert, wenn jemand ab und zu mal ├Ąu├čert, dass er eigentlich gerne schon gehen w├╝rde. Es kommt dabei nat├╝rlich darauf an, auf welche Weise solche Bemerkungen gemacht werden. So was kann man ja ganz behutsam und wie nebenbei einmal aussprechen. Und dann ist es nat├╝rlich wichtig, dass solche ├äu├čerungen nicht zu oft gemacht werden.

Vor vielen Jahren sagte ich einmal zu einer jungen Kollegin, als wir mit dem Auto an einem Friedhof vorbeifuhren:"Ach, ich freue mich schon,wenn ich mich einmal in meinen Sarg kuscheln werde". Und sie antwortete: "Also manchmal kann ich Dich wirklich nicht verstehen."

Leider ist sie dann in noch jungen Jahren lange vor mir gestorben an Krebs, die ├ärmste. Aber vielleicht ist ihr dieser Satz von mir in den letzten Lebenswochen wieder eingefallen und hat ihr den ├ťbergang in die andere Welt erleichtert, das k├Ânnte doch sein.

Danke f├╝r Deinen Kommentar und Deine Gedanken zu diesem Text!

Liebe Gr├╝├če
Vera-Lena


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