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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Was denn
Eingestellt am 15. 06. 2005 09:00


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Mika
Autorenanw├Ąrter
Registriert: Jul 2003

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Was denn

Sonntag Nachmittag. Mit meiner ├╝blichen Panik, ├╝berallhin zu sp├Ąt zu kommen, haste ich ins Kino, kaufe eine Karte und erinnere mich, dass ich vorher noch mal auf die Toilette gehen sollte, bevor es mir – wie beim letzten Mal – an der spannendsten Stelle des Films einf├Ąllt.
Noch v├Âllig in meinen Gedanken vertieft, sehe ich dich, wie du hinter der Popcorn-Theke stehst und die kleinen Nacho-T├╝ten faltest. Mein Gehirn ben├Âtigt einige Zeit, bis es die visuellen Reize verarbeitet hat und ich erkenne, dass das tats├Ąchlich du bist.
Tausend Dinge schie├čen mir durch den Kopf: dass ich dich erst vorgestern am Bahnhof gesehen habe und zwei Tage davor; dass hier alles anfing und du mir fehlst, irgendwie. Wieso habe ich mich eigentlich entschlossen, mir unbedingt heute “Herr der Ringe“ anzusehen und seit wann arbeitest du wieder im Kino? Man ahnt ja auch nicht gerade, dich ausgerechnet hier wieder zu treffen. Und jetzt habe ich nicht nur einen, sondern gleich f├╝nf Kl├Â├če im Hals.
„Sieh’ nicht her! Mach’ weiter und rede nicht mit mir!“, bitte ich dich in Gedanken. Und nun kommst du zu mir her├╝ber, weil Gedanken├╝bertragung Quatsch ist und es Beschw├Ârungszauber nur im M├Ąrchen gibt.
Ich sage etwas wie „Hi, wie geht’s dir?“ oder „Sehen wir uns neuerdings dreimal die Woche?“ oder war es vielleicht sogar ein sinnlich gehauchtes „Hallo, sch├Âner Mann!“ ?
Auf jeden Fall bist du verbl├╝fft von meiner Begr├╝├čung. So verbl├╝fft, dass es mir wiederum den Boden unter den F├╝├čen wegzieht, dass ich dich so in Sprachlosigkeit versetzen konnte und ich nicht anders kann, als dich anzustarren, bis du das Schweigen mit einem „Was denn?“ durchbrichst.
Ich kenne es gut, dieses „Was denn?“. Du sagst es jedes Mal, wenn du eigentlich verlegen bist und beginnst dann im n├Ąchsten Moment, irgendwelche imagin├Ąren Makel an deiner Kleidung festzustellen. Dann fragst du immer, warum dir das denn keiner gesagt h├Ątte. Diesmal ist es angeblich deine Krawatte, die nicht richtig sitzt. Du r├╝ckst sie zurecht und als du damit fertig bist, sehe ich keinen Unterschied.
„Hast du was mit deinen Haaren gemacht?“, h├Âre ich mich jetzt fragen. Das war nat├╝rlich daneben, aber deine Schlips-Justier-Aktion hat auch nicht gerade dazu beigetragen, dieser Situation ein entspanntes Flair zu geben. Ich hatte ja geahnt, dass du uns in so eine missliche Lage bringen w├╝rdest! Mir ist das im Prinzip egal, ich bin sowieso eher sch├╝chtern. Nur Pech f├╝r dich, zweimal „Was denn?“ klingt nicht sonderlich gut. Und da es anscheinend keiner von uns beiden schafft, einen vern├╝nftigen Satz zu Stande bringen, machen wir eine Runde Smalltalk und enden im Ansatz eines Gespr├Ąches ├╝ber seltsame Zuf├Ąlle und warum man, nur mal so als fiktives Beispiel, seine ehemaligen Lebensabschnittspartner immer unter genau den Umst├Ąnden wiedertrifft, unter denen man sie kennen gelernt hat...
Mein Film l├Ąuft mittlerweile seit 15 Minuten, Frodo Beutlin hat soeben erfahren, dass er den Ring aus dem Auenland bringen soll, und wir fangen bestimmt bald an, hier Wurzeln zu schlagen und stehen noch an Weihnachten herum, wenn die Christbaum-Saison nicht in den Sommer vorverlegt wird.
Schade eigentlich, denn wenn ich mich jetzt nicht irre und du nicht noch drei Stunden arbeiten m├╝sstest, h├Ątte das doch eine interessante Konversation ├╝ber die Verwendung sinnloser Formulierungen aufgrund der Unf├Ąhigkeit, normal miteinander kommunizieren zu k├Ânnen, gegeben - oder eventuell auch einen netten Nachmittag, wer wei├č.

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Henry Lehmann
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Mika,

nett geschrieben, obwohl ich die ganze Zeit ger├Ątselt habe, wer jetzt Frau und wer Mann ist. Tragen in manchen Kinos nicht auch Frauen Krawatten?

LG Henry

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Perlentaucherin
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Sep 2003

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@ Henry Lehmann : Sollte das jetzt witzig klingen ?
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"Genau in dem Moment,als die Raupe dachte,die Welt geht unter,wurde sie zum Schmetterling ."(Peter Benary)

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Mika
Autorenanw├Ąrter
Registriert: Jul 2003

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@ Perlentaucherin:
Danke f├╝r die 9

lg,
Mika

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