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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Was für Neuigkeiten!
Eingestellt am 16. 08. 2002 16:02


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visco
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Was für Neuigkeiten!


      sunshine29w> hi zauberfee! magst du reden?
      zauberfee_27> huhu sunny :-)))))))) da bist du ja wieder! hab dich schon vermißt!

      Herbert erschrak. Damit hatte er nicht gerechnet. Eigentlich bloß aus Neugier hatte er eine ihm unbekannte Webadresse aufgerufen, die im Browser noch gespeichert war. Er war im Chat einer Gay-Community gelandet, und das System hatte ihn automatisch als ‚sunshine29w’ identifiziert, wahrscheinlich durch einen Cookie. Ingrid schien sich dort wohl öfter zu tummeln, wie nicht zuletzt aus der Reaktion seiner Gesprächspartnerin unschwer zu erkennen war. ‚zauberfee_27’ war eine von über 20 Chattern, und er hatte einfach denjenigen Eintrag zu einem ‚private chat’ eingeladen, dessen Nickname in der alphabetischen Auflistung an unterster Stelle stand. Purer Zufall also, daß er ausgerechnet jemanden angesprochen hatte, der Ingrid ganz offensichtlich kannte.
      sunshine29w> wie geht es dir?
      zauberfee_27> alles klar soweit. und bei dir? hast du mit deinem mann gesprochen?

      Herbert erschrak erneut. Was mochte diese Lesbe wohl glauben, über was Ingrid denn mit ihm hätte reden sollen?
      sunshine29w> nein, noch nicht. ich trau mich nicht.
      zauberfee_27> oh mann, sunny, warum nicht? früher oder später kriegt er es sowieso mit. du willst doch nicht, daß er es so erfährt, oder?

      »Daß ich was erfahre?«, fragte Herbert laut. »Daß sie in Wahrheit auf Frauen steht und ich blöder Affe also seit zwei Jahren mit einer verkappten Lesbe zusammen bin? Die will mich wohl verarschen!«
      sunshine29w> wär das so schlimm?
      zauberfee_27> na hör mal! ist das dein ernst? wovor hast du denn angst? es betrifft doch euch beide. du solltest es ihm wirklich sagen.

      »Was denn, verdammt?«, brüllte er den Bildschirm an. »Nun rück schon endlich ´raus damit!«
      sunshine29w> er wird nicht gerade begeistert sein.
      zauberfee_27> du glaubst wirklich, er läßt dich dann sitzen?

      »Wenn ich rauskriege, daß sie auf Frauen steht? Worauf Du einen lassen kannst!«
      sunshine29w> ja, ich bin sicher, das wird er.
      zauberfee_27> was für ein arschloch! es ist doch immer wieder dasselbe! typen wie der woll’n immer bloß ihren spaß. zu ´ner richtigen beziehung sind sie gar nicht fähig!
      sunshine29w> männer sind schweine.
      zauberfee_27> na ja, vielleicht nicht alle, sunnymaus ;-)
      sunshine29w> vielleicht sollte ich besser schluß machen.
      zauberfee_27> und zu deiner freundin ziehen?

      »Da haben wir’s! Also doch! Das darf ja wohl nicht wahr sein!«
      sunshine29w> ja. ist wohl das beste.
      zauberfee_27> ich wünsch dir auf jeden fall alles liebe, sunnylein. du tust bestimmt das richtige.

      »Blöde Kuh! Laß Sunnylein mal nach Hause kommen! Dann kriegt Sunnylein aber ´was zu hören, das glaub’ mal!«
      sunshine29w> okay, ich muß dann mal wieder. danke, daß du zeit für mich hattest.
      zauberfee_27> ach kleines, kannst immer mit mir reden, weißt du doch ;-) und du hast ja auch meine email-addy. meld dich mal, ja?
      sunshine29w> ja, mach ich. bis dann.
      zauberfee_27> ich knuddel dich mal ... byeiiiiiiiiiiiiiii

      Herbert war wie vor den Kopf geschlagen. Schlimm genug, daß Ingrid hinter seinem Rücken mit irgendwelchen Unbekannten über ihr Intimleben plauderte, aber was er gerade hatte erfahren müssen, schlug dem Faß den Boden aus. Seine Ingrid – eine Lesbe! Nicht zu fassen! Und sie trieb es mit einer anderen! Er mußte schlucken. Wieso um alles in der Welt hatte er denn nichts bemerkt? In einer Stunde würde Ingrid von der Arbeit nach Hause kommen, dann würde er sie zur Rede stellen!
      Ingrid kam etwas später als erwartet. Sie war noch beim Arzt gewesen, um absolut sicher zu gehen. Bereits am Eingang empfing sie ein völlig aufgebrachter Herbert, der sie mit wilden Beschuldigungen und Vorwürfen nur so bombardierte. Ihre Beteuerungen, daß man zum Beispiel mit schwulen Männern wie ‚zauberfee_27’, der mit richtigem Namen Jochen hieße, wirklich gut reden könne, hielt er für Ausflüchte, und in seiner Beharrlichkeit hätte er die eigentliche Neuigkeit, die Ingrid schließlich unter Tränen verkündete, beinahe überhört. Das Testergebnis war positiv. Sie war bereits im zweiten Monat schwanger.


__________________
Ich hatte eine Lösung gefunden, nur passte sie nicht zum Problem.

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willow
Guest
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Huhu Vicky,

welch gelungene Ueberraschung, damit hatte ich dann doch nicht gerechnet. Obwohl mir ein wenig die Vorgeschichte dazu fehlt. Du bereitest die Pointe nicht vor, was die Ueberraschung verstaerkt, gleichzeitig aber auch ein wenig unglaubwuerdig macht. So wirkt die Geschichte konstruiert, weil irgendwie Teile fehlen, die vor allem Herbert besser charakterisieren sollten und seine Erwartung an die Ehe mit Ingrid.
Naja... nicht, dass mir irgendwas dazu einfiele...

Einen lieben Gruss vom Strand, an den ich jetzt wieder zurueckgehe,

will

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Renee Hawk
???
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Hallo Visco,

das ist eine wirklich wunderbare Geschichte. Ich grins immer noch vor mich hin.

liebe Grüße
Reneè

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flammarion
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hallo,

ich finde die geschichte echt super. aber es ist nicht nur für männer typisch, vor lauter eifersucht in die falsche richtung zu denken. ganz lieb grüßt
__________________
Old Icke

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ElsaLaska
Guest
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Hallo visco,

der Schluß kommt ein wenig übereilt, wie ich finde, aber die Geschichte hat mir dennoch gut gefallen.

Der Einstieg ist allerdings in meinen Augen nicht glaubwürdig:
sunshine29w> hi zauberfee! magst du reden?
zauberfee_27> huhu sunny :-)))))))) da bist du ja wieder! hab dich schon vermißt!

Sunshine ist ja in dem Fall der Herbert, nicht? Wenn er wirklich per Cookie unfreiwillig in diesem Chat gelandet wäre (geht das denn?), hätte doch sicherlich Zauberfee IHN ZUERST angesprochen und gefragt, wie es sunny geht etc. Er hätte doch dann zunächst einfach nur reagiert, und nicht gleich zauberfee angehauen, ob sie reden möchte, jedenfalls erschiene mir das logischer.

Lieben Gruß
Elsa

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visco
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Hallo, ihr Lieben!

Ich danke euch sehr für eure Antworten! :-)

@will: ich wollte die Geschichte so kurz wie möglich halten, und mir scheint, als wäre Dir die Pointe auch ohne Vorgeschichte nicht verborgen geblieben ;-)
Und wieso unglaubwürdig?
      a) zu Ingrid: Die Teilnehmerzahl sogenannter Online-Communities für das Schließen von Online-Bekanntschaften ist gewaltig und wächst mit rasantem Tempo weiter an. Ingrids Online-Bekanntschaft ist ein homosexueller Mann mit leicht femininem Touch (wie sich hoffentlich Nickname und Ausdrucksweise entnehmen lassen). Plausibel wäre, daß sie - wie übrigens viele andere Frauen auch - schwule Männer als Gesprächspartner zu schätzen gelernt hat. Und wo läßt sich leichter ein entsprechender Gesprächspartner finden als in einer Online-Community?
      b) zu Herbert: Zuerst ist Herbert nur neugierig. Als er sich dann aber von Ingrid hintergangen glaubt, läßt er sich zu vorschnellen Schlüssen verleiten. flammarion hat mit 'Eifersucht' eine plausible (und wohl die wahrscheinlichste) Erklärung dafür genannt. Muß man über Herbert wirklich mehr wissen?

@Reneè: es freut mich, daß die Geschichte bei Dir genau das ausgelöst hat, was ich damit bezwecken wollte :-)

@flammarion: schön, daß Dir die Geschichte so gut gefällt :-) Und ich stimme Dir zu; von Eifersucht sind ganz sicher nicht nur Männer betroffen, und wen es erwischt, bei dem setzt bekanntlich nicht selten der Verstand aus.

Liebe Grüße euch Dreien,
      Viktoria

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visco
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Hallo Elsa!

Vielen Dank für Deine Antwort (die Du eingestellt haben mußt, als ich gerade offline an meiner an willow, Reneè und flammarion saß;-)!

willow hat Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Pointe und Du am Einstieg der Geschichte. Ich kann das zwar offen gestanden nicht nachvollziehen, aber okay, ich werde versuchen, diese Zweifel auszuräumen. Gelingt mir das nicht, taugt die Geschichte in dieser Form natürlich nichts und muß entsprechend überarbeitet werden.

      Nein, Herbert ist nicht unfreiwillig in dem Chat gelandet. Er surft im Internet, und im Verlaufsordner des Browsers ist eine Webadresse aufgeführt, die er nicht kennt. Seine Frau, Ingrid, und er surfen mit demselben Computer, und so wird wohl Ingrid diese Seite besucht haben. Aus Neugierde wählt er die Adresse an und landet im Chatraum für Schwule und Lesben irgendeiner Online-Community. Mittels des auf der Festplatte von Herberts und Ingrids Computer gespeicherten Cookies wird der Teilnehmer als "sunshine29w" identifiziert. Üblicherweise muß man für den Zugang ein Kennwort eingeben. Da Herbert keines einzugeben braucht, könnte Ingrid eine Funktion des Betriebssystems verwendet haben, bei der Kennwörter auf dem Computer gespeichert und der Einfachheit halber später automatisch eingesetzt werden.

      Da sich "zauberfee_27" bereits im Chat aufhält, ist wohl plausibel, daß er sich bereits mit jemandem dort unterhält. Es ist durchaus denkbar, daß "zauberfee_27" früher oder später "sunshine29w" angesprochen hätte, aber Herbert kommt ihm eben einfach zuvor. Ich weiß nicht, was daran unlogisch oder unglaubwürdig sein soll. Herbert hat ja bemerkt, unter welchem Nicknamen er dort geführt wird, und vielleicht wollte er sich einfach nur einen Spaß erlauben. Es ist ein dummer Zufall, daß er ausgerechnet Ingrids Gesprächspartner (durch Anklicken des untersten Eintrags in der Liste) zum Chat einlädt. Er benutzt eine durchaus typische Begrüßung und fragt seinen Gegenüber (den er für eine Frau hält) verkürzt, ob er Lust hat, sich mit ihm zu unterhalten. Seine Art, jemand Unbekanntes im Chat anzusprechen, ist nicht gerade ungewöhnlich.
      Für den Plot spielt es aber eigentlich gar keine Rolle, wer wen zuerst anspricht. Herberts sehr schnelles Anklicken eines der Namen ist allerdings eine Parallele zu seinen später voreiligen Schlüssen (er hätte ja auch erst eine Zeit lang die Dialoge der Chatter verfolgen können).

      Der Einstieg in die Geschichte ist bewußt gewählt, um den Leser neugierig zu machen. "sunshine29w" impliziert eine 29jährige, weibliche Chatterin, aber ein Mann namens Herbert erschrickt. Mit der hoffentlich aufkommenden Frage, weshalb sich dieser Herbert wohl als Frau ausgibt, und wieso er mit der Reaktion seines Gesprächspartners nicht gerechnet hat, will ich einen Anreiz zum Weiterlesen bieten.
       Die Aufklärung folgt auf dem Fuße, und ab da versuche ich den Leser mit einem vermeintlichen Geheimnis zwischen "zauberfee_27" und Herberts Frau, Ingrid, bei der Stange zu halten. Ich gehe davon aus, der Leser hofft, daß dieses Geheimnis gelüftet wird.

      Das Ende der Geschichte - das Dir etwas übereilt vorkommt - bringt dann die (hoffentlich ersehnte) Auflösung in Form einer unerwarteten Wendung. Wer am Ende überrascht ist, der ist mir auf den Leim gegangen und hat sich von Herberts voreiligen Schlüssen mitreißen lassen ;-) Genau das wollte ich erreichen.
      Oder meinst Du, ich sollte den Leser lieber etwas länger zappeln lassen? Würde das die Wirkung verstärken?
       Oder fehlen Deiner Meinung nach wichtige Informationen für das Verständnis des Texts?

Liebe Grüße,
      Viktoria

__________________
Ich hatte eine Lösung gefunden, nur passte sie nicht zum Problem.

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