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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Was ist Liebe?
Eingestellt am 03. 05. 2002 18:28


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Morrigan
Festzeitungsschreiber
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Hallihallo Ihrs!
Ich habe vor eine Kurzgeschichtenreihe zu schreiben, die sich mit verschiedenen Auschnitten aus dem normalen, oder nicht so normalen Liebesleben besch├Ąftigen. Liebe, L├╝ge, Eifersucht - so ungef├Ąhr - unter dem Obertitel "Was ist Liebe?". Hier ist also das erste Kapitel. Bitte um Stellungnahmen!
Liebe Gr├╝├če Morrigan

Anna Karenina

Das kleine, zerknitterte Papier war schon grau vom kalten Schwei├č ihrer Handfl├Ąchen, die ohnehin undeutliche Bleistiftschrift kaum noch zu erkennen. Nur noch vereinzelt fielen indessen kleine Tropfen von ihrem Kinn herunter und vereinigten sich mit dem Rinnsal in den Falten ihres dunkelblauen Kleides. Samt, nur f├╝r ihn. Resignation, Aufgabe, Hoffnungslosigkeit - alles zugleich.
Mit einer vielge├╝bten, fahrigen Bewegung fuhr sie von ihrem Stuhl auf und wanderte in ihrer freudlosen, grauen K├╝che auf und ab. Selbst der Himmel verdunkelt sich in Trauer!, dachte sie, doch viel wahrscheinlicher verdunkelte er sich im Zorn. W├╝tend kn├╝llte sie den Zettel in ihrer Hand zusammen, bis ihre Fingern├Ągel in ihre Handfl├Ąchen schnitten. Manik├╝re, nur f├╝r ihn. Wut, Entt├Ąuschung, Unglauben - alles zugleich.
Was konnte er ihr schlimmeres antun, als diesen nichtssagenden Zettel? Dieses verfluchte St├╝ck Papier! Ich werde fahren . . . wie einfach ihm das gefallen war! Wie einfach er sie hinter sich lie├č, wie man ein abgetragenes Kleid wegwirft! Unsere Situation ist unertr├Ąglich . . . unsere Situation?
Was wu├čte er schon, ├╝ber ihre Situation? Ich habe alles aufgegeben f├╝r dich, du elender Feigling! Meine Familie, mein Zuhause, selbst meinen Sohn . . . der Gedanke schnitt, wie ein Messer in ihr Herz und der alte Stuhl in der winzigen Wohnung knarrte ergeben, als sie sich wieder darauf fallen lie├č. Ihre zitternde Hand fuhr durch ihr Haar. Locken, nur f├╝r ihn. Ausweglosigkeit, Schmerz, Trauer - alles zugleich.
Sie hatte alles aufgegeben, an jenem Tag, als sie seinem nachdr├╝cklichen Blicken, seinen fordernden Gesten, seinen ungeduldigeren Argumenten endlich nachgab. Als sie ihre Ehe verriet, ihr Kind zur├╝cklie├č und ihm folgte, ihm folgen wollte . . . wohin auch immer! Au├čer seiner Liebe war ihr nichts geblieben. Er war ihre letzte Rettung und er wu├čte es! Und dennoch dieser nichtssagende Zettel! Ein armseliges St├╝ck Papier, ohne W├Ąrme, ohne Trost, ohne Hoffnung! Ich werde fahren . . . fliehen, das wollte er! Fliehen vor seiner, vor ihrer gemeinsamen Schuld! Vor ihrer Abh├Ąngigkeit von ihm, vor ihrer Liebe, die er nicht mehr brauchte! Die Tr├Ąnen begannen wieder zu flie├čen und hinterlie├čen neue Spuren in ihrem Gesicht. Rouge, nur f├╝r ihn. Verrat, Schuld, Abscheu - alles zugleich.
Sie hatte ihn nicht einengen wollen, doch er war der einzige Mensch, der ihr noch geblieben war und so klammerte sie sich an ihre Liebe, an ihr Gl├╝ck, an ihr Beisammensein. Sie liebte ihn mit ihrer ganzen Seele, seine Besonderheiten, seine Fehler, seine Vollkommenheit. Doch er? Er hatte sie auch geliebt, dessen war sie sich sicher. Selbst jetzt brachte sie es nicht ├╝ber sich etwas anderes zu denken! Er hatte sie mit diesem Feuer in den Augen angesehen und seine Ber├╝hrungen hatten sie tief gebrandmarkt. Und irgendwann . . . und irgendwann war der Funke erloschen und die Leere, die ihm folgte, lie├č sie beide zu Eis erstarren. . . Aber ich h├Ątte uns retten k├Ânnen!, dachte sie verzweifelt. Sie ertrug es nicht etwas anderes zu denken! Noch heute h├Ątte sie alles retten k├Ânnen!
Wutentbrannt fegte sie das billige Porzellan vom Tisch. Kerzenlicht, nur f├╝r ihn. Zerrissenheit, Rettungslosigkeit, Verzweiflung - alles zugleich.
Doch statt dessen kam nur dieser Zettel und brachte den Tod auf ihre Schwelle. Wieder verschwand das kleine Papier in ihrer verkrampften Hand. Er war alles, was ihr geblieben war, ohne ihn besa├č sie nichts mehr . . .
Drau├čen fuhr ein Auto vor und hielt mit quietschenden Bremsen vor ihrem Haus. M├Ąnnerschuhe klackten auf dem Asphalt und bewegen sich auf ihre Haust├╝r zu. Aufatmend erhob sie sich von ihrem Stuhl und warf einen nachdenklichen Blick auf die gro├če T├╝r im Dunkel des engen Flurs. Dann ging sie langsam und ruhig zum Fenster her├╝ber, ├Âffnete beide Fl├╝gel weit, sog begierig die Luft ein, die ihre Tr├Ąnen trocknete, steig vorsichtig auf die Fensterbank und blickte auf die na├č gl├Ąnzende Stra├če hinunter.

__________________
Semper eadem - Anne Boleyn

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hopeless-1
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*g*

Also, *g* ich habe vor kurzem den Film "Anna Karenina" gesehen. diesen fand ich ja sehr interessant. und deine Kurzgeschichte finde ich auch sehr gelungen. Anna lebte doch vor "ewigkeiten" doch so wie du deine geschichte dargestellt hast, oder so wie ich sie verstanden hab, k├Ânnte sie in jeder Zeit spielen, denn ich glaube dieses "Problem" gibt es auch heute noch. Ich muss sagen, dieses Geschick eine Geschichte Zeitlos zu machen, beeindruckt mich jedesmal aufs neue.
Wie gesagt ich finde deine Geschichte sehr gelungen, obwohl es ja fast eine "Nacherz├Ąhlung" ist.
Vielleicht als kleine Anregung, schreibe doch etwas, was 100% von dir stammt, die Idee, deine Meinung, deine dazu passenden Gef├╝hle.
Bis denne

Gru├č Hopeless-1

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Morrigan
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Hi Hopeless.

Danke erstmal f├╝r dein Lob. Nat├╝rlich hast du recht und die Thematik ist der von Anna Karenina sehr ├Ąhnlich (bis auf das Verhalten des Mannes - im Buch verl├Ą├čt nicht er sie, sondern sie ihn) - daher tr├Ągt das Kapitel ja auch ihren Namen - andererseits ist das durchaus so gedacht. Ich will diese kurzen Ausschnitte aus dem Beziehungsleben m├Âglichst allgemein halten, damit sie auf jede Zeit, auf jede Beziehung passen k├Ânnten (Anna Karenina spielt ├╝brigens am Anfang des 20.Jhr.- also so lange auch wieder nicht her). daher gibt es auch keine Personenbeschreibungen, keine Namen ect. EIn anderes Kapitel hei├čt z.B. "Helena" und besch├Ąftigt sich mit der blinden Liebe der Helena aus dem Sommernachtstraum zu einem gleichg├╝ltigen Mann. Es geht also um die historischen Vorbilder und darum zu zeigen, das solche Situationen auch heute noch vorkommen und jeden treffen k├Ânnen.
Aber ich werde trotzdem ├╝ber deinen Vorschlag nachdenken - allerdings bin ich noch nie verlassen worden, habe also wenig eigene Erfahrung;-)

Liebe Gr├╝├če Morrigan
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hopeless-1
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├Ąh ............... ja *gg*

noch son bissel hintergrundwissen aufm freitag abend zu bekommen *g* recht nett *lach*
├Ąhm, ja das mit Anna kann schon stimmen, so aufmerksam hab ich den film auch net geschaut (unsere lehrerin hat die ganze zeit dazwischen gequatscht)
aber was ich eigentlich sagen wollte. man kann auch geschichten schreiben, ohne das man je verlassen worden ist. es gibt viel themen, muss ja nicht immer mit beziehung und so zu tun haben.
probiers mal aus, wenn dir danach ist. *ermuntern tu*

Gru├č Hopeless-1

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