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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Was ist Liebe - Teil 2
Eingestellt am 04. 05. 2002 20:37


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Morrigan
Festzeitungsschreiber
Registriert: Apr 2002

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Hallo Ihrs!

Inzwischen ist aus der einen Kurzgeschichte - siehe weiter unten - wirklich schon eine ganze Reihe geworden und einige Kapitel m├Âchte ich euch nicht vorenthalten und erwarte gespannt eure Kommentare, Kritiken und Verbesserungsvorschl├Ąge!

Liebe Gr├╝├če Morrigan

Worte sagen mehr . . .

Der Wecker klingelte jetzt schon eine geraume Weile und schlie├člich schaffte sie es sich herumzuwuchten und nach dem Abschaltknopf zu tasten. Ihr Kopf machte Anstalten gen Decke zu entschwinden. Was hatte sie gestern Abend nur angestellt? Ach ja richtig! Gepflegtes Bes├Ąufnis mit ihren Freunden zur Feier ihres dritten Jahrestages.
„Herzlichen Gl├╝ckwunsch!“ murmelte sie und hauchte einen Ku├č auf sein Bild neben ihrem Bett.
Dann setzte sie sich versuchsweise auf, um zu sehen, ob das Zimmer vielleicht aufh├Âren w├╝rde sich zu drehen, wenn sie es nur lange genug b├Âse anstarrte. Mit einem verhaltenen St├Âhnen strich sie sich die Haare aus der Stirn und warf dann noch einen Blick auf die Uhr, um zu sehen, ob sie diesmal die Zahlen w├╝rde erkennen k├Ânnen. Halb zw├Âlf! Oh Jesus, der Postbote war sicher schon lange da gewesen! Ohne auf ihre Puddingknie zu achten, ri├č sie ihren Bademantel vom Kleiderhaken, fischte im Vorbeilaufen, den immer griffbereit liegenden Briefkastenschl├╝ssel von der Kommode und huschte den Hausflur hinunter. Sollte die bl├Âde Schnepfe von Nebenan doch denken, was sie wollte! Kaum hatte sie den kleinen Schl├╝ssel herumgedreht, fiel ihr auch schon eine wahre Flut von Post entgegen, doch sie sah die Werbung, die Rechnungen und Urlaubspostkarten gar nicht, sondern hatte nur Augen f├╝r einen reichlich mitgenommenen DinA5 Umschlag, der mit einer recht alten Schreibmaschine mit abgebrochenem E beschriftet war. Vorsichtig und genu├čvoll ├Âffnete sie das kleine P├Ąckchen und zog zuallererst seinen Brief heraus. Sie wollte gar nicht wissen, was er ihr schenken w├╝rde, bevor sie nicht erfahren hatte, wann er nach Hause kam!
‘ Hallo mein kleiner Sonnenschein!
Na wie geht es bei euch? Lebt mein Kanarienvogel noch? Wenn nicht kauf blo├č keinen neuen, das merke ich sofort! Wie ich dir schon am Telefon erz├Ąhlt habe, h├Ąlt sie Regenzeit hier weiter an und ich vermisse dich jeden Tag mehr! Unsere Arbeit hier kommt ganz gut voran, auch wenn einige Eingeborenen wirklich zu absonderliche Vorstellungen haben! Erst gestern kam ein unserer Jungen, und erz├Ąhlte uns mit einer Unschuldsmiene, das eines unserer besten Mikroskope in einen Teich gefallen sei. Er meinte er h├Ątte entweder seine Ziege, oder unsere Ausr├╝stung retten k├Ânnen, und erwartete noch, das wir stolz auf ihn sein sollten, wie er die Ziege gerettet hat, weil sie mehr Fleisch einbringt. Du siehst also wir haben es nicht leicht. . .
Aber da f├Ąllt mir ein, ich habe dir ja noch gar nicht zu unserem Jahrestag gratuliert! Aber ich habe dir ein kleines Geschenk besorgt und hoffe, das es dir gef├Ąllt. Wenn meine Berechnungen richtig sind, dann m├╝├čte dieser Brief dich etwa zur richtigen Zeit erreichen - du wei├čt ja, diese Mulis sind einfach unberechenbar!
Gestern ist ein ganzer Schwarm von bunten Papageien ├╝ber unser Camp weggeflogen, und dabei mu├čte ich pl├Âtzlich an dich denken. An diesem Abend wollte ich dir ganz viel schreiben, habe mich dann aber doch nicht getraut. Es w├Ąre nur Pornographisches dabei herausgekommen und, wie du schon bemerkt hast, m├Âchte ich auch nicht wissen, wer unsere Briefe liest, bevor wir sie endlich bekommen!
Wie war eigentlich deine Jahrestagsparty? Gepflegtes Bes├Ąufnis, nehme ich an? Es tut mir so leid, das ich nicht bei euch sein konnte, aber sp├Ątestens in zwei Monaten komme ich nach Hause - versprochen diesmal und niemals gebrochen!
Ich denke an dich jeden Tag und ich liebe dich! Immer!’
Mit einem seligen Seufzten lie├č sie sich gegen die kalte, graugelbe Wand sinken und schlo├č die Augen. In zwei Monaten! Er dachte an sie und er liebte sie!
„Ich liebe dich auch, du dummer Tr├Ąumer, du! Sogar immer, wenn du unbedingt willst!“ sagte sie laut, bevor sie ihren Morgenmantel zusammenraffte und die Treppe hinaufstieg. Sie brauchte jetzt erst einmal einen Kaffee!
Everything changes?

Das Telefon ri├č sie aus einer beschaulichen Sonntagnachmittagsruhe und verlange energisch und bestimmt das sie aufstand und den H├Ârer abnahm. Eine Aufforderung, der sie nur mit gro├čem Bedauern nachkam.
„Ja hallo?“
„Hi Liebes, ich bin’s!“
„Oh Hi! Na wie geht’s dir?“
„Ganz toll, stell dir vor er kommt mich heute Nachmittag besuchen!“
„Er?“
„Na du wei├čt schon!“
„Ach er! Sag mal, seid ihr inzwischen nicht schon ├╝ber zwei Monate auseinander?“
„Na und? Trotzdem kommt er mich besuchen! Ich kann es gar nicht abwarten! Was meinst du, was soll ich anziehen?“
„Ist das nicht egal? Wenn ich dir glauben darf, hattest du doch genug von seiner Kleinlichkeit. Dann mu├čt du ihm doch nicht gefallen, oder?“
„Ach du! Nat├╝rlich mu├č ich so gut aussehen, wie ich nur kann! Schon allein, damit er erkennt, was er alles aufgegeben hat!“
„├ähm du hast aber ihn doch verlassen, oder?“
„Na und? H├Ątte er sich mehr um mich bem├╝ht, dann w├Ąre es gar nicht erst dazu gekommen!“
„Und was versprichst du dir davon, das er heute zu dir kommt? Willst du wieder mit ihm zusammen kommen, oder was . . .?“
„Ach was, Quatsch! Ich bin doch im Moment viel zu gl├╝cklich mit meinem Singledasein! Aber ein bi├čchen ├Ąrgern, will ich ihn schon!“
„Und warum glaubst du, da├č er sich ├Ąrgert, blo├č weil du dich aufdonnerst?“
„Na weil er mich immer noch liebt, ist doch klar.“
„Klar. Wie konnte ich das nur vergessen? Und was wollt ihr tun?“
„Also, ich dachte an ein kleines Candle-Light Dinner und ein bi├čchen ged├Ąmpfte Musik . . .und dann . . . mal sehen.“
„Aber du bist sicher, das du nichts mehr von ihm willst?“
„Wer behauptet denn das? Nat├╝rlich will ich noch was von ihm!“
„Ja aber hast du nicht eben . . .“
„Ich will keine Beziehung mehr mit ihm . . . zumindest nicht gleich. Aber ein bi├čchen Sex ist doch v├Âllig in Ordnung, oder nicht?“
„Na wenn du meinst. Also wenn’s darum geht, dann w├╝rde ich den roten Lackmini vorschlagen.“
„Ach du bist schon lustig! Dann w├╝├čte er doch sofort was Sache ist!“
„Ach so, das soll er nicht wissen?“
„Nat├╝rlich nicht sofort! Er w├╝rde ja denken, da├č ich auf ihn angewiesen bin und das bin ich schlie├člich nicht!“
„Ach so. Na dann. Das kleine Schwarze?“
„Genau was ich mir gedacht habe! Du bist wirklich genial!“
„Danke, gern geschehen.“
„Also ich mu├č mich jetzt beeilen! Ich mu├č ja noch unter die Dusche und mich anziehen und schminken! Du wei├čt ja, wie das ist! Ciao Bella!“
Damit wurde der H├Ârer wieder auf die Gabel geworfen und sie kehrte mit einem tiefen Seufzten zu ihrer gem├╝tlichen Couch zur├╝ck.
„Weiber! Einfach nicht zu verstehen!“ dachte sie noch, bevor sie sich wieder ihrem Roman widmete.
Schneewei├čchen und Rosenrot

„Guten Morgen! Hast du gut geschlafen?“
Eine weiche Hand schob sich unter ihren Nacken und sie l├Ąchelte vertr├Ąumt.
„Mm wie k├Ânnte ich neben einer solchen G├Âttin wohl schlecht schlafen? Das w├Ąre doch Blasphemie, denkst du nicht auch?“
Ihre Freundin reckte sich gen├╝├člich und lachte befreit auf.
„Oh welch Kompliment am fr├╝hen Morgen! Darf ich es Euch wiedersagen, edle Nymphe?“
„Hm mir w├╝rde es im Moment schon helfen, wenn du mir sagen k├Ânntest, wo ich meinen BH hingeschmissen habe.“
„Vielleicht in der Glut der Ekstase aus dem Fenster? Komm, ich leihe dir einen von meinen.“
„Haha da passe ich zweimal rein! Au├čerdem trage ich keine rote Unterw├Ąsche!“
Ihr Gegen├╝ber beugte sich lachend zur├╝ck und zog ein schlichtes wei├čes W├Ąschest├╝ck unter dem Bett hervor.
„Ach sieh mal, das Wei├č der Unschuld! Du kleine Pietistin! Da fang!“
Mit einem erschreckten Quietschen reckte sie sich nach der vor├╝berfliegenden Unterw├Ąsche und konnte gerade noch verhindern, das sie aus dem Bett kugelte.
„Du solltest dich etwas mit dem Anziehen beeilen. Die erste Vorlesung ist um elf und wir m├╝ssen vorher noch was f├╝rs Mittagessen einkaufen.“
Mit zerzauster M├Ąhne und erstauntem Blick tauchte sie wieder aus den Decken auf, unter denen sie ihre Kleider vermutete.
„Ich dachte wir sind heute bei deinen Eltern zum Essen eingeladen?“
Das Gesicht ihrer Freundin war ein zerknirschtes Bild der Scham.
„Ach wei├čt du, ich habe gesagt wir kommen doch nicht.“
Sie stemmte energisch die H├Ąnde in die H├╝ften und ihr Blick wurde streng.
„Und warum nicht?“
Hilfloses Schulterzucken.
„Du wei├čt wie es ist! Ich wollte uns das ersparen! Immer diese Vortr├Ąge, ‘Wie wollt ihr jemals Kinder haben?’, ‘Habt ihr schon ├╝ber eine Altersvorsorge nachgedacht?’, ‘Wie wollt ihr eure Geldangelegenheiten regeln? Wenn nun einer von euch was zust├Â├čt!“
Ihre Arme fielen herab und sie resignierte.
„Aber du kannst deinen Eltern nicht ewig aus dem Weg gehen, deswegen.“
Ein entschuldigendes L├Ącheln.
„Es ist ja nicht f├╝r immer. Nur f├╝r heute.“
Sie sch├╝ttelte stumm den Kopf. Dann straffte sie die Schultern und versuchte ihrer Stimme einen ├╝berzeugenden Klang zu geben.
„Au├čerdem haben sie recht! Ich finde es ist h├Âchste Zeit, das wir ├╝ber diese Dinge nachdenken. Wir sollten mal bei einem Anwalt einen Termin machen . . . und am besten noch bei deiner Bank.“
Ihre Freundin wich ihrem Blick aus.
„Mu├č das wirklich sein? Du wei├čt doch, diese ganzen Leute . . .?“
„Sch├Ąmst du dich f├╝r mich?“
„Nein, das wei├čt du doch, aber . . .“
„Na also. Ich mache heute die Termine. Nun komm schon sein kein Frosch, man wird uns schon nicht gleich fressen!“
Zaghaftes L├Ącheln.
„Und was ist nun mit den Enkeln, die meine Mutter sich w├╝nscht?“
„Hey es gibt doch auch Patrick Lindner. Und wenn es gar nicht anders geht, dann heirate ich dich eben!“
Sie duckte sich schnell, als ein Kissengescho├č ├╝ber ihrem Kopf gegen die Wand flog.
Just married

Das H├Ąmmern und Bohren hielt nun schon den ganzen Tag an und langsam begann sie sich zu fragen, ob es wirklich eine gute Idee gewesen war vor dem Priester mit Ja zu antworten.
„Liebling gibst du mir mal den achtzehnter Schraubenschl├╝ssel?“
Ergeben erhob sie sich von dem improvisierten Stuhl in ihrer improvisierten K├╝che und brachte ihrem wohl auch etwas improvisierten Heimwerkerk├Ânig das verlangte Werkzeug, oder doch das was sie daf├╝r hielt.
„Nein das ist der Sechzehnter! Der Achtzehner mu├č irgendwo im Waschbecken liegen, oder vielleicht auch bei dem gro├čen Blumentopf.“
Sie fand den gesuchten Gegenstand schlie├člich im gro├čen Blumentopf unter einer Schicht Substral-Blumenerde. So hatte sie sich ihren Honigmond nun wirklich nicht vorgestellt! Schlie├člich ging von diesem Wort eine ungeheure Romantik aus. Der erste Monat einer Ehe . . . voller Liebe, Leidenschaft und gl├╝henden Liebesschw├╝ren! Ja denkste! Statt dessen gab es Baustellenidylle in den eigenen vier W├Ąnden, ohne Kontakt zur Au├čenwelt und das einzige was ├╝berhaupt gl├╝hte war der Aufsatz des Akkubohrers.
Als sie mit ihrem Verlobten beschlossen hatte die Flitterwochen Zuhause zu verbringen, um ihre neue Wohnung einzurichten, da hatte das alles noch ganz anders ausgesehen. Sie erinnerte sich noch gut wie aufgeregt sie gewesen war, wenn sie sich Stoffmuster ansah, oder M├Âbel aussuchte. Nun immerhin hatte sie keinen Mann geheiratet, der jeden Pfennig dreimal umdrehte. Das Beste sollte gerade gut genug sein - nun ja zumindest so gut, wie eine b├╝rgerliche Mittelkllasse-Eigentumswohnung nun einmal sein konnte. Aber die hatte schon damit gerechnet, das er zumindest in den ersten Tagen nur Augen f├╝r sie haben w├╝rde. Sie wollte bewundert werden, wollte sp├╝ren, das sie nicht ganz umsonst geheiratet hatte und das sich im Vergleich zu ihrem bisherigen Leben etwas grundlegendes ge├Ąndert hatte. Aber OBI und IKEA machten ihr einen Strich durch die Rechnung. Ihr lieber Ehegatte war viel zu arbeitseifrig und zu ungeduldig, um sich mit so etwas nebens├Ąchlichem, wie Liebe abzugeben, wenn im Nebenzimmer seine Heimwerkerausr├╝stung darauf wartete aus der Plastikfolie ausgewickelt zu werden.
„Geh doch ein wenig zu den Nachbarn! Mach dich ein wenig mit ihnen bekannt!“ hatte er ihr vorgeschlagen, als sie sich ├╝ber seine st├Ąndige Arbeit und L├Ąrmbel├Ąstigung beschwert hatte. Ausgerechnet! Dabei hatte sie darauf gehofft den Nachbarn in den ersten Wochen ihrer Ehe ├╝berhaupt nicht zu begegnen, weil seine feurige Leidenschaft sie gar nicht dazu kommen lassen w├╝rde, die Wohnung zu verlassen. Und wenn sie ├╝berhaupt etwas mit den Nachbarinnen zu tun haben wollte, dann sollten es gef├Ąlligst neidische Blicke sein, wenn sie nach einer Nacht voller lautstarkem, ungez├╝geltem Sex mit bescheuertem Grinsen an ihnen vorbeihumpelte, um neue Kondome einzukaufen, oder so etwas.
„Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt!“ dachte sie ergeben und plante im Stillen eine riesige Schokoladenorgie.
„Liebling komm schnell, ich mu├č dir unbedingt etwas zeigen!“ rief sie ihr G├Âttergatte und st├╝rzte auch schon pers├Ânlich ins Zimmer.
„Was’n los?“ murmelte sie gelangweilt, lie├č sich aber doch mitziehen.
„Hier sie nur!“ rief er begeistert und zeigte auf die fertig gestrichenen wei├čen W├Ąnde des Schlafzimmers, die jetzt von unz├Ąhligen winzigen Deckenl├Ąmpchen angestrahlt wurden.
„Und?“
„Ich habe mir gerade gedacht, da├č ich ein riesiges Portr├Ąt von dir malen lasse und das h├Ąngen wir dann genau ├╝ber das Bett! Wenn dann n├Ąmlich hier der gro├če Spiegelschrank steht, dann kann ich dich immer ansehen!“
Ger├╝hrt und ├╝berrascht bot sie ihre zitternden Lippen seinem fordernden Mund dar. Es war doch kein Fehler gewesen Ja zu sagen!

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Semper eadem - Anne Boleyn

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