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Leselupe.de > Anonymus
Was lebendig bleibt
Eingestellt am 02. 11. 2009 13:58


Autor
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Anonymous
Unbekannter Verfasser
Registriert: irgendwann

Der Mensch stirbt nicht vom Brot allein,
es bringt ihn wohl auch schlechte
Literatur ins Grab hinein,
selbst wenn er das nicht m├Âchte.

Manch dummes Buch wirkt sonderbar:
man f├╝hlt sich unterhalten
und l├Ąchelt. Denkt, man denke klar.
Und sp├╝rt nicht das Erkalten.

Und schw├Ącht der Mist auf Dauer gut,
gibtÔÇÖs irgendwann Kadaver,
der ÔÇô hohl, dumm, tot ÔÇô auf ewig ruht.
Lebendig bleibt: Palaver.


Version vom 02. 11. 2009 13:58

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sekers
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wer nie sein Brot mit Tr├Ąnen a├č

Hallo A.,

ich glaube dem Text, vorgebend ein Gedicht zu sein, liegt eine lustige und richtige Idee zu Grunde, er ist aber meines Erachtens so, wie er da steht, schlicht schlecht.

und ich schreibe, was ich schreiben werde nicht, um mich wichtig zu machen. oder Dich schlecht. sondern um zu versuchen zu begr├╝nden, warum ich ihn so schlecht finde. haupts├Ąchlich um mein ungutes Gef├╝hl in Worte zu fassen, mir dar├╝ber klarer zu werden. wenn Du etwas anfangen kannst damit, zum Beispiel um den Text zu bearbeiten, ist es gut. wenn nicht, ist es genau so gut.

die erste Zeile erscheint mir nicht kryptisch, wie Du in einem Kommentar schreibst, mehr schon sinnlos. "Brot" ist f├╝r mich zun├Ąchst eine Chiffre f├╝r Lebensnotwendigkeit ("... sich sein Brot verdienen ...", "... altes Brot ist nicht hart, nur kein Brot ist hart ...", "... unser t├Ągliches Brot gib uns heute ..."). Nat├╝rlich kannst Du den Kontext ver├Ąndern, die landl├Ąufige Bedeutung des Begriffs "Brot" umkehren, spiegeln, was auch immer. aber dann erwarte ich, Leser, mir, dass der Text das begr├╝ndet. nur, die Idee Brot als Geschmackverst├Ąrker, kommt in dem ganzen Text nicht mehr vor. daher erscheint mir die erste Zeile einfach nur so daher gesagt zu sein, und in dieser Form erscheint mir Chiffre, wenn ich sie den ├╝berhaupt verstanden h├Ątte, was ich nicht habe, aber jetzt sie akzeptierend, weil Du es ja im Nachhinein erkl├Ąrt hast, beliebig und nichtssagend. Am ehesten, denke ich mir, hat sich A. da verschrieben.

Immer noch Strophe eins, Zeile drei: beim Wort Literatur wird, dem Rhythmus des Texts folgend, das "ter" betont, was nicht stimmig ist. das trifft mich hart. ich liebe Rhythmen, ich mag rhythmische Texte und sp├╝re "Lit├Ąrratur" k├Ârperlich als Schlag. weiters glaube ich, ist es nicht Aufgabe des Lesers, in einem Gedicht die Betonung der Silben so zu verbiegen, dass wieder verst├Ąndliche W├Ârter herauskommen. es ist Aufgabe des Schreibers, W├Ârter so zu w├Ąhlen, dass sie einen durchgehenden Rhythmus ergeben. Ausnahmen sind auch OK und d├╝rfen sein, wenn irgendwie begr├╝ndbar, aber die Ausnahme, die Du Dir heraus nimmst, erscheint mir absolut unstimmig.

In Strophe zwei scheint mir der Ausdruck "dummes Buch" auch ein bisschen zu weit gefasst und nebul├Âs. Kann ein Buch dumm sein? ist es nicht eher sein Inhalt, oder sein Autor, oder die Intention oder ? ich wei├č als Leser nicht was Du meinst. und schon im n├Ąchsten Satz kommt es zum n├Ąchsten Wiederspruch. Jetzt habe ich ein dummes Buch und f├╝hle mich doch unterhalten!und l├Ąchle! ich tue das ├╝blicherweise nicht, kann mich sp├Ątestens hier nicht mehr identifizieren mit dem "man".
und weil also der "man", der f├╝r den Text her h├Ąlt, offensichtlich eh nur so eine Kunstgestalt ist, wundert es mich wenig, dass er das Erkalten nicht sp├╝rt. mehr schon denke ich wieder nach, was mit Erkalten gemeint ist. Liegt er auf dem Bett und hat weder Zudecke noch kann er sich leisten, gen├╝gend zu heizen? oder ist mit Erkalten sterben gemeint? dann ist der Vergleich aber wirklich an den Haaren herbeigezogen, weil bei den vielen "dummen B├╝chern" und schlechten Texten die da angeblich im Umlauf sind: da m├╝sste Lesen als Risikofaktor gelten, wie Formel 1 fahren zum Beispiel oder noch gef├Ąhrlicher.

In Strophe drei machst Du aber ernst, es "gibt ... irgendwann Kadaver". Auch wenn sich Kadaver sehr gut auf Palaver reimt, die Phrase wirkt sehr erzwungen, gibt keinen neuen Sinn und erscheint mir in des Textes Kontext auch sprachlich-stilistisch merkw├╝rdig.

und dass ein Kadaver "hohl, dumm, tot - auf ewig ruht" erscheint mir schon als Steigerung von inhaltsleer:
- dass jetzt auch der Kadaver dumm ist, wie vorher die B├╝cher, kann ich daraus schlie├čen, dass Dummheit infekti├Âs ist und ├╝ber den Tod hinaus anh├Ąlt?
- ich wei├č nicht, ob Du Erfahrung im Umgang mit Kadaver hast, aber soweit ich informiert bin, sind K. nicht hohl.
- und dass ein Kadaver tot ist, muss man meines Erachtens nicht so betonen, wie Du es tust. Diese Tatsache ist dem Wort Kadaver immanent.

womit ich zur letzten Zeile komme, die ich leicht abwandeln m├Âchte: was ├╝brig bleibt ist Palaver.


Liebe Gr├╝├če

G.


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Anonymous
Unbekannter Verfasser
Registriert: irgendwann

Lieber seker,

danke f├╝r Deine M├╝he, einen so langen und gr├╝ndlichen Text hatte ich auf mein kleines Gedichtchen gar nicht erwartet.

Leider kann ich Deinen umfangreichen Bedenken nicht so ganz folgen. Ich glaube schon, dass es ne Menge dumme B├╝cher gibt, die Bestsellerlisten liefern einen Biss-igen Beweis daf├╝r, auch ├╝ber den Morgen hinaus. (Das Adjektiv "dumm", das einen matten Schimmer Restaktivit├Ąt verfunzelt, ist sicher auch durch andere Adjektive wie "flach", "hohl", "substanzlos", "vulg├Ąr", "belanglos", "banal", "├╝berfl├╝ssig" ersetzbar. Auf manche B├╝cher allerdings treffen all diese Adjektive zu.)

Dass die Autoren gleicherma├čen dumm - bzw. flach, hohl etc. - sind, kann, muss aber nicht der Fall sein. Warum sollte nicht ein intelligenter Autor auch dumme B├╝cher schreiben, wenn es denn seinem Kontostand irgendwie dienlich ist?

F├╝r die Verletzung Deines Rhythmusempfindens durch den Gebrauch des Wortes Literatur in Reich-Ranicki-Phonetik m├Âchte ich mich entschuldigen. Tut mir echt leid, aber mir mangelt es gelegentlich an Takt, ich meine nat├╝rlich: an Rhythmusempfinden.

Zu Deinen allgemeinen Verst├Ąndnisschwierigkeiten (Brot als Synonym f├╝r Lebensmittel; der "dumm-hohl-tote" Kadaver etc.) f├Ąllt mir auch nicht soviel ein. Vielleicht nur etwas Grunds├Ątzliches: Was ist Literatur, was produziert ein Dichter? Pessoa schrieb:

"Meinungen haben hei├čt sich an sich selbst verkaufen. Keine Meinungen haben hei├čt existieren. Alle Meinungen haben hei├čt Dichter sein."

Ich sehe diese S├Ątze als ein mildes L├Ącheln zu all jenen hin, die Literatur zu genau und zu ernst nehmen.

L├Ąchelnd

A.

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Open Mike
Guest
Registriert: Not Yet

quote:
Vielleicht nur etwas Grunds├Ątzliches: Was ist Literatur, was produziert ein Dichter? Pessoa schrieb:

"Meinungen haben hei├čt sich an sich selbst verkaufen. Keine Meinungen haben hei├čt existieren. Alle Meinungen haben hei├čt Dichter sein."

Ich sehe diese S├Ątze als ein mildes L├Ącheln zu all jenen hin, die Literatur zu genau und zu ernst nehmen.

L├Ąchelnd

A.
Lesen Sie noch einmal das Fragment unmittelbar davor (Fr. 211) und nachher Ihren eigenes "Gedicht".

om

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Anonymous
Unbekannter Verfasser
Registriert: irgendwann

@sekers

Ja, lieber Sekers, das siehst Du richtig: mein L├Ącheln ist ein schlichtes, ich bin es insgesamt. Darauf bin ich sogar ein wenig stolz.

@open mike

Die Sie-Form hatten wir lange nicht mehr. Ich bin begeistert ob soviel unerwarteter H├Âflichkeit, sehr geehrter Herr om. Leider verstehe ich den Kommentar nicht. Sinn macht er vielleicht im Zusammenhang mit Pessoa. Der schreibt in Fragment 211: Begeisterung ist geschmacklos.

Dem kann ich nur zustimmen. Besonders im Zusammenhang mit der Sie-Form.

LG

A.

Ach ja: der Text ist kein "Gedicht", solch hohe Anma├čung (Begeisterung) sei mir fern. Es handelt sich nur um ein Gedichtchen. Oder nicht mal das. Einverstanden?

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Anonymous
Unbekannter Verfasser
Registriert: irgendwann

Lieber sekers,

Du vergisst etwas sehr Prinzipielles: Alle Schreiberei, ob nun als Literatur oder was auch immer bezeichnet, endet nicht nur in Selbstdarstellung, sie ist es an sich. Das ist eine schlichte Wahrheit, wenn es denn Wahrheiten geben sollte. Schlecht ist das trotzdem nicht. Findet, immer noch l├Ąchelnd,

ein schlichter

A.

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