Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92211
Momentan online:
66 Gäste und 3 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzprosa
Was mich zum Bleiben bewegt
Eingestellt am 07. 10. 2011 10:29


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
Ati
Autorenanw├Ąrter
Registriert: Apr 2010

Werke: 7
Kommentare: 16
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Ati eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Was mich zum Bleiben bewegt?

Ich wei├č nicht, ich habe eigentlich noch nie so wirklich dar├╝ber nachgedacht. Nein, das w├Ąre gelogen. Nat├╝rlich habe ich mich das schon gefragt und war ├╝berrascht von der Vielzahl an Antworten, die mir spontan eingefallen sind.

Da w├Ąre zum Beispiel das Lachen und die Neugier in Kinderaugen, wenn ich in der Stadtb├╝cherei vorlese. Ihre Freude, wenn sie mich sehen. Bedauerlicherweise habe ich keine eigenen Kinder, doch wenn ich also irgendwann nicht mehr bin, wei├č ich wenigstens, dass ihnen die Trauer dar├╝ber erspart bleiben wird und die Kinder in der B├╝cherei werden mich schnell vergessen.

Freunde ÔÇô wobei, viele sind nicht mehr ├╝brig und die wenigen sind weit weg. Es ist lange her, dass mich einer von ihnen in den Arm genommen hat. Wenn ich also irgendwann nicht mehr bin, wird zum einen eventuell sowieso keiner mehr ├╝brig sein und falls doch, wird er es erst viel sp├Ąter mitbekommen, weil ich einfach nicht mehr zu erreichen bin.

Die Familie ÔÇô aber genau genommen haben alle ihr eigenes Leben und eigene Probleme. Wir sehen uns schon lange Zeit kaum noch, nicht nur, weil ein Teil weit entfernt wohnt. Das ist gut so, denn wenn ich also irgendwann nicht mehr bin, wird mich niemand aus der Familie gro├č vermissen, denke ich.
Mein Hund, wer soll sich um ihn k├╝mmern, wenn ich nicht mehr bin ÔÇô allerdings: der Nachbar k├╝mmert sich ja jetzt auch um ihn und da geht es ihm gut. Wenn ich also irgendwann nicht mehr bin, wei├č ich, dass er gut versorgt ist.

Meine ├ärzte, vermutlich werden sie von heute auf morgen arbeitslos, wenn ich nicht mehr in ihre Praxen oder Kliniken komme. Okay, ich gebe es zu, die Pauschalen ihrer Kassenpatienten k├Ânnten sie da durchaus retten. Doch wenn ich also irgendwann nicht mehr bin, k├Ânnen sie sich eindeutig und endlich ausgiebiger mit ihren anderen Patienten befassen.

Liebe ÔÇô Liebe ist etwas wundervolles, ich glaube fest daran, dass es sie gibt. F├╝r jeden von uns. Allerdings ÔÇŽ. habe ich sie je erlebt? Habe ich mich je soweit ├Âffnen k├Ânnen, dass die eine verwandte Seele mich finden konnte? Habe ich je Liebe einfach so annehmen k├Ânnen? Eher nicht, einfach weil ich nicht glauben kann, dass ich sie verdiene. Wenn ich also irgendwann nicht mehr bin, wird es niemandem das Herz brechen, denn ich habe die, die mir ihre Liebe geben wollten so erfolgreich von mir weggesto├čen, dass sie es irgendwann aufgegeben haben, um nicht an mir zugrunde zu gehen.

Wut ÔÇô ich w├╝rde einer bestimmten Person gerne das heimzahlen, was sie mir angetan hat. Ihr Verhalten hat mein Leben f├╝r immer ver├Ąndert. Doch selbst wenn ich meine Rache bekomme, wird wenn ich also irgendwann nicht mehr bin nichts von dem, was passiert ist, ungeschehen sein. Was n├╝tzt also diese Rache?

Meine Arbeit. Ich liebe sie, weil ich wei├č, dass ich anderen damit helfen kann. Ich werde gesch├Ątzt f├╝r das, was ich da mache. Doch wenn ich es recht bedenke, bin ich wie jeder andere beliebig austauschbar. Wenn ich also irgendwann nicht mehr bin, werde ich keine wirkliche L├╝cke hinterlassen.

Oder der n├Ąchste Fr├╝hling ÔÇô ich liebe den Fr├╝hling und habe schon einige wundersch├Âne erlebt, habe Kraft durch die Farben und das Licht gesammelt, aus der Zeit des Erwachens und des Wachstums. Ein wundervolles Geschenk der Natur. Wenn ich aber irgendwann nicht mehr bin, kommt und geht der Fr├╝hling auch so, daf├╝r braucht er mich nicht.

Nat├╝rlich m├Âchte ich, dass mein Leben eine Spur hinterl├Ąsst. Doch wenn ich es mir genau ├╝berlege, lebe ich gar nicht wirklich. Ich existiere schon so lange einfach und umschiffe die Klippen, die das Leben f├╝r mich bereit h├Ąlt lediglich mehr oder weniger erfolgreich, meist mit Hilfe anderer. Wenn ich also irgendwann nicht mehr bin, wird es keine nennenswerte Spur geben, die es sich zu verfolgen lohnt.

Es gibt noch so viele Gr├╝nde mehr zu bleiben, sie aufzuz├Ąhlen, w├╝rde zu lange dauern. Doch wenn ich es mir genau ├╝berlege, sollte man die Frage anders formulieren. Was hindert mich noch am Gehen?

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Zur├╝ck zu:  Kurzprosa Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!