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Leselupe.de > Horror und Psycho
Was verdammt hast du in der letzten Zeit getan?
Eingestellt am 13. 06. 2018 19:55


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Cheunh
Hobbydichter
Registriert: May 2018

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Ich weiß nicht, was den Leuten an mir aufstößt. Ob ich sabbere, oder das ich im Bus stehe, nackt. Oder ist es die halbvergammelte Stange Lauch in meiner Hand? Ich beginne grinsend zu schielen. Ungebremst lasse ich mich zu Boden fallen. Meine Nase beginnt stark zu bluten. Drei Männer braucht es, um mich aus dem Bus zu werfen.
Wie ich der Polizei so manches Mal entwische, ist meine √úberlebenskunst. Meine Luft zum Atmen. Nicht, dass mein Leben sonderlich interessant w√§re, es ist nur ungew√∂hnlicher als ein normales Leben. Wer hat denn sonst schon selbstt√§towierte Beleidigungen auf der Brust? Gerne erz√§hle ich den Menschen Geschichten, die Geschichten meines Lebens. Wie ich meinen Bruder auf eine sexuelle Art liebte und ihn versehentlich im Drogenrausch mit einem gestohlenem Twingo √ľberfuhr. Der Twingo hatte ein sch√∂nes T√ľrkis. Das stach in einem f√∂rmlich in die Augen. Oder wie mich meine Mutter im Kindesalter verpr√ľgelt hatte, weswegen ich heute noch den einen oder anderen Tick habe. Oder den Intimpiercing den ich mir selbst stach und mir schmerzhaft misslang.
Ich kann mich aber auch benehmen. Ich habe viel Geld. Jedes Mal, wenn ich gefragt werde, woher ich das habe, finde ich eine neue Ausrede. Daher esse ich gerne in den feinsten und teuersten L√§den der Stadt. Daf√ľr reise ich auch gerne im Land herum. Ich liebe Kinder, noch mehr wenn ihre K√∂rper regungslos und kalt sind und ich sie von Innen w√§rme. Niemand kennt mich. Ich streune im Viertel herum. Das Blut ist verkrustet. Ich lege mir eine Einkaufsliste f√ľr den Abend zurecht. Dabei laufe ich an einem Bettler vorbei, der gerade auf einem St√ľck Brot kaut. Sekunden sp√§ter liegt dieser verpr√ľgelt auf dem Boden und ich verschlinge mein Abendessen. Ich f√ľhle mich wie ein Raubtier. Ich bin ein Raubtier. Drei Ecken weiter erbreche ich mich auf dem Gehsteig, damit mein Magen wieder leer wird. Heute gehe ich fein essen. Ich f√ľhle mich frei. Manche halten mich f√ľr in der Seele b√∂sartig, weil ich meinen Bruder zwang, seinen schwarzen Kater zu verspeisen. Nachdem er ihn bei lebendigem Leib anz√ľnden musste. Ich muss sagen, im R√ľckblick hatte ich eine sch√∂ne Kindheit; mir wurde nie langweilig. Ich war schon immer kreativ und tr√§umerisch. Dann aber wurde ich erwachsen und rational und h√∂rte mit dem tr√§umen auf und tat, wonach mir der Sinn stand. Das wurde zu jedem Moment meines Lebens meine einzige Maxime. Ich kehre zu der Wohnung meiner Freundin zur√ľck. Hierbei passe ich auf, wohin ich gehe. Es erfordert ein bisschen geschickte Organisation, beiden Freundinnen genug Aufmerksamkeit zu schenken, ohne das sie voneinander verd√§chtig werden k√∂nnten. Aber was w√§re das Leben ohne Abenteuer?

Ich sehe gut aus in feinen Kleidern. Man wirkt so seriös und wichtig. Der Charakter wird unterschätzt. Widerwärtiger ist nur der rote Teppich. Doch wer weiß das schon? Ich passe mich gerne an Gesellschaftsschichten an. Das konnte ich schon immer gut. Ich habe ein Talent.

Sonnenlicht f√§llt auf mein Gesicht. Ich brauche das Licht, um Erkrankungen vorzubeugen. Es st√ľrmt drau√üen. Bald kann ich die Sonne sehen. Bald, bald! Ich huste. Bald kann ich die Sonne sehen, bald bin ich frei!
Es ist wieder stockdunkel. Ich bin alleine. Hellwach. Es fr√∂stelt mich. Der karge Raum ist karg. Grau. Unzerst√∂rbar. Selbst meine Schlafmatte ist mit dem Boden verschmolzen. Aber ich kann den tristen Raum nicht sehen. W√ľrde ich aufstehen und mich im Raum bewegen, w√ľrde mir auffallen, dass der Raum sehr eng w√§re. Pl√∂tzlich bricht es aus mir hinaus. Ohne Vorahnung. Ich fliege an die Stahlt√ľr ‚Äď ich wei√ü ganz genau, wo sie sich befindet ‚Äď und br√ľlle es hinaus. Ich donnere mit meinem K√∂rper an die Wand. Schlage mir die F√§uste blutig. Die T√ľr muss durch den gesamten Trakt hallen, selbst durch die Polsterung. Als ich erwache liege ich so, wie ich zuvor gelegen hatte. Ich liege im eigenen getrockneten Blut.
Nun ist es aber hell. Sehr grell, ich kann kaum etwas sehen, die Wände reflektieren zu stark, ich bin quasi blind. Schon oft habe ich versucht, die Lampe kaputtzuschlagen, jedoch immer vergeblich. Doch auch das vergeht; das Warten lohnt sich.
Das einzige im Zimmer: ein Fenster, ein Bildschirm in der Wand. Daran orientiere ich mich. Meine innigste Beziehung in meinem ganzen Leben. Der Fernseher ist meine Uhr, mein Kalender, Tr√∂ster, meine Freunde, mein Gesellschaftsleben, mein Lachen, mein Weinen. Es gibt nichts neben dem Fernseher. Ich will sterben. Doch der Freitod ist nicht akzeptabel. Jeder, der sich den Freitod w√ľnscht, ist verr√ľckt. Also will ich nicht sterben. Ich will ewig leben.
Ich komme raus. Unspektakul√§r. Eines Tages erwache ich auf einer gr√ľnen Wiese. Ich wei√ü nicht, wo ich bin. Ich kenne den Ort nicht. Die Dusche, der neue Haarschnitt und die Rasur tun mir gut. Ich habe so lange gewartet. Ich bin tiefenentspannt. Dieses kleine ruhige Hotel ist wie geschaffen f√ľr mich. Ich werde verfolgt. Werde ich? Ich werfe einen vorsichtigen Blick in den Flur. Alles ist ausgestorben, keinen Mucks h√∂re ich.

Ich habe nicht verlernt, mich unter Leute zu begeben. Sie lachen √ľber meine Witze herrlich und lauschen meinen abenteuerlichen Geschichten. Ich alleine stehe im Zentrum des Salons. Ich liebe die gehobenen Runden. Die √ľberjunge Gattin des √§lteren Herren l√§chelt mir verf√ľhrerisch zu. Sie ahnt noch gar nicht den Verlauf unseres Abends. Ich mag das Hotel hier, wirklich. Ich grinse in mich hinein. Doch ich muss raus aus der Provinz, meinem Drang folgen.

Mir wird meine Umgebung bewusst. Ich stehe prächtig da, richtig selbstbewusst. In meiner Hand eine Waffe. Keine Ahnung, woher ich die nun habe. Um mich herum kauern Leute, die ich nicht kenne. Ich bin in einer Bank. Geld liegt auf dem Boden verstreut. Viel Geld. Die Leute wimmern. Meine Hand hält die Pistole fest umschlossen, die auf den Kopf eines Mannes gerichtet ist. Schwerbewaffnete Polizei versucht aus der Deckung deeskalierend auf mich einzureden. Die Kontrolle der Handlung obliegt ganz bei mir.
Und mit einem Schlag werden mir all meine Fehler bewusst. Alles, was ich h√§tte besser machen k√∂nnen. Reue √ľberkommt mich. Wie dumm ich war. Auch ich war ein fehlbarer, dummer Mensch, sehr sogar. Doch das hat jetzt ein Ende. Ich schw√∂re mir, mich von Grund auf zu √§ndern. Ich werde mit so vielem brechen: dem Wahn, den L√ľgen, den Selbsterh√∂hungen, dem Fremdgehen, den Vergewaltigungen. Der Prozess meiner vollst√§ndigen Verwandlung beginnt kompromisslos und sofort. Ich will von nun an ein besserer Mensch werd‚Äď ach fuck it! Ich erschie√üe die Gei√üel.

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