Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, müssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5560
Themen:   95439
Momentan online:
137 Gäste und 2 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Horror und Psycho
Waschstraße ins Verderben
Eingestellt am 12. 04. 2014 19:30


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Rhondaly DaCosta
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Dec 2012

Werke: 100
Kommentare: 301
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Rhondaly DaCosta eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Waschstraße ins Verderben


Ja, was ist denn hier los?
Daniel schaut sich verwundert um. Kein Mensch ist vor der Waschstraße zu sehen, obwohl doch heute Samstagmorgen ist.
Normalerweise müsste er jetzt leise fluchend in einer Schlange stehen und verärgert warten.
Aber heute sind die Kunden einfach weg, wie weggewischt.
Daniel schiebt den Chip in den Automaten und fährt seinen Wagen in die Anlage.
Sorgfältig überprüft er die Fenster und Türen – alles dicht.
Mit einem lauten Ruck springt der Waschmotor an; die Halle füllt sich mit diesem ohrenbetäubenden, unangenehmen Heulen und Surren.
Daniel gähnt. Er ist müde, denn er ist heute Morgen erst gegen halb vier aus der Disco nach Hause gekommen.
Er reibt sich die Augen … und sieht vor sich eine lange Straße.
Sie sieht aus wie auf den Bildern von Arizona, diese Bilder mit den schnurgeraden Straßen, die durch eine endlos weite Landschaft führen.
Daniel liebt Arizona, oder überhaupt, das Reisen in Amerika.
Einmal, kurz nach dem Abitur, ist er mit zwei Freunden ein Stück der legendären Route 66 abgefahren, nämlich von Chicago über St. Louis bis nach Flagstaff.
Ach, wenn er doch einmal, nur einmal noch, drei Wochen durch die USA fahren könnte. Oder besser, vier Wochen, und die Taschen voller Geld haben – traversing USA, sein Traum.
Komisch, die Straße, die er gerade vor sich sieht, ist vollkommen sauber, wie gefegt sieht sie aus. Rechts und links erstrecken sich rotbraune Ebenen, soweit sein Auge reicht. Im Hintergrund erblickt er die Silhouetten von auffällig geformten, monumentalen Gesteinsformationen.
Und der Himmel, er erscheint nicht blau mit weißen Wölkchen, sondern gelblich - wie vor einem Sandsturm. Sepia-gelb sieht dieser Himmel aus, so wie die Bilder, die er in seinem Fotoprogramm am PC in dieser Form bearbeitet, um besondere Effekte zu erzielen.
Sepia, damit imitiert er gerne den Eindruck von Sandstürmen auf bestimmten Bildern.
Hinten am Horizont scheint nun wirklich ein Sandsturm aufzuziehen.
Wohin so schnell, das ist die Frage.
Ah, dort drüben erscheint nun eine Werbetafel am rechten Straßenrand.
Kronos` Restaurant heißt der willkommene Stopp.
Komischer Name, denkt Daniel.
Kronos, das ist doch dieser mythische Gott der Zeit, oder so. Hmm, griechische Mythologie … was sagt ihm das?
Was hat dieser Gott noch einmal angestellt? Alle griechischen Götter haben immer etwas mit den armen Menschen angestellt. Aber zu Kronos fällt Daniel so auf die Schnelle keine Geschichte ein.
Na egal, Hauptsache, er kann sich dort erst einmal etwas ausruhen und den Sturm abwarten.
Er parkt den Wagen direkt vor dem einstöckigen Gebäude. Seltsamerweise sind vor dem Restaurant zwei Halfterplätze angebracht. Also das sind diese Querbalken auf zwei Pfosten, an die man früher, zu Cowboyzeiten, die Halfter der Pferde festgebunden hat.
Daniel schmunzelt in sich hinein. Ein Restaurant mitten in der Einöde von Arizona mit zwei Hobbelblocks davor – Herz, was willst du mehr?
Daniel steigt aus. Er verschließt umsichtig die Fahrertür des kirschroten Ford Mustang. Ein Ford Mustang in kirschroter Lackierung mit schwarzen Lederschalensitzen, das ist sein Traumwagen. Und genau diesen Wagen fährt er gerade. Er überlegt kurz, wie er in diesen Wagen kommt, aber er bekommt seine Gedanken nicht zusammen.
„You make my dreams come true“, summt er leise vor sich in.
Dann betritt er das Restaurant.
Der Innenraum strahlt ein seltsames Zwielicht aus. Nicht etwa, dass es im Raum dunkel wäre, nein, es ist eher hell. Aber auch nicht blendend hell, sondern mehr durchscheinend, gelblich leuchtend.
Komisches Licht, denkt sich Daniel. Nun geht er vorsichtig weiter, in Richtung auf die Theke zu.
Langsam gewöhnen sich seine Augen an das Zwielicht. Twilight, das ist die Art Zwielicht, wie Daniel sie oft auf seinem Fotoprogramm zaubert – genau, der Twilight-Effekt.
Im Schankraum bemerkt Daniel zwei Personen.
Hinter der Theke blickt ihn eine blonde Frau mittleren Alters freundlich an. Kundschaft, mag sie denken. In dieser seltsamen Gegend ist bestimmt jeder Dollar sehr willkommen.
Nun schaut Daniel zu der zweiten Person.
Der Mann ist groß, überaus groß, stellt Daniel fest. Der Fremde ist mit einer blauen Arbeitshose bekleidet, deren Latz über die Schultern mit zwei kräftigen Bändern festgehalten wird. Die Hose endet dreiviertellang über den Waden und gibt den Blick frei auf ein Paar bemerkenswert blank geputzter Stiefel.
Daniel hat noch nie so sauber geputzte Stiefel gesehen wie an diesem Mann. Die Stiefelschäfte sind in einem haselnussbraunen Ton eingefärbt, und die gut sichtbaren Umrandungen sind mit doppelter Naht bestickt. Diese Naht wiederholt sich spiralförmig rund um den Schaft, in der Art kleiner Fraktale.
Und dann bemerkt er noch etwas Besonderes an diesen Stiefeln.
Er kann sich im Vorderteil der Stiefeln selbst sehen, verzerrt, aber erkennbar.
Daniel staunt. Die Stiefelspitzen sind so blank geputzt, ebenso die vorderen Schäfte, dass sie auf ihn tatsächlich wie ein kleiner Spiegel wirken.
Nun schaut er sich das Gesicht des Mannes genauer an. Es erscheint ihm grob, groß, kräftig. Der Mann hat ein Gesicht wie Thor oder wie man sich einen Titanen aus den alten Märchen vorstellt.
Rotblondes, kräftiges Haar perlt über die Stirn und die Ohren und ergießt sich in kräftigen Kaskaden auf die Schultern.
Die Augen. Daniel checkt diese in kurzen, knappen Blicken. Schwarz. Stechend? Nein, tief. Die Augen machen ihm Angst. Die Pupillen scheinen sich zu drehen, und zwar nach innen zu drehen, spiralig, konzentrisch.
Ach, Quatsch, denkt Daniel sich nun. Ich überdrehe im Moment meine Fantasie.
Er grüßt den Mann mit einem verbindlichen Lächeln und nimmt dann Platz auf einem der altmodischen Barhocker aus Holz.
„Was darf`s sein“, fragt die blonde Frau freundlich, aber knapp.
„Ich nehme eine Kaffee, schwarz bitte“.
Der Kaffee kommt. Daniel nippt daran und schaut sich im Lokal um.
Dieses sieht aus wie die Filmkulisse in einem Dean-Martin-Film aus den 50-er Jahren. Ein paar Tische sind in Reihe angeordnet, dazu die unvermeidlichen plastikbezogenen Bänke. Bierreklamen kleben verloren an den Wänden, ein paar Landschaftsbilder sollen Stimmung erzeugen. Es gibt allerdings kein Musicbox – summa summarum, also, das Interieur wirkt eher bescheiden auf ihn.
Der Mann nebenan schaut ihn die ganze Zeit über unverwandt an, er sagt aber keinen Ton.
Daniel wird es jetzt ungemütlich. Er möchte gehen.
Er greift in sein Portemonnaie und bemerkt, dass er nur einen Hundert-Euro Schein dabei hat. Er legt den Schein auf den Tresen und verlangt die Rechnung.
Die Thekenbedienung schaut sich den Schein an und sagt: „Es tut mir leid. Aber diesen Schein kann ich nicht annehmen. Wir akzeptieren nur Dollarnoten, und diese auch nur bis zu einem Wert von fünfzig Dollar.“
Jetzt hat Daniel ein Problem. Da meldet sich der Fremde.
„Lass mal gut sein, Rhea“, erklärt er bestimmt. „Ich erledige die Kleinigkeit schon“.
Mit diesen Worten schiebt er der Frau einen gefalteten Ein-Dollar Schein zu. Dabei lächelt er Daniel freundlich an.
„Sie reisen gern durch die USA, nicht wahr, Sir“, bemerkt er.
„Ja, sehr gern“, entgegnet dieser. „Aber woher wissen Sie das ? Sie kennen mich doch gar nicht.“
„Kommen Sie doch etwas näher zu mir. Ich zeige Ihnen etwas, das Sie garantiert noch niemals in Ihrem Leben gesehen haben,“ lockt der Fremde nun.
Dabei holt er aus seiner Hosentasche ein zusammengeknülltes Stück Folienpapier heraus.
Er entfaltet das Blatt auf dem Tresen und drückt unten rechts auf eine Stelle.
Sofort erscheint auf der Folie ein Bild des Restaurant, in dem sich die Akteure befinden.
„Nenne Sie mir ein Ziel“, schlägt der Fremde vor.
„Las Vegas; der Strip“, antwortet Daniel wie aus der Pistole geschossen.
„Bei Tag oder bei Nacht?“, fragt der Mann.
„Bei Nacht gefällt er mir besser“, antwortet Daniel.
Der Strip erscheint auf der Folie. Daniel sieht sich den Strip entlang fahren wie auf einem Youtube Video. Vom MGM Grand nordwärts bis zum Stratosphäre Casino. Dort wendet die Ansicht. Zurück geht es die andere Fahrbahnseite, am Mirage vorbei bis zum Hotel NewYorkNewYork.
Daniel sitzt da mit offenem Mund. Er erfasst das Gesehen nicht. Er greift zu der Folie, nimmt sie in die Hand, wendet sie nach allen Seiten. Aber er kann keine Bedienungselemente entdecken.
„Hawaii, Maui, bitte, bitte“, fleht er den Mann an.
Es erscheinen Palmen, das Meer, die Lahaina Main Street mit ihren süßen kleinen Shops. Jetzt ertönt sogar leichte Hawaii-Musik aus der Folie. Daniel fühlt, wie ein warmer Wind über sei Gesicht streicht.
„Was wollen Sie dafür haben?“, fragt er ungestüm. „Ich gebe Ihnen alles, was Sie wollen.“
„Putzen Sie mir die Stiefel“, befiehlt der Mann.
Daniel rutscht von seinem Hocker und wienert wie verrückt mit seinem rechten Hemdsärmel die Stiefelspitzen des Fremden.
„Mit Spucke wird das noch etwas“, erklärt der Mann.
Daniel spuckt und schrubbt wieder, was das Zeugs hält.
Fragend schaut er nun den Mann über ihm an. Dieser streckt die Zunge heraus. Daniel versteht. Ohne lange Pause leckt er die Stiefel blank.
„Sie haben gut gearbeitet“, bemerkt der Fremde nach einem prüfenden Blick auf seine Stiefelspitzen.
„Diese Folie steht ihnen ab sofort für immer zur Verfügung. Sie eröffnet Ihnen das Goldene Zeitalter Ihrer Wunscherfüllung. Dieses Zeitalter wird für Sie niemals enden. Sie werden also niemals sterben. Allerdings müssen Sie täglich zu mir kommen, um diese Traumreisen Ihres Glückes zu erleben“ …

Ein lautes Knallen weckt Daniel auf. Die Waschanlage hat gestoppt und die Plastik-Laschen haben ein letztes Mal an die Frontscheibe des Wagens geklatscht.
Während die Warmluftdüsen den Wagen abtrocknen, wischt Daniel sich ermattet über das Gesicht.
„Mein lieber Schwan, was kannst du für einen Mist träumen“, spricht er zu sich.
Dann fährt der Vorhang zur Seite. Vorsichtig lenkt er den Wagen aus der Waschanlage …
und sieht vor sich eine lange, schnurgerade Straße …


Version vom 12. 04. 2014 19:30

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Drachenprinzessin
Autorenanwärter
Registriert: Jan 2014

Werke: 4
Kommentare: 169
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Drachenprinzessin eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo Rhondaly!

Die "Waschstraße ins Verderben" ist dir gut gelungen, obwohl ich den Titel unpassend finde. Das Verderben sehe ich hier unterschwellig mitwirken. Daniel wird es zunächst nicht wie das Verderben vorkommen, dem rothaarigen Mann jeden Tag die Stiefel putzen zu müssen um dafür in jeden Teil der Welt reisen zu können und unsterblich zu sein.

Hier noch ein paar Anmerkungen:

quote:
Zuerst erkennt er so gut wie nichts. Der Innenraum strahlt ein seltsames Zwielicht aus. Nicht etwa, dass es im Raum dunkel wäre, nein, es ist eher hell. Aber auch nicht blendend hell, sondern mehr durchscheinend, gelblich leuchtend.
Hier kannst Du den ersten Satz ruhig streichen (der ist "tell"), denn die Erklärung ("show") folgt sofort.

quote:
Die Hose endet dreiviertellang über den Waden und gibt den Blick frei auf ein Paar bemerkenswert blank geputzter Stiefel.
Daniel hat noch nie so sauber geputzte Stiefel gesehen wie an diesem Mann. Die Stiefelschäfte sind in einem haselnussbraunen Ton eingefärbt, und die gut sichtbaren Umrandungen sind mit doppelter Naht bestickt. Diese Naht wiederholt sich spiralförmig rund um den Schaft, in der Art kleiner Fraktale.
Und dann bemerkt er noch etwas Besonderes an diesen Stiefeln.
Er kann sich im Vorderteil der Stiefeln selbst sehen, verzerrt, aber erkennbar.
Daniel staunt. Die Stiefelspitzen sind so blank geputzt, ebenso die vorderen Schäfte, dass sie auf ihn tatsächlich wie ein kleiner Spiegel wirken.
Auch diese Stelle finde ich etwas unglücklich konstruiert. Ich kann dir nur dazu raten zuerst die Stiefel zu beschreiben und dann durch das „sich in den Stiefeln spiegeln“ zu verdeutlichen, wie blank geputzt sie sind.

quote:
„Aber woher können Sie das wissen?
klingt für mich ein wenig gestelzt. Besser finde ich hier Woher wissen Sie das?

Aha, durch die Plastikfolie lernen wir, dass der Fremde kein normaler Mensch ist. Was mich allerdings ein wenig verwirrt ist, dass Du am Anfang deiner Geschichte einen Bezug zu griechischen Göttern nimmst, und am Ende den Fremden mehr wie einen nordischen Gott aussehen lässt. (Übrigens sind "schulterlange" Haare für einen nordischen Gott zu kurz).


Ich hoffe, ich konnte dir helfen

Herzliche Grüße und frohe Ostern
Drachenprinzessin
__________________
Kauko -Im Tal der vergessenen Geschichten (Teil 1)-

Bearbeiten/Löschen    


Rhondaly DaCosta
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Dec 2012

Werke: 100
Kommentare: 301
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Rhondaly DaCosta eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo Drachenprinzessin,

ich freue mich über dein Interesses an dieser Geschichte.

Zu deinen Kommentaren:

quote:
obwohl ich den Titel unpassend finde.
Da hast du ein gutes Näschen gehabt. Ich habe nämlich mehrmals hin und her überlegt, welchen Titel ich verwenden will.
Ich habe zuerst daran gedacht, den Namen des Gottes Kronos im Titel zu verwenden. Aber ich habe zu diesem Thema eine andere Geschichte in petto. Und so bin ich für diese Geschichte zu diesem Titel gekommen.

quote:
Hier kannst Du den ersten Satz ruhig streichen (der ist "tell"), denn die Erklärung ("show") folgt sofort
Ok. Deinen Hinweis habe ich übernommen.

quote:
Auch diese Stelle finde ich etwas unglücklich konstruiert. Ich kann dir nur dazu raten zuerst die Stiefel zu beschreiben und dann durch das „sich in den Stiefeln spiegeln“ zu verdeutlichen, wie blank geputzt sie sind.
Zu diesem Kommentar werde ich mir noch einige Gedanken machen. So stante pede fällt mir noch nichts ein.

quote:
„Aber woher können Sie das wissen?
klingt für mich ein wenig gestelzt. Besser finde ich hier Woher wissen Sie das?
Ich habe deine Version übernommen.

quote:
Aha, durch die Plastikfolie lernen wir, dass der Fremde kein normaler Mensch ist. Was mich allerdings ein wenig verwirrt ist, dass Du am Anfang deiner Geschichte einen Bezug zu griechischen Göttern nimmst, und am Ende den Fremden mehr wie einen nordischen Gott aussehen lässt. (Übrigens sind "schulterlange" Haare für einen nordischen Gott zu kurz).
Oha, auf den außerirdischen Aspekt bin ich selbst nicht gekommen. Das bringt mich auf eine Idee ...

Nochmals danke und liebe Grüße. Rhondaly.

Bearbeiten/Löschen    


Zurück zu:  Horror und Psycho Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Werbung