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Leselupe.de > ErzÀhlungen
Waterloo
Eingestellt am 17. 04. 2017 10:45


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Ciconia
Routinierter Autor
Registriert: Jul 2012

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„Und Sie machen wohl ganz allein Urlaub auf Mykonos?“
Mein dicker Sitznachbar mustert mich interessiert von der Seite.
Nee, Dickerchen, da geht nichts. Mein Traumprinz sieht anders aus und wartet schon auf mich.
„Nein, nein, mein Freund holt mich gleich am Flughafen ab. Wir fahren dann weiter nach Paros.“
Ich gönne ihm ein wohlwollendes LĂ€cheln und schließe die Augen. Bis zur Landung will ich noch ein wenig trĂ€umen.

An Selbstbewusstsein mangelt es mir an diesem Sonntag im Mai nicht; ich fĂŒhle mich so frei und unbeschwert, dass mich das Dröhnen der kleinen Propeller-Maschine von Olympic Airways ĂŒberhaupt nicht Ă€ngstigt. Ein ruhiger Flug von Athen ĂŒber die ÄgĂ€is, das Meer strahlt heute besonders blau. Die weißen HĂ€user von Mykonos nehmen allmĂ€hlich Konturen an, nur noch wenige Minuten, bis ich Hannes in die Arme fallen werde. Ich glĂŒhe voller Vorfreude auf den heutigen Abend, aufgeregt rutsche ich auf meinem Sitz hin und her. Zwei Wochen Getrenntsein können eine verdammt lange Zeit sein, wenn man sich erst drei Monate kennt.

Hannes ist schon seit einer Woche auf Paros, sein Urlaub hatte bereits festgestanden, bevor wir uns kennenlernten. Sein schwuler Freund Achim besitzt ein Ferienhaus in Naoussa, dort trifft sich jeden Sommer ein grĂ¶ĂŸerer Freundeskreis, und da sei auch Platz fĂŒr mich, hat Hannes gesagt.
„Du brauchst nur einen billigen Flug nach Mykonos, da hole ich dich ab“, hat er mein anfĂ€ngliches Zögern vom Tisch gewischt. Um meine Finanzen steht es nach dem Einrichten einer neuen Wohnung nicht gut, aber dieses Urlaubsangebot will ich nicht ausschlagen. Der einzige Wermutstropfen: Ich kann aufgrund der UrlaubsplĂ€ne am Arbeitsplatz erst spĂ€ter nachkommen.

Achim kenne ich nicht, wie ich ĂŒberhaupt bis jetzt niemanden aus Hannes‘ Bekanntenkreis kennengelernt habe. Bei unseren bisherigen Treffen sind wir nicht oft ausgegangen, in seiner gemĂŒtlichen Altbauwohnung mit dem riesigen Futonbett vergehen die Stunden sowieso immer viel zu schnell.

Mein Traggestellrucksack erscheint als eines der ersten GepĂ€ckstĂŒcke auf dem Laufband, ich schultere ihn und durchquere mit schnellen Schritten die kleine Ankunftshalle.
Hannes ist nirgendwo zu entdecken, auch auf dem Vorplatz keine Spur. Die wenigen Passagiere verteilen sich rasch auf wartende Autos und Taxis. Ein Frösteln ĂŒberfĂ€llt mich, mein Magen zieht sich schmerzhaft zusammen.
Ruhig liegt die Landstraße in der flirrenden Mittagssonne. Fast eine halbe Stunde stehe ich mit zunehmendem Entsetzen vor dem GebĂ€ude. Die Leichtigkeit, mit der ich vor Stunden in Deutschland abgeflogen bin, weicht einer bleiernen Schwere.
Neben mir hÀlt ein Taxi. Ein Fenster wird heruntergekurbelt, der Dicke von vorhin fragt mit breitem Grinsen:
„Wollen Sie mitfahren in die Stadt? Ich glaub, hier fĂ€hrt heute kein Bus mehr.“
Ich zögere, weiß aber nicht so recht, worauf ich noch warten soll.
„Wenn Sie mich am Hafen absetzen könnten 
“
Gottlob verkneift er sich weitere Fragen, ich habe nicht die geringste Lust auf ErklĂ€rungen. Stattdessen erzĂ€hlt er von seinem beschĂ€digten Koffer, auf den er so lange habe warten mĂŒssen. Wer fĂ€hrt denn heutzutage mit einem Koffer nach Griechenland, denke ich amĂŒsiert und schaue weiter konzentriert aus dem Fenster.

Ich verliere jedes ZeitgefĂŒhl, wĂ€hrend ich am Kai auf und ab laufe. Ein modernes TragflĂ€chenboot liegt zur Abfahrt nach Paros bereit. Von frĂŒheren Aufenthalten auf den Kykladen kenne ich nur die alten FĂ€hren, des Öfteren echte SeelenverkĂ€ufer, mit denen die Überfahrt gemĂ€chlich vorangeht und die Seele noch Zeit hat, der Distanz zu folgen. Heute will ich nur eins: schnell vorankommen und Hannes finden. Meine Seele scheint schon vorausgereist zu sein.
Ich werfe mich erschöpft und schweißgebadet auf einen der vielen freien PlĂ€tze. Minutenlang starre ich auf das Meer; das vorhin so strahlende Blau wirkt nur noch trostlos grau. Am Horizont werden die Umrisse einer Insel sichtbar, Naxos oder Paros? Ich habe die Orientierung verloren. Meine Gedanken rasen im Tempo des Bootes.
Ist Hannes krank geworden? Hatte er einen Unfall? Kann es wirklich sein, dass Achims Ferienhaus keinen Telefonanschluss hat?

In letzter Minute erwische ich in Parikia den Bus nach Naoussa. Der Fahrer steuert das altersschwache Fahrzeug mit einer Hand ĂŒber die holperige Landstraße, die andere Hand mit der Zigarette hĂ€ngt lĂ€ssig aus dem Fenster. Laute Bouzouki-KlĂ€nge dröhnen aus dem Radio und machen es mir nicht leicht, meine wirren Gedanken zu sortieren. Immer wieder sehe ich Hannes vor mir, mit seinem dunklen Wuschelkopf und dem frechen Lachen - ein Mensch mit ewig guter Laune.

In Naoussa steigen mit mir die letzten zwei FahrgĂ€ste aus, Endstation. Über dem staubigen Busplatz flirrt die immer noch heiße Sonne. Niemand wartet. Ich komme mir vor wie ein Luftballon, aus dem ganz langsam die Luft entweicht, fĂŒhle mich innerhalb von Stunden um Jahre gealtert, belogen, betrogen, verloren, gedemĂŒtigt. Ein HĂ€ufchen Elend.

Der Ort scheint ĂŒberschaubar. Die meisten LĂ€den an der Hauptstraße haben geöffnet. Meinen Rucksack darf ich vorĂŒbergehend in einem Kafenion abstellen. Ich frage mich durch, es gibt mehrere deutsche GeschĂ€ftsleute.
„Kennt jemand eine Gruppe von deutschen MĂ€nnern, die hier ein Ferienhaus besitzen? Kennt jemand Achim aus Deutschland?“
Achselzucken, mĂŒrrische Antworten, belustigte Blicke. Ich trotte zunehmend genervt von TĂŒr zu TĂŒr.
„Ja, Achim und Hannes hab ich heute Nachmittag getroffen, auf dem Strandfest“, sĂ€uselt schließlich ein quirliger deutscher Galeriebesitzer, „aber wo das Ferienhaus ist, weiß ich leider nicht.“
„Heute Nachmittag?“ Meine Stimme ĂŒberschlĂ€gt sich.
Mit sĂŒffisantem LĂ€cheln und leicht angehobenen Augenbrauen mustert er mein inzwischen arg lĂ€diertes Äußeres. In einem Spiegel hinter dem Kassentisch sehe ich eine Frau, die unmöglich ich sein kann: Durchgeschwitzt, die am Morgen flott geföhnte Frisur plattgedrĂŒckt, die neue Bluse verknittert, der Kopf vor Aufregung und Hitze hochrot.
Bevor ich meinen Rucksack wieder abhole, sinke ich fĂŒr einige Minuten völlig apathisch auf eine Bank unter dem riesigen Maulbeerbaum im Zentrum. Ein Hotel ist nicht im Budget vorgesehen, aber irgendwo muss ich ĂŒbernachten. Ich entscheide mich fĂŒr ein etwas heruntergekommenes kleines Hotel in HafennĂ€he, das ich mir gerade noch leisten kann.

Unter der heißen Dusche klingt die Anspannung ein wenig ab. Ich lasse das Wasser so lange laufen, bis es endgĂŒltig kalt wird – als ob man alle trĂŒben Gedanken damit wegspĂŒlen könnte. Erst jetzt fĂ€llt mir auf, dass ich seit Stunden nichts mehr gegessen und getrunken habe.
„Guck doch mal ins ‚Barbarossa‘, in der Bar trifft sich abends alles“, haben mir bei meinem Gang durch den Ort mehrere Leute gesagt. Bestmöglich wieder hergerichtet, zumindest Ă€ußerlich, mache ich mich auf den Weg. In der Taverne neben dem ‚Barbarossa‘ schlinge ich eine riesige Portion Moussaka in mich hinein und behalte den Eingang der Bar im Auge.
Eine kleine Flasche Retsina spÀter traue ich mich hinein. Die Bar ist gut besucht, auch zwei deutsche junge MÀnner, mit denen ich vorhin an der Hotelrezeption kurz gesprochen habe, sitzen dort. Sie winken mich an ihren Tisch.
„Ich brauch erst einmal einen Metaxa.“
„Und vor dem Urlaub ist nichts vorgefallen?“, fragt der Eine, nachdem ich „Ihr glaubt ja nicht, was mir passiert ist 
“ in allen Einzelheiten erlĂ€utert habe.
„Nee, ich glaub nicht. Na ja, vielleicht doch. Hannes hatte in den letzten Tagen immer weniger Zeit fĂŒr mich. Ach ja, angerufen hat er am Vorabend vor meiner Abreise auch nicht, obwohl wir das fest vereinbart hatten. Aber ihr kennt ja die schlechten Telefonverbindungen auf den Inseln. Mein Flug war schließlich schon gebucht, hĂ€tte ich ihn verfallen lassen sollen? Wisst ihr, so einen Typen wie Hannes findet man nicht jeden Tag.“
Einige Minuten schweigen wir. Zum ersten Mal an diesem Tag versuche ich ehrlich zu mir selbst zu sein.
War nicht ich diejenige gewesen, die den ersten Schritt gemacht und ihn sofort nach dem gemeinsamen Seminar angerufen und ein Treffen vorgeschlagen hatte? Waren unsere Verabredungen nicht meistens von mir initiiert worden?
Mittlerweile ist mir völlig egal, was die GlĂ€ser enthalten, die mir stĂ€ndig neu serviert werden, doch irgendwann brauche ich frische Luft und trete kurz vor die TĂŒr.

Er lÀuft mir direkt in die Arme: Hannes, mit einem Mann und einer Frau im Schlepptau. Wir erstarren beide. Nervös nestelt er an seiner Brille, seine Augen flackern unruhig. Er kann nicht an mir vorbeigehen, ich versperre ihm den Eingang. Er folgt mir auf meine Bitte zögerlich, wir setzen uns auf die Kaimauer.
„Wo warst du??“
Er habe angeblich mehrfach versucht, mich zu erreichen (was definitiv nicht stimmen kann), er habe die ganze Woche ĂŒber viel Zeit zum Überlegen gehabt und sei zu dem Schluss gekommen, dass dies fĂŒr ihn keine zufriedenstellende Beziehung sei.
„Du kommst zu mir, wann immer du Lust hast, mit mir ins Bett zu gehen, du nimmst keine RĂŒcksicht darauf, dass ich Zuhause auch noch was fĂŒr die Ausschreibung tun muss, die fĂŒr mich so wichtig ist – das engt mich einfach alles zu sehr ein.“
Er klingt wĂŒtend, wahrscheinlich ĂŒberspielt er damit nur seine Unsicherheit.
„Aber deswegen mĂŒssen wir doch nicht gleich die ganze Beziehung beenden! Ich kann warten, bis du wieder mehr Zeit hast!“
Er schĂŒttelt den Kopf.
„Franzi, ich hab, ehrlich gesagt, nie damit gerechnet, dass du tatsĂ€chlich nach Paros kommst. Versteh doch endlich, ich will das alles nicht mehr!“
Nicht nur die kleinen Boote an der Kaimauer scheinen plötzlich zu schwanken. Ich kralle meine HÀnde in den kalten Beton.
„Ich hab gemerkt, dass Achim mir doch mehr bedeutet als ich dachte. Wir haben ĂŒbrigens schon seit Jahren eine lockere Beziehung.“
Ich schaffe es nicht einmal, ihn rechts und links zu ohrfeigen, weil ich fĂŒrchte, dabei ins Wasser zu fallen. Sehe ich da TrĂ€nen in seinen Augen?
„Ich kann’s nicht Ă€ndern!“
Wir laufen fast eine halbe Stunde lang am Kai auf und ab, ich jammere, ich weine und merke bald selbst, dass ich vor allem alles falsch und mich selbst lÀcherlich mache.
„Begreif doch endlich, es hat keinen Zweck!“
Er umarmt mich wortlos und verschwindet um die nÀchste Ecke.

Ich bemĂŒhe mich, die TrĂ€nen wegzuwischen und mich halbwegs wieder herzurichten, bevor ich in die Bar zurĂŒckkehre. Meine neuen Freunde hören mir zum zweiten Mal an diesem Abend geduldig zu. Lange nach Mitternacht torkeln wir, zu Dritt untergehakt, zum Hotel. Auf dem Balkon leeren wir eine weitere Flasche Wein.

Das Erwachen am spĂ€ten Vormittag ist grauenvoll. Ich habe wenig und sehr unruhig geschlafen. MĂŒckenstiche quĂ€len mich. Der SchĂ€del brummt, der Mund ist ausgetrocknet, und es gab nicht einmal eine Flasche Wasser im Zimmer. Ich kippe ein Glas Leitungswasser hinunter, es schmeckt abgestanden.
Meine Tröster von gestern sind morgens weitergereist. Den Nachmittag verbringe ich am Monasteri-Strand. Mein ganzer Körper schmerzt, ich suche AbkĂŒhlung im klaren Wasser der Bucht, döse vor mich hin, kann mich nicht auf das mitgebrachte Buch konzentrieren. Ich weiß nicht, was schmerzhafter ist: Mein Selbstmitleid oder der Ärger ĂŒber meine NaivitĂ€t und das blinde Vertrauen in diesen Hallodri.

Am Abend esse ich in der Taverne bei Stavros.
„Darf ich mich dazu setzen?“, spricht mich eine Frau an; sie sitzt schon, ehe ich antworten kann.
„Ich bin Kathrin“, stellt sie sich vor. Ich schĂ€tze sie auf etwa Mitte Vierzig und finde sie auf Anhieb sympathisch.
Es dauert nicht lange, bis ich herausfinde, dass sie Hannes und seine Freunde kennt.
„Ja, ich war mit der ganzen Clique gestern bei einem Strandfest und anschließend im Barbarossa. Dann warst du diejenige, die Hannes dort abgefangen hat?“
Ihre Frage scheint harmlos. Belustigt gibt sie zu, dass sie sehr wohl ĂŒber die ZusammenhĂ€nge Bescheid weiß.
„Hannes ist wirklich ein toller Kerl, wir haben uns gestern ausgezeichnet unterhalten. Kann ich verstehen, dass du ganz wild nach ihm bist.“
Ich ĂŒberhöre das Offensichtliche, nehme nur ihr wohltuendes VerstĂ€ndnis wahr.
Die FĂ€ltchen in ihrem Gesicht verraten ein gewisses Alter, aber sie ĂŒberspielt dies mit ihrer unbekĂŒmmerten jugendlichen Art. Ich lasse mich ĂŒberreden, mit ihr in eine Disco zu gehen.
Nach kurzer Zeit taucht auch Hannes mit seiner Clique auf. Er verzieht das Gesicht, als er mich sieht, will sofort wieder gehen. Ich halte ihn auf, eines muss ich noch wissen:
„Welcher ist denn nun Achim?“
Er deutet auf einen kleinen Dunkelhaarigen. Dessen Kleidung wirkt mehr nachlĂ€ssig als lĂ€ssig, die Haare schmierig, seine ganze Erscheinung ziemlich ungepflegt. Ich finde ihn auf Anhieb abstoßend und kĂ€mpfe mit einem aufsteigenden Brechreiz bei der Vorstellung, dass Hannes und er 

Sie verschwinden in der Menge.
„Ihr Schwuchteln!“, plĂ€rre ich ihnen wie von Sinnen hinterher.
Es ist wieder sehr spÀt, als ich angetrunken und heulend in mein durchgelegenes Hotelbett falle.

In den folgenden Tagen kĂŒmmert sich Kathrin rĂŒhrend um mich, wir mieten uns Mofas und dĂŒsen kreuz und quer ĂŒber die Insel. Als das GesprĂ€ch auch heute auf das unmögliche Verhalten von Hannes und seine BisexualitĂ€t kommt, lacht sie.
„Soll ich ihn wieder auf den richtigen Weg bringen, Franziska?“
Mich beschleicht sofort das GefĂŒhl, dass sie es ernst meint.

Da Kathrin am nĂ€chsten Tag angeblich verabredet ist, fahre ich allein los und drehe das windige kleine Moped bis zum Anschlag auf. An manchen AbhĂ€ngen bremse ich erst im letzten Moment, es macht mir Spaß, auf Risiko zu spielen. Aber die Bremsen funktionieren gut. SpĂ€tnachmittags kehre ich wohlbehalten zurĂŒck, verstaubt und verschwitzt, aber zufrieden mit mir.
Zum ersten Mal seit Tagen beginne ich wieder klarer zu denken.

Am Abend ĂŒberwinde ich mich und gehe allein in die Disco. Ich will mich amĂŒsieren, zumindest will ich es versuchen. Zu spĂ€t merke ich, dass der Typ, dem ich nach Mitternacht auf sein Zimmer folge, ziemlich zugedröhnt ist. Er schlĂ€ft ein, bevor wir wirklich zur Sache kommen. Die Vögel zwitschern höhnisch, so scheint es mir, als ich im Morgengrauen leise weinend zurĂŒck in mein Hotel eile.

Zwei weitere Tage vergehen, in denen ich wie in Schockstarre in Naoussa ausharre. Ein kleines Erlebnis nachmittags am Strand gibt mir dann das Signal zum Aufbruch: Ich sehe Hannes und Kathrin Hand in Hand um eine Klippe verschwinden. Sie könnte fast seine Mutter sein ist alles, was ich in diesem Moment denken kann.

Die erste FĂ€hre bringt mich am nĂ€chsten Morgen nach Mykonos. Ich finde schnell ein sauberes, preisgĂŒnstiges Zimmer, sogar mit Meerblick. Die restlichen Urlaubstage verdöse ich am Strand, wenigstens SonnenbrĂ€une will ich mit nach Hause nehmen. Abends treibe ich mich in Bars und Discos herum. Ich habe in diesem Urlaub viel verloren, jetzt verliere ich auch noch mich selbst.

„Na, das Wetter war wohl sehr gut. Sie hatten sicher einen schönen Urlaub“, bemerkt ein Kollege, als ich nach zwei Wochen braungebrannt an meinen Arbeitsplatz zurĂŒckkehre. Die dunklen Augenringe vom wenigen Schlaf und durchzechten NĂ€chten sind sorgfĂ€ltig mit Make-up ĂŒberdeckt. So redselig wie ich mich im Urlaub allen möglichen Leuten anvertraut habe, so schweigsam bin ich nun daheim. Ich werde Zeit brauchen, viel Zeit.


Version vom 17. 04. 2017 10:45

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