Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, mĂŒssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92245
Momentan online:
299 Gäste und 10 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Ungereimtes
Weder Tag noch Stunde
Eingestellt am 20. 10. 2008 19:05


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
gareth
Fast-Bestseller-Autor
Registriert: Dec 2003

Werke: 132
Kommentare: 783
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um gareth eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Es war an einem warmen FrĂŒhlingsabend,
da saß ich lang an meines Kindes Bett,
und leis vom Tage haben wir gesprochen

Da trat ganz sacht der Tod an unsre Seite
und setzte still sich hin und hörte zu,
was wir uns da wohl zu erzÀhlen hÀtten

Und stumm und reglos ist er dann geblieben,
solang vom Gestern und vom Heut wir sprachen,
bis unsre Rede um die Zukunft ging

Da stand er auf, in seiner ganzen GrĂ¶ĂŸe,
gebot, nur sichtbar in des Andern Augen,
uns Einhalt, Schweigen, mit erhobner Hand

Kein Wort ging uns von da mehr von den Lippen
und schweigend nahmen wir uns in die Arme,
erfĂŒllten unter TrĂ€nen sein Gebot

Seit diesem Tage tragen wir mit uns,
was wir nach seinem Abschied vorgefunden:
unwendbar, zart und blind, ein Stundenglas

Es trÀgt die Aufschrift: Weder Tag noch Stunde.
Und manchmal nur, im Augenblick der Stille,
wenn Jung und Alt sich in die Augen sehen,

Schließt insgeheim sich manche Hand darum,
fĂŒhlt stumm nach jenem stetig leisen Rinnen,
in Demut Vater, Mutter, Tochter, Sohn,
der Sterblichkeit bewusst, fĂŒr den Moment.

Version vom 20. 10. 2008 19:05
Version vom 23. 10. 2008 00:36

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Vera-Lena
Routinierter Autor
Registriert: Oct 2002

Werke: 671
Kommentare: 10342
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Vera-Lena eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Lieber gareth,

diese feine leise Musik, die aus Deinem Gedicht klingt, weil jedes Wort an der richtigen Stelle steht.

Ich wĂŒrde es nicht in Gesang vertont hören wollen, ich höre es in meinem Innern als ein Streichquartett.

Die Unausweichlichkeit des HinĂŒbergehens in eine andere Welt wird so biegsam und schmiegsam angenommen und man bemerkt nicht, wieviel innere Arbeit dahinter steht, um in sich selbst ein solches Resultat hervorzubringen.

Die Steigerung in der zweiten Strophe von "leis" zu "ganz leis" ist fĂŒr mich ĂŒberzeugend.

Ich hÀtte Lust, es auswendig zu lernen, einfach wegen dieser Melodie,die es in sich trÀgt.

Ganz herzlich grĂŒĂŸt Dich
Vera-Lena


__________________
Der Mensch ist sich selbst das grĂ¶ĂŸte Geheimnis, ein unverzichtbarer Blutstropfen im Universum, ein Spiegel allen Seins.

Bearbeiten/Löschen    


gareth
Fast-Bestseller-Autor
Registriert: Dec 2003

Werke: 132
Kommentare: 783
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um gareth eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
Liebe Vera-Lena und Leise Wege,

danke fĂŒr eure RĂŒckmeldung.

Jetzt habe ich mir so lange Zeit gelassen mit dem Veröffentlichen dieses Textes (der erste Entwurf stammt vom August 2005, das Stundenglas vom MĂ€rz 2005) und trotzdem noch etwas ĂŒbersehen. Das -abends- und -nachts- in einem Vers habe ich offenbar von Anfang an bei jedem Überarbeiten und Ändern ĂŒberlesen. Der Vorgang ist vielleicht vergleichbar mit dem Ticken einer Uhr, das man nach einer Weile nicht mehr wahrnimmt. Danke fĂŒr den Hinweis Leise Wege. Ich werde fĂŒr nachts -lang- setzen.

Was das -und- angeht, so mag ich es sehr als Stilmittel. Es gibt ein altes Gedicht von Wilhelm Busch, dessen Anfang mir schon als Kind besonders gut gefallen hat: Das HĂ€schen, das so anfĂ€ngt: Das HĂ€schen saß im Kohl und fraß und war ihm wohl.. Das mag illustrieren, wie ich ĂŒber -und- denke :o)

FĂŒr Deinen ermutigenden Kommentar bin ich Dir natĂŒrlich besonders dankbar, Vera-Lena. Dem Gedicht liegt eine wahre Begebenheit zu Grunde. Es war in solchen abendlichen GesprĂ€chen vor langer Zeit, dass, ganz unabhĂ€ngig voneinander, meine Kinder eines Tages plötzlich verstanden, dass ihre Eltern nicht fĂŒr immer leben werden. Es gibt offenbar einen solchen ersten Moment in unserem Leben. Ich habe das in den Situationen nicht gleich begriffen aber kurz danach verstanden. Erst sind sie verstummt und konnten mir gar nicht mehr auf meine Nachfragen antworten und spĂ€ter bin ich verstummt weil mir plötzlich die Bedeutung und Schwere dieser Erkenntnis fĂŒr sie bewusst geworden ist und ich bin auch nicht ohne TrĂ€nen davon gekommen damals.
Dem wollte ich nach all den Jahren eine Form geben.

Liebe GrĂŒĂŸe
gareth
__________________
Wie hÀsslich ist ein schrÀges Treiben,
da lob ich mir mein trÀges Schreiben.

Bearbeiten/Löschen    


Otto Lenk
Routinierter Autor
Registriert: Nov 2001

Werke: 620
Kommentare: 3361
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Otto Lenk eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
moin gareth

ich denke, du solltest die dritte zeile ĂŒberdenken.
da beißt sich das 'leis' mit dem der vierten zeile,
und ĂŒberhaupt, scheint mir die zeile fremd, nicht rund.

vielleicht etwas in der art:

FlĂŒsternd vom Tage sprachen wir


Alles Liebe

Otto
__________________
Der Kopf denkt weiter als man denkt.

Bearbeiten/Löschen    


gareth
Fast-Bestseller-Autor
Registriert: Dec 2003

Werke: 132
Kommentare: 783
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um gareth eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
Danke, dass Du Dich

mit dem Text beschÀftigt hast, Otto Lenk.
Ich hab mich nach Deinem Kommentar doch noch einmal ziemlich genau mit der 3. Zeile beschÀftigt und ich denke, ich werde die Zeile aber auf jeden Fall unverÀndert lassen.

DafĂŒr werde ich aber in der 4. Zeile das -leis- ersetzen, auch wenn mich Vera-Lena erst einmal beruhigt hatte, die Wiederholung betreffend.

Dem ganzen Gedicht liegt ein ziemlich strenges Silbenmuster (es sind immer Zeilen von 10 oder 11 Silben, die variiert werden) zu Grunde. Schon deshalb wĂŒrde FlĂŒsternd vom Tage sprachen wir nicht möglich sein.

Aber vielleicht sind die Hauptkonflikte ja jetzt schon beseitigt.

GrĂŒĂŸe
gareth
__________________
Wie hÀsslich ist ein schrÀges Treiben,
da lob ich mir mein trÀges Schreiben.

Bearbeiten/Löschen    


Vera-Lena
Routinierter Autor
Registriert: Oct 2002

Werke: 671
Kommentare: 10342
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Vera-Lena eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Lieber gareth,

jeder sieht die Dinge anders und ich möchte Dich jetzt auch nicht in eine Verzweiflung stĂŒrzen, was denn nun das Bessere sei.

Die 4 "a" hintereinander machen fĂŒr mein Empfinden den Klang in der vierten Zeile kaputt. Da hĂ€tte ich lieber das doppelte "leis" in Kauf genommen.

Ich habe schon das Synonym-Lekikon durchgeackert, aber es findet sich auch keine dritte Möglichkeit, leider.

Die Zeile kann auch nicht stark umgestellt werden, sonst kommt der Inhalt nicht mehr zum Vorschein. Das "Da" muss bleiben, der "Tod" muss an der Stelle bleiben, wo das Wort jetzt steht. Die Möglichkeiten sind denkbar eingeschrÀnkt.

Ich möchte hier auch noch einmal die beiden "leis" verteidigen, wie ich sie sehe. Der Tod kam auf genau dieselbe Weise, wie sich Erwachsener und Kind miteinander unterhielten und war eben gerade deshalb zunĂ€chst fĂŒr die Beiden fast nicht wahrnehmbar.

In besoderen FĂ€llen braucht man auch besondere Mittel; und hier halte ich die Wiederholung fĂŒr angebracht.

Ohne Dich jetzt zu irgendetwas bewegen zu wollen, lieber gareth, wollte ich Dir meine Sicht in dieser Angelegenheit noch einmal mitteilen.

Liebe GrĂŒĂŸe
Vera-Lena


__________________
Der Mensch ist sich selbst das grĂ¶ĂŸte Geheimnis, ein unverzichtbarer Blutstropfen im Universum, ein Spiegel allen Seins.

Bearbeiten/Löschen    


5 ausgeblendete Kommentare sind nur fĂŒr Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
ZurĂŒck zu:  Ungereimtes Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!