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Leselupe.de > Essays, Rezensionen, Kolumnen
Weder magisch noch meisterhaft: The Prestige
Eingestellt am 09. 11. 2007 10:06


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jon
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The Prestige – Ein literarischer Fehlschlag

Gedruckt worden zu sein ist kein Qualitätsnachweis für Texte. „The Prestige – Die Meister der Magie“ ist ein Beispiel dafür. Der Roman von Christopher Priest erhielt zwar allenthalben gute Leserkritiken, aber da haben sich die Rezensenten wohl vom Clou der Geschichte beeindrucken lassen. Denn der ist – wenn man fantastischen Ideen nicht grundsätzlich abgeneigt ist – gut, wenngleich er samt seinen Konsequenzen im Film „The Prestige“ deutlich besser auf den Punkt gebracht wurde.

Worum geht es also in diesem 1995 im original und 1997 im Weitbrecht Verlag erstmals in der deutschen Übersetzung von Michael Morgental erschienenen Roman? Behauptet wird in diversen Werbetexten und Rezensionen zum Buch, dass der Roman schildert, wie eine alte, um 1900 im Bösen endende Fehde zwischen den Meistermagiern Rupert Angier und Alfred Borden auch nach Generationen noch das Verhältnis der nachkommenden Familien vergiftet. Was tatsächlich passiert, ist Folgendes: Ein Journalist namens Andrew Westley reist zum englischen Landsitz Coldlow und trifft dort auf Katherine Angier. Die hatte ihm zuvor ein Buch zugesandt, welches als das Tagebuch von Alfred Borden veröffentlicht worden war. Der Leser erfährt auf diesen ersten knapp drei Dutzend Seiten, dass Andrew ein geborener Borden ist, mit drei Jahren von seinem verwitweten Vater zur Adoption freigegeben wurde. Außerdem fühlt er eine telepathische Verbindung zu einem Zwillingsbruder, den es offiziell gar nicht gibt, was Andrew allerdings nicht daran hindert, dessen Existenz nie in Frage zu stellen.

Nachdem Priest also Andrew und Kate einander treffen und ins Gespräch kommen ließ, fügt er das Borden-Tagebuch an. Es nimmt etwas weniger als die Hälfte des Romanes ein und berichtet aus Bordens Sicht über die Fehde der Magier – wie sie entstand, eskalierte und schließlich in höchst mysteriösen Todesfällen endet. Diese Todesfälle haben mittelbar und unmittelbar mit einem Kunststück zu tun, das Borden den „Transmittierten Menschen“ nennt. Dabei verschwindet der Magier an einem Ort der Bühne und taucht unverzüglich an einem anderen Ort wieder auf, der allerdings so weit entfernt ist, dass er weder zu Fuß noch anderswie in der zur Verfügung stehenden Zeitspanne hätte erreicht werden können. Borden, der sich der Unnachahmlichkeit seines Trickes sicher ist, weiß natürlich, dass Angier hinter das Geheimnis zu kommen versucht, und schickt ihn in die Irre. Genauer gesagt zu Nikola Tesla nach Amerika, von dem Angier allerdings nicht mit leeren Händen zurück kommt – seine Version des Tricks ist deutlich imposanter als die Bordens.

Nach Abschluss des Borden-Tagebuches lässt Priest Kate Angier nun von einem mysteriösen Kindheitserlebnis erzählen, bei dem Westley – damals noch als Andrew Borden – ziemlich übel mitgespielt worden war. Andrew erinnert sich an all das nicht mehr, aber das stört ihn auch nicht weiter. Statt dessen wandeln ihn schwach ein paar fleischliche Gelüste an, deren Stärke allerdings nicht ausreichen, irgendwas zwischen den Protagonisten dieser Rahmenhandlung in Gang zu setzen.

Nachdem Kate Andrew ins Bett geschickt und sich selbst mit alten Dokumenten zurückgezogen hat, breitet Priest den zweiten Hauptteil des Romanes aus: Das Tagebuch von Rupert Angier. Auch der erzählt, wie die Fehde entstand, eskalierte und in – in dieser Erzählweise – gar nicht mehr so mysteriösen Todesfällen gipfelt. Wer es vorher nicht mitgekriegt hat, erfährt jetzt deutlich, wie Borden seinen „Transmittierten Menschen“ bewerkstelligen konnte, und darf rätseln, wie Angier seinen Super-Trick durchführt. Auch das wird mehr oder weniger deutlich aufgeklärt. Dieses Tagebuch umfasst wieder etwas weniger als die Hälfte des Romanes und beinhaltet – wie auch der Borden-Teil – allerlei Biografisches, insbesondere über den Weg der Protagonisten zur Magie und zu ihren Liebschaften, Ehen und sonstigen Beziehungen.

Dann kommt – wie schon auf den ersten Seiten – erneut Andrew zu Wort. Er schildert, wie er zu einer Art Rettungsaktion schreitet und wie unheimlich sich deren Ausführung gestaltet. Der eigentliche Sinn dieser Aktion blieb mir allerdings verborgen und auch über das Ende sehe ich mich selbst nach mehrmaligem Lesen im Unklaren gelassen. Am Schluss geistert noch irgendeine finstere Gestalt durch die Szene, deren angedeutete Identität eher eine Behauptung des Autors darstellt, als dass es sich halbwegs schlüssig aus den ausgebreiteten Fakten ergeben würde.

Soweit zum Plot, der – ich gebe es zu – so erzählt und gerafft sehr unspektakulär klingt. Er klingt auch im Buch nicht wesentlich spektakulärer, allenfalls „breitgetretener“ in den Tagebuchteilen und skizzenhafter in der dreigeteilten Rahmenhandlung. Dabei ist die Idee, der erwähnte Clou, alles andere als unspektakulär. Leider verschenkt Christopher Priest viel von diesem Potential, beschränkt sich im Wesentlichen auf die reine Enthüllung der Tricks, die Borden und Angier für den „Transmittierten Menschen“ benutzen. Die menschliche Komponente – die Feindschaft zwischen den Magiern, ihre Charaktere, ihre Beziehungen zu Frauen oder/und Freunden – gehen in dem betulichen Tagebuch-Erzählstil, der wohl nach ausgehendem 18. Jahrhundert klingen soll, fast vollständig unter. Kurioserweise, denn geredet wird oft und breit drüber – aber es bleibt abgeklärt-nüchterne Behauptung, wird nicht sicht-, nicht fühlbar. Und der andere Teil, der literarisch hätte interessant sein können, nämlich die Auswirkung auf die Nachfahren, ist über den Skizzenstatus so wenig hinausgelangt, dass man ihn nur als anfängerhaft, misslungen, ja schlecht gemacht bezeichnen kann.

Lassen Sie mich bei der genaueren Analyse mit den Tagebüchern anfangen, schließlich machen sie den Hauptteil des Romanes aus. Zum Glück, denn sie sind trotz des ausufernden, fast palavernden, höchst selten auf den Punkt kommenden Stils flüssig lesbar, so dass man durch diese langen Passagen recht gut „durchkommt“. Eine der durchaus interessanten literarischen Ideen des Buches besteht darin, die Fehde von zwei Seiten aus vorgeführt zu bekommen. Das funktioniert jedoch nur den Auslöser (und später das Finale) betreffend, bald schon zerbricht die Struktur, weil Priest keine neue Ideen mehr hat, was genau die beiden all die Jahre treiben, um sich das berufliche Leben schwer zu machen. Ein paar Schlaglichter und das war’s. Mehr noch: Diese Schlaglichter beschreiben meist verschiedene, zeitlich und vom Zusammenhang her einander nicht entsprechende Vorkommnisse, so dass der Zwei-Seiten-Blick-Effekt sehr schnell verblasst und diese Passagen zu bloßen Füllmaterial mutieren.

Füllmaterial gibt es zu Hauf in den Tagebüchern: Orts- und Reisebeschreibungen, die für die Handlung belanglos bleiben, Trick-Erklärungen, die keine sind, und immer wieder Randfiguren, die blutleer aus den Kulissen auftauchen und nahezu genauso farblos wieder darin versinken. Vor allem Letzteres mag an der Tagebuchform liegen, die ebenfalls eigentlich keine ist: Man spürt – bis auf ein paar ganz wenige Ausnahmen – sehr, sehr, sehr deutlich, dass eben keine unmittelbaren Rückblicke stattfinden, sondern alles auf etwas Bestimmtes hin geschrieben wurde. Alles, was in einem „echten Tagebuch“ an den Schreiber entlarvenden Emotionen stattfindet, ist hier wege-schönt, wegge-plottet und weg-geheimnis-t. Am vertrautesten von den Randfiguren wurde mir noch Julia, Angiers Frau. Der Eindruck, dass er sie wirklich liebte, war so stark, dass ich bis jetzt nicht nachvollziehen kann, wieso er sich von ihr trennte. Man merkt, dass der Plot das eben so verlangte – glaubhaft ist es nicht. Wie so vieles andere auch nicht.

Und dennoch: Die Tagebücher sind lesbar und machen, dass der Roman nicht ganz „kaputt geht“. Hätte Priest es doch dabei belassen! Aber nein, er musste ja ein paar Fäden krampfhaft bis in die Gegenwart zerren und daraus so etwas wie eine Rahmenhandlung knüppern. Eine Rahmenhandlung, die diesen Namen nicht verdient, weil sie unfertig und leblos bleibt und mit Figuren agiert, für die der Begriff Pappkamerad noch eine Schmeichelei darstellt. Auch die stilistischen, erzähllogischen und Glaubwürdigkeitsprobleme häufen sich auf diesen Seiten derart, dass – ich gebe es zu – mir bei der bloßen Erinnerung daran der Kamm schwillt. Dazu kommen noch einige Schnitzer, die ich der anscheinend hastig erfolgten und auch in der mir vorliegenden überarbeiteten Heyne-Verlag-Fassung von 2007 schlecht lektorierten Übersetzung zuzuschreiben bereit bin.

Der Unmut über dieses Buch befiel mich also schon auf den ersten Seiten. Ein paar Kostenproben gefällig?
Da wird unter anderem von Andrews Gefühlen bezüglich seiner leiblichen Eltern erzählt. Die erste Aussage wird auf der zweiten Seite geäußert und besteht darin, dass sie ihm – da er mit seinen Adoptiveltern glücklich ist – egal sind, so egal, dass ihn weder die Umstände der Adoption interessieren noch das damalige oder heutige Leben der Eltern. „Natürlich!“, dachte ich bissig. „Wäre ja auch hochgradig unnormal, sich für seine Herkunft zu interessieren!“ Die nächste Aussage besteht darin, dass Andrew als Kind durchaus Probleme mit dem Weggegebenwordensein hatte, es nun aber überwunden habe. Ein paar Zeilen später ist er wütend auf seinen leiblichen Vater, weil der ihn herzlos verstoßen hatte. Andrew weiß zwar nicht, warum der Vater das tat, weiß nichts über die Umstände, aber das tut seiner Wut keinen Abbruch. So viel zu „ist mir egal“.
Oder: Andrew erzählt, dass er eine telepathische Verbindung zu jemandem fühlt, und definiert diesen als Zwillingsbruder. Das hält zwar keiner Überprüfung stand, aber Andrew beharrt auch als Erwachsener noch auf der Bruder-Theorie. Das an sich ist schon seltsam, kann aber als Hinweis auf Andrews zweifelhaften psychischen Zustand gedeutet werden. Kurios wird es, als Andrew erklärt, dass die „Botschaften“ des „Bruder“ so vage sind, dass er sie nicht in Worte fassen kann, und drei Zeilen später genau das tut: Er fasst die Botschaft in Worte.
Oder – um mal auf die Ebene des Stils zu wechseln – was halten Sie von diesem Satz: „Ich drückte zweimal den Klingelknopf, ohne irgendwas davon zu hören.“ Bitte? Wie klingt denn „Klingelknopfdrücken“ normalerweise? Hier hat der Lektor wohl nicht aufgepasst. Und dass es am Tor des Coldow-Anwesens eine „elektrische Kringel“ gibt, geht sicher auch auf sein Konto. Aber das sind fast schon unerhebliche Schönheitsfehlerchen, die bei mir „nur“ den Eindruck erzeugten, hier sei schnell was auf dem Markt geworfen worden, um im Sog des Filmes ein paar Euro mehr abschöpfen zu können. Gravierender sind erzähl-handwerkliche Fragwürdigkeiten wie diese: Es wird die soeben-Ex-Freundin Andrews, Zelda, eingeführt – für offenbar nichts weiter, als dass im mittleren Rahmenteil gesagt werden kann, dass Andrew Kate von Zelda erzählt. Ähnlich belanglos – und reichlich undurchsichtig – ist die Grantigkeit von Andrews Chef. Oder die Selbstaussage, er, Andrew, sei ein lausiger Journalist. Oder der Umweg über die Sekten-Tante – warum konnte bei diesem ohnehin so extrem reduzierten Rahmenhandlungsdingens Andrew nicht einfach sofort auf Kate treffen? Warum konnte es nicht einfach „zu spät zum nach Hause fahren“ werden, statt dieses ganzen Theaters mit dem Chef und dem „endlich mal wieder Besuch bei den Eltern“, der ja dann doch nicht stattfindet. Das alles wirkt verkrampft und irgendwie so, als hätte der Autor, statt einem Plan zu folgen, ein paar spontane Ideen zusammengekittet und dann wieder aus den Augen verloren. Beispiel: Andrew beschreibt das Borden-Tagebuch, das in der Hand hält – in dem Borden-Tagebuch, das dem Leser das präsentiert wird, fehlen die erwähnten Kapitelüberschriften, die erwähnten Trickbeschreibungen, es gibt keine Hinwiese auf die erwähnten Zeichnungen. Zumindest letztere sind Priest aber wohl wieder eingefallen, als er am Angier-Tagebuch bastelte, was allerdings keine Auswirkung auf den Borden-Teil hatte. Warum auch – merkt doch keiner …

Priest war – in den Tagebüchern auch schon, aber da wirkt es sich nicht so verheerend aus – so sehr darauf konzentriert, sein Netz an Geheimnissen und erschütternden Vorkommnissen, von denen in Wirklichkeit nur eine Handvoll in dem etwa 450 Seiten starken Buch stecken, zu knüpfen, es zu zeigen und zugleich zu verschleiern, dass er darüber scheinbar vergessen hat, die damit verbundenen Geschichten zu erzählen. Wie gesagt: In den Tagebüchern ist wenigstens so viel Plot, dass der Leser sich die Geschichte zusammendenken kann, in der Rahmenhandlung fehlt aber selbst das.

Sicher: Hätte Priest aus der Andrew-Kate-Story das gemacht, was potentiell möglich gewesen wäre, wäre der Roman doppelt so dick geworden. Man hätte jedoch locker ein paar Seiten aus den Tagebüchern wegrationalisieren und die Struktur aus dem betonartigen Formenkorsett entlassen und spannender machen können, ja wohl sogar müssen, so dass das Werk leichtfüßiger dahergekommen wäre – alles keine Dinge der Unmöglichkeit. Vielleicht wäre es lesetechnisch ein klein wenig anspruchsvoller geworden, mag sein, aber das ist keine Entschuldigung für dieses Desaster. Wenn Autor und Verlag fürchteten, ihre Leser würden einer etwas anspruchsvolleren Struktur nicht folgen können, hätten sie die undiskutabel schlechte Rahmenhandlung auch einfach weglassen können. Es gibt ohnehin nur einen einzigen, na gut: zwei winzige Punkte, die darin für die Abrundung der Tagebuch-Passagen von Belang gewesen wären. „Sowas“ von einem – sogar für dieses Buch! – preisgekrönten Autor und einem renommierten Verlag vorgesetzt zu bekommen, ärgert mich heftig. Hätte mir ein Schreibanfänger dieses Werk zwecks Lektorat zugesandt, hätte ich ihm genau diese Hinweise gegeben: mehr Charakter, mehr Glaubwürdigkeit, weniger Füllmaterial, eine komplette Überarbeitung oder eine komplette Streichung der Rahmenhandlung. Oder ich hätte gesagt: Schau dir mal den Film „The Prestige“ an – so muss die Geschichte aussehen. Und das ist wohl in der Tat der beste Tipp, den man zu dem Thema geben kann: Schauen Sie sich den Film an!


Christopher Priest: „The Prestige – Meister der Magie“
Deutsch von Michael Morgental
Ăśberarbeitete Fassung im Heyne-Verlag (Januar 2007)


__________________
Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalässt (Klaus Klages)

Version vom 09. 11. 2007 10:06
Version vom 05. 04. 2009 14:29

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Pete
Guest
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Hilfreiche Kritik!

Diese Kritik finde ich sehr hilfreich. Ich habe den Eindruck, mir wurde ein ärgerliches Leseerlebnis erspart.

Häufig bleibt der Film hinter den, vom Buch ausgelösten Erwartungen zurück. Hier ist einmal der Film viel besser als das Buch. Ganz sicher liegt das an der Genialität des Regisseurs Christopher Nolan, der den Plot geeignet aufbereitet hat. Schon "Batman begins" fand ich genial gelungen.

Hilfreich war sicher auch die Besetzung mit richtigen Schauspielern (wie dem wunderbaren Christian Bale), nicht mit populären Movie Stars, die nur sich selbst spielen können.

Du, Jon, hast offenbar ein interessantes Phänomen erlebt. Nachdem Du offensichtlich zuerst den recht gelungenen Film gesehen hast, waren Deine Erwartungen an das Buch gigantisch. Wenn aber die lebendig visualisierte Handlung eines sehr guten Filmes mit einem erzählenden Schreibstil konkurriert, kann das Geschriebene nur unterliegen.
Der im Film sichtbare Beweis (Zuschauer als Zeuge von Passierendem) prallt auf die, von Dir zitierten Behauptungen einer Erzählung, die dann nur noch platt und farblos wirkt.

Hinzu kommt, wie ich Deinen Ausführungen entnehme, dass das Buch zusätzlich sowohl logische, als auch dramaturgische Schwächen aufweist, wie sie mir im Film nicht aufgefallen sind.

Nur bei mißlungenen Filmen funktioniert der Rücksprung vom Film auf das Buch. Beispiele hierzu sind "Herr der Ringe (Teil 1)"*, "Die unendliche Geschichte"** und "Gladiator"***. Der Grund ist die Erwartungshaltung des Lesers, der auch gedruckt alles gezeigt haben möchte.

Ein Autor, der sich der Darstellung eines Christian Bales als ebenbürtig erweisen möchte, müsste schon einen hohen Meistergrad in der sprachlichen Visualisierung beherrschen.

Aufgrund Deines nachvollziehbaren Leseeindrucks streiche ich dieses Buch von meiner Wunschliste.

GrĂĽĂźe

Pete

* zu Herr der Ringe, Teil 1. Peter Jackson ist ein genialer Filmemacher, der damals noch zu Recht keinen Regieoskar bekam, weil seine Darstellerführung gravierende Mängel aufwies. Am deutlichsten ist dies an Orlando Bloom (Legolas) zu sehen
** Wolfgang Petersen ist ein Regisseur, der ebenfalls seine Darsteller vernachlässigt, wenn sie nicht für sich selbst agieren können (wie Kinder/Jugendliche in der "Unendlichen Geschichte"). Gut sind seine Charaktere, wenn er mit sehr guten Schauspielern dreht (z.B. Dustin Hoffman).
*** "Gladiator" ist das Beispiel, wie eine, über weite Teile misslungene Regie selbst einen sehr guten Schauspieler (Russel Crowe) schwächt. Ausstattung, Dramaturgie und Musik runden den Film dennoch zu einem insgesamt gelungenen Werk ab.

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Zur Thematik Film-Buch bzw. Buch-Film sollte man einen eigenen Thrad aufmachen. Darüber könnte man trefflich diskutieren.
Obriges Buch habe ich gelesen, den Film aber noch nicht gesehen. Werde ich nachholen und mich dann äussern.

lg
Duisburger
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Unter den Kastraten ist der eineiige König (unbekannter Gas- und Wasserinstallateur).

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jon
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@ Pete
Es gibt, was mich nicht wundert, kaum (mal bildlich gesprochen) "5 von 10 Punkte"-Stimmen für das Buch. Zumindest hab ich keine gefunden. Es gibt andererseits viele Stimmen von Leuten, die wie ich erst den Film sahen und dann das Buch lasen – und trotzdem "8, 9 oder 10 von 10 Punkten" vergaben. Es ist wohl also weniger das Phämomen, dass ich zu hohe Erwartungen hatte, die natürlich entttäuscht werden mussten (, so hoch war'n die auch gar nicht, weil ich den Film für brillant halte, das zu toppen wäre ein Geniestreich sondergleichen gewesen). Es ist wohl eher eine gewisse um sich greifende Bereitschaft – vor allem in diesem Genre – schlecht Gemachtes gut zu finden, weil die Idee gut ist. Sich mit Andeutungen und einem gewissen Klang nach Mystik zufrieden zu geben, wo Beschäftigung mit einem Thema und Schaffung von Atmosphäre angesagt hätte sein sollen …
Mein Hauptproblem mit dem Buch besteht wohl darin, dass im Film der literarisch desaströse Teil überhaupt nicht stattfand. Die Tagebücher waren zwar auch nicht brillant, aber sie waren "nur" um so viel schlechter, wie ich es nach dem von dir beschriebenen Effekt vermutet hatte (jedoch nicht ohne Hoffung, mich eines Besseren belehrt zu finden.)

@ Duisburger
Mich würde doch mal interessieren, was du von dem Buch hälst, ohne den Film zu kennen. Ob meine Abneigung gegen den Text also tatsächlich so sehr von meiner Begeisterung für den Streifen geprägt ist. Wie "echt" sind die Schwachstellen, die mir auffielen?

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sohalt
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Ich liebe leidenschaftliche Verisse, vor allem, wenn sie so sorgfältig argumentiert sind. Es ist aber etwas lang geraten. Etwas weniger Inhaltsangabe hätte mir auch gereicht.
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.A mesure qu'on a plus d'esprit, on trouve qu'il y a plus d'hommes originaux. Les gens du commun ne trouvent pas de différence entre les hommes. (Pascal)

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jon
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Danke für die Rückmeldung. Das mit "zu viel Inhaltsangabe" hatte ich schon befürchtet. In der ersten Version (nicht in der LL) war auch deutlich weniger davon drin, mit dem Ergebnis, das Testhörer meinten, sie wüsste gar nicht, worum es im Buch ging, und hätten deshalb auch keinen richtigen Zugang zur Rezi bekommen. Ich denke noch an einer dritten Alternative rum, aber bis jetzt "fühlt" die sich "noch nicht richtig an".
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