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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Weg
Eingestellt am 11. 01. 2003 17:46


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Flitzi
Routinierter Autor
Registriert: May 2001

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WEG

Ich drehe mich um, hektisch. Blicke nach rechts, nach links, drehe mich, noch mal und noch mal. Panik steigt in mir auf, Angst, Furcht. Meine HĂ€nde werden feucht und kalt. Auch der Rest meines Körpers friert und zittert. Wo ist sie? Ich beginne zu laufen; suche mit meinen Augen, blicke in jeden Gang, in jede Ecke. Meine Unterlippe vibriert und meine ZĂ€hne beginnen zu klappern. Verzweiflung vermischt sich mit der Angst zu einer SĂ€ure, die mein Blut zum Brodeln bringt. Ich laufe, laufe, immer schneller. Obwohl ich friere, fĂ€rben sich meine Wangen dunkelrot. Ich laufe und suche, suche und laufe. Menschen kommen mir entgegen, starren mich an, ignorieren mich, reden, tuscheln, gehen weiter. Viele Menschen kommen mir entgegen; laufen umher wie wildgewordene Elefanten, trampeln, trompeten. Es ist laut, sehr laut. Ich laufe und suche, habe Angst. Wo ist sie nur? Mein Herz schlĂ€gt schneller, meine Lunge schmerzt. Ich wische mit meinem HandrĂŒcken eine TrĂ€ne aus dem Augenwinkel. Eine neue kommt und noch eine. Die anderen sollen nicht sehen, dass ich weine, also wische ich schneller und schneller. Gegen die Wasserflut meiner TrĂ€nensĂ€cke kommen meine zarten HĂ€nde jedoch nicht an. Ich weine und laufe, laufe und weine. Ich werde schneller, stolpere, stĂŒrze. Mein Gesicht liegt auf dem harten Asphalt und schmerzt, schmerzt wie mein Herz. Ich weine, schluchze, schreie.
Eine Hand ergreift meine schmale Schulter, fasst mich, dreht mich. Ich blicke in die alten Augen eines grauen Mannes. Er blickt mich an, redet. Ich verstehe ihn nicht. Ich weine, hocke mich auf die Knie, blicke umher und sehe sie.
Sie kommt auf mich zugelaufen, hebt mich auf, umarmt mich. Meine TrĂ€nen laufen die Wangen herunter, TrĂ€nen der Freude. Mein Mund öffnet sich und schreit glĂŒcklich.
„Mama“.

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Quidam
Guest
Registriert: Not Yet

Ach Flitzi,

wenn du wĂŒĂŸtest, wie sehr mich deine Zeilen schmerzen..
Aber, ich mag diesen Schmerz, lĂ€ĂŸt er mich doch in Erinnerungen schwelgen.
(Meine Mutter starb an einem Tumor)

Sehr schöner Schreibstil. In mir dreht sich noch alles.. ich taumle suchend nach den richtigen tasten..-)

*winke*
quid

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Arno1808
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Flitzi

Schön!
Ich kann beim Lesen die Panik und die Angst genauso spĂŒren wie die Erleichterung am Ende.
Die Geschichte hat ein unheimliches Tempo, in das man von Anfang an hineingezogen wird, ohne etwas dagegen tun zu können.

Nur ein Mal kam ich ins Stocken:

quote:
Ich blicke in die alten Augen eines grauen Mannes.

Lass ihn doch nicht grau, sondern 'grauhaarig' sein, dann passt es.

Lieben Gruß

Arno

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Marcus Richter
Fast-Bestseller-Autor
Registriert: Jan 2003

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Schön, daß deine Geschichte nicht im Einheitsherzschmerz endet. Das Wort Mama am ende ist fast schon revolutionĂ€r, wenn man bedenkt, daß die 68er-Selbsterfahrungsmanie fast schon als ĂŒberholt gilt.
__________________
"Ein Wort aufs Papier und wir haben das Drama."
Durs GrĂŒnbein

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