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Leselupe.de > Humor und Satire
Wegen Verspätung auf vorheriger Fahrt
Eingestellt am 27. 06. 2011 11:35


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Gerd Geiser
Routinierter Autor
Registriert: Apr 2006

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Laut Wikipedia ist ein Metronom ein zumeist elektromechanisches Gerät, welches ein gleichmäßiges Tempo vorgibt.

Um meiner Arbeit nachgehen zu können bin ich auf ein elektromechanisches Gerät mit dem Namen Metronom angewiesen, das mich morgens von Rotenburg/W. nach Harburg und am Abend wieder zurück nach Rotenburg fährt.

Nun gibt es Fahrpläne, die darüber Auskunft geben, wann diese Geräte - nennen wir sie der Einfachheit halber Züge - wann also diese Züge garantiert nicht kommen oder abfahren. Auf die zu erwartenden Verspätungen wird an den Bahnhöfen mittels Lautsprecheransagen hingewiesen, minütlich wiederkehrend durch eine Stimme vom Band, die sich nicht zu schade ist, den Grund für die jeweilige Verspätung zu benennen und damit den wartenden Fahrgästen die Vermutung aus dem Kopf zu schlagen, der Metronom habe heute einfach mal wieder keine Lust, pünktlich zu fahren.

Zu Beginn meiner berufsbedingten Reisetätigkeit dachte ich noch, die enge Staffelung von Ankunft- und Abfahrzeiten hätte auf Dauer dazu geführt, dass der Metronom irgendwann zwangsläufig um Tage seinem Fahrplan hinterher hinkt, und es müsste ein Haircut gemacht werden, und 70-80% seiner noch ausstehenden Fahrten sollten ihm erlassen werden. Man hat viel Muße auf dem Bahnsteig und das Nachdenken vertreibt einem die Zeit, wenn die Lautsprecherstimme aufgrund einer Verspätung auf vorheriger Fahrt darum bittet, die aktuelle Leere des Bahnsteiggleises zu entschuldigen.

Heute denke ich anders: Tapferer kleiner Zug, denke ich, auf welcher Fahrt magst du vorherig wohl gewesen sein, dass du es nicht pünktlich hierher schafftest? Warst du auf Kleiner Fahrt? Warst du gar auf Großer Fahrt? Sicher warst du auf Großer Fahrt, hast viele Abenteuer erlebt und dich allen Unbillen zum Trotz bis nach Harburg durchgeschlagen. Und der Empfang ist deiner würdig, du kühner ME 3160. Den halben Nachmittag haben wir ausgeharrt in freudiger Erwartung, nachdem wir schon gestern dachten, du würdest kommen, hier auf dem Bahnsteig 3 in Harburg, fest darauf vertrauend, dass du uns nicht enttäuschen würdest.

Und jetzt gibt es kein Halten mehr. Dein Gelb und Blau erscheint in der Kurve der Gleise, gut zu sehen die Fahnen des Streckenbetreibers, wie sie aus den Fenstern der Lokomotive wehen, gehalten von den starken Händen glücklich erschöpfter Metronom Bediensteter, die alles gegeben haben, ihre Bahn, ihre schwere Eisenbahn von Tostedt über Sprötze, Buchholz, Klecken und Hittfeld hierher nach Harburg durchzubringen. Die Musik setzt ein, die Blaskapelle beginnt mit einem vielstimmigen Tusch, der gemischte Knabenchor der S-Bahnhofsmission kann nicht mehr an sich halten und es erklingt das Bahn-Steiger-Lied und unter lauten Hurrarufen schwenken die Männer ihre Hüte und die Frauen der Männer, sie winken mit den Taschentüchern, während die unstete Fahrt allmählich zum Stehen kommt und die ersten Passagiere direkt aus den wenigen noch funktionierenden Türen heraus auf Tragen zu den bereitstehenden Krankenwagen und Hubschraubern geschoben werden. Auch meine Augen fühlen sich an wie in Öl gebadet. Die Musik verstummt und von den Kesselgeräuschen des modernen Stahlrosses an der Spitze des siebengliedrigen Lindwurmes begleitet schallt es aus den Lautsprechern bis ans Ende aller Gleise: Willkommen in Hamburg-Harburg. Sie haben Anschluss an den Metronom nach Lüneburg Abfahrt 17Uhr10 von Gleis 5. Dieser Zug verspätet sich voraussichtlich um eine weitere Stunde morgen Abend. Der Grund ist eine Verspätung auf vorheriger Fahrt. Die Monatskarten behalten ihre Gültigkeit. Wir bitten um Verständnis.







































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Es ist schon alles gesagt. Nur noch nicht von allen.
Karl Valentin

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