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Leselupe.de > Ungereimtes
Wehrhaft steht sie
Eingestellt am 06. 02. 2009 10:37


Autor
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Walther
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Wehrhaft steht sie


Die gro├čen Worte sind
Abgegriffen
Wie die T├╝rschnalle am Eingangsportal
Gotisch spitzfenstrig
Der Turm geht mit der Zeit
Wehrhaft steht sie

Steinmetzzeichen ÔÇô
Verwittert alternd still und leise

Die gro├čen Worte sind
Vergriffen
Und schartig der Glaube
Die Hoffnung lugt
Aus Taubenschiss
Wehrhaft steht sie

Die Grabtafel-
Widmungen unkenntlich gerundet

Die gro├čen Worte sind
Begriffen
Zum Unverst├Ąndnis verformt
Die hohen B├Âgen hallen wieder
Echos von Gewissheit
Wehrhaft steht sie

Die Farbenfenster -
Verblassend vergessene Symbole

Die gro├čen Worte sind
Umgriffen
Bescheid wei├č heute jeder
Im Griff sind ebenfalls
Die Segnungen des Abendlandes
Wehrhaft steht sie

__________________
Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

Version vom 06. 02. 2009 10:37
Version vom 06. 02. 2009 11:44

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Heidrun D.
Guest
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Lieber Walther,

du wirst es vermutlich nicht gern h├Âren, aber dein Ungereimtes mundet mir in letzter Zeit v i e l mehr als die Sonette.

quote:
Steinmetzzeichen ÔÇô
Verwittert alternd still und leise

Die gro├čen Worte sind
Vergriffen
Und schartig der Glaube
Die Hoffnung lugt
Aus dem Taubenschiss
Wehrhaft steht sie
ist einfach gut und kommt - jenseits einer strengen Form - auch t├Ąnzelnd daher ...

Mir gef├Ąllt`s!

Heidrun

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Vera-Lena
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Tja, lieber Walther,

alles k├Ânnte noch zug├Ąnglich sein, die Wahrheit nicht aus schlie├člich verkrochen in den hohen B├Âgen einer Kathedrale.

Wenn man bedenkt, allein das Wissen um den Bau einer Kathedrale geh├Ârte als Geheimnis einer Bruderschaft und durfte nicht weitergegeben werden. Dort wusste man noch, wie die christliche Botschaft sich in einem Bauwerk ausdr├╝cken und vermitteln konnte. Und die Geheimhaltung diente nur dem Zweck, dass diese Dinge nicht verw├Ąssert wurden.

Was ist alles verw├Ąssert worden seither????

Schon im 13. Jahrhundert, also der Zeit der Hochbl├╝te des Christlichen Mittelalters haben die Nominalisten damit begonnen, das Christentum zu verw├Ąssern: Gott kennt man nur dem Namen nach, aber wirklich begreifen kann man Ihn nicht.

Diese Aussage ist ja nicht einmal falsch, aber wie wurde sie verstanden? Sie bewirkte den ersten Schritt der Christenheit auf dem Wege fort von dem Gott der Christen.

Die Philosophen Schelling, Hegel, Schopenhauer trieben diese Abkehr weiter voran zudem alle schreibenden Romantiker, von denen einige sp├Ąter allerdings wieder in den Scho├č der Kirche zur├╝ck kehrten, Clemens Brentano beispielsweise, oder verr├╝ckt wurden.

Ja, der Segen des Abendlandes ist die Vernunft, diese haben wir im Griff.

Ich finde es sehr gelungen, wie Du diese Dinge ausdr├╝ckst durch das allm├Ąhlich verfallende Bauwerk und indem Du die Worte abgegriffen,vergriffen, begriffen, umgriffen einsetzt.

Dennoch steht das Wort "Hoffnung" in Deinem Text und das wiederholte "wehrhaft" lese ich auch als ein Hoffnungszeichen daf├╝r, dass die versch├╝ttete christliche Wahrheit, die Liebe als Fundament christlichen Glaubens wieder zum Vorschein kommt und wieder von Menschen in ihr Leben einbezogen wird und aktiv im Alltag gelebt wird.

Danke f├╝r diesen Text, der mir aus dem Herzen spricht.

Liebe Gr├╝├če
Vera-Lena


__________________
Der Mensch ist sich selbst das gr├Â├čte Geheimnis, ein unverzichtbarer Blutstropfen im Universum, ein Spiegel allen Seins.

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Walther
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Hallo Heidrun,

ich wage mich auf sandiges Terrain mit meinen "neuen" Gedichten. Da kann man schon versinken. Aber was soll's: Nur wer nach Neuem greift, kommt weiter. Ich habe die Hoffnung, mein aktueller Ausflug in andere Gefilde macht meinen Begleitern ebenso viel Freude wie mir (wenigstens manchmal und wenigstens manchem).

Letztlich erweitert das die Formensprache und die Sprachformen f├╝r den Autor; und wenn ein Text dann noch einigerma├čen positiv entgegengenommen wird, dann freut das nat├╝rlich; man will ja nicht stehen bleiben und Hinweise erhalten, wie man besser wird und weiterkommt.

Ich habe den Artikel herausgenommen, wie Du vorschlugst. Er macht den Text an dieser Stelle fl├╝ssiger. Danke f├╝r den Tip.

Auch wenn ich mich wiederhole: Ich finde es um einiges schwieriger, guten Vers libre zu schreiben als streng geformte Gedichte. Ich bewundere viele Autoren im Forum "Ungereimtes" f├╝r ihre Stilsicherheit in der Sprache und im Ausdruck. Da bin ich noch weit weg, aber, langsam, allm├Ąhlich, robbe ich mich an einen Stand heran, der recht ordentlich klingt. Ich bin z├Ąh, was so etwas angeht. R├╝ckschl├Ąge machen mich eher st├Ąrker.

Meine Ziele in der Lyrik sind sowieso ├╝berschaubar. Daher nehme ich den einen oder anderen abwertenden Kommentar, aus welchem Grund auch immer, als Hinweis, wo ich insgesamt stehe. Das erdet. Und ein kleiner Nasenst├╝ber schadet auf die Dauer weniger als die ├ťberheblichkeit des Siegesgewissen.

Lieber Gru├č W.
__________________
Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

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Walther
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Liebe Vera-Lena,

der Glaube treibt mich um, ja, das tut er. Daher ist Deine Betrachtung richtig. Es ist in der Tat zu beklagen, da├č uns manche Gewi├čheiten abhanden gekommen sind, w├Ąhrend uns andere vermeintlich zuwuchsen.

Es wird kaum einer bestreiten, da├č zur Einmessung, zur Selbstbetrachtung und Einordnung Ma├čst├Ąbe n├Âtig sind, die sich au├čerhalb des Ichs befinden und von ihm nicht hinterfragt oder zur Disposition gestellt werden. Viele Menschen glauben nur, sie seien in der Lage, sich von sich selbst ein klares Bild zu machen und sich aus eigenem Recht gerecht und richtig einzuklassifizieren.

Daher ist ├╝berall eine Asymmetrie festzustellen zwischen dem, was man verlangt, und dem, was man daf├╝r eintauschen m├Âchte. Der Vorteil, nicht der Ausgleich, ist das Ma├č der Dinge. So kann man weder Beziehungen erfolgreich gestalten noch kann man so soziale Gesellschaften organisieren. So kann es ├╝brigens auch keine "Gerechtigkeit" geben, wenn sich jeder zum Richter dar├╝ber erhebt, was Recht und gerecht sei. So kann es nur Unzufriedenheit, Neid und Mi├čgunst geben, die permante Mi├čachtungsgef├╝hle und die als dauerhaft erlebte Zur├╝cksetzung beinhalten. Gl├╝ck kann es so schon gar nicht geben.

Das Wort, das ja kein gro├čes ist, ├╝ber das aber viele und gro├če Worte gemacht werden, wie ├╝ber so vieles andere auch, ist wehrhaft. Man kann noch erahnen, wie wehrhaft es ist, wenn man sich seinem Echo aussetzt und Gewi├čheiten nachsp├╝rt, die uns, unwiederbringlich vielleicht, verloren gegangen sind, ohne die wir aber - jenseits der Gentechnik - keine gute Zukunft werden gestalten werden k├Ânnen.

Alle Asymmetrien f├╝hren endlich zur Gewalt. Und wie abgen├╝tzt die gro├čen unter den Worten sind, dar├╝ber brauchen wir uns nicht mehr weiter zu ergehen.

Danke f├╝r Deine Bemerkungen. Sie zeigen mir, da├č der Text wenigstens bei einem oder der anderen das ausl├Âst, was mich zu ihm getrieben hat: Die Entwertung des Worts aufzuzeigen, mit den Mitteln, die ein kleiner Feierabendpoet besitzt; die Zuziehung seiner unvollkommen formulierten Verse, W├Ârter und Bilder, seiner eignen begrenzten Sprache eben.

Lieber Gru├č W.
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Walther
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Vera-Lena
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Auch mir lag der Reim am n├Ąchsten, weil ich schon als Kind angefangen habe zu schreiben und da denkt man eben, weil man nur Kinerreime kennt, dass nur etwas Gereimtes ein Gedicht sei.

Au├čerdem hat der Reim eine magische Kraft. Ich denke, die Merseburger Zauberspr├╝che, die uns aus dem Mittelalter ├╝berliefert sind, sind auch genau aus diesem Grund in Reime gesetzt. Oder denken wir mal an die Kirchenlieder der Christen, die allesamt, auch wenn sie dadurch manchmal, aber wirklich nur manchmal an Qualit├Ąt verlieren , so sehe ich das jedenfalls, gereimt sind.

Es gibt ein M├Ąrchen (der Autor ist mir jetzt entfallen) da beschw├Ârt der Fuchs das unwissende K├╝ken mit einem Reimwort, doch hinter dem Zaun hervor zu kommen und er sagt dann noch:"Und weil es gereimt ist, muss es doch auch wahr sein". Das hat mir gut gefallen, denn ich dachte mir, der Autor wei├č auch etwas ├╝ber die Wirkung des Reimes.

Ja, Reime haben etwas Beschw├Ârendes und darum muss man wissen, wann man sie einsetzt.

Es ist ja kein Zufall, dass Sonette sich immer eines sehr gro├čen Themas annehmen.

Nun hat die moderne Lyrik den Reim weitestgehend aufgegeben.Nach meinem Daf├╝rhalten ist das geschehen, um das Heilsein von Welt endg├╝ltig der Vergangenheit zuzuordnen.

Au├čerdem er├Âffnet der freie Rhythmus gr├Â├čere M├Âglichkeiten, eine eigene Musikalit├Ąt f├╝r jeden einzelnen Text festzulegen.
Dieses Mittel steht in seiner Wirkmacht dem Reim noch am n├Ąchsten.

Zudem kann der Autor jetzt jedes ihm passende Wort neben ein anderes setzen, ohne den Reim ber├╝cksichtigen zu m├╝ssen; und auf diese Weise entfaltet ein Wort seine spezielle Aussage dadurch, dass es neben einem anderen sorgf├Ąltig ausgesuchten Wort steht. Der Autor muss beachten, dass die W├Ârter in ihrer Strahlkraft einander nicht aufheben, sondern gemeinsam etwas Neues , das ├╝ber den einzelnen Wortinhalt
hinausgreift, erschaffen.

So viel von mir zum Reimen und Nichtreimen.

PS: Wenn jetzt jemand der Ansicht ist, dass dieser Kommentar, der eine Antwort auf das Gespr├Ąch zwischen Walther und Heidrun sein m├Âchte, eher ins Lupanum geh├Ârt, habe ich nichts dagegen, wenn er abgetrennt und dorthin verschoben wird.

Liebe Gr├╝├če
Vera-Lena


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