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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Weihnachten? - Nicht schon wieder!
Eingestellt am 05. 10. 2012 22:36


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littleLy
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Oct 2012

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Blinkende Lichter, Weihnachtsmänner, geschmückte Tannenbäume. Irgendwo ein paar Regale weiter trällert es „Jingle Bells“.
Verwirrt schaue ich auf meine Digitaluhr. 23. September. Ich habe mich also doch nicht im Monat geirrt. Erstaunlich, wie früh der ganze Weihnachtsrummel anfängt...
Letzte Woche habe ich im Supermarkt schon Adventskalender gefunden. Die Dinger sind doch bis Weihnachten schon abgelaufen!
Ich gehe weiter zwischen den Regalen hindurch. Überall Lametta, Kunstschnee und Plastikschneeflocken in verschiedenen Größen.
Ich komme bei der Geräuschquelle an. Ein Elch oder Rentier singt das Lied und bewegt dabei sein Geweih und sein Schwänzchen und als ob das nicht ausreicht, muss seine Nase auch noch rot blinken!
Die Leute kriegen auch immer mehr ein falsches Bild von Weihnachten...
Endlich hat das Vieh aufgehört zu singen, doch da stürmt ein kleines Kind auf das Regal zu, drückt auf das rote „Push me“ am Geweih des Tieres und schon plärrt es wieder „Jingle Bells“. Und als ob das nicht genug ist, entdeckt das kleine Mädchen ein Regal höher einen Schneemann, dessen Hand zum Drücken einlädt. Begeistert entdeckt sie den Knopf, drückt und dieses Mal wird „Jingle Bells“ im Kanon gesungen und getanzt. Gott sei Dank ist sie zu klein, um an den Weihnachtsmann noch ein Regal höher heranzukommen. Suchend schaut sie sich um.
Ihre blauen Kulleraugen bleiben an mir hängen. Sie zeigt auf den Weihnachtsmann. Ich soll den Weihnachtsmann auch anmachen?
Die Kleine kommt zu mir und zupft mich am Ă„rmel.
„Nikolaus!“, quiekt sie.
Inzwischen hat das Tier aufgehört zu spielen und auch der Schneemann kommt langsam zum Ende. Die Kleine läuft zurück und drückt nochmals auf das Geweih. Als der Schneemann verstummt, wird auch dieser wieder gedrückt.
Solange die Kleine ihre Aufmerksamkeit den nervtötenden und überhaupt nicht zum September passenden Plüschtieren widmet, suche ich unauffällig das Weite. So langsam bekomme ich Kopfschmerzen und ich bin mir jetzt schon sicher, dass ich „Jingle Bells“ dieses Jahr nicht mehr hören will.
Als Mitarbeiter wäre ich hier schon längst durchgedreht!
Ich lasse die Geräuschquelle hinter mir und verlasse den Laden. Lauwarme Luft strömt mir entgegen und die Sonne blendet mich im ersten Moment. Erstaunlich, hier draußen fallen gerade mal die ersten Blätter und da drin haben die schon Weihnachten!
Gereizt gehe ich nach Hause. Dann gucke ich halt morgen oder nächste Woche nach den Sachen, die ich noch brauche.
Zu Hause angekommen lasse ich mich auf das Sofa fallen und schalte den Fernseher an. Werbung.
Ein Lebensmitteldiscounter wirbt für sich. Der Werbeslogan springt mir entgegen. Eine fröhliche Familie springt mit vollen Einkaufstaschen über den Parkplatz.
Als ob so etwas im wahren Leben passiert. Wenn ich dort einmal einkaufen gehe und die Tasche voll kaufe, geht dann mein halbes Monatsgehalt drauf und das reicht noch nicht mal fĂĽr zwei Wochen, was ich kaufe.
In der nächsten Werbung wird für Schokolade geworben. Und im nächsten Spot – wen wundert\'s? - für Weihnachten! Zwei Kinder schleichen nachts durch ein hell beleuchtetes Haus und leeren in einer Nacht den kompletten Adventskalender. Natürlich gibt es keinen Streit um die Spielsachen und nachts im Flur zu spielen ist auch okay...
Ich habe keine Lust mehr auf die Sendungen und Werbungen und schiebe eine DVD in den DVD-Player und schaue mir einen Film garantiert ohne Elche, Weihnachtsmänner oder Adventskalender an.
Ich habe schon die Nase voll von Weihnachten, bevor es überhaupt „richtig“ angefangen hat! Nach dem Film esse ich noch ein Brot und lege mich ins Bett.
Am nächsten Morgen plärrt mein Wecker meiner Meinung nach mal wieder viel zu früh und ich quäle mich aus dem Bett und ins Bad. Frisch geduscht, rasiert und frisiert mache ich mich auf den Weg zur Arbeit.
Mary, meine Arbeitskollegin, ist schon da. Mit einer Tasse dampfenden Kaffees vor sich auf dem Tisch stehend sitzt sie auf einem Stuhl, die Ellenbogen auf die Tischplatte gestützt, den Kopf in die Hände gelegt.
„Morgen Mary.“ Ich gehe zur Kaffeemaschine und mache meine Tasse voll.
Mary blinzelt mich an. „Morgen Tim.“
Schweigen. Viel haben wir uns eigentlich nie zu sagen. Obwohl ich gerne mal mehr ĂĽber sie wĂĽsste.
„Guten Morgen ihr Lieben!“ Lisa, meine zweite Arbeitskollegin, kommt in den Raum gerauscht und strahlt uns an. „Na, alles klar bei euch?“
„Hm“, grummelte Mary nur.
„Was ist denn mit dir los? Um diese unchristliche Uhrzeit so gute Laune?!“
„Bald ist Weihnachten!“, flötet sie. „Das Fest der Liebe und Besinnung!“
Mary schloss unbeeindruckt die Augen. Sie stand auf und ging mit der BegrĂĽndung, die Reisekataloge neu zu ordnen, hinaus.
„Weihnachten ist doch erst in drei Monaten“, meinte ich nur, erneut leicht gereizt.
„Na und? Man kann sich doch schon mal Gedanken über das Fest und die Geschenke machen.“
Der heutige Tag wollte nicht umgehen. Die Kunden, die eine Reise buchen wollten, wurden sofort von Lisa belästigt, ob diese denn auch schon in Weihnachtsstimmung seien. Ich war froh, als ich um 18Uhr das Reisebüro schließen und nach Hause fahren konnte.
Drei Tage später wagte ich mich wieder in die Stadt. Ich musste unbedingt etwas zum Geburtstag meiner Schwester kaufen.
Ich wollte es so kurz wie möglich machen, also stiefelte ich schnurstracks in den nächsten Bücherladen, um ihr einen Gutschein zu kaufen. Es war nicht viel los und so lief ich auf direktem Weg zur Kasse. Dabei kam ich an einem Tisch vorbei, auf dem ein blinkender Weihnachtsbaum stand, flankiert von mindestens einem Dutzend Rentieren. Dahinter standen in den Regalen Bücher über Weihnachten. „Das perfekte Weihnachtsfest“ oder „Fit für Weihnachten?“ sprangen die Kunden in großen Glitzerlettern von Cover und Buchrücken an.
FĂĽr so einen MĂĽll wĂĽrde ich niemals Geld ausgeben.
Ich beeile mich, den Gutschein zu kaufen und fahre zu meiner Schwester. Diese fängt auch schon an über Weihnachtsgeschenke zu plaudern.
Auf Weihnachten habe ich dieses Jahr schon keinen Bock mehr. Und es ist noch nicht mal Oktober!

Mittlerweile ist es Mitte Dezember und ich kann Weihnachten ĂĽberhaupt nicht mehr ausstehen. Ăśberall Geschenke und Weihnachtslieder.
Zum Nikolaustag hat Lisa Mary und mir selbstgebackene Kekse und einen Schokoladennikolaus mitgebracht und Mary hat uns einen Adventskranz besorgt. Die Kekse haben meine Neffen bekommen und der Nikolaus liegt irgendwo im Schrank. Ich fĂĽhle mich schon wie Ebenezer Scrooge aus der Weihnachtsgeschichte.
Übermorgen ist Heilig Abend. Ich habe mich die ganzen Wochen davor gedrückt, Weihnachtsgeschenke zu kaufen und nun quetsche ich mich durch die vollgestopften Kaufhäuser, um Geschenke für meine Eltern, meine Schwester und ihre Familie zu kaufen.
Mittlerweile hat es auch vor zwei Wochen angefangen zu schneien und so rutsche ich mehr als dass ich gehe von Kaufhaus zu Kaufhaus. Nach einem fĂĽnf stĂĽndigen Kampf habe ich alles, was ich brauche, und begebe mich genervt zum Auto.
„Tom?“
Ich drehe mich um. Mary steht vor mir und lächelt. „Was machst du denn hier?“
Was ich hier mache?! Ich sehe aus wie ein Packesel und rieche bestimmt auch schon so. Was fĂĽr eine dumme Frage!
„Was ich hier mache?! Ich renne hier seit fünf Stunden durch die Stadt für ein Fest, das ich nicht ausstehen kann und laufe mir die Füße wund. Das ist kein Fest der Liebe, das ist Krieg!“
Unsicher starrt Mary mich an.
Erst jetzt merke ich, was ich da getan habe.
„Tut mir Leid“, stammele ich. „Ich... Ich...“ Ich seufze laut. „Heute ist nicht mein Tag.“
Mary lächelt wieder. „Du magst Weihnachten nicht.“
„Seit September gehen die mir mit dem Weihnachtszeug auf die Nerven!“
„Komm mit, ich zeige dir, wie schön Weihnachten sein kann.“
Zusammen bringen wir meine Geschenke zum Auto, dann schiebt Mary mich auch schon zum Weihnachtsmarkt. Der Platz, auf dem die Menschen sich zusammen pferchen wie in einem HĂĽhnerstall. Mary nimmt meine Hand und zieht mich zu einem GlĂĽhweinstand.
Ich schlucke meinen Ă„rger hinunter und folge ihr.
Zusammen haben wir einen lustigen Abend verbracht und auf dem Weg zu meinem Auto haben wir uns noch eine WeihnachtsmĂĽtze gekauft.
„Wie fandest du den Abend?“ Mary schaut mich mit ihren grünen Augen an und nimmt wieder meine Hand. Das hat sie oft gemacht an diesem Abend und es gefällt mir.
„Es war sehr -“ Bevor ich den Satz beenden kann, trifft mich etwas Kaltes im Nacken. Ich drehe mich um und bekomme gleich noch einen Schneeball ins Gesicht. Wütend schaue ich mich um. Drei Kinder stehen zwanzig Meter von uns entfernt und formen neue Bälle. Sie lachen.
Ich finde das überhaupt nicht witzig. „Lasst denn Unsinn“, rufe ich ihnen zu und will weiter gehen.
Da fliegt wieder ein Schneeball an uns vorbei.
Mary kichert. „Ich schätze, die wollen einen Kampf.“
Ich starre sie an. Mein Ă„rger kommt wieder hoch. Die wollen einen Kampf? Den sollen sie bekommen!
Ich ducke mich unter einem anderen Schneeball hinweg und forme mit ein wenig Schnee auch einen Ball. Aus meinen Augenwinkeln sehe ich, dass Mary dasselbe tut.
Wir liefern uns eine erbitterte Schlacht. Nach zehn Minuten laufen die Kinder lachend weg und auch Mary und ich setzen uns lachend und keuchend auf eine Bank.
„Das hat doch Spaß gemacht, oder?“ Mary kichert.
Mir gefällt das Kichern. Und ich muss feststellen, dass mein Ärger verflogen ist. Ja, es hat mir Spaß gemacht!
Vielleicht ist Weihnachten doch nicht so schlimm... Marys Augen funkeln mich an.
Ich bin mir sicher, noch mehr solcher Abende mit ihr verbringen zu wollen!

Von allen Menschen auf der Welt habe ich das schönste Weihnachtsgeschenk bekommen und ich freue mich schon jetzt auf das nächste Weihnachten, wenn wir dann endlich zu dritt sind.

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