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Leselupe.de > Erzählungen
Weihnachten
Eingestellt am 05. 12. 2017 12:04


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Friedrich
Hobbydichter
Registriert: Dec 2017

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Unser kleiner Tannenbaum

An einem Frühlingstag, einem der Tage, an dem die Sonne das erste mal so richtig ihre Strahlen durch das Dickicht des Waldes fluten ließ, erblickte er das Licht der Welt. 
Unser kleine Tannenbaum, der sich inmitten vieler größerer Bäume und Bodengewächse von selbst ausgesät hatte. 
Die größeren Bäume straften ihn mit Missachtung. 
„Du gehörst hier nicht hin,“ schimpfte die, die ihm am nächsten stand. 
Sie versuchte gehässig ihre Zweige noch breiter auszudehnen, um zu verhindern, dass er sich im Lichte der Sonne wärmen konnte. 
„Aber ich werde so nicht wachsen können,“ klagte der kleine Baum traurig. 
„Mir doch egal“, erwiderte die Nachbartanne. 
„Wir hier in dieser Schonung haben ohnehin zu wenig Platz, um den Ansprüchen der Menschen zu genügen.“ 
„Was sind Menschen?“ fragte der kleine Tannenbaum, der in seinem Leben bisher nichts anderes gesehen hatte, als die grünen, mit dichtem Nadelwerk bestückten Zweige seiner Nachbarn. 
„Oh, was bist du dumm,“ lachte eine weitere Tanne, die dem Gespräch gelauscht hatte. Nach und nach stimmten all die stolzen Nadelbäume des kleinen Waldes in den spöttischen Gesang ein: 
„Du bist hässlich und so dumm, darum wächst du auch so krumm!“
Einige Tage später hörte er es unter seinem Geäst scharren. Ein Vogel war in den Wald geflogen und suchte jetzt auf dem Boden nach Nahrung. 
Er hüpfte auf den untersten Ast des kleinen Tannenbaumes und machte es sich gemütlich, während ringsherum weiterhin das böse Lied erschallte. 
„Du wirst es nicht einfach haben,“ sagte das Vöglein voll Mitleid.
„Sie werden dir keinen Raum zum Wachsen geben.“ 
„Warum verachten sie mich?“ fragte der kleine Baum. 
„Weil jeder von ihnen der Schönste sein will,“ erklärte das Vögelchen. 
„Aber wozu?“ wollte der kleine Tannenbaum wissen.
Das Vögelchen erklärte es ihm geduldig. 
So erfuhr der kleine Tannenbaum, dass all die anderen Bäume hofften, eines schönen Tages zu einem Weihnachtsbaum zu werden.
„Und das,“ so erklärte das Vöglein, „werden nur die schaffen, die gerade gewachsen sind, ein dichtes Kleid voller Äste besitzen und makellos grün sind.“ 
Das Vöglein begann ihm vom Weihnachtsfest der Menschen vorzuschwärmen. 
„Den Christbaum stellen sie in ihr Wohnzimmer, und er wird mit Kerzen geschmückt. Dann hängen die Menschen Strohsterne, kleine Glaskugeln und Süßigkeiten an seine Äste und legen Geschenke darunter. 
"Es gibt für eine Tanne nichts schöneres als ein Christbaum zu werden,“ schloss das Vöglein seine Erzählung. 
Der kleine Tannenbaum wurde immer trauriger, sah an sich herunter und sagte kleinlaut: „Das werde ich wohl nie werden, mir fehlt das Licht.
Ich werde nie stolz und gerade wachsen können.“ 
Das Vöglein nickte verständnisvoll und flog einfach davon. 
Als der erste Schnee fiel, sah der kleine Tannenbaum viele Menschen kommen und gehen.  All die Bäume um ihn herum streckten sich, um ihre Schönheit zu zeigen, und tatsächlich wurden die schönsten Bäume mitgenommen. Unseren kleinen Tannenbaum dagegen beachtete niemand. 
In den nächsten Wintern wiederholten sich die Besuche der Menschen. Der kleine Tannenbaum erlebte, wie sich immer mehr seiner Artgenossen verabschiedeten. Er selbst gab sich alle Mühe mit dem Wachsen, nutzte jeden Sonnenstrahl, um sich zu putzen. Aber es reichte nicht. Sein Geäst wollte einfach nicht dicht werden. 
Eines Tages aber bekam auch er Besuch. Wieder war es Winter und Vorweihnachtszeit.
Zwei junge Männer blieben vor dem kleinen Tannenbaum stehen.
„Lass uns Platz schaffen für die neuen Setzlinge,“ sagte der eine der Männer.
„Ja und aus diesem hier kann sicher nichts mehr werden,“ antwortete der zweite und deutete auf den kleinen Baum, der vergeblich versuchte, sich wegzuducken. 

Es ging alles ganz schnell: drei kräftige Hiebe mit der Axt, und schon fand sich der kleine Tannenbaum auf dem Rücken liegend und zu einer Lichtung gebracht.
Dort lag er mit vielen seiner Artgenossen, die sich ihrem Schicksal ergaben.
Sie waren aufeinander gestapelt wie zu einem Scheiterhaufen und in nicht all zu weiter Ferne würde tatsächlich ein großes Feuer sie vernichten.

Nun war es wohl der glücklichste aller Zufälle, dass am nächsten Tag ein junges verliebtes Paar durch den Wald spazierte. Es sollte ihr erstes gemeinsames Weihnachtsfest werden. Alles war bereits hergerichtet. Sie hatten liebevoll kleine Überraschungen füreinander ausgesucht und freuten sich schenken zu dürfen und beschenkt zu werden.
Was noch fehlte, war ihr Weihnachtsbaum. Besonders sollte er sein, einmalig, so wie ihre junge Liebe.
Sie kamen in die Schonung, auf der all die vielen schön gewachsenen Bäume standen und betrachteten sie unschlüssig. 
„Da ist doch der eine wie der andere,“ sagte die junge Frau zu ihrem Freund.
„Ich möchte keinen perfekten Baum, ich möchte einen, der zu uns passt? Lass uns nach einem suchen, der es wirklich verdient hat, unser Weihnachtsbaum zu werden.“ 
So gingen die beiden weiter durch den Wald, bis sie plötzlich vor dem Berg der achtlos abgeholzten Bäume standen.
Die jungen Frau war es, die unseren kleinen Tannenbaum als erste entdeckte.
Sie zog ihn vom Stapel der abgelegten Bäume und stellte ihn auf.
Gemeinsam mit ihrem Freund betrachtete sie ihn, und unser kleine Tannenbaum schämte sich, ob seiner Unvollkommenheit.
Doch dann hört er, wie die jungen Frau zu ihrem Freund sagte:
„Ihm sieht man an, dass er es nicht leicht hatte in seinem Leben. Er musste bestimmt um jeden Lichtstrahl kämpfen und ist sicherlich immer gehänselt worden.“ 
Sie schaute ihren Freund an: „Der hätte es wirklich verdient, unser Baum zu werden.“ 
Der kleine Baum horchte auf und konnte es gar nicht glauben, was er da hörte. 
Beide lachten, als sie den kleinen Tannenbaum gemeinsam aus den Wald trugen.
Und so wurde das Unglaubliche möglich: Am Heiligen Abend strahlte der kleine Tannenbaum im hellen Kerzenlicht, hörte kleine Glöckchen erklingen, die an seinen Ästen hingen und erlebte den schönsten Tag seines Lebens.
Und das alles geschah in Gesellschaft zweier Menschen, die sich lieb hatten, sich beschenkten und gemeinsam Weihnachtslieder sangen. 
Als die junge Frau ihrem Freund dann die Geschichte von Weihnachten vorlas, dass der Heiland in einem Stall geboren wurde, auf Stroh schlafen musste und dabei bitterlich fror, nickte er nachdenklich und sagte: „Du hattest recht, Weihnachten sollte all denen gewidmet sein, die es nicht so leicht in ihrem Leben haben. So wurde unser kleine Tannenbaum zum glücklichsten Weihnachtsbaum aller Zeiten. 
__________________
"Nur wer nichts erwartet, bekommt alles." (FrSch)

Version vom 05. 12. 2017 12:04
Version vom 05. 12. 2017 19:51

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Ralph Ronneberger
Foren-Redakteur
Autor mit eigener TV-Show

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