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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Weihnachten. Eine persönliche Annäherung
Eingestellt am 14. 12. 2011 13:31


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Winfried Stanzick
Routinierter Autor
Registriert: Aug 2011

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„Eine Stimme ruft: Bahnt für den Herrn einen Weg durch die Wüste!
Baut in der Steppe eine ebene Straße für unseren Gott!
Jedes Tal soll sich heben, jeder Berg und Hügel sich senken.
Was krumm ist soll gerade werden,
und was hügelig ist, werde eben.
Dann offenbart sich die Herrlichkeit des Herrn,
Alle Sterblichen werden sie sehen.“ (Jesaja 40, 3-5a)

Über diesen klassischen adventlichen Text predigte ich am 12. Dezember 1982, als ich zum Pfarrer ordiniert wurde. Ich war 28 Jahre alt und hatte die Wüsten des Lebens noch nicht kennengelernt, die dunklen Täler, in denen man sich verirren kann, wenn man vom Weg abgekommen ist; ich hatte noch nicht erlebt, dass die Seele und mit ihr der ganze Mensch sich so verkrümmen kann, dass er nicht mehr aufrecht gehen kann.

Daran musste ich denken, als ich für ein Themenheft der Gemeinde unseres Ortes den Text von Jesaja meditierte. Heute bin ich doppelt so alt wie damals und lese die zentralen Begriffe der Verheißung anders. Der da kommen soll, der, auf dessen Ankunft wir uns vorbereiten in dieser Zeit des Advents, der, dem wir „Platz machen“, einen Weg bahnen sollen – er kommt durch die Wüste.

Wüste - das ist der Ort, das sind die Zeiten in meinem Leben, wo alles vertrocknet ist, wo es scheint, dass nichts mehr und nie mehr etwas wachsen kann und zur Reife gebracht wird. Offensichtlich ein Ort, wo jegliches Leben abgestorben ist, und doch ist die Wüste voller Leben, wie wir wissen.

Auch deine eigene. Und mitten durch sie hindurch kommt der, der da kommen soll. Mitten in dein verkrümmtes Leben, in deine Trauer und Verzweiflung, in deine Hoffnungslosigkeit und Enttäuschung kommt er. Er will wieder gerade machen, was verkrümmt wurde - durch dich selbst, weil du es zugelassen hast, durch andere, die dein Vertrauen missbrauchten. Er will die hohen Hügel, die du vor dir siehst in deinem Leben, und vor denen dir bange ist, einebnen, so dass du wieder gerade gehen kannst und aufrecht, als ein Mensch, von dir selbst und von Gott geliebt.

Wie kann ich diesem Messias in meinem Leben Platz machen? Wie kann ich ihn erwarten und aufnehmen? Indem ich lerne, die Wüstenerfahrung und die Verkrümmung als ein Teil von mir zu sehen und sie nicht mehr abspalte. Ja, das tut weh. Aber es öffnet Räume, in denen Gottes Sohn ins Spiel kommen kann. Auch in deinem Leben. Vielleicht in diesem Jahr ganz neu. Vielleicht in einem der Gottesdienste, in dem wir seine Ankunft feiern.







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