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Leselupe.de > Kindergeschichten
Weihnachten bei Familie Maus
Eingestellt am 25. 10. 2005 15:06


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Pferdefreundin
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Weihnachten bei Familie Maus


England, 1895

Im Haus der Jamesons saß im Dezember niemand müßig herum. Luisa Jameson, die Mutter stand schon lange vor Tagesbeginn aus, schürte das Feuer in der Küche und setzte Wasser für Tee auf. Dann weckte sie ihre Töchter, Agatha und Clara, so wie etwas später David, ihr kleinstes Kind, der nur Davy gerufen wurde. Das schon zur besseren Unterscheidung von ihrem Gatten, der auch David hieß und den sie noch vor Davy weckte. Waren die Mädchen und ihr Mann erst aus dem Haus, schwang Luisa die Rührschüsseln und das Nudelholz und wenn der Kuchen in der Bratröhre steckte und seinen herrlichen Duft durch das kleine Haus verströmen ließ, setzte Mrs. Jameson sich in den Ohrensessel vorm Kamin um an einer Stickerei zu arbeiten oder etwas zu nähen.
Clara, die noch zur Schule ging, half ihrer Mutter bei der Zubereitung des Mittagessens. Sie konnte auch schon allein mit einem Korb zum Markt gehen, um frisches Gemüse oder einen Fisch vom nahen Hafen zu holen. Wenn Agatha dann kam, stand meist schon die dampfende Schale Kartoffeln auf dem Tisch und oft brachte sie noch etwas mit, denn Agatha arbeitete seit einem halben Jahr in dem Gemischtwarenladen in der Forestroad. So gab es manchmal eingemachtes Obst zum Dessert, für Davy Lakritz, ein Säckchen feines weißes Mehl mit dem ihre Mutter backen konnte und für die jüngere Schwester brachte sie schon mal ein Band fürs Haar mit.
Kehrte der Vater spät abends aus dem Bergwerk heim, ließen ihn die Kinder und seine Frau erst einige Minuten ausruhen, denn sie wußten, daß seine Arbeit sehr anstrengend war. Doch meist dauerte es kein viertel einer Stunde, dann stand er von seinem Sessel auf und spielte mit den Kindern, zeigte Davy und Clara, wie man aus trockenen Zweigen und Bast ein kleines Floß bauen konnte und setzte dieses nur handgroße Spielzeugs zu Davys Entzücken in den großen mit kaltem Wasser gefüllten Zuber, in dem die Familie samstags badete.
Im Dezember lag ein ganz besonderer Zauber über das kleine Haus der Jamesons, alles wirkte ein bißchen geheimnisvoll, aber sehr gemütlich. Das fand auch Familie Maus, die unter der Treppe wohnte und die Geschehnisse von dort genau beobachtete. Eusebia Spitzzahn, die Matriarchin der Mäusefamilie hatte dieses Haus ganz bewußt ausgesucht. Zu reich hatten die Eigentümer nicht sein dürfen, denn reiche Leute – so wußte die lebenserfahrene Mäusin – holten bei den ersten Anzeichen von Nagetieren gleich den Kammerjäger. Außerdem waren die Häuser Reicher so gut und fest verputzt, daß die zwar scharfen, aber kleinen Mäusezähnchen Schwierigkeiten hatten. Arm allerdings sollten die Bewohner auch nicht sein, denn auch wenn man bei Armen leicht unterkommen konnte, so gab es in solchen Wohnungen kaum etwas, von dem eine ganze Mäusesippe leben konnte. Die Jamesons dagegen waren goldrichtig, sie waren nicht wohlhabend, doch auch nicht bettelarm. Die Kinder, besonders der kleine Junge, vergaßen öfter mal einen Keks oder ein Marmeladenbrot, wenn sie in ein Spiel vertieft waren. Und die Käserinden schnitt die Mutter stets recht großzügig ab, auch war der Vorratsschrank von hinten für eine nicht zu große Maus gut zugänglich. Kurz, die Sippe hatte ihren Platz gefunden und residierte nun schon seit mehr als einem Jahr in jenem Hohlraum.
Eusebia, die schon einige Winter erlebt hatte, wußte um die Bedeutung von Weihnachten und hatte nun ihre Enkel und Urenkel um sich versammelt, die ihr staunend zuhörten und nur ab und zu Fragen einwarfen. So wie der kleine Knabber, der erst im Spätsommer geboren worden war und selbst jetzt noch kaum größer als ein zwei Wochen altes Mäusekind war. „Aber warum machen die Menschen denn das alles? Ich meine, wenn sie nur jetzt die Kuchen und Plätzchen backen ist das zwar schön, aber es wäre doch auch im Sommer schön. Mir jedenfalls schmecken Kekse immer.“
Eusebia nickte andächtig mit ihren langnasigen Kopf. „Ja ja, da ist schon was dran, was du da sagst. Aber die Menschen sind eben rätselhaft und genau weiß ich auch nicht, warum sie Weihnachten feiern. Aber ich finde gut, daß sie es tun, denn zu keiner anderen Zeit gibt es einen solch gut gedeckten Tisch für uns Mäuse.“
Taps nickte. Er hatte zusammen mit seiner Zwillingsschwester Tora einen großen Berg Rosinen in das Versteck der Mäuse geschleppt. Auch jetzt hatte er eine davon in den Backen. „Die schmecken herrlich, sollte es wirklich das ganze Jahr über geben.“
Neben den Rosinen lag eine stattliche Anzahl Nüsse, süße Mandeln, aromatische Haselnüsse und Walnüsse von gewaltiger Größe. Außerdem hatten zwei der kräftigeren Mäuseriche einen rotbackigen Apfel angeschleppt und es gab reichlich Käserinden. Die Mäusesippe schwelgte in den Köstlichkeiten und beobachtete gespannt das Geschehen im Haus.
Luisa rührte Plum-Pudding an und Clara, auf einer kleinen Holzbank stehend, half ihr dabei. Dann kam David eines Abends mit einem Tannenbäumchen nach Hause und fortan wurde das Wohnzimmer abgeschlossen, nur die Eltern gingen noch hinein. Über jedem Türrahmen wurden Mistelzweige angebracht und wenn David und Luisa sich darunter begegneten, küßten sie sich.
Dann, am Weihnachtsmorgen, durften die Kinder endlich wieder ins Wohnzimmer und liefen sogleich zu ihren am Kamin aufgehängten Strümpfen, die fast überquollen vor Zuckerwerk, Spielzeugen, Äpfeln, Nüssen und Orangen. Das Feuer warf ein angenehmes Licht und spendete wohlige Wärme. Das genoß auch die Mäusefamilie, die sich bis unter den Sessel vorgewagt hatte. Die Familie war sowieso zu beschäftigt, um auf Mäuse zu achten.
Unter dem mit Plätzchen und Äpfeln behängten Baum lagen weitere Geschenke, eingewickelte Kostbarkeiten, die bei ihren Empfängern Entzücken hervorriefen. Luisa umarmte ihren Mann mit Tränen in den Augen, als sie die Kette auspackte. Davy hatte nur noch Augen für das Holzpferd, auf dem er sitzen konnte und Agatha lief gleich mit dem neuen Kleid nach oben, um es anzuprobieren. Claras Geschenk allerdings war nicht verpackt gewesen, es war in einem geflochtenen Weidenkorb gekommen, den ihr Vater ihr mit feierlicher Miene überreicht hatte. Der Korb hatte Geräusche von sich gegeben, leise zwar, aber für die Mäuse mit ihrem feinen Gehör dennoch wahrnehmbar.
Zögernd hatte Clara in den Korb geblickt und vor Staunen große Augen bekommen. Dann, ganz vorsichtig, hatte sie das Kätzchen daraus empor gehoben. Es war ein kleiner Kater, grau getigert und mit einer hellblauen Schleife um den Hals. „Und er ist wirklich für mich?“ wollte Clara wissen und strich vorsichtig über das weiche Fell.
„Ja mein Schatz, er gehört dir ganz allein.“ Ihr Vater lächelte sie liebevoll an. „Unser Vorarbeiter erzählte letztens, daß seine Katze geworfen hat – so nennt man das, wenn Katzen Junge bekommen – und fragte, wer welche haben wollte. Da dachte ich sofort an dich und das so ein Kätzchen ein wunderbares Geschenk für dich sein würde.“
„Es ist wundervoll!“ rief Clara freudig. „Sag, ist es ein Mädchen oder ein Junge?“
„Es ist ein Kater“, erklärte ihr Vater. Das hatte er wohlweislich ausgewählt, denn eine Katze im Haus war gut und schön und würde die Mäuse fernhalten, doch eine weibliche Katze konnte sich rasch und reichlich vermehren.
„Hat er schon einen Namen?“ wollte Clara wissen.
„Nein, ich dachte es wäre nett, wenn du ihm selbst einen geben würdest.“
Clara hielt ihr Kätzchen auf dem Arm und streichelte nachdenklich das weiche Fell. „Ich weiß, ich wird ihn Leonardo nennen. Wie Leonardo da Vinci, über den haben wir letzte Woche in der Schule gesprochen.“
„Das ist aber ein doofer Name für eine Katze“, krähte Davy, der sich nun von seinem Pferd losgerissen hatte, um ebenfalls das neue Familienmitglied zu betrachten.
Auch Agatha war inzwischen zurück, im neuen Kleid, das dunkelrot schimmerte und sehr hübsch an ihr aussah. „Er sieht ein bißchen aus wie Mr. Bottlboom, der kleine alte Mann, der immer Mittwochs kommt um Schnaps zu kaufen, der hat auch so eine kleine rote Nase. Vielleicht sollten wir ihn so nennen.“
„Nein, auf gar keinen Fall“, wiedersprach nun Luisa.
„Dann Jeremy“, sagte Clara. „Den Namen finde ich schön.“
„Das geht nicht, Jeremy heißt doch unser Pastor mit Vornamen. Du kannst einen Kater doch nicht nach einem Geistlichen nennen“, sagte Luisa, die streng gläubig war und jeden Sonntag zur Kirche ging.
Clara schlug noch weitere Namen vor; von Philosophen und Literaten, von denen sie in der Schule gehört hatte, Vornamen, die ihr hübsch erschienen, doch immer hatte irgendwer von der Familie einen Einwand. Luisa war strikt dagegen einen Vornamen zu verwenden, den einer ihrer Bekannten trug, selbst wenn es sich nur um den Namen von dem Bruder einer Klassenkameradin Claras handelte.
„Dann nenne ich ihn eben Tiger, weil er ein getigertes Fell hat“, erklärte Clara schließlich.
Dagegen hatte nun niemand etwas einzuwenden und so wurde der kleine Kater gleich getauft. Gegen Luisas Protest bestand Clara auf eine richtige Taufzeremonie und in Ermangelung eines echten geistlichen übernahm sie diese Rolle selbst, nahm etwas Wasser in die hohle Hand und tupfte es auf die Stirn des Katers. Doch tiger wollte nicht getauft werden, kaum hatte das Wasser sein Fell berührt, fauchte er und sprang von Claras Arm. Dabei ritzten seine Krallen ihre Haut und weinend lief sie zu ihrer Mutter.
Tiger unterdessen flüchtete sich unter den Sessel. Die Eltern waren damit beschäftigt ihre jüngste Tochter zu trösten und ihr zu erklären, wie sie sich einer Katze gegenüber verhalten mußten, um nicht gekratzt zu werden, so daß die Mäusefamilie keine Aufmerksamkeit erregte, als sie vom Sessel durchs halbe Wohnzimmer floh.
„Kinder, nun ist die schöne zeit vorbei“, sagte Eusebia mit unheilvoller Stimme.
„Ein schreckliches Tier“, keuchte Triffle, der aufgrund seines Übergewichts leicht außer Atem war. Schnelles Laufen war er nicht gewohnt.
Schnuffel nickte. „Was können wir nur tun, er wird uns alle töten, eine nach der anderen, bis keiner mehr übrig ist.“
Eusebia warf ihm einen warnenden Blick zu, denn sie wollte nicht, daß der gelbliche Mäuserich den Kleinen solche Angst einjagte. „Noch ist der Kater klein, kleine Katzen sind nicht so gefährlich.“
„Aber er wird groß werden“, sagte Tora. „Und das sicher bald, er ist ja jetzt schon so riesig. Habt ihr seine Zähne gesehen? In dieses Maul paßt eine ganze Maus.“
„Wir bleiben auf jeden Fall in unserem Versteck. Niemand geht raus. Noch reichen unsere Vorräte und dann müssen wir uns eben überlegen, wie wir neue beschaffen“, entschied Eusebia.
„Aber was bloß?“ piepste Knabber.
Damit war selbst Eusebia überfragt. Und auch keiner von den anderen wußte Rat. Der einzige, der bereits seine Erfahrungen mit Katzen gemacht hatte, war Triffle; bis auf ihn war seine ganze Familie einer hungrigen Katze zum Opfer gefallen und er hatte nur überlebt, weil er, als die Sippe zum Küchenschrank floh, unter der Tür stecken geblieben war. Die Katze hatte sich den anderen Mäusen zugewandt und so hatte er sich vor Angst halb wahnsinnig irgendwie befreien können und war geflohenen. Hungrig und mit den nerven völlig am Ende hatte er nach langem lauf irgendwann Eusebia getroffen und sich ihrer Sippe angeschlossen.
Die schöne Stimmung jedenfalls war verflogen, selbst Taps konnte sich nicht an den Rosinen freuen. Das Versteck im Hohlraum unter der Treppe war größer als so mancher Unterschlupf, doch einer so quirligen Sippe wird auch in dem größten heim schnell langweilig. Wenn man den ganzen Tag nur auf Nüsse starren kann, macht es irgendwann auch keinen Spaß mehr, den Bruder damit zu ärgern die Schalen nach ihm zu werfen.
So dauerte es nur bis zum folgenden Abend, bis Tora und Taps die sichere Heimat verließen und bis ins Wohnzimmer huschten. Dort, auf dem weichen Teppich vor dem Kamin, spielte Clara mit Tiger und einem Wollfaden, nach dem er mit seinen Pfoten schlug. Die Krallen blitzten dabei gefährlich auf und erschrocken liefen die Zwillinge zurück.
Lange hielt die Angst über das gesehene jedoch nicht an, dazu waren die Mäuse einfach zu unternehmungslustig. Bis auf Triffle, der lieber schlafen wollte und Eusebia, die aufräumen wollte, waren am nächsten Tag alle Mäuse draußen. Und da nichts passierte, verflog die Angst vor Tiger rasch.
Doch dann, es waren erst drei Tage seit jenem Morgen vergangenen, stand Taps plötzlich Tiger genau gegenüber. Er hatte eigentlich nur gucken wollen, ob im Küchenschrank noch Rosinen waren und dabei hatte er den Weg unter dem Tisch durch gewählt, weil man dort am Boden eigentlich immer die eine oder andere Leckerei finden konnte. Er hatte aber nichts gefunden, stattdessen ragte wie aus dem nichts plötzlich der graue Katzenkopf vor ihm auf, mit weißen Schnurrhaaren, die so lang wie er selbst waren. Im ersten Moment war Taps vor Angst erstarrt, dann war er weggerannt, so schnell ihn die Beinchen trugen und hatte, völlig atemlos von seinem Erlebnis berichtet.
„Das sollte uns eine Warnung sein“, sagte Eusebia. „Taps lebt nur noch, weil er großes Glück hatte. Dieser Kater wird gut gefüttert, doch Katzen jagen Mäuse auch, wenn sie genug zu fressen haben. Er ist noch jung, doch wir müssen etwas unternehmen.“
„Wir sollten dieses Haus verlassen“, meinte Triffle. Einige andere nickten und murmelten zustimmend.
Doch so leicht war es damit nicht, schließlich war Winter, draußen lag zentimeterhoher Schnee und selbst ohne diese ungemütlichen Wetterverhältnisse war es schwer, ein passendes Haus zu finden. Also mahnte Eusebia die Sippe weiter zur Vorsicht.
Doch alle Warnungen nützten nichts, denn schon am nächsten Tag geriet Triffle in Tigers Pfoten. Der dicke Mäuserich hatte nur eben rasch zum Schrank huschen wollen, doch auf dem Weg unter dem Tisch durch hatte der junge Kater ihn erwischt. Tiger hatte seine Krallen eingezogen, so daß Triffle nicht verletzt wurde, doch schubste er den vor Angst wie erstarrten Mäuserich immer wieder leicht an. Das er so erstarrt war, war seine Rettung, denn Tiger wurde das Spiel mit der Maus bald langweilig. Er gab ihm noch einen letzten Stoß, der ihn einige Zentimeter über den glatten Boden rutschen ließ, dann lief er ins Wohnzimmer zurück, um sich auf seinem Lieblingsplatz vor dem Kamin zusammen zu rollen.
Tora, die erschrocken vom Schrank aus zugesehen hatte, huschte zu Triffle hin und biß ihn leicht ins Ohr, um ihn zu erwecken. Am ganzen Körper zitternd folgte der Mäuserich ihr in den Unterschlupf.
Kam erfuhr Eusebia von dem gefährlichen Abenteuer, verbot sie strickt weitere Unternehmungen. Und um ganz sicher zu gehen, zog sie selbst vor das Loch und an ihr kam keine Maus einfach so vorbei. Das wollte nun allerdings auch keiner, nicht mal Taps wagte es, nach Rosinen zu fragen.
Die Ruhe der Mäuse wurde recht bald erneut gestört; Tiger hatte den Schlupfwinkel unter der Treppe nämlich entdeckt. Und nun lag er davor, seit Stunden schon, völlig unbeweglich mit jener immensen Geduld, die seiner Gattung eigen ist.
Drinnen waren die Mäuse zwischen Angst und Verzweiflung hin und her gerissen. Aus Langeweile hatten sie bereits den größten Teil ihrer Vorräte verzehrt und auf die trockenen Brotbröckchen, die noch in einer Ecke lagen, hatte niemand Appetit. Um neue Vorräte zu holen, warteten sie, bis Clara mit ihrem Kater spielte. Doch Tiger hatte seinen eigenen Willen und von dem Spiel schnell genug. Lieber lief er unter die Treppe, schnüffelte dort, roch frische Mäusespuren, die in die Küche führten und folgte ihnen.
Um genügend Vorräte mitzunehmen, war die ganze Sippe losgezogen und wuselte nun zwischen Schrank, Vorratskammer und Tisch herum. Dabei achteten sie nicht auf den Kater, denn den wähnten sie im Wohnzimmer. Und da es noch recht früh am tage war, waren David und Agatha noch nicht zu hause. Luisa saß strickend vorm Kamin, Davy spielte davor mit Holzfiguren, außerdem hatten sie vor ihm keine Angst. Der kleine Junge jubelte sogar entzückt, wenn er mal eine Maus sah.
Auf leisen Pfoten lief Tiger unter dem Tisch durch. Toras Warnschrei kam zu spät, Tiger hatte Taps schon erwischt und hielt eine Pfote auf den Mäuseschwanz gedrückt. Fasziniert betrachtete er das kleine Tier und schien zu überlegen, was er nun mit ihm machen sollte.
Eusebia hingegen handelte, sie huschte flink hinter den Kater und biß ihn mit ihren scharfen Zähnen so kräftig sie konnte in die Pfote. Tiger hatte recht dickes Fell, doch die Mäusezähne waren lang und scharf genug das zu durchdringen und mit einem wütenden Fauchen fuhr er herum.
So kam Taps zwar frei, doch nun befanden sich Eusebia und Schnuffel, der ihr zur Hilfe geeilt war, in seinem Fokus. Doch Eusebia kannte nun keine Angst, sie baute sich vor dem Kater auf und sah ihn herausfordernd an. „Dies ist unser Heim, wir sind schon länger hier als du, also laß uns in Ruhe, sonst sorgen wir dafür, daß du verschwindest.“
Tiger lachte. „Wie denn? Ich bin viel größer als ihr. Und mich mag die Familie. Ich habe ein herrlich weiches Fell, jeder streichelt mich gern und spielt mit mir. Wenn ich schnurre, freuen sich alle. Euch dagegen wollen sie gar nicht im Haus haben. Und ich soll dafür sorgen, daß ihr verschwindet.“
„Ich gebe dir noch eine letzte Chance“, sagte Eusebia. „Laß uns in Ruhe oder du wirst es bereuen.“
Tiger hob eine Vorderpfote und fuhr demonstrativ die Krallen aus. Er bewegte sie leicht vor Eusebia hin und her. „Siehst du die hier? Die könnten jede Maus ganz schnell in Fetzen reißen. Aber ich find euch ganz unterhaltsam, daher werde ich euch noch nicht sofort töten.“
„Gut, du hast es nicht anders gewollt.“ Eusebia gab den Mäusen ein Zeichen, dann huschten alle herum und einige zwickten Tiger in Beine und Bauch. Bevor der Kater sie fangen konnte, waren sie schon weg, auf den Tisch gesprungen. Das war für ihn kein Problem, dorthin konnte er ihnen leicht folgen.
Eusebia plazierte sich neben dem Milchkrug und wartete bis zum letzten Moment. Sie wußte, daß Tiger es auf sie abgesehen hatte und der durch seinen Sprung verursachte Windzug wirbelte ihr Fell auf. Vielleicht war es aber auch der Windzug des umfallenden Kruges. Vor den war Tiger nämlich genau geprallt und nun zerschepperte das irdene Gefäß auf dem Fußboden. Ein Schwall Milch ergoß sich, tränkte Tiger und bespritzte auch die Mäuse im näheren Umkreis.
Wütend fauchend schüttelte Tiger sich, verursachte so einen weiteren Milchregen. Er haßte es nasses Fell zu haben. Diese verdammte Maus würde er schon kriegen und diesmal würde er nicht zögern, ihr den Garaus zu machen. Er entdeckte Eusebia auf dem Sims, zwischen dem Salztöpfen, dem Buttertiegel und dem Mehlsäckchen.
„Fang mich doch!“ rief sie herausfordernd.
„Darauf kannst du dich verlassen“, zischte Tiger und sprang hoch. Der Sims war schmal, viel zu schmal für den Kater, der auf der glatten Oberfläche keinen Halt finden konnte und mit den Pfoten ruderte. Dabei warf er erst das Salz und die Butter herunter. Der schwerere Mehlsack stand etwas länger, dann fiel er zusammen mit Tiger herunter. Im Flug hatte er sich geöffnet und Mehlwolken vernebelten die Küche. Der größte Teil des feinen weißen Mehls aber war auf Tiger gelandet und haftete gut in dem milchfeuchten Fell.
Durch das Gepolter und Tigers Fauchen angelockt liefen Luisa und Clara in die Küche. Luisa faßte sich erschrocken ans Herz und bekreuzigte sich. „Mein Gott! Was hat dieser Kater nur angestellt? Er benimmt sich ja, als wäre der Teufel persönlich in ihn gefahren.“
Clara eilte über den rutschigen Boden zu ihrem Kater, ergriff Tiger, der sich immer noch wie toll gebärdete. Er wollte nicht auf den Arm genommen werden, sondern den Mäusen und ganz besonders Eusebia nachjagen.
Da er so zappelte und der Boden von Milch, Mehl und Butter schlüpfrig war, verlor Clara das Gleichgewicht und landete auf ihrem Hintern. Tiger stob davon und erstaunt sah sie ihm nach. „Was hat er denn nur?“
Luisa eilte zu ihrer Tochter und hob sie hoch. „Ist alles in Ordnung mit dir, mein Schatz? Oder hat er dich etwa gekratzt?“
„Nein“, sagte Clara und sah sich nach Tiger um, der nun vor dem Küchenschrank lauerte. Seine Schwanzspitze zuckte hin und her und die Schnurrhaare zitterten nervös auf und ab.
„Vermutlich hat er eine Maus gesehen“, meinte Luisa. „Aber auch wenn das der Fall war, keine Maus könnte so viel Schaden anrichten wie dieser Kater. Ich will ihn nicht mehr im Haus haben.“
„Aber Mami, wo soll er denn sonst hin? Tiger ist doch noch so klein und draußen ist es so kalt. Außerdem war er doch mein Weihnachtsgeschenk.“ Tränen schimmerten in den Augen des Mädchens. Sie liebte Tiger über alles und wenn er sie mal kratzte, verzeih sie ihm rasch.
„Ja ja, schon gut, wir reden später darüber, jetzt nimm ihn und geh ins Wohnzimmer mit ihm, ich räume hier auf.“
Tiger war klug genug, sich diesmal nicht zu wehren, als Clara ihn nun auf den Arm nahm und mit ihm ins Wohnzimmer ging. Dort verzog er sich hinter den Kamin und leckte ausgiebig sein arg strapaziertes Fell.
Am Abend hielt die Familie gemeinsam Rat und kam überein, daß der Vorfall der Jugend des Katers zuzuschreiben war. Luisa bestand lediglich darauf, daß Tiger fortan nicht mehr in die Küche durfte und sollte es dennoch eine Wiederholung geben, so müßte Tiger eben weg. Damit waren alle einverstanden. Auch Tiger, der nur am Abend noch einmal kurz beim Schlupfloch unter der Treppe vorbei schaute und sein Versprechen gab, die Mäuse in Zukunft in Ruhe zu lassen. Im Gegenzug gab Eusebia ihm ihr Wort, daß sie ihn nicht mehr in Schwierigkeiten bringen würden und versprach, ihre Raubzüge – die zur Nahrungsbeschaffung schließlich sein mußten, was Tiger auch einsah – sehr diskret zu halten.

ENDE


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Weihnachten bei Familie Maus
Veröffentlicht von Pferdefreundin am 25. 10. 2005 15:06

England, 1895

Im Haus der Jamesons saß im Dezember niemand müßig herum. Luisa Jameson, die Mutter stand schon lange vor Tagesbeginn aus (auf) , schürte das Feuer in der Küche und setzte Wasser für Tee auf. Dann weckte sie ihre Töchter, Agatha und Clara, so wie (und) etwas später David, ihr kleinstes Kind, der nur Davy gerufen wurde. Das schon zur besseren Unterscheidung von ihrem Gatten, der auch David hieß und den sie noch vor Davy weckte. Waren die Mädchen und ihr Mann erst aus dem Haus, schwang Luisa die Rührschüsseln und das Nudelholz und wenn der Kuchen in der Bratröhre steckte und seinen herrlichen Duft durch das kleine Haus verströmen ließ, setzte Mrs. Jameson sich in den Ohrensessel vorm Kamin(Komma) um an einer Stickerei zu arbeiten oder etwas zu nähen.
Clara, die noch zur Schule ging, half ihrer Mutter bei der Zubereitung des Mittagessens. Sie konnte auch schon allein mit einem Korb zum Markt gehen, um frisches Gemüse oder einen Fisch vom nahen Hafen zu holen. Wenn Agatha dann kam, stand meist schon die dampfende Schale Kartoffeln auf dem Tisch und oft brachte sie noch etwas mit, denn Agatha arbeitete seit einem halben Jahr in dem Gemischtwarenladen in der Forestroad. So gab es manchmal eingemachtes Obst zum Dessert, für Davy Lakritz, ein Säckchen feines weißes Mehl(Komma) mit dem ihre Mutter backen konnte und für die jüngere Schwester brachte sie schon mal ein Band fürs Haar mit.
Kehrte der Vater spät abends aus dem Bergwerk heim, ließen ihn die Kinder und seine Frau erst einige Minuten ausruhen, denn sie wußten, daß (wussten, dass) seine Arbeit sehr anstrengend war. Doch meist dauerte es kein viertel einer Stunde, dann stand er von seinem Sessel auf und spielte mit den Kindern, zeigte Davy und Clara, wie man aus trockenen Zweigen und Bast ein kleines Floß bauen konnte und setzte dieses nur handgroße Spielzeugs (Spielzeug) zu Davys Entzücken in den großen mit kaltem Wasser gefüllten Zuber, in dem die Familie samstags badete.
Im Dezember lag ein ganz besonderer Zauber über das kleine Haus der Jamesons, alles wirkte ein bißchen (bisschen) geheimnisvoll, aber sehr gemütlich. Das fand auch Familie Maus, die unter der Treppe wohnte und die Geschehnisse von dort genau beobachtete. Eusebia Spitzzahn, die Matriarchin der Mäusefamilie(Komma) hatte dieses Haus ganz bewußt (bewusst) ausgesucht. Zu reich hatten die Eigentümer nicht sein dürfen, denn reiche Leute – so wußte die lebenserfahrene Mäusin – holten bei den ersten Anzeichen von Nagetieren gleich den Kammerjäger. Außerdem waren die Häuser Reicher so gut und fest verputzt, daß die zwar scharfen, aber kleinen Mäusezähnchen Schwierigkeiten hatten. Arm allerdings sollten die Bewohner auch nicht sein, denn auch wenn man bei Armen leicht unterkommen konnte, so gab es in solchen Wohnungen kaum etwas, von dem eine ganze Mäusesippe leben konnte. Die Jamesons dagegen waren goldrichtig, sie waren nicht wohlhabend, doch auch nicht bettelarm. Die Kinder, besonders der kleine Junge, vergaßen öfter mal einen Keks oder ein Marmeladenbrot, wenn sie in ein Spiel vertieft waren. Und die Käserinden schnitt die Mutter stets recht großzügig ab, auch war der Vorratsschrank von hinten für eine nicht zu große Maus gut zugänglich. Kurz, die Sippe hatte ihren Platz gefunden und residierte nun schon seit mehr als einem Jahr in jenem Hohlraum.
Eusebia, die schon einige Winter erlebt hatte, wußte um die Bedeutung von Weihnachten und hatte nun ihre Enkel und Urenkel um sich versammelt, die ihr staunend zuhörten und nur ab und zu Fragen einwarfen. So wie der kleine Knabber, der erst im Spätsommer geboren worden war und selbst jetzt noch kaum größer als ein zwei Wochen altes Mäusekind war. „Aber warum machen die Menschen denn das alles? Ich meine, wenn sie nur jetzt die Kuchen und Plätzchen backen(Komma) ist das zwar schön, aber es wäre doch auch im Sommer schön. Mir jedenfalls schmecken Kekse immer.“
Eusebia nickte andächtig mit ihren (ihrem) langnasigen Kopf. „Ja(Komma) ja, da ist schon was dran, was du da sagst. Aber die Menschen sind eben rätselhaft und genau weiß ich auch nicht, warum sie Weihnachten feiern. Aber ich finde gut, daß sie es tun, denn zu keiner anderen Zeit gibt es einen solch gut gedeckten Tisch für uns Mäuse.“
Taps nickte. Er hatte zusammen mit seiner Zwillingsschwester Tora einen großen Berg Rosinen in das Versteck der Mäuse geschleppt. Auch jetzt hatte er eine davon in den Backen. „Die schmecken herrlich, sollte es wirklich das ganze Jahr über geben.“
Neben den Rosinen lag eine stattliche Anzahl Nüsse, süße Mandeln, aromatische Haselnüsse und Walnüsse von gewaltiger Größe. Außerdem hatten zwei der kräftigeren Mäuseriche einen rotbackigen Apfel angeschleppt und es gab reichlich Käserinden. Die Mäusesippe schwelgte in den Köstlichkeiten und beobachtete gespannt das Geschehen im Haus.
Luisa rührte Plum-Pudding an und Clara, auf einer kleinen Holzbank stehend, half ihr dabei. Dann kam David eines Abends mit einem Tannenbäumchen nach Hause und fortan wurde das Wohnzimmer abgeschlossen, nur die Eltern gingen noch hinein. Über jedem Türrahmen wurden Mistelzweige angebracht und wenn David und Luisa sich darunter begegneten, küßten (küssten) sie sich.
Dann, am Weihnachtsmorgen, durften die Kinder endlich wieder ins Wohnzimmer und liefen sogleich zu ihren am Kamin aufgehängten Strümpfen, die fast überquollen vor Zuckerwerk, Spielzeugen, Äpfeln, Nüssen und Orangen. Das Feuer warf ein angenehmes Licht und spendete wohlige Wärme. Das genoß (genoss) auch die Mäusefamilie, die sich bis unter den Sessel vorgewagt hatte. Die Familie war sowieso zu beschäftigt, um auf Mäuse zu achten.
Unter dem mit Plätzchen und Äpfeln behängten Baum lagen weitere Geschenke, eingewickelte Kostbarkeiten, die bei ihren Empfängern Entzücken hervorriefen. Luisa umarmte ihren Mann mit Tränen in den Augen, als sie die Kette auspackte. Davy hatte nur noch Augen für das Holzpferd, auf dem er sitzen konnte und Agatha lief gleich mit dem neuen Kleid nach oben, um es anzuprobieren. Claras Geschenk allerdings war nicht verpackt gewesen, es war in einem geflochtenen Weidenkorb gekommen, den ihr Vater ihr mit feierlicher Miene überreicht hatte. Der Korb hatte Geräusche von sich gegeben, leise zwar, aber für die Mäuse mit ihrem feinen Gehör dennoch wahrnehmbar.
Zögernd hatte Clara in den Korb geblickt und vor Staunen große Augen bekommen. Dann, ganz vorsichtig, hatte sie das Kätzchen daraus empor gehoben. Es war ein kleiner Kater, grau getigert und mit einer hellblauen Schleife um den Hals. „Und er ist wirklich für mich?“(Komma) wollte Clara wissen und strich vorsichtig über das weiche Fell.
„Ja(Komma) mein Schatz, er gehört dir ganz allein.“ Ihr Vater lächelte sie liebevoll an. „Unser Vorarbeiter erzählte letztens, daß seine Katze geworfen hat – so nennt man das, wenn Katzen Junge bekommen – und fragte, wer welche haben wollte. Da dachte ich sofort an dich und das (dass) so ein Kätzchen ein wunderbares Geschenk für dich sein würde.“
„Es ist wundervoll!“(Komma) rief Clara freudig. „Sag, ist es ein Mädchen oder ein Junge?“
„Es ist ein Kater“, erklärte ihr Vater. Das hatte er wohlweislich ausgewählt, denn eine Katze im Haus war gut und schön und würde die Mäuse fernhalten, doch eine weibliche Katze konnte sich rasch und reichlich vermehren.
„Hat er schon einen Namen?“(Komma) wollte Clara wissen.
„Nein, ich dachte(Komma) es wäre nett, wenn du ihm selbst einen geben würdest.“
Clara hielt ihr Kätzchen auf dem Arm und streichelte nachdenklich das weiche Fell. „Ich weiß, ich wird (werde) ihn Leonardo nennen. Wie Leonardo da Vinci, über den haben wir letzte Woche in der Schule gesprochen.“
„Das ist aber ein doofer Name für eine Katze“, krähte Davy, der sich nun von seinem Pferd losgerissen hatte, um ebenfalls das neue Familienmitglied zu betrachten.
Auch Agatha war inzwischen zurück, im neuen Kleid, das dunkelrot schimmerte und sehr hübsch an ihr aussah. „Er sieht ein bißchen aus wie Mr. Bottlboom, der kleine alte Mann, der immer Mittwochs kommt(Komma) um Schnaps zu kaufen, der hat auch so eine kleine rote Nase. Vielleicht sollten wir ihn so nennen.“
„Nein, auf gar keinen Fall“, wiedersprach (widersprach) nun Luisa.
„Dann Jeremy“, sagte Clara. „Den Namen finde ich schön.“
„Das geht nicht, Jeremy heißt doch unser Pastor mit Vornamen. Du kannst einen Kater doch nicht nach einem Geistlichen nennen“, sagte Luisa, die streng gläubig war und jeden Sonntag zur Kirche ging.
Clara schlug noch weitere Namen vor; von Philosophen und Literaten, von denen sie in der Schule gehört hatte, Vornamen, die ihr hübsch erschienen, doch immer hatte irgendwer von der Familie einen Einwand. Luisa war strikt dagegen(Komma) einen Vornamen zu verwenden, den einer ihrer Bekannten trug, selbst wenn es sich nur um den Namen von dem Bruder einer Klassenkameradin Claras handelte.
„Dann nenne ich ihn eben Tiger, weil er ein getigertes Fell hat“, erklärte Clara schließlich.
Dagegen hatte nun niemand etwas einzuwenden und so wurde der kleine Kater gleich getauft. Gegen Luisas Protest bestand Clara auf eine richtige Taufzeremonie und in Ermangelung eines echten geistlichen (Geistlichen) übernahm sie diese Rolle selbst, nahm etwas Wasser in die hohle Hand und tupfte es auf die Stirn des Katers. Doch tiger (Tiger) wollte nicht getauft werden, kaum hatte das Wasser sein Fell berührt, fauchte er und sprang von Claras Arm. Dabei ritzten seine Krallen ihre Haut und weinend lief sie zu ihrer Mutter.
Tiger unterdessen flüchtete sich unter den Sessel. Die Eltern waren damit beschäftigt(Komma) ihre jüngste Tochter zu trösten und ihr zu erklären, wie sie sich einer Katze gegenüber verhalten mußten , um nicht gekratzt zu werden, so daß die Mäusefamilie keine Aufmerksamkeit erregte, als sie vom Sessel durchs halbe Wohnzimmer floh.
„Kinder, nun ist die schöne zeit (Zeit) vorbei“, sagte Eusebia mit unheilvoller Stimme.
„Ein schreckliches Tier“, keuchte Triffle, der aufgrund seines Übergewichts leicht außer Atem war. Schnelles Laufen war er nicht gewohnt.
Schnuffel nickte. „Was können wir nur tun, er wird uns alle töten, eine (einen) nach der (dem) anderen, bis keiner mehr übrig ist.“
Eusebia warf ihm einen warnenden Blick zu, denn sie wollte nicht, daß der gelbliche Mäuserich den Kleinen solche Angst einjagte. „Noch ist der Kater klein, kleine Katzen sind nicht so gefährlich.“
„Aber er wird groß werden“, sagte Tora. „Und das sicher bald, er ist ja jetzt schon so riesig. Habt ihr seine Zähne gesehen? In dieses Maul paßt (passt) eine ganze Maus.“
„Wir bleiben auf jeden Fall in unserem Versteck. Niemand geht raus. Noch reichen unsere Vorräte und dann müssen wir uns eben überlegen, wie wir neue beschaffen“, entschied Eusebia.
„Aber was bloß?“(Komma) piepste Knabber.
Damit war selbst Eusebia überfragt. Und auch keiner von den anderen wußte (wusste) Rat. Der einzige, der bereits seine Erfahrungen mit Katzen gemacht hatte, war Triffle; bis auf ihn war seine ganze Familie einer hungrigen Katze zum Opfer gefallen und er hatte nur überlebt, weil er, als die Sippe zum Küchenschrank floh, unter der Tür stecken geblieben war. Die Katze hatte sich den anderen Mäusen zugewandt und so hatte er sich vor Angst halb wahnsinnig irgendwie befreien können und war geflohenen (geflohen). Hungrig und mit den nerven (Nerven) völlig am Ende hatte er nach langem lauf (Lauf) irgendwann Eusebia getroffen und sich ihrer Sippe angeschlossen.
Die schöne Stimmung jedenfalls war verflogen, selbst Taps konnte sich nicht an den Rosinen freuen. Das Versteck im Hohlraum unter der Treppe war größer als so mancher Unterschlupf, doch einer so quirligen Sippe wird auch in dem größten heim (Heim) schnell langweilig. Wenn man den ganzen Tag nur auf Nüsse starren kann, macht es irgendwann auch keinen Spaß mehr, den Bruder damit zu ärgern(Komma) die Schalen nach ihm zu werfen.
So dauerte es nur bis zum folgenden Abend, bis Tora und Taps die sichere Heimat verließen und bis ins Wohnzimmer huschten. Dort, auf dem weichen Teppich vor dem Kamin, spielte Clara mit Tiger und einem Wollfaden, nach dem er mit seinen Pfoten schlug. Die Krallen blitzten dabei gefährlich auf und erschrocken liefen die Zwillinge zurück.
Lange hielt die Angst über das gesehene (Gesehene) jedoch nicht an, dazu waren die Mäuse einfach zu unternehmungslustig. Bis auf Triffle, der lieber schlafen wollte und Eusebia, die aufräumen wollte, waren am nächsten Tag alle Mäuse draußen. Und da nichts passierte, verflog die Angst vor Tiger rasch.
Doch dann, es waren erst drei Tage seit jenem Morgen vergangenen, stand Taps plötzlich Tiger genau gegenüber. Er hatte eigentlich nur gucken wollen, ob im Küchenschrank noch Rosinen waren und dabei hatte er den Weg unter dem Tisch durch (hinweg) gewählt, weil man dort am Boden eigentlich immer die eine oder andere Leckerei finden konnte. Er hatte aber nichts gefunden, stattdessen ragte wie aus dem nichts (Nichts) plötzlich der graue Katzenkopf vor ihm auf, mit weißen Schnurrhaaren, die so lang wie er selbst waren. Im ersten Moment war Taps vor Angst erstarrt, dann war er weggerannt, so schnell ihn die Beinchen trugen und hatte,(kein Komma) völlig atemlos von seinem Erlebnis berichtet.
„Das sollte uns eine Warnung sein“, sagte Eusebia. „Taps lebt nur noch, weil er großes Glück hatte. Dieser Kater wird gut gefüttert, doch Katzen jagen Mäuse auch, wenn sie genug zu fressen haben. Er ist noch jung, doch wir müssen etwas unternehmen.“
„Wir sollten dieses Haus verlassen“, meinte Triffle. Einige andere nickten und murmelten zustimmend.
Doch so leicht war es damit nicht, schließlich war Winter, draußen lag zentimeterhoher (Zentimeter hoher) Schnee und selbst ohne diese ungemütlichen Wetterverhältnisse war es schwer, ein passendes Haus zu finden. Also mahnte Eusebia die Sippe weiter zur Vorsicht.
Doch alle Warnungen nützten nichts, denn schon am nächsten Tag geriet Triffle in Tigers Pfoten. Der dicke Mäuserich hatte nur eben rasch zum Schrank huschen wollen, doch auf dem Weg unter dem Tisch durch hatte der junge Kater ihn erwischt. Tiger hatte seine Krallen eingezogen, so daß Triffle nicht verletzt wurde, doch schubste er den vor Angst wie erstarrten Mäuserich immer wieder leicht an. Das (Dass) er so erstarrt war, war seine Rettung, denn Tiger wurde das Spiel mit der Maus bald langweilig. Er gab ihm noch einen letzten Stoß, der ihn einige Zentimeter über den glatten Boden rutschen ließ, dann lief er ins Wohnzimmer zurück, um sich auf seinem Lieblingsplatz vor dem Kamin zusammen zu rollen.
Tora, die erschrocken vom Schrank aus zugesehen hatte, huschte zu Triffle hin und biß (biss) ihn leicht ins Ohr, um ihn zu erwecken. Am ganzen Körper zitternd folgte der Mäuserich ihr in den Unterschlupf.
Kam (Kaum) erfuhr Eusebia von dem gefährlichen Abenteuer, verbot sie strickt weitere Unternehmungen. Und um ganz sicher zu gehen, zog sie selbst vor das Loch und an ihr kam keine Maus einfach so vorbei. Das wollte nun allerdings auch keiner, nicht mal Taps wagte es, nach Rosinen zu fragen.
Die Ruhe der Mäuse wurde recht bald erneut gestört; Tiger hatte den Schlupfwinkel unter der Treppe nämlich entdeckt. Und nun lag er davor, seit Stunden schon, völlig unbeweglich mit jener immensen Geduld, die seiner Gattung eigen ist.
Drinnen waren die Mäuse zwischen Angst und Verzweiflung hin und her gerissen. Aus Langeweile hatten sie bereits den größten Teil ihrer Vorräte verzehrt und auf die trockenen Brotbröckchen, die noch in einer Ecke lagen, hatte niemand Appetit. Um neue Vorräte zu holen, warteten sie, bis Clara mit ihrem Kater spielte. Doch Tiger hatte seinen eigenen Willen und von dem Spiel schnell genug. Lieber lief er unter die Treppe, schnüffelte dort, roch frische Mäusespuren, die in die Küche führten und folgte ihnen.
Um genügend Vorräte mitzunehmen, war die ganze Sippe losgezogen und wuselte nun zwischen Schrank, Vorratskammer und Tisch herum. Dabei achteten sie nicht auf den Kater, denn den wähnten sie im Wohnzimmer. Und da es noch recht früh am tage (Tage) war, waren David und Agatha noch nicht zu hause (Hause). Luisa saß strickend vorm Kamin, Davy spielte davor mit Holzfiguren, außerdem hatten sie vor ihm keine Angst. Der kleine Junge jubelte sogar entzückt, wenn er mal eine Maus sah.
Auf leisen Pfoten lief Tiger unter dem Tisch durch. Toras Warnschrei kam zu spät, Tiger hatte Taps schon erwischt und hielt eine Pfote auf den Mäuseschwanz gedrückt. Fasziniert betrachtete er das kleine Tier und schien zu überlegen, was er nun mit ihm machen sollte.
Eusebia hingegen handelte, sie huschte flink hinter den Kater und biß ihn mit ihren scharfen Zähnen so kräftig sie konnte in die Pfote. Tiger hatte recht dickes Fell, doch die Mäusezähne waren lang und scharf genug(Komma) das zu durchdringen und mit einem wütenden Fauchen fuhr er herum.
So kam Taps zwar frei, doch nun befanden sich Eusebia und Schnuffel, der ihr zur Hilfe geeilt war, in seinem Fokus. Doch Eusebia kannte nun keine Angst, sie baute sich vor dem Kater auf und sah ihn herausfordernd an. „Dies ist unser Heim, wir sind schon länger hier als du, also laß (lass) uns in Ruhe, sonst sorgen wir dafür, daß du verschwindest.“
Tiger lachte. „Wie denn? Ich bin viel größer als ihr. Und mich mag die Familie. Ich habe ein herrlich weiches Fell, jeder streichelt mich gern und spielt mit mir. Wenn ich schnurre, freuen sich alle. Euch dagegen wollen sie gar nicht im Haus haben. Und ich soll dafür sorgen, daß ihr verschwindet.“
„Ich gebe dir noch eine letzte Chance“, sagte Eusebia. „ Laß uns in Ruhe oder du wirst es bereuen.“
Tiger hob eine Vorderpfote und fuhr demonstrativ die Krallen aus. Er bewegte sie leicht vor Eusebia hin und her. „Siehst du die hier? Die könnten jede Maus ganz schnell in Fetzen reißen. Aber ich find euch ganz unterhaltsam, daher werde ich euch noch nicht sofort töten.“
„Gut, du hast es nicht anders gewollt.“ Eusebia gab den Mäusen ein Zeichen, dann huschten alle herum und einige zwickten Tiger in Beine und Bauch. Bevor der Kater sie fangen konnte, waren sie schon weg, auf den Tisch gesprungen. Das war für ihn kein Problem, dorthin konnte er ihnen leicht folgen.
Eusebia plazierte (platzierte) sich neben dem Milchkrug und wartete bis zum letzten Moment. Sie wußte, daß Tiger es auf sie abgesehen hatte und der durch seinen Sprung verursachte Windzug wirbelte ihr Fell auf. Vielleicht war es aber auch der Windzug des umfallenden Kruges. Vor den war Tiger nämlich genau geprallt und nun zerschepperte das irdene Gefäß auf dem Fußboden. Ein Schwall Milch ergoß (ergoss) sich, tränkte Tiger und bespritzte auch die Mäuse im näheren Umkreis.
Wütend fauchend schüttelte Tiger sich, verursachte so einen weiteren Milchregen. Er haßte (hasste) es(Komma) nasses Fell zu haben. Diese verdammte Maus würde er schon kriegen und diesmal würde er nicht zögern, ihr den Garaus zu machen. Er entdeckte Eusebia auf dem Sims, zwischen dem (den) Salztöpfen, dem Buttertiegel und dem Mehlsäckchen.
„Fang mich doch!“(Komma) rief sie herausfordernd.
„Darauf kannst du dich verlassen“, zischte Tiger und sprang hoch. Der Sims war schmal, viel zu schmal für den Kater, der auf der glatten Oberfläche keinen Halt finden konnte und mit den Pfoten ruderte. Dabei warf er erst das Salz und die Butter herunter. Der schwerere Mehlsack stand etwas länger, dann fiel er zusammen mit Tiger herunter. Im Flug hatte er sich geöffnet und Mehlwolken vernebelten die Küche. Der größte Teil des feinen weißen Mehls aber war auf Tiger gelandet und haftete gut in dem milchfeuchten Fell.
Durch das Gepolter und Tigers Fauchen angelockt(Komma) liefen Luisa und Clara in die Küche. Luisa faßte (fasste) sich erschrocken ans Herz und bekreuzigte sich. „Mein Gott! Was hat dieser Kater nur angestellt? Er benimmt sich ja, als wäre der Teufel persönlich in ihn gefahren.“
Clara eilte über den rutschigen Boden zu ihrem Kater, ergriff Tiger, der sich immer noch wie toll gebärdete. Er wollte nicht auf den Arm genommen werden, sondern den Mäusen und ganz besonders Eusebia nachjagen.
Da er so zappelte und der Boden von Milch, Mehl und Butter schlüpfrig war, verlor Clara das Gleichgewicht und landete auf ihrem Hintern. Tiger stob davon und erstaunt sah sie ihm nach. „Was hat er denn nur?“
Luisa eilte zu ihrer Tochter und hob sie hoch. „Ist alles in Ordnung mit dir, mein Schatz? Oder hat er dich etwa gekratzt?“
„Nein“, sagte Clara und sah sich nach Tiger um, der nun vor dem Küchenschrank lauerte. Seine Schwanzspitze zuckte hin und her und die Schnurrhaare zitterten nervös auf und ab.
„Vermutlich hat er eine Maus gesehen“, meinte Luisa. „Aber auch wenn das der Fall war, keine Maus könnte so viel Schaden anrichten wie dieser Kater. Ich will ihn nicht mehr im Haus haben.“
„Aber Mami, wo soll er denn sonst hin? Tiger ist doch noch so klein und draußen ist es so kalt. Außerdem war er doch mein Weihnachtsgeschenk.“ Tränen schimmerten in den Augen des Mädchens. Sie liebte Tiger über alles und wenn er sie mal kratzte, verzeih (verzieh) sie ihm rasch.
„Ja(Komma) ja, schon gut, wir reden später darüber, jetzt nimm ihn und geh ins Wohnzimmer mit ihm, ich räume hier auf.“
Tiger war klug genug, sich diesmal nicht zu wehren, als Clara ihn nun auf den Arm nahm und mit ihm ins Wohnzimmer ging. Dort verzog er sich hinter den Kamin und leckte ausgiebig sein arg strapaziertes Fell.
Am Abend hielt die Familie gemeinsam Rat und kam überein, daß der Vorfall der Jugend des Katers zuzuschreiben war. Luisa bestand lediglich darauf, daß Tiger fortan nicht mehr in die Küche durfte und sollte es dennoch eine Wiederholung geben, so müßte (müsste) Tiger eben weg. Damit waren alle einverstanden. Auch Tiger, der nur am Abend noch einmal kurz beim Schlupfloch unter der Treppe vorbei schaute und sein Versprechen gab, die Mäuse in Zukunft in Ruhe zu lassen. Im Gegenzug gab Eusebia ihm ihr Wort, daß sie ihn nicht mehr in Schwierigkeiten bringen würden und versprach, ihre Raubzüge – die zur Nahrungsbeschaffung schließlich sein mußten , was Tiger auch einsah – sehr diskret zu halten.

ENDE

Nette Geschichte. Schade, dass nicht noch mehr Bezug zu Weihnachten hergestellt wird.
lg

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Old Icke

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Danke für Deinen Kommentar und dass Du Dir die Mühe gemacht hast, den Text so gründlich nach Rechtschreibfehlern durchzugehen.
Es sollte ja weniger eine Weihnachtsgeschichte als mehr eine Mäusegeschichte sein.
Was mich noch sehr interessieren würde: Dies ist mein erster Beitrag hier und ich wollte ihn bei Fantasy einstellen, bekam aber dann eine mail mit der Benachrichtigung, dass mein Text zu den Kindergeschichten hin verschoben wurde. Ich hielt die Story bisher eigentlich für Fantasy...

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flammarion
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nee,

in deiner geschichte kommen ja "nur" natürliche wesen und vorgänge vor. zu fantasy gehören fantastische geschehnisse und wundersame geschehnisse.
dann werd ick mal selba mehr bezuch uff weihnachten herstellen . . .
lg
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Old Icke

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