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Leselupe.de > Humor und Satire
Weihnachten oder was?
Eingestellt am 10. 10. 2002 15:22


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kr_ali
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Oct 2002

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Jetzt fĂ€ngt langsam die Zuckerguss- und Sodbrennen-Zeit an, in den StĂ€dten herrscht große Betriebsamkeit; ĂŒberall werden kitschige Lichterketten quer ĂŒber die Einkaufsstrassen gespannt und in den Schaufenstern sieht man vor lauter feisten WeihnachtsmĂ€nnern und rot-goldenen Sternen kaum mehr, was man kaufen soll.
Die grĂ¶ĂŸten Egoisten und Choleriker laufen mit einem selbstzufriedenen LĂ€cheln durch die kaltglĂ€nzende, frostige Welt und werfen sogar ausnahmsweise etwas in die verschlissenen HĂŒte der armen Menschen, die schon wieder oder noch immer oder wieder einmal arbeitslos und ohne festen Wohnsitz sind, und am Straßenrand mit kleinen, ungepflegten Hunden kauern.

Alles fĂŒhlt sich sehr weihnachtlich, man riecht sĂŒĂŸlich-harzige DĂŒfte wie in hollĂ€ndischen Discos, hat zwischen den ZĂ€hnen Konfekt- und/oder PlĂ€tzchenreste und versöhnt sich fĂŒr eine Weile mit der Umwelt, fĂŒhlt sie nicht mehr als Fremdkörper, wo sich hier natĂŒrlich die Frage stellt, wer der Parasit ist.

Nein, man versöhnt sich in Großmut mit allen und denkt, das ist es, das ist der Höhepunkt des Jahres, die Lieben oder Verwandten daheim reich zu beschenken und beschenkt zu werden und die Kassenzettel fĂŒr den Beschenkten an einem unzugĂ€nglichen Ort aufzubewahren. Interessant ist die Herkunft des altbekannten Spruches: „Das hĂ€tte er SICH schenken können“. es weihnachtet sehr....

Es sind ja nur noch ein paar Wochen bis dahin. Rasch noch den Weihnachtsputz organisieren, der Frau noch verborgene PlÀtze zeigen, wo sich Keimzellen unbekannter Bakterien-Kulturen bilden konnten, kollegial Anweisungen zur Organisation des Weihnachtsessens erteilen, um sich letztlich milde und zufrieden bedienen lassen zu können.

Das Schwierigste an dieser Zeit ist doch das Besorgen der Geschenke, es kommt nĂ€mlich nicht auf das Geschenk an, sondern es geht darum, was man mit diesem Geschenk erreichen will, da gibt es die Geschenke fĂŒr den Partner, die einfach nur ein Lebenszeichen darstellen, solche, prunkvoll und sehr teuer, wenn man noch mehr vom anderen fordert oder gern hĂ€tte und es werden – aus der Zeit und dem Verwandtschaftsgrad erzwungen - unauffĂ€llige BekleidungsstĂŒcke verschenkt. Ach ja, die Kleinen nicht zu vergessen, denen man das Ersehnte schenkt, um Ruhe zu haben, hier aber ist darauf zu achten, dass man nicht kontraproduktiv handelt...

Und so steht man an den ellenlangen Schlangen der Kassen, stĂ¶ĂŸt sich die Schulter oder das Becken an kindgerecht aufgebauten Regalen dort und schaut in die Gesichter genervter Kassiererinnen, die denken „Warum jetzt?“.

Diese Frage ist auch berechtigt, gerade zu einer Zeit, wo man stĂ€ndig auf den Ursprung, die Ursache von Problemen, irgendwelcher unliebsamer oder merkwĂŒrdiger Symptome zu drĂ€ngen versucht, wird hier alle Forschung ausgelassen, und man bleibt an der seicht wirkenden OberflĂ€che und blickt nicht zurĂŒck, zu dem Geburtstag eines Glaubensstifters wohl in einem ziemlich dreckigen Stall wohl mit Nutzvieh wohl irgendwo im Nahen Osten, nĂ€mlich Betlehem.

Vielleicht auch deswegen, weil es schon so lange her ist und man nur denken kann oder will, dass es so gewesen sein könnte, es eben glaubt.

Aber warum nimmt man dann diese Haltung nicht in anderen wichtigen Angelegenheiten genauso gelassen ein, wie es eben sogar beim sogenannten Glaubensursprung getan wird?

„Ich glaube, dass ich Dich liebe“, „Ich glaube, Dich nicht betrogen zu haben“, „Ich glaube, das ist alles gewesen“, all solche SĂ€tze wĂŒrden eine neue QualitĂ€t gewinnen. Man wĂ€re doch viel zufriedener.

Ach so, erst wenn man etwas nicht (mehr) wissen kann oder will, oder will, daß der andere nichts weiß, geht es ans glauben, aber wenn es glaubwĂŒrdig ist, dann droht man es wenigstens in AnsĂ€tzen zu wissen, ist also kein reiner Glauben mehr und hat dann jedenfalls nichts mehr mit Religion zu tun. Das ist fast wie Mengenlehre.

Nun, hier geht es ja um das Feiern, daß man glaubt.

Geht man also nach dem reinen Glauben, haben wir die religösen Wurzeln aus den Augen verloren und sind dankbar dafĂŒr; die angebliche Tradition hat eine Eigendynamik angenommen, ist selbstĂ€ndig geworden, und hĂ€ngt als Lametta im Bratenduft auf Tannen.

Vor dem Hintergrund weihnachtlich gefĂŒllter Kirchen sind die Menschen, die unrasiert mit ihren ungepflegten Hunden und schĂ€bigen HĂŒten am Straßenrand sitzen, fĂŒr mich jedoch die authentischsten und ehrlichsten Vertreter unseres Glaubens.

Haben Sie jetzt endlich all IHRE Geschenke?
Ich glaub, ich nicht.

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Stoffel
gesperrt
One-Hit-Wonder-Autor

Registriert: Jun 2002

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Hallo,

hat mich echt amĂŒsiert.
Und jedes Mal:
Neiiin..wir Erwachsene schenken uns nix!
*lach*

Der Spruch ist gut:
"Das hÀtten SIE sich schenken können"*lach*

Ok,ich hab noch ein Kind daheim.So also backe ich noch tonnenweise Kekse, die eh nie bis Weihnachten halten.Des Kinderspaßes wegen und denke mir:
Wenn sie aus dem Haus ist, kaufe ich endlich die billigere Variante beim Aldi.Keine Arbeit mehr damit.

Ich kann Weihnachten ansonsten nicht leiden.Nicht das,was die meisten unter Weihnachten verstehen.Scheiss Konsum.Ehrlich.

So, nun haste mich so richtig auf Zack gebracht.*lach*
War mir ein VergnĂŒgen, darĂŒber jetzt schon zu lĂ€stern.

Schöne Vorweihnachtszeit
wĂŒnscht
Stoffel

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unbekannt2581
???
Registriert: Jan 2002

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Willkommen in der leselupe mit diesem fulminanten Text.

Ahhh, endlich ein Weihnachtshasser mehr, der das "Mehr" sieht ;-)


oh du fröhleiche, in Diesem Sinne, *duck* ;-)

liebe GrĂŒsse

Mike

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