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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Weihnachtliches Familientreffen
Eingestellt am 16. 12. 2009 17:19


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Epiklord
Festzeitungsschreiber
Registriert: May 2009

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Nach lĂ€ngerer Abstinenz traf ich mich mit meinen Ă€lteren BrĂŒdern Karl und Uwe am Heiligabend bei den Eltern wieder und meine Freude hob an wie ein gasgefĂŒllter Luftballon. Leider haben Ballons die Neigung zu zerplatzen.

Mutter war noch am Putzen, wÀhrend Vater ein VogelhÀuschen bastelte. Und zwischen Karl, Uwe und mir herrschte Einigkeit; wir wollten uns nicht gegenseitig beschenken. Der Duft von GÀnsebraten steigerte meine Stimmung noch und Schneeflocken wie WattebÀuschchen schwebten gegen die Scheibe des Wohnzimmerfensters.

Dann wollte ich die Lichterkette ĂŒber den Christbaum hĂ€ngen. Aber Karl und Uwe hefteten sich an das Kabel und keiften einstimmig: „Wir legen die Lichterkette an. Schließlich sind wir in der Elektrobranche. Du kannst schmĂŒcken.“ Dazu hatte ich absolut keine Ambitionen. Doch ich gab nach. Dann rief Mutter zum FesttagsmenĂŒ.

Die Eltern hatten ihre MöhrendiÀtteller vor sich, und ich lechzte nach den prallen Keulen der Gans, leider pietÀtvoll, wie ich nun mal bin, einen Moment zu lange, denn im Nu hatten Karl und Uwe sich jeder einen Schenkel abgetrennt. Ich trat in den Hungerstreik und trank nur von dem Rotwein ein wenig.

Wie widerlich Karl schmatzte und diese lĂŒsternen Augen dabei. Und wie abscheulich sah doch Uwes Jackett um den Halsausschnitt herum aus. Lauter Schuppen waren darauf gerieselt. Mutter schaute besorgt zu mir herĂŒber und sagte: „Junge, nun iss doch. Es ist genug da.“ - Nein, es fehlte eine GĂ€nsekeule.

Am SpĂ€tnachmittag, Mutter war noch am Backen, machte sich Vater einen Spaß und verkleidete sich als Weihnachtsmann mit den Sachen von frĂŒher. Die Knopfleiste am Mantel ĂŒber seinen Bauch dehnte sich. Vater trabte hinaus in den Garten und polterte bald wieder niesend in die Wohnstube herein. Er drohte lachend mit der Rute: „Man pinkelt aber nicht in den Schnee.“ Uwe und Karl bezichtigten mich: „Enno muss es gewesen sein. Wir beiden haben ja nichts getrunken.“ „Soso“, explodierte ich.

„Es war ein Kaninchen.“ beruhigte Vater uns, entzĂŒndete die Kerzen, holte Mutter aus der KĂŒche und sie gaben jeden von uns einen Hundertmarkschein. Sofort entspannte sich die AtmosphĂ€re, bis Vater den Sack ausschĂŒttete. Er meinte etwas verlegen: „Irgendetwas musste ich ja in den Sack stecken. Vielleicht kann sogar jemand von euch den Plunder gebrauchen.“ Eine wunderschöne Spieldose und eine angefressene Puppe prĂ€sentierten sich.

Ich ĂŒberlegte, ob ich die Spieldose lieber in meiner Spiegelvitrine oder auf meiner BarsĂ€ule platzieren sollte, als sich Uwe ihrer bemĂ€chtigte. Diesmal protestierte Karl und ich befand mich plötzlich nicht mehr in der streitenden Minderheit. Und kĂŒhn brach es aus mir heraus: „Mir steht die Spieldose zu. Ihr habt die GĂ€nsekeulen verzehrt!“ Karl lenkte ein, er sammle neuerdings solche Dosen, und so wĂŒrde er bei einem Verzicht darauf am meisten leiden. Zudem behauptete er, Uwe könne nichts mit dem Spielzeug anfangen, er wolle ihn nur verĂ€rgern.

Die Kontrahenten bedienten sich eigensinniger Streitgepflogenheiten, mit dem Erfolg, dass Uwe sich wĂŒtend mit seiner Beute verabschiedete, und ich hatte nur noch einen Gegner, an dem ich den Frust ĂŒber mein erlittenes Unrecht abreagieren konnte. Ich zwinkerte Mutter zu und wandte mich an Karl: „Ich ĂŒberlasse dir die Puppe. FĂŒr dich wird es Zeit, Vater und Mutter endlich Enkelkinder zu bescheren, die damit spielen können.“

Ich wusste, dass Karl dieses Thema hasste, denn mit Frauen gab er sich nicht ab, weil er Ängste hatte, ihnen gegenĂŒber zu versagen. Karls SchĂ€del lief blaurot an. Er schmiss die Puppe fort, die Mutter ihm inzwischen in die Hand gedrĂŒckt hatte, stokelte hastig hinaus zu seinem Cabriolet und fuhr mit aufbrausendem Motor davon.

Mutter jaulte, und ich befĂŒrchte, erst wenn es GĂ€nse mit drei Beinen gibt, treffe ich mich mit meinen BrĂŒdern wieder.

*

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Lio
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Hallo Epiklord,


passend zur Weihnachtszeit beschreibt dein Text ein deprimierendes Familienzusammentreffen. Ich bin der Meinung, dass man den Text gut lesen kann, man findet Eingang in die Gedankenwelt des Prot., seine Charakterisierung ist dir gut gelungen.

Einige Sachen sind mir noch aufgefallen, die dich vielleicht weiterbringen.

1. Kommt mir der Wechsel von langen und kurzen SĂ€tzen manchmal zu abrupt. WĂ€hrend ein Absatz sehr viele kurze SĂ€tze enthĂ€lt und fĂŒr mich dadĂŒrch der Eindruck eines "abgehackten ErzĂ€hlens" ensteht, wird der nĂ€chste Absatz durch einen einzigen Satz beschrieben.

quote:
Dann wollte ich die Lichterkette ĂŒber den Christbaum hĂ€ngen. Aber Karl und Uwe hefteten sich an das Kabel und keiften einstimmig: „Wir legen die Lichterkette an. Schließlich sind wir in der Elektrobranche. Du kannst schmĂŒcken.“ Dazu hatte ich absolut keine Ambitionen. Doch ich gab nach. Dann rief Mutter zum FesttagsmenĂŒ.

Die Eltern hatten ihre MöhrendiÀtteller vor sich, und ich lechzte nach den prallen Keulen der Gans, leider pietÀtvoll, wie ich nun mal bin, einen Moment zu lange, denn im Nu hatten Karl und Uwe sich jeder einen Schenkel abgetrennt. Ich trat in den Hungerstreik und trank nur von dem Rotwein ein wenig.
quote:


2. Passen manche Formulierungen nicht.

quote:

.“ „Soso“, explodierte ich.
quote:


Ich glaube, man explodiert noch nicht, wenn man "soso" sagt. Er unterdrĂŒckt ja seinen Ärger damit.

quote:

Karl lenkte ein,
quote:



Wenn er einlenkt, dann macht er doch einen RĂŒckzieher.


3.Was ich schade fand, ist, dass ich den Text gelesen habe und ĂŒber nichts nachdenken kann. Es wird keine Frage aufgeworfen, keine Behauptung aufgestellt oder Ă€hnliches. Es ist die Beschreibung eines Weihnachtsfests einer x-beliebigen zerstrittenen Familie.

Ich finde, dass es in dem Text verschiedene Stellen gibt, wo dein Talent anklingt. Etwa bei dem Vergleich mit dem Heißluftballon, bei dem Bild der Schuppen auf dem Jacket, bei der Charakterisierung des Prot. etc. Wenn du am Inhalt feilst, dann könnte der Text richtig gut werden (versteht sich ja von selbst, dass ich nur von meiner persöhnlichen Meinung spreche)


Viele GrĂŒĂŸe!

Lio

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