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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Weihnachtsengel
Eingestellt am 16. 12. 2013 10:25


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Elenya
Hobbydichter
Registriert: Dec 2013

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Weihnachtsengel


Oh, the snow it melts the soonest when the
winds begin to sing,
And the corn it ripens fastest when the frost is
settling in,
And when a woman tells me, my face she’ll soon
forget,
Before we’ll part, I’ll wage a croon she’s fain to
follow’t yet.



Es schneit. Es schneit schon verdammte drei Tage lang, während ich hier stehe, singe und mir den Arsch abfriere. Es ist kälter geworden, ich spüre wie meine Zehen anfangen steif zu werden. Vorsichtig bewege ich sie zum Takt der Musik, doch durch meine schweren Stiefel und die drei Paar Wollsocken, die ich mir angezogen habe, ist das nur schwer möglich. Nur noch drei Lieder, sage ich mir, dann kann ich aufhören. Sowieso nichts los heute. Ein Blick in meinen Gitarrenkasten verrät mir jedoch, dass es nicht gut wäre, wenn ich nach drei Liedern aufhören würde. Wieder nichts eingenommen, was meine Lage verbessern würde. Und es schneit. Große, fette, weiße Flocken. Ich spüre sie auf meinem Gesicht schmelzen. Und ich singe und singe und singe…

Irgendwann kommt der Typ vom Glühweinstand rüber und meint, langsam würde ich stören. Ich schnauze ihn an, wenn ihn was stört, dann soll er doch die Fliege machen. Er könne sich doch freuen, so lange ich hier singe kommen wenigstens ein paar Leute auf den Platz auf dem sein beschissener Glühweinstand steht! Verärgert zieht der Typ ab, um sich erst mal mit einem Becher Glühwein zu beruhigen. Mir hat er natürlich noch nie einen angeboten. Warum auch. Ich bin nun mal der nervende Straßenmusiker, der mit seiner No-Name-Gitarre Musik macht. Keine Ahnung, was ihn so stört. Ich glaube nicht, dass es mein Gitarrenspiel oder meine Stimme ist – ich muss zugeben beides ist nicht schlecht.

Wahrscheinlich stört ihn mein Auftreten, meine Art. Tja, er war Derjenige, der mit dem Streiten angefangen hat. Aber ich bin auch viel zu stur, um mir einen anderen Platz zu suchen. Oder zu stolz.

Es wird dunkler. Die Lichter in den Häusern gehen an. Menschen zünden Kerzen in den Fenstern an. Und diese komischen Schwippbögen aus dem Erzgebirge. Die zünden sie auch an. Es schneit immer noch. Es sind jetzt bestimmt schon dreißig Zentimeter. Meine Füße fühlen sich wie Eisklumpen an, die an meinen Beinen kleben. Ein Wunder, dass ich noch stehen kann. Na, noch ein Lied.


Oh, never say me farewell here, no farewell I’ll
receive,
And you shall set me to the stile and kiss and
take your leave;
I’ll stay until the curlew calls and the martlet
takes his wing;
Oh, the snow it melts the soonest when the
winds begin to sing.



Ich stocke. Jemand klatscht. Verwundert sehe ich auf. Ist der Glühweinsäufer etwa doch noch auf den Geschmack gekommen? Es ist nicht der Typ vom Glühweinstand. Es ist eine Frau. Mann, wann hab ich das letzte Mal so eine Frau gesehen? Sie sieht hübsch aus. Verdammt hübsch. Sie hat so einen blau-weißen, selbst gestrickten Schal locker um die Schulter geworfen. Ihre langen dunkelblonden Haare fallen darüber. Irgendwie sieht sie wie ein Engel aus.

Ich komme mir ziemlich blöd vor, wie ich so dastehe und sie anstarre. Sie lacht nur und nickt mir ermutigend zu. Mir wird plötzlich ziemlich warm. Auch meine Füße tun nicht mehr weh – welch ein Wunder. Etwas verlegen räuspere ich mich und stimme meine Gitarre nach. Meine No-Name-Gitarre auf die ich auf einmal schrecklich stolz bin. Keine Ahnung warum.


The angel Gabriel from Heaven came,
His wings as drifted snow, his eyes as flame;
“All hail”, said he, “thou lowly maiden Mary,”
Most highly favoured lady, Gloria!

“For known, a blessed Mother thou shalt be,
All generations laud and honour thee,
Thy son shall be Emmanuel, by seers foretold,”
Most highly favoured lady, Gloria!

Then gentle Mary meekly bowed her head,
“To me be as is pleaseth God,” she said;
“My soul shall laud and magnify his holy name,”
Most highly favoured lady, Gloria!



Sie klatscht wieder. Und es schneit. Seltsam. Diesmal gefällt mir der Schnee. Die Flocken fallen auf ihr Haar und glitzern in den Lichtern der Kerzen. Eigentlich keine schlechte Idee, diese Kerzen. Ich fühle mich belebt und singe weiter. Ich singe und singe und singe. Sie bleibt und lauscht. Dann wirft sie mir nach jedem Lied ein wenig Kleingeld in den Gitarrenkasten. Und bleibt. Und lauscht. Sie lacht, sie beginnt mitzusummen und auf ihren Füßen vor- und zurückzuwippen. Ein paar mehr Leute kommen. Bleiben stehen. Lauschen. Werfen ein wenig Kleingeld in den Gitarrenkasten. Und ich singe und singe und singe.

Sogar der Typ vom Glühweinstand kommt rüber und weiß nicht ganz, was er sagen soll. Bei der großen Menge, kann er nicht wieder einen Streit mit mir anfangen. Da geht er doch tatsächlich zu seinem Stand und bringt mir einen Becher heißen Glühwein. Das beschissene Zeug schmeckt sogar. Ich bedanke mich bei ihm. Aber nur ganz leise, fast für mich.
Langsam beginnen die Leute weiterzugehen. Nur sie bleibt. Und lauscht. Irgendwann fragt sie mich, wo ich wohne. Ich meine, ich wohne mal hier mal dort. Sie nickt und lächelt.
Eine Weile singe ich noch. Es wird dunkler und kälter. Die Straßen werden leerer. Der Glühwein-Typ schließt seinen Laden und geht nach Hause. Die Kerzen in den Fenstern gehen aus. Nur sie bleibt und lauscht.

Bald verstumme ich. Doch sie bleibt.

Ich weiĂź, wo ich heute wohnen werde.

Und sie lächelt.


Ende

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Liedtexte: traditionelle englische Weihnachtslieder

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