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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Weihnachtsmärchen
Eingestellt am 14. 03. 2005 17:14


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Senerva
Festzeitungsschreiber
Registriert: Sep 2003

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Zwar ein wenig zu spät für Weihnachten, aber ich habe ihn jetzt erst wieder gefunden ^.^

~ * ~

Weihnachtsmärchen


Es war am Anfang des Wintermonats, als du mir sagtest, dass du nicht mehr mit mir zusammen sein willst. Wir hatten zwei Jahre zusammen verbracht und du tatest es damit ab, dass du keine Zeit für solche Gefühle hättest.
Ich war traurig – mehr noch, ich war enttäuscht von dir. Ich hatte geglaubt, meinen Seelenpartner gefunden zu haben, einen Freund, an dessen Schulter ich mich lehnen konnte, falls es mir irgendwann einmal schlecht gehen sollte. Nun ging es mir schlecht und du warst fort. Du hattest diese Liebe gleich einem Spiegel zerbrochen. Scherben bringen Glück, heißt es. Uns beiden wohl eher nicht.
In meiner Wohnung roch es nach Zimt und frisch gebackenen Plätzchen. Meine jüngere Schwester – ein Witz! Sie war nur drei Jahre jünger als ich! – war vorbeigekommen, um mich mit ihrer weihnachtlichen Laune anzustecken und besonders aufzuheitern. Doch es nutzte alles nichts. Ich blickte verdrossen vor mich hin, sah ab und an zu, wie meine Schwester, die ich in den letzten Jahren wahrlich lieb gewonnen hatte, den Teig für Spritzgebäck knetete.
In der Weihnachtszeit traurig und depressiv zu sein, so kannte sie mich nicht. Ich war immer fröhlich gewesen, ließ mich von der Flut der Weihnacht mitreißen und schließlich ganz einnehmen. Das alles hatte damals einen Grund gehabt, denn wir sind an Weihnachten zusammen gekommen. Dieses Jahr sollten wir es nicht mehr gemeinsam feiern.
Mein Lieblingsplatz war am Fenster in der Nähe von der Heizung, wo ich zugleich warm hatte und die Schneeflocken beobachten konnte, wie sie, leicht wie eine Feder, auf die Erde fielen und manch Kinderherz erfreuen konnten.
Ich wollte vergessen, alles einfach nur vergessen. Meine Schwester summte im Hintergrund fröhlich Weihnachtslieder, während ich den Kopf an die kalte Fensterscheibe lehnte. Meine Augen schlossen sich und ich sah dein Gesicht ganz deutlich vor mir. Besonders dein Lächeln, das hat mich immer verzaubert und in seinen Bann gezogen.
Doch dieses Lächeln war erloschen. Du hattest mir dein wahres Ich gezeigt, von dem ich dachte, dass ich es kannte.
Ich spürte eine Hand auf meiner Schulter und öffnete blinzelnd die Augen. Ich sah in das Gesicht meiner Schwester – wunderschön und so herzlich, jedoch geprägt von Mitleid -, die mir mit einem gespielt sanften Lächeln eine Tasse Tee reichte. Ich nahm von weiter Ferne war, dass sie nun gehen würde, weil sie unserer Mutter noch helfen musste, alles für Heiligabend, der ja schließlich morgen war, vorzubereiten. Sie würde noch die Plätzchen aus dem Ofen nehmen und dann gehen. Sie ließ mich allein wie du. Doch zuvor würde sie die Plätzchen noch bestäuben.
Ich wusste nicht, ob ich eingeschlafen war oder nicht, doch, als ich die Augen wieder öffnete – wann hatte ich sie überhaupt geschlossen? – war sie weg und draußen graute bereits der Morgen.
Die Weihnachtsstimmung hielt sich noch immer in meiner Wohnung auf. Der Zimtgeruch drang mir in die Nase und ich musste husten und ein paar Mal die Luft anhalten, um ihn zu vertreiben. Ich öffnete, obwohl es draußen eisig kalt war, die Fenster und ließ die frische Luft hinein. Obwohl jene nach Schnee roch, war mir diese doch viel lieber.
Ich sah, dass die Tasse mit Tee auf der Fensterbank stand, halb von mir leer getrunken. Genau in diesem Moment schmeckte ich den Apfel-Zimt-Geschmack in meinem Mund. Es war einfach nur noch ekelhaft. Ich hasste Weihnachten, ich hasste einfach alles an Weihnachten! Wie schnell konnte sich Liebe doch in Hass umwandeln!
Mit lautem Klirren fiel die Tasse auf den Boden und zerbrach. Ich ging in die Knie und hob die Scherben langsam auf, wobei ich sicher nicht vorsichtig vorging – vielleicht war das auch der Grund dafür, dass ich mir mehrmals in die Hand schnitt. Mich störte es kaum, mir war es einfach nur egal. Es herrschte ein Chaos von Gefühlen in meinem Innern und ich konnte einfach nicht mehr Herr der Lage sein. Stumm liefen Tränen über meine Wangen, die ich beschämt mit der blutigen Hand beiseite strich. Ich hatte nicht um dich geweint, damals wollten nämlich einfach keine Tränen kommen. Und nun … nun war alles anders. Mein Körper und mein Kopf wollten einfach Abschied von dir nehmen, doch mein Herz … also ich, einfach nicht.
Ich nahm von weitem wahr, wie ich aufstand und die Scherben einfach wieder auf den Boden fallen ließ, obwohl ich mir zuvor die Mühe gemacht hatte, sie aufzuheben. Das Telefon klingelte. Ich setzte mich langsam in Bewegung, doch nicht in die Richtung, wo das Telefon war, sondern quer durch die Küche Richtung Wohnungstür. Ich wollte hinaus in die eisige Kälte, ich wollte, dass sie in meinem Körper gleich brennen Nadeln stach und mir sagte, warum du mir das wirklich angetan hast! Warum nur … ?
Ich stolperte die Treppe hinunter, dann den Flur entlang und schließlich war ich draußen. Die Straße vor mir war leer und auf dem Feld gegenüber sah ich, wie einige Kinder im Schnee tollten und eine Schneeballschlacht machten.
Meine Hände hingen schlaff am Körper hinab und somit tropfte das rote Blut auf den Boden und hinterließ eine Spur der Trauer. Ich schleppte mich mühsam voran, jeder Schritt erschien mir als eine Qual. Von fern hörte ich das Hupen eines Autos, doch, wie das Schicksal es wollte, war ich rechtzeitig auf der anderen Straßenseite, in Sicherheit.
Ich konnte einfach nicht mir. Der Kampf, der in mir tobte, zerrte an meinen Kräften und mit einem Mal ließ ich mich einfach in den Schnee fallen, spürte, wie das kühle Nass mein Shirt und meine Hose durchtränkte und wie es mich völlig einnahm. Einige Minuten noch, vielleicht würde mich die Kälte dann erlösen …
Ich hörte einen Ruf hinter mir, dann, wie Schritte sich näherten – dieses wunderbare Knirschen in dem Schnee! – und neben mir zu stehen kamen. Stoßender Atem.
Eine Hand packte mich am Arm, zog mich hinauf und schließlich fand ich mich in deinen Armen wieder.
„Warum? Ich liebe dich doch nur …“, murmeltest du und lehntest deinen Kopf an Meinen.
„Bleib bei mir, bitte …“
Es schneite. Von fern hörte ich die leisen Glocken der Kirche. Jetzt freute ich mich auf die Weihnachtszeit.


(c) Janine Greis, 11.12.04

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