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Leselupe.de > Kindergeschichten
Weihnachtsmann in Not
Eingestellt am 05. 11. 2001 19:49


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eufemiapursche
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Weihnachtsmann in Not

„Uff, das letzte Paket ist verschnürt, alles rechtzeitig fertig!“
Alle Jahre wieder stieß der Weihnachtsmann diesen Stoßseufzer aus und gratulierte den Heinzelmännchen zu ihrer tollen Hilfe.
Jedes Jahr wünschte er, dass Weihnachten das schönste aller Weihnachten würde, und das bedeutete viel Arbeit für ihn und seine kleinen Helfer. Aber der Weihnachtsmann hatte auch allen Grund dazu, stolz zu sein: die Puppen waren herrlich, eine schöner als die andere. Es gab welche, die sprachen, andere konnten laufen oder sogar tanzen. Die Autos hupten, die Trommeln machten einen herrlichen Krach, die Lokomotiven pfiffen und die Handys hatten die unglaublichsten Klingeltöne.....

Noch mehr als der Weihnachtsmann freuten sich die Heinzelmännchen auf den 24. Dezember, denn das war für sie der Start in die Ferien. Die hatten sie bereits geplant, die Koffer bereits gepackt, und in wenigen Stunden würde sie losfliegen in sonnige Gefilde. Sie warteten nur noch auf die Aufforderung des Weihnachtsmannes, die Pakete aufzuladen, danach lockten Sonne, warmer Strand und Muscheln.

„Weihnachtsmann! Weihnachtsmann!“, schrie ein bärtiges Heinzelmännchen, „es ist eine Katastrophe!“
„Was ist los mein braver Wurschtel? Man könnte ja meinen, dich hat eine Tarantel gestochen!“
„Ohne Quatsch, Weihnachtsmann, es ist wirklich eine Katastrophe: alle Rentiere sind krank.“
„Wie, krank?“
„Ich verstehe es auch nicht. Gestern Abend waren sie noch alle putzmunter. Um sie auf das große Rennen vorzubereiten, habe ich ihnen sogar eine Extraportion Kräuter und ein Bund Möhren gegeben. Rentier Rudi schnaufte schon ungeduldig, er wollte sofort mit dem Schlitten losziehen. Ich habe bei ihnen geschlafen, damit sie sich nicht erkälten, doch heute früh nur Husten, Röcheln und Niesen im Stall. Ich versteh das nicht. Ha, Hatsch, Hatschi!!!“
„Ich glaube, ich verstehe sehr wohl“, murmelte der Weihnachtsmann. „Sausewind, lauf und hol den Doktor.“
Ein Wichtel mit gefederten Beinen und dünn wie ein Bindfaden sauste los wie der Blitz und ließ nur einen Luftzug hinter sich.


„Unglaublich!“, wunderte sich der Arzt. „Das ist das erste Mal, das mir so etwas unterkommt. Ich verstehe das nicht, Sie haben Ihre Rentiere doch impfen lassen. Sie hätten überhaupt keine Grippe bekommen dürfen, Weihnachtsmann.“

Der Weihnachtsmann drehte sich zu Wurschtel um.
„Wurschtel, du hast die Rentiere dieses Jahr doch geimpft.“
„Eh, das heißt....verstehen Sie, normalerweise reicht eine Schluckimpfung, doch dieses Jahr mussten sie mit Spritzen geimpft werden. Und Spritzen, die picken. Und dann konnte ich sie auch gar nicht impfen.“
„Wieso nicht?“, fragte der Doktor, hast du die Nadel abgebrochen?“
„Nein, nicht die Nadel, aber die Schachtel mit dem Serum ist runtergefallen. Alle Ampullen sind auf die Erde gefallen und zerbrochen.“
„Natürlich, natürlich völlig ohne Absicht. Bist du nicht zufällig auch noch draufgetreten?“, fragte der Weihnachtsmann.
Der arme Wurschtel wand sich hin und her, wurde erst rosa im Gesicht und dann so rot wie ein gekochter Hummer. Nur ein unerträgliches Niesen antwortete dem Weihnachtsmann.
„Dann ist alles klar“, sagte der Doktor.
Er zog einen Rezeptblock aus seiner Tasche und erläuterte seine Verordnung.
„Zwei Wochen absolute Ruhe für die Rentiere. Jeden Abend geben sie Ihnen einen Sud aus frischer Minze. Vor allem, keinerlei Anstrengung! Sonst garantiere ich für nichts! Und für dich gilt das gleiche Wurschtel. Keine Ferien, bevor du nicht wieder völlig gesund bist. Damit bist du bestraft genug, und nun marsch ins Bett mit dir!“
Wurschtel ließ sich nicht lange bitten, aber für den Weihnachtsmann sah die Sache schon anders aus. Er berichtete dem Arzt von seiner beunruhigenden Lage.

„Hören Sie, Doktor, wir haben den 23. Dezember, und in einem Tag muss ich die Geschenke an die Kinder auf der Erde ausliefern.“
„Nichts zu machen“, bedauerte der Arzt, „Sie müssen eine andere Lösung finden. Ansonsten würden Sie die Rentiere umbringen.“
„Aber wie soll ich das anstellen? Ich kann doch nicht alle Pakete auf meinem Rücken tragen, dafür bin ich zu alt.“
Amüsiert schaute ihn der Doktor an und antwortete dann lächelnd: „Hören sie, Weihnachtsmann, wir leben im 21. Jahrhundert, also kaufen Sie sich, wie alle anderen auch, ein Auto.“


Am 24. Dezember öffnete der Verkäufer des Autohauses Schalk um acht Uhr in der Früh einem alten Mann die Tür, der einen herrlichen weißen Bart trug. Er hatte kleine runde Augen die zwei kleinen Kügelchen glichen, die sich in sein Gesicht eingegraben hatten. Seine Haut war runzlig wie die der alten Eskimos, die man im Fernsehen sieht. Sein freundliches Auftreten ließ das Herz des Verkäufers höher schlagen. Er witterte ein gutes Geschäft.
„Guten Morgen, mein Herr. Sie haben einen wundervollen Bart.“
Herr Filou wusste, wie man mit Kunden sprach, ein Kompliment hier, eine Schmeichelei dort schufen gleich ein günstiges Klima für einen schnellen Verkauf.
„Möchten Sie sich vielleicht hinsetzen? Ein Kaffee? Nehmen Sie Platz. Martina! Bring dem Herrn einen Kaffee!!! Ein wenig Beeilung ,wenn ich bitten darf! Der Herr hat auch noch was anderes vor.....“
Ein Kunde den man wie einen König behandelt ist in der Euphorie fähig, irgendwas zu kaufen. Herr Filou kannte alle Tricks seines Handwerks.
Dem Weihnachtsmann war es noch nicht gelungen ein einziges Wort herauszubringen, da war er schon überhäuft mit glänzenden Prospekten. Herr Filou fuhr fort: „Sie wünschen, mein Herr?“
„Können Sie mir sagen, wie spät es ist?“
Herr Filou sank auf seinem Ledersessel zusammen, sein Gesicht wurde purpurrot. Krampfartig brummte er:
„Es ist 8 Uhr 20.“
Er warf diesen Kunden in den Topf unentschlossen, zweifellos nicht zahlungsfähig, ein Wurm für einen Verkäufer. Da fügte der Weihnachtsmann hinzu: „Ich brauche sechs Rentiere für mein Gefährt.“
Herr Filou richtete sich wieder auf und stellte mit einem breiten Werbegrinsen klar: „Sie meinen, Sie wünschen einen Wagen mit 6 Zylindern.“
„Ach ja, so heißt das wohl. Ja, ich muss heute Nacht noch Tausende Geschenke ausliefern und möchte sichergehen, dass nichts schief geht.“
„Selbstverständlich! Wir geben sechs Monate und 500 Km Garantie für unsere Fahrzeuge. Keine Sorge. Bei Schalk gibt es keine Pannen mit Pannen. Ha ha ha...“
Diese Erdenbewohner sind wirklich seltsam, dachte der Weihnachtsmann.
„Sie haben sogar richtig Glück“, fuhr der Verkäufer fort, „ich habe genau da, was Sie suchen. Aber überlegen Sie mal: für Ihre Arbeit reicht ein PKW nicht. Der ist nicht groß genug. Sie sind im Versandhandel tätig, wie es scheint? Dann benötigen Sie einen Lastwagen.“
„Glauben Sie? Kann ich auch einen roten haben?“
„Aber selbstverständlich mein Herr. Ihr Wunsch ist uns Befehl. In zwei Wochen gehört er Ihnen, und es wird uns eine Ehre sein, Ihnen die Autoschlüssel auszuhändigen. Falls Sie bar bezahlen, natürlich. Das versteht sich von selbst“, fügte Herr Filou hinzu.
„Aber das ist unmöglich“, stotterte der Weihnachtsmann.
„Schade. Dann werden wir einen Kreditantrag stellen müssen. Das dauert natürlich entsprechend länger“, antwortete Herr Filou enttäuscht.
„Nein, mit unmöglich meine ich, dass ich nicht zwei Wochen warten kann. Ich kann auf der Stelle zahlen, aber ich brauche den Lastwagen heute, für diese Nacht. Heute Abend muss ich meine Geschenke ausliefern.“
„Oh, wenn es keine Frage des Geldes ist, werden wir eine Lösung finden. Ich habe zwar keinen roten LKW frei zum sofortigen Verkauf, aber ich kann Ihnen einen ausgezeichneten Wagen auf dem Gelände verkaufen.“
Der Verkäufer rieb sich insgeheim die Hände. Es war tatsächlich wie Weihnachten. Seit drei Jahren versuchte er, diesen LKW zu verkaufen, aber kein Kunde wollte ihn wegen seiner Farbe.

Abgesehen von seiner Farbe war der Lastwagen wirklich ein schönes Fahrzeug. Seine dicken Reifen gaben ihm etwas vom Aussehen eines Traktors, und mit seinen Scheinwerfern schien er rund um sich schauen zu können. Aber was für ein Einfall, einen LKW mit einem schreienden Gelb zu lackieren!
Während der Weihnachtsmann einen Scheck mit einem Batzen Nullen ausfüllte und unterschrieb, sah sich Herr Filou bereits an einem fernen Strand umgeben von wundervollen Kreaturen.
Wenn man bedenkt, dass dieser Tölpel nicht mal versucht hat, den Preis zu drücken, jubelte Filou innerlich. Er achtete nicht weiter auf den Scheck, den der Weihnachtsmann ihm überreichte. Als er ihm die Schlüssel überreichte, war er in Gedanken bereits in Urlaub und schloss gleich den Laden.
Der Weihnachtsmann öffnete die Fahrertür und kletterte auf den weichen Sitz. Während er den Schlüssel ins Zündschloss steckte, tat es ihm bereits leid um seine Rentiere. Man spricht nicht mit einem Lastwagen, man muss ihn mit einem Lenkrad steuern und Gänge schalten je nach Geschwindigkeit. Das ist alles ziemlich anstrengend, dachte er. Aber es war ja nur für dieses Mal, und die Zeit wurde knapp. Er konnte die Kinder auf der Erde doch nicht ohne Geschenke lassen. Er legte die Fahranleitung des LKW vor sich und befolgte die Anweisungen.
Nachdem er drei Blumenkübel gestreift hatte und zwei Mülleimer umgestoßen, fand er den Rückwärtsgang, dann den ersten gerade rechtzeitig bevor er den Wagen des Verkäufers zu Schrott gefahren hätte. Stotternd fuhr der gelbe Laster los die Straße hinunter.
Einige Schleuderbewegungen später wurde der Weihnachtsmann von einem Fahrzeug überholt, dass einen unerträglichen Lärm machte. Dieser stellte sich quer auf die Straße und ein drolliger Kerl in grüner Uniform stieg aus und stieß heftig in eine Trillerpfeife.
Der Lastwagen stoppte genau vor den Füßen des Polizisten.
Nach einem förmlichen Gruß schnarrte dieser los: „Guten Tag, der Herr. Sie sind auf der durchgezogenen weißen Linie gefahren, haben eine rote Ampel überfahren und Sie fahren, während Sie ein Buch auf dem Armaturenbrett lesen. Ihre Papiere bitte!“
Dem Weihnachtsmann bleib gerade die Zeit zu antworten: „Aber..“ als der Polizist schon fortfuhr: „Führerschein, KFZ-Schein, grüne Versicherungskarte...“
„Oh, Moment, ich schau mal in der Gebrauchsanweidung nach.“

Der Beamte begab sich zu seinem Fahrzeug schaltete den Funk ein und informierte seinen Vorgesetzten: „Hallo Chef, ich habe hier ein verdächtiges Subjekt ohne Papiere... Der tickt wohl nicht richtig und fährt auch noch Zickzack. .. Nein, ich rieche keinen Alkohol.... Ok, ich schau mal im Aschenbecher nach... Gut Chef, ich bring ihn mit auf die Wache.

Der Polizist kehrte zum Weihnachtsmann zurück und wies ihn an, sein Fahrzeug zu verlassen.
„Aber ich muss heute Abend ausliefern.....“
Der Weihnachtsmann versuchte zu protestieren, aber schon klickten die Handschellen.
„Kein aber. Kollege Müller, nehmen Sie den LKW als Beweisstück mit und Sie steigen hier in den Wagen.“
Die Sirenen des Polizeiwagens begleiteten den Weihnachtsmann den ganzen Weg durch die Stadt bis zum Gefängnis.



„Ruhe! Sie sind hier in einem Gerichtssaal!“

Der Untersuchungsrichter nahm Platz und ergriff das oberste Dossier.
„Erster Fall: Fehlende Ausweispapiere, Fahren ohne Führerschein, Widerstand gegen die Staatsgewalt und Verschleierung der Identität.“
Indem er sich an die Polizisten wandte die im Gerichtssaal Wache schoben, fuhr der Richter fort:
„Gemäß Strafgesetzordnung bei in flagranti überführten Tätern wird über das Delikt direkt geurteilt. Führen Sie den Angeklagten vor.“
Umrahmt von zwei Wachen und in Handschellen betrat der Weihnachtsmann den Gerichtssaal. Er wurde gleich zur Anklagebank geführt.
Der Richter schaute ihn kurz prüfend an, dann begann er sein Verhör.
„Name?“
„ Weihnacht.“
„Vorname?“
„ Manni.“
„Beruf?“
„ Weihnachtsmann.“
„Schreiber, notieren Sie. Achtung, Angeklagter, ich weise Sie darauf hin, dass Sie Ihre Aussagen unter Eid machen. Sie bestätigen also, dass Sie Manni Weihnacht heißen und von Beruf Weihnachtsmann sind?“
„ Ja, Herr Richter.“
Ein allgemeines Gelächter ging durch den Saal.
„Ruhe, oder ich lasse den Saal räumen! Wohnort?“
„ Im Himmel, hinter dem großen Bären.“
„Natürlich, natürlich. Und beruflich sind Sie selbstverständlich für das Verteilen der Geschenke zuständig...“
„ Ja, Herr Richter.“
Wieder bog sich der Saal vor Lachen.
Im Laufe des Prozesses füllte sich der Saal nach und nach immer mehr mit Kindern. Die Neuigkeit hatte sich wie der Blitz in der Stadt verbreitet, dass ein Angeklagter vorgab, der Weihnachtsmann zu sein. Schlimmer noch, dass man den Weihnachtsmann in den Knast stecken wollte. Angesichts dieses unerwarteten Besucherandrangs zog der Richter es vor, eine Experten zu Rate zu ziehen. Außer Frage, am Vorabend des Weihnachtstages einen juristischen Fehler zu begehen! Er erhob sich und erklärte:
„Das Gericht fordert das Gutachten eines Psychiaters an. Die Sitzung ist geschlossen.“
„ Ich erhebe Einspruch, Euer Ehren“, protestierte der Weihnachtsmann und erhob sich von der Anklagebank.
„Sie erheben Einspruch? Mit welchem Recht? Ich bin hier der Richter! Nun gut, dann lassen Sie den Experten sofort kommen“, antwortete der Richter entnervt.
Ein kleiner Mann in schwarzem Anzug näherte sich dem Richterpult, richtete seine kleine runde Brille und begann mit seinem Bericht.
„Verzeihung, Hohes Gericht,... Zeitmangel... nicht ausreichende Fakten im Dossier... auf jeden Fall.....“
Eine dreiviertel Stunde später schien er zu einem Ergebnis gekommen zu sein und fuhr mit seinem Bericht fort.
„Dieser Mann leidet an einer manifesten multiplen Persönlichkeit, ohne Zweifel ein frühkindliches Traum, ...und daher.....“
Ein lautes Schnarchen unterbrach den Bericht des Experten. Der ganze Saal fing an zu lachen und schaute auf den schlafenden Weihnachtsmann.
„Wache! Wecken Sie den Angeklagten!“ Der Richter wandte sich direkt an den Weihnachtsmann und warf ihm vor:
„Jetzt verunglimpfen Sie auch noch das Gericht!“
„ Aber ganz und gar nicht, Euer Ehren, nur – wenn ich heute Nacht meine Geschenke verteilen will, muss ich jetzt ein kleines Schläfchen machen....“
Eine neue Lachsalve ging durch den Saal.
„ Ruhe, oder ich verhandele unter Ausschluss der Öffentlichkeit! Und Sie, Herr Angeklagter, bewahren Sie den gebührenden Respekt oder ich verurteile Sie wegen Beleidigung des Gerichts!“
Der Richter hatte kaum geendet, als ein großes Spektakel und Geschrei ans Ohr der Zuschauer drang.
„Haltet den Dieb! Haltet den Dieb! Herr Richter, sperren Sie diesen Mann ein. Er hat mich bestohlen!“
Herr Filou stürmte in den Saal und kreischte weiter. „Erschießen Sie ihn, hängen Sie ihn, vierteln Sie ihn, rasieren Sie ihm den Bart ab, vor allem: bringen Sie ihn dazu, zu zahlen!“
Die Aufmerksamkeit des Publikums galt nun Herrn Filou, der ein Stück Papier in der Hand hin und her wedelte. Er durchquerte den Saal und postierte sich vor den Tisch des Schreibers.
„Sehen Sie hier!“, geiferte er, „dieser Scheck ist eine Monopolykarte! Er hat meinen Lastwagen mit der Parkstraße bezahlt! Spielgeld! Ich bin ruiniert!“
Das war zuviel für den Richter. Er wurde ganz rot vor Zorn und klopfte mit seinem Hammer auf den Tisch.
„Wache, Stecken Sie diesen Querulanten ins Kittchen! Ich kümmere mich später um ihn!“
„Aber das ist ein Irrtum!“, kreischte Herr Filou, „er ist der Dieb!“
Zwei Polizisten brachten Herrn Filou in die Untersuchungszelle. Nun wandte der Richter sich genervt an den Weihnachtsmann.
„Gemäß Strafgesetzbuch, Artikel Nummer...Absatz.... verurteile ich Sie zu 15 Tagen Gefängnis, davon 15 ohne Bewährung. Nächster Fall...“
„Buh, buh, buuuuuh!!!“
Von allen Seiten protestierten die Kinder.
„Aber Herr Richter, die Kinder...“
„Ruhe! Wache, räumen Sie den Saal!“
Der Richter erhob sich, wischte sich die Stirne ab und ging erhobenen Hauptes hinaus.
Falls nicht geschah, dann würde der Weihnachtsmann diese Nacht im Gefängnis verbringen, und niemand würde die Geschenke an die Kinder verteilen.

Felix hockte nachdenklich in seinem Zimmer. Er hatte dem ganzen Prozess beigewohnt, und obwohl er seinen Vater liebte, fühlte er sich ein wenig schuldig. Sein Papa hatte ihm versprochen, ihn eines Tages mit zu einem Prozess zu nehmen, sobald er einen Gauner verhaftet hätte, und bis heute hatte er nichts als ein entlaufenes Kaninchen eingefangen.
Felix verdächtigte seinen Vater ein wenig zu diensteifrig gewesen zu sein. Nachdem sie den Gerichtssaal verlassen hatten, entschloss sich der Junge, die Fehler der Erwachsenen wieder auszubügeln. Glücklicherweise wusste er, wem er zu schreiben hatte:

Lieber Nikolaus,
Papa hat den Weihnachtsmann verhaftet. Komm schnell.
Felix.

Felix war sehr stolz auf seine Botschaft, öffnete das Fenster und legte den Brief auf das Fensterbrett. Flugs flog eine Taube heran, pickte den Zettel auf und flog damit hoch in die Lüfte.
„Was machst du da? Willst du uns umbringen? Mitten im Winter das Fenster sperrangelweit zu öffnen!“
„Aber Papa, es ist doch für den Weihnachtsmann...“
„Hör mal genau zu, Felix. Ich hab dir schon hundert Mal erklärt, dass es den Weihnachtsmann nicht gibt. Sei lieber fleißig wie dein Papa, damit du eines Tages auch Polizist werden kannst.“
„Ja, Papa..“
Felix ging brav ins Bett und folgte mit geschlossenen Augen der Taube die immer höher in den Himmel stieg.


In jener Nacht senkte sich über das Gefängnis eine Treppe aus Eiskristallen bis hin zum Zellenfenster des Weihnachtsmannes. Die Stäbe öffneten sich wie Blütenblätter, und der heilige Nikolaus befreite brummelnd den Weihnachtsmann.
„Das ist nicht meine Nacht, sondern deine! Ich hab nicht mal Zeit gehabt, mich auszuruhen. Ich helfe dir zwar aus dieser Patsche, aber rechne nicht damit, dass ich mit dir auch noch die Päckchen verteile! Hier, die Autoschlüssel zu deinem Lastwagen. Wurschtel dich durch. Ich hau mich wieder aufs Ohr. Ich habe deinen Anhänger an den Lastwagen gehängt.“
Der Weihnachtsmann bedankte sich herzlich beim Nikolaus, doch dieser setzte, immer noch schlecht gelaunt, einen drauf:
„Du bringst mich noch um den Verstand! Wenn du nicht so alt wärst, würde ich dir den Hintern versohlen! Tschüss...“
Die Eiszapfentreppe schmolz nach und nach mit jedem Schritt, den der Nikolaus ins All hochstieg.
Menschen, die in dieser Nacht wachgeblieben waren, trauten ihren Augen nicht. Es schien, als ob ein riesiger, gelber, blitzneuer Lastwagen durch den Himmel flog und dass er einen alten roten Anhänger hinter sich herzog. Anfangs hatte der Weihnachtsmann ein paar Schwierigkeiten, punktgenau über den Kaminen anzuhalten, aber bald gewöhnte er sich an sein neues Gefährt und bremste rechtzeitig. Dank des Lastwagens wurde wie in jedem Jahr, kein Kind vergessen, kein einziges.
Schließlich kam der Weihnachtsmann über dem Kamin des Hauses an, indem der Polizist wohnte, und er sah, dass der Kamin abgedeckt war.
„Noch ein Kind, das nicht an den Weihnachtsmann glaubt“, seufzte er. „Wie schade! Oh, ein Spalt ist offen. Ein kleiner Hoffnungsschimmer.“
Tatsächlich reichte der Platz für ein kleines Geschenk.
„Gar nicht so einfach, nicht an den Weihnachtsmann zu glauben“, jubelte der Weihnachtsmann. Er drehte sich um, um das letzte Geschenk aus dem Anhänger zu holen. Doch der war leer.
„Dieses Kind war tatsächlich nicht vorgesehen, was nun?“
Der Weihnachtsmann konzentrierte sich und entschwand in einem Sternenregen mit seinem Anhänger in den Himmel.
Als Felix wach wurde, lief er gleich zum Tannenbaum. Auch wenn er ein wenig am Weihnachtsmann zweifelte, zog er es vor, lieber nachzusehen. Man weiß ja nie...
„Papa, Papa, danke! Er ist toll!“, schrie Felix und lief in das Zimmer seines Vaters.
„Aber was erzähltst du da?“
„Oh Papa, wie hast du erraten, dass ich mir genau so einen Wagen gewünscht habe? Ich denke, wir haben kein Geld?“
„Nun beruhige dich, Junge. Was soll das?“
„Na schau doch!“
Felix zog hinter seinem Rücken einen wundervolles gelbes Modellauto hervor mit Blinklichtern im Führerhaus, runden Scheinwerfern, die leuchteten sobald man den LKW bewegte und sogar einem Schlüssel, mit dem man ein echtes Motorengeräusch starten konnte.
Da der Weihnachtsmann kein Geschenk mehr fand, hatte er einfach seinen Lastwagen in ein Miniaturauto verkleinert und durch den Kamin gesteckt.
Von diesem Jahr an hielt der Weihnachtsmann jedes Jahr über Felix Haus und warf ein Päckchen in den Kamin.
Doch Felix wurde, wie alle Kinder, eines Tages erwachsen. Wie alle großen Leute tat er so, als glaube er nicht an den Weihnachtsmann und verschloss eines Tages wieder den Kamin über seinem Haus.
Wie alle Erwachsenen?
Nun, nicht ganz. Seit in jener Nacht der leuchtengelbe Lastwagen durch den Kamin gefallen war – eine Farbe, wegen der Felix von seinen Freunden manchmal gehänselt wurde – glaubte Felix’ Vater fest an Weihnachten.
Und alle Kinder wissen, dass es einfach genügt, fest an den Weihnachtsmann zu glauben, damit sich in der Weihnachtsnacht die Kamine öffnen, gerade einen Spalt breit, damit ein Päckchen durchpasst. Und glauben ist keine Frage des Alters....

Meine Nasenspitze sagt mir, dass sich der Papa von Felix in diesem Jahr eine Pistole aus Schokolade gewünscht hat, und was hast du dir gewünscht?



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Willi Corsten
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Apr 2001

Werke: 87
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Liebe Femi,
eine zauberhafte Geschichte, meisterhaft geschrieben und spannend dazu.
Der Weihnachtsmann wird seine Freude daran haben.

Es grüßt dich ganz lieb
Willi

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Brigitte
Autorenanwärter
Registriert: Dec 2000

Werke: 98
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Liebe Femi,
Ich muss Wiili beipflichten, eine schöne Geschichte, teils zum schmunzeln, und man bekommt feuchte Augen beim Lesen. Ich mag gerne Geschichten und meinen Kindern hab ich immer genug erzählen müssen, heut sind sie "leider" schon zu groß dafür.
Vielleicht fang ich auch an, nicht nur Gedichte, sondern auch Geschichten zu schreiben......

Liebe Grüsse
Brigitte
__________________
Brigitte

Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für das Auge unsichtbar.

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leonie
Guest
Registriert: Not Yet

hallo femi

ja, ich kann mich da nur anschließen. ich hätte gern die gesichter der leute gesehen, die später feststellen mussten das ihr gefangener weg war. toll geschrieben.
ganz liebe grüße leonie

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