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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Weihnachtsmarkt
Eingestellt am 26. 11. 2005 06:32


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flammarion
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Weinachtsmarkt

Geklaut bei Duisburger und eisfisch

Kalt ist es. Saukalt. Aber das muss so sein auf einem richtigen Weihnachtsmarkt, hat man mir gesagt. Ich habe in der Adventszeit immer das Gef√ľhl, die Standbetreiber haben einen geheimen Draht zu Gott, zum Weihnachtsmann, Petrus oder sonst wem, denn sobald der Weihnachtsmarkt seine Pforten √∂ffnet, sinken die Temperaturen rapide. Aber vielleicht ist das ja auch nur an dem einen Abend so, wenn ich mit der Familie meinen Pflichtbesuch absolviere.
Ganz bestimmt sogar.

Alles ist hell erleuchtet. Die St√§nde scheinen sich in Sachen Helligkeitskoeffizienten gegenseitig √ľbertreffen zu wollen. Von wegen Energie sparen. Gelobt sei, was hell macht. Dummerweise habe ich die Sonnebrille im Auto gelassen, aber sicherlich kann ich hier eine Skibrille kaufen. Dieses Jahr hielt es einer der Stadtoberen f√ľr eine grandiose Idee, mitten in der Fu√üg√§ngerzone, wo sich der Weihnachtmarkt mit seinen Buden traditionell platziert, ein Riesenrad aufzustellen. Selbstverst√§ndlich auch extrem beleuchtet. Sieht aus wie ein sich drehender Kronleuchter, dem man zu starke Birnen geg√∂nnt hat. Den Bezug dieser Kirmesattraktion zum Weihnachtsfest h√§tte ich gelegentlich mal eingehend erl√§utert bekommen. Von wem auch immer. Also ignoriere ich das Ding und versuche, die besondere Stimmung dieses Platzes auf mich wirken zu lassen.

Da ist zum Beispiel diese einmalige Ger√§uschkulisse, die mich immer wieder fasziniert und gleichzeitig an meinen Nerven zerrt. Das ist so eine extrem laute Mischung aus traditionellem Weihnachtsgesang, schlecht gestimmten Geigen, untalentierten Trompetern und dem vollkommen unchristlichen Gedudel aus dutzenden Standlautsprechern, die selbstverst√§ndlich samt und sonders unterschiedliche Lieder zum Besten geben. Als w√§re das nicht schon grausam genug, entbl√∂den sich immer wieder ein paar Hobbymusiker f√ľr den schnellen Euro mit der ungefragten Darbietung von haarstr√§ubenden Interpretationen weihnachtlicher Werke, das mangelnde Talent selbstbewusst durch Lautst√§rke √ľbert√∂nend. Nat√ľrlich hat keiner von ihnen eine beh√∂rdliche Erlaubnis, sie w√§re ihnen auch nach dem Vorspielen vorsorglich auch f√ľr die Zukunft entzogen worden.

Und immer, wenn wir in die Nähe einer Weihnachtsmelodie kommen, singt meine Frau unserer Vierjährigen das Lied vor, damit sie es lernt. Bei uns werden vor der Bescherung nämlich immer Dutzende Weihnachtslieder gesungen, Vom Himmel hoch und Ihr Kinderlein kommet. Dabei habe ich an der einen Tochter vollkommen genug.
Zum Dreigestirn eines weihnachtsmarktlichen Stimmungsbildes geh√∂rt selbstverst√§ndlich auch der Geruch. Diesen Geruch gibt es in dieser Auspr√§gung nur einmal im Jahr. Da mischt sich der herbe Duft von Gl√ľhwein einvernehmlich mit den Bratfettausd√ľnstungen diverser Friteusen, wird verfeinert vom s√ľ√ülichen Aroma gebrannter Mandeln und sanft unterstrichen vom w√ľrzigen Gluthauch der Holzkohlengrille, auf denen angekokelte Bratw√ľrstchen seit Stunden vor sich hinbrutzeln. M√∂chte wissen, wer die isst. Der Geruchsorkan ist fast unertr√§glich.

Die meisten Leute scheint das alles nicht zu st√∂ren, ebenso wenig wie die vollkommen √ľberteuerten Waren. Die Fellhandschuhe, die ich nebenan im Kaufhof f√ľr die H√§lfte, aber in wesentlich besserer Qualit√§t bekomme, werden auf dem Weihnachtsmarkt gekauft, als w√ľrden sie dadurch besser warm halten.

Aber egal. Es ist Weihnachten und der Weihnachtsmarkt ist Tradition, wie auch die vielen Weihnachtsm√§nner in den schlecht sitzenden Kost√ľmen und das vermehrte Auftreten von Taschendieben, die sich abgesehen von den offenen Herzen der Menschen auch √ľber jede Menge offener Taschen, Beutel und Jacken freuen.
Nach einer halben Stunde gem√§chlichen Schlenderns im Kreise meiner Familie nehme ich das alles nur noch als Gesamtbild wahr. Dann beginnt das T√∂chterlein zu betteln. Sie will mit dem Riesenrad fahren. Meine Frau hat H√∂henangst, also muss ich mich opfern. Nach zwei Runden bleibt das Gef√§hrt mit einem Ruck stehen. Nat√ľrlich befinden wir uns ganz oben. Die Kabine schaukelt leicht. Das ist gut, damit kann ich die Kleine ablenken. Wer wei√ü, wie lange wir hier sitzen m√ľssen, bis das Ding repariert ist. Pl√∂tzlich sehe ich, dass mein Kind abwechselnd rot und blass wird. Ich will etwas sagen, will sie streicheln, aber ich kann mich nicht bewegen.
Irgendwann stehen wir wieder auf der Straße. Auf dem Heimweg ist unser Irrwisch so brav wie nie zuvor. Als ich sie zu Bett bringe, erzählt sie mir, dass das Riesenrad stehen geblieben war, weil der Weihnachtsmann mit seinem Schlitten dagegen gestoßen war. Und weil sie das als einzige gesehen hatte, durfte sie mit ihm fahren zu den himmlischen Werkstätten, wo die Weihnachtsgeschenke hergestellt werden. Sie sagte, sie habe das Christkind gesehen und viele, viele Englein, die alle sehr freundlich zu ihr waren.
Deshalb also hatte ich mich nicht bewegen k√∂nnen, damit das Kind in diesem Abenteuer nicht gest√∂rt wird. Na, da hat wenigstens einer von uns den Zauber der Weihnacht versp√ľrt!

__________________
Old Icke

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Stoffel
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Guten Morgen Flammarion,

vorab die Frage..WAS ist denn da "geklaut"?
Ich frage nur, weil ich las, dass es aus der Sicht eines Mannes geschrieben ist.
Vielleicht m√ľsstest Du den Titel absetzen vom Rest und darunter in Klammern den Hinweis?
Nur n Gedanke.

Tja..Weihnachtsm√§rkte...ich geh manchmal gar nicht mehr hin.M√ľnchen z.B. der ist nur Kommerz.Sch√∂n ist der Schwabinger, da kann man sch√∂ne Sachen essen. (Tradition,WENN mal da bin..Folienkartoffel, Dampfnudel)
Und hier bei uns im Ort,mei wie immer. Buden und n Kinderkarussell.Jeder will nur das verkaufen, was das ganze Jahr √ľber auch kaufen kannst. Hab mir auch schon mal Socken da gekauft. *lach*

Die kleine Geschichte ist nett erzählt.

lG
Sanne

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eisfisch
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@stoffel: moin moin, flammarion hat die geschichte von duisburger genommen (s. humor und satire), und angefangen, eine meiner fortf√ľhrungsideen mal umzusetzen...

@flammarion: so ungef√§hr k√∂nnte es schon weitergehen. aber f√ľr ne runde geschichte sollte der ursprungstext tats√§chlich nur der anfang, oder zumindest nur die erste h√§lfte der geschichte sein. ggf k√∂nnte man den anfang noch ein wenig straffen. hauptsache die von duisburger gut beschriebene grundstimmung kommt r√ľber.
die tats√§chliche geschichte sollte dann nach meinem geschmack schon l√§nger sein und etwas intensiver die eigentliche "√ľberraschung" schildern.
in diesem fall also die fahrt auf dem riesenrad spannender machen (mischung aus magendr√ľcken und schlechter laune bei aufstieg, pl√∂tzliches ruckeln, lich geht aus, gondel schwankt, aufkommende panik, pl√∂tzlich...) und die begegnung (des vaters) mit dem weihnachtsmann intensiver und ausf√ľhrlicher gestalten >> hier treffen ja welten aufeinander, ne menge stoff f√ľr einen k√∂stlich absurden dialog und eine entsprechende anschlusshandlung (zb vater muss selber mit schlitten mitfahren, weil weihnachtsmann wg zusammensto√ü schleudertrauma hat (und das bei dem alter), vater flucht und macht seinen job sehr pragmatisch - wandelt seine meinung aber trotzdem >> bei r√ľckfahrt erdw√§rts hat seine kleine tochter ihn gleich noch mehr lieb - es ist weihnachten...).

allerdings w√ľrde mich die meinung von duisburger dazu interessieren. wenn er spa√ü dran h√§tte, die geschichte weiterzuschreiben, w√ľrde ich mich freuen, sie dann auch von ihm zu lesen. vllt haben wir ihn jetzt gen√ľgend motiviert...

viele gr√ľ√üe
der eisfisch

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flammarion
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supi,

eisfisch! durch dich komme ich oller weihnachtsfreak noch zu ner guten neuen weihnachtsgeschichte.
lg
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Old Icke

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Duisburger
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Hallo zusammen,

es stimmt, mein Text war ein wenig zu statisch ausgerichtet, da könnte mehr Fleisch dran. Ich habe schon angefangen, eure Ideen zu verarbeiten. Wird ein paar Tage dauern.

lg
Uwe
__________________
Unter den Kastraten ist der eineiige König (unbekannter Gas- und Wasserinstallateur).

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flammarion
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klasse,

duisi. wird bestimmt besser als mein versuch, den ich dann hier auch löschen werde.
lg
__________________
Old Icke

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