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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Weiterleben II
Eingestellt am 23. 10. 2006 15:58


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Gabriele
Manchmal gelesener Autor
Registriert: May 2004

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Dies ist das 2.Kapitel einer längeren Geschichte, mir der ich vor einiger Zeit begonnen habe. Die Rubrik "Lange Texte" habe ich vergeblich gesucht, deshalb stelle ich es - ebenso wie das 3.Kapitel - erst mal in dieses Forum.
Die Geschichte ist noch im Wachsen, ich hätte aber trotzdem gerne ein paar Rückmeldungen, wie sie auf den/die LeserIn wirkt.
Für das erste Kapitel bitte
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drittes Kapitel: Hier klicken

Sonja:

„Guten Tag...Sonja?...Sonja, na klar bist du’s!“
Mist! Da hat mich endlich jemand in diesen verdammten Betonbunker reingelassen, und ausgerechnet jetzt läuft mir Sabine, meine ehemalige Arbeitskollegin, über den Weg.
„Hallo Sabine!“
Es gelingt mir nicht, Wiedersehensfreude zu heucheln.
Sabine hingegen scheint wirklich erfreut zu sein, mich zu sehen.
„Wohnst du etwa hier?“ schnattert sie drauflos. „Ich hab dich noch gar nie getroffen. Na, kein Wunder bei den vielen Leuten hier, ist ja alles so anonym...“
„Nein, ich wohne nicht hier. Ich bin heut bloß hier, weil...ach ja, ich wollte jemanden besuchen...eine Bekannte...“
Sabine sieht mich forschend an. Dieser Blick hat mich damals im Büro schon immer genervt. Es ist, als könnte sie meine Gedanken lesen.
„Bist du okay, Sonja? Ich meine nur...entschuldige, aber du siehst gar nicht gut aus!“
„Das geht dich einen Scheißdreck an!“ hätte ich beinahe gerufen, beiße mir aber gerade noch rechtzeitig auf die Lippen.
„Tut mir leid, ich wollte dir nicht zu nahe treten!“ sagt Sabine nun leise.
Da ist etwas in ihrer Stimme, das mich plötzlich zu Tränen rührt. Bloß nicht zu heulen beginnen!
Doch es ist zu spät, ich fange vor meiner Exkollegin zu weinen an wie ein kleines Kind.
„Sonja!“
Eine Weile steht Sabine hilflos vor mir und sieht mir zu. Dann nimmt sie mich plötzlich in die Arme und flüstert mir beruhigende Worte zu. Ich fühle mich wie ein Baby, das von seiner Mutter vor der bösen Welt beschützt wird. Mein Geheule wird nur noch verzweifelter. Ist das peinlich – ich kenne sie doch kaum! Und außerdem bin ich doch fest entschlossen, jetzt gleich den Lift zu rufen, hochzufahren, das Gangfenster zu öffnen und...
Aber ich kann einfach nicht anders, klammere mich weiterhin an Sabine wie an einen Rettungsring und weine, weine, weine. Es ist, als würden all die Tränen, die ich in den letzten Jahren hinuntergeschluckt habe, mit einemmal aus mir hervorströmen.
Irgendwann – keine Ahnung, wieviel Zeit inzwischen vergangen ist - werde ich ruhiger. Sabine hält mich noch immer in ihren Armen und streichelt mir übers Haar, ohne etwas zu sagen.
Wie lange habe ich eine solche Nähe nicht mehr gespürt! Wie unbeschreiblich gut das tut! Klar, mein Neffe Benni hat mich manchmal fest gedrückt, wenn ich ihm ein Geschenk mitgebracht habe. Die Umarmung eines kleinen Kindes eben. Oder meine Mutter. Ihre Umarmungen waren für mich jedesmal wie ein hilfloser Versuch, die unüberwindliche Kluft zwischen uns zu überbrücken. Wer auch immer mich umarmte, stets fühlte es sich in letzter Zeit so an, als wäre ich von einem Panzer umgeben, den niemand durchdringen kann.
Und nun bei Sabine ist es plötzlich ganz anders...
Als meine Tränen endlich ganz versiegt sind, fragt sie leise:
„Willst du deinen Besuch noch immer machen? Oder gehen wir zwei auf einen Kaffee?“
„Welchen Besuch?...Ach so! Nein, den mach ich ein andermal... Du, ich hab total Lust auf einen guten Capuccino. Kennst du ein Café in der Nähe?“
Sabine sieht mir in die Augen und lächelt.
„Klar! Komm!“


Irene:

„Hallo Mama! Hallo Papa!“
Kaum habe ich Mutter und Vater begrüßt, kommt auch schon Benni angelaufen.
„Oma! Opa!“
Vater hebt ihn hoch und drückt ihm einen dicken Kuss auf die Wange.
„Hallo Benjamin! Weißt du, was heute für ein besonderer Tag ist?“
„Geburtstag!“ strahlt der Kleine und streckt die Arme nach seiner Großmutter aus. Die nimmt ihn bereitwillig auf den Arm und sagt: „Puh, du bist ja schon wieder schwerer geworden! Wie alt wirst du denn heute schon, Benni?“
„Drei Jahre.“
Schmunzelnd schaue ich den dreien zu. Was für ein Familienidyll! Soll ich ihnen allen diesen Tag wirklich mit meinen schlechten Nachrichten verderben?
Ich höre Günters Stimme aus dem Bad:
„Irene! Findest du nicht, dass es aus der Küche schon fast etwas zu gut duftet?“
Verflixt, das Huhn!
„Kannst nicht du schnell...“ beginne ich, laufe dann aber doch selbst zum Herd.
Kaum habe ich das Huhn aus dem Backrohr geholt, klingelt es schon wieder an der Tür. Das werden wohl Günters Eltern sein. Denen kann aber nun er die Tür öffnen und sie begrüßen.
Oder ist es Sonja?
Nein, da höre ich schon Franzi-Omas laute, tiefe Stimme, die mich wie jedes Mal ein wenig unangenehm berührt. Franzi-Oma: Das ist der Name, den Benni für Günters Mutter Franziska erfunden hat; er hat uns allen so gut gefallen, dass sie nun auch für uns nur noch Franzi-Oma heißt.
Wenig später steht sie auch schon in der Küche.
„Irene! Gut siehst du aus!“
Na, das hat ja nun schon wirklich lange niemand mehr zu mir gesagt!
„Walter konnte leider nicht mitkommen, es geht ihm heute wieder mal nicht so gut. Du weißt schon, der Blutdruck...“
Schade! Günters Vater habe ich besonders gern. Sein ruhiges, bescheidenes Wesen steht in angenehmem Gegensatz zu der manchmal geradezu aufdringlichen Herzlichkeit seiner Frau.
„Oje! Nimmt er denn seine Medikamente regelmäßig ein?“
Günter steckt seinen Kopf zur Tür herein.
„Mein Vater und Medikamente? Schatz, du weißt doch, was er von Ärzten und Tabletten hält!“
Franzi-Oma schüttelt den Kopf. „Sag das nicht! Damit ist es echt besser geworden in letzter Zeit. Seit Peters Schlaganfall nimmt er sich wirklich zusammen.“
Ich balanciere ein Tablett an den beiden vorbei und trage es ins Speisezimmer.
Verdammt, wenn ich nur nicht so schlapp wäre! Hoffentlich merkt es niemand, ein paar Stunden muss ich schon noch durchhalten.
Mutter sieht mich prüfend an und nimmt mir das Tablett ab. Während sie mir hilft, den Tisch zu decken, meint sie:
„Du solltest dich ein bisschen mehr schonen, Irene. Benni, der Haushalt, dein Job, das ist alles ein bisschen viel für dich. Und Günter scheint Dir nicht gerade...“
Ich falle ihr ins Wort.
„Lass doch Günter aus dem Spiel, ja?“
„Na gut, wie du meinst. Aber es müsste doch nicht immer alles so perfekt bei euch sein...Wo Sonja nur bleibt? Kann sie denn nicht wenigstens einmal pünktlich sein?“ Sie blickt kopfschüttelnd auf ihre Uhr.
Als schließlich alle außer mir um den Tisch sitzen, läutet das Telefon.
„Hallo Irene! Tut mir leid, ich komme etwas später. Bitte wartet mit dem Essen nicht auf mich!“
„Sonja!“ Ich bin echt sauer. „Du weißt doch schon seit fast zwei Wochen, dass...“
„Ja, ja, ich weiß, ich bin chaotisch und unzuverlässig und so weiter. Wenn ihr mich heute trotzdem noch sehen wollt, bin ich um eins bei euch.“
Aufgelegt.
Mein Ärger ist plötzlich verflogen. Ich bin sprachlos. War das wirklich meine Schwester? Diesen forschen, selbstsicheren Ton kenne ich überhaupt nicht von ihr. Ob sie getrunken hat? Oder was ist sonst geschehen?
Na, mal sehen, vielleicht komme ich ja bis zum Abend noch dahinter.
Nun aber schnell Suppe austeilen, alle warten schon.


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Gabriele
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Schade...

...dass sich niemand Zeit nimmt, sich mit diesem Werk auseinanderzusetzen und es zu kommentieren.
Aber es geht mir ja selbst oft so. Lyrische Werke liest man/frau schnell mal und gibt dann schon auch mal einen Kommentar dazu ab. Längere Prosatexte sind halt zeitraubender.
Naja, vielleicht kommt doch noch etwas - zumindest eine Bewertung (obwohl die auch nur mit entsprechender Begründung hilfreich ist)!
Liebe Grüße
Gabriele

(PS: Danke an Burana, ich hab die Online-Nachricht erst jetzt gelesen...)
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