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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Wellington
Eingestellt am 13. 03. 2002 00:26


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Otto Lenk
Routinierter Autor
Registriert: Nov 2001

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Wellington war nicht von dieser Welt. Er war besser und schlechter. Gieriger und gnadenloser. Machthunger sein tÀglicher Antrieb. Er dachte und glaubte nur an sich. Warum auch nicht? Gottgleich beherrschte er sein Imperium. Nun gut! Es gab den Aufsichtsrat, dessen Vorsitzender er war. Aber er hatte sie immer zufriedengestellt. Den Aufsichtsrat und die AktionÀre. In den Aufsichtsratssitzungen sah er in ihre Augen. Sie bettelten nach seinem Rat. Und so strafte und vergab er, wie es nur Menschen zusteht, die Jenseits von Gut und Böse existieren.
Die heutige Sitzung war nicht in seinem Sinne verlaufen. Was hatten sich diese Stiefellecker gedacht? Stellten ihm Fragen und suchten eigene Antworten. Ihre Augen waren zum ersten mal nicht auf ihn gerichtet. Sie wilderten in seinem Revier. Wellington konnte ihre Gedanken lesen: „Er lĂ€sst nach. Lange hĂ€lt er sich nicht mehr. Bald stehen Aufsichtsratswahlen an und dann..........!“
Was waren sie doch fĂŒr arme Irre. Glaubten diese Narren denn allen Ernstes, dass sie an seinem Stuhl sĂ€gen konnten? Wellington stand am Fenster seines BĂŒros und blickte gedankenverloren auf New York. Sein Blick verlor sich in der Tiefe und wie in Zeitraffer zog seine Kindheit an ihm vorĂŒber. Die Jugend in der Bronx. Erste MachtkĂ€mpfe. Blut. Drogen- und Waffenhandel. Die Bronx war Dreck. Aber hier heranzuwachsen bedeutete auch sich entweder dem Dreck zu ergeben, oder den Dreck fĂŒr sich arbeiten zu lassen. Der Dreck kotzte Wellington an. Er benötigte Geld. Nur raus hier. Einen Beruf erlernen. Studieren. Was auch immer. Raus! Nach oben! Dorthin, wo das Geld regierte. Er ging seinen Weg. RĂŒcksichtslos bis zum heutigen Tag.
Und nun war es an der Zeit, die Vergangenheit zu rufen. Wellington wĂ€hlte die Nummer, die ihn zurĂŒck in den Dreck fĂŒhrte. Wie schon so oft. Wusste er doch aus Erfahrung, das Dreck durchaus seine nĂŒtzlichen Seiten haben konnte.
„Wellington. Hallo! Ich habe wieder einmal einen Auftrag fĂŒr unseren gemeinsamen Freund.“
„So! Was könnte ihn bewegen, dir zu helfen?“
„Sag ihm, dass unsere Aktien im Keller stehen. Wenn er ĂŒber MittelsmĂ€nner ein Aktienpaket kauft und dementsprechend handelt, sind Millionen fĂŒr ihn drin. Und die ganzen anderen Dinge. Er wird verstehen.“
„Ich werde es ihm ausrichten.“
Da war wieder diese kalte Glanz in WellingtonÂŽs Augen. Er wusste, dass er sich auf seinen GeschĂ€ftspartner verlassen konnte. Diese Affen des Aufsichtsrats sollten wissen, wer gewinnt. Am gleichen Tag fand eine außerplanmĂ€ĂŸige Sitzung statt, auf der Wellington mitteilte, er sei der festen Überzeugung, dass sich die Auftragslage innerhalb kĂŒrzester Zeit dramatisch zu ihren Gunsten Ă€ndern werde.
Wellington war an diesem Morgen wie immer der Erste im BĂŒro. Um 08:44Uhr klingelte das Telefon. Sein spezieller GeschĂ€ftspartner. Endlich!
„Hallo mein Freund! Wie geht es dir? Ich habe deinen Auftrag erledigt. Schau aus dem Fenster und du wirst sehen, das der Markt bald wieder florieren wird.“
Wellington sah nach draußen und verstand die Worte des Anrufers nicht.
„Sehen? Was soll ich sehen?“
„Hab Geduld mein Freund.“
Als er das Flugzeug sah, verstand Wellington und seine Arroganz und Überheblichkeit verschwanden um der alles verzehrenden Angst Platz zu machen..........

3 Monate spÀter

„Meine sehr verehrten Damen und Herren! Die Tagesordnungspunkte sind nun abgehakt, der neue Aufsichtsrat gewĂ€hlt. Lassen sie uns nun einen Augenblick innehalten und einen Mann ehren, ohne dessen bedingungslosen Einsatz die Firma nicht zu dem geworden wĂ€re, was sie heute ist. Mr. Paul Wellington, der Harrison Systems zum fĂŒhrenden Hersteller von GepĂ€ckprĂŒfanlagen, RöntgenprĂŒfsystemen und Metalldetektoren auf dem Weltmarkt gemacht hat. Noch zwei Monate vor seinem tragischen Tod versprach er, dass es aufwĂ€rts gehen werde. Lieber Paul! Wir vermissen dich und deine Weitsicht.“

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ingridmaus
Hobbydichter
Registriert: Oct 2001

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Autsch - das ist mal wieder eine Geschichte in die Magengrube. Man denkt sich nichts boeses, und am Ende dann so ein fieser Hammer. Kompliment!
Ein Kritikpunkt: Ich fand die Darstellung von Wellington als ruecksichtslosen Aufsteiger aus der Bronx ein bisschen zu klischeehaft...
Gruesse,
Ingrid
__________________
Never wake a sleeping dragon!

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Cuchulainn
Guest
Registriert: Not Yet

Was mir an dieser Geschichte gefĂ€llt, ist das sie sehr kurz ist, aber trotz der KĂŒrze einen klaren Eindruck bietet. Das heißt, sie wirft keine Fragen auf. Es wird ein deutliches Bild vermittelt.

LG
Chulainn

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Otto Lenk
Routinierter Autor
Registriert: Nov 2001

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Hallo ingridmaus,
Wellington klischeehaft. Du scheinst ihn nicht gut zu kennen. Ich habe ihn "erlebt"! In seinem BĂŒro hing an der Wand hinter seinem Schreibtisch ein SenryĂ»:

RĂŒcksicht ist der Weg
der dich auf das reduziert
was du nicht sein willst

Das war Wellington......Liebe GrĂŒĂŸe Otto

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