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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Weltbilder und ihre Tücken
Eingestellt am 07. 04. 2001 17:04


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Flori
Hobbydichter
Registriert: Dec 2000

Werke: 6
Kommentare: 8
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Ich wollt noch schnell loswerden, dass ich weiß, dass dieser Text voller Rechtsschreibfehler ist. Aber ich will halt nicht jedes mal meine Oma alles kontrollieren lassen, ist mir auch zu dumm. Versucht einfach darüber hinweg zu lesen, Okay? (wenn jemand ganz viel Mitleid hat, kann er den Text ja auch korrigieren und mir mailen, das fänd ich klasse)lange rede kurzer Sinn, was haltet ihr davon:

Meine Schluld am rollenden Fladenbrot

Als ich die Tür hinter mir zu schlug bewegte ich mich das erste mal an diesem Tag ohne Eile. Gemütlich, fast übertrieben langsam schlenderte ich in mein Wohnzimmer und ließ die Zeitung auf den Tisch fallen. Ich wollte mich bequem auf die Couch daneben setzen. Doch die Schlagzeile die mich da anschrie vertrieb meine Feierabendstimmung. Ärger stieg in mir auf. „Lutz Pirx treibt NPD Wahlkampf voran- lokaler Rechtsaußen rechnet sich Chancen auf Bürgermeisteramt in Bornschein aus“ Die Zeitung sagte mir da eigentlich nichts Neues, wirklich nicht. Trotz dem konnte ich die Wut über diese Überschrift nicht verdrängen. Ich kannte Lutz Pirx, ich hatte ihn oft im Stadtrat gesehen. Ich hatte ihn gesehen beim Plakate kleben und vor einer Woche stand er an der Edeka Kasse vor mir. Ich habe ihn natürlich nicht gegrüßt! Ich haßte ihn. Er dachte so anders als ich. Aber ich haßte ihn nicht wegen seines nationalen Gedöns, überlegte ich. Ich haßte ihn weil er brutal war. Ich wußte zum Beispiel, daß er den Dönerverkäufer von Bornschein verprügelt hatte, jeder wußte das, nur konnte es halt keiner beweisen. Er war ein Idiot dieser Pirx, seine rechten Parolen waren alle wirr und ohne viel Logik. Doch gerade das Wissen, das ich ihm überlegen war, steigerte meine Wut noch. Es machte mich so hilflos. Ich war friedlicher Mensch, ich glaube, das konnte ich mit Recht behaupten. Ich haßte gewallt, doch als ich Lutz Pirx einmal Nachts besoffen im Straßengraben hatte liegen sehen, hatte ich nach ihm getreten. Nicht lasch, sondern mit Kraft. Darum haßte ich Lutz Pirx.

Ein schöner Sommertag, ich fuhr mit meinem neuen Moped spazieren und der Tag mit der Zeitung war 3 Wochen her. Ich fuhr schnell, denn es machte Spaß, sich vom warmen Fahrtwind umwehen zu lassen. Die Luft schmeckte nach Gras Auch in den Kurven fuhr ich schnell. Zu schnell! Die Fliehkraft drückte mich unbarmherzig zum Außenrand einer besonders scharfen Kurve. Ich hielt dagegen, legte mich in die Kurve, aber schon wußte ich, das ich es nicht schaffen würde. Gerade noch sah ich vor mir ein Fahrrad auftauchen. Ein Geisterfahrer! Dann knirschte schon Metall auf Metall und Beton.

Meine Schmerzen weckten mich aus der Bewusstlosigkeit. Das erste was ich sah, war er, aber ich glaubte nicht daran das er es wirklich war. Eine Erscheinung oder so, ich wußte nicht was. Meinen Augen waren wieder zu und ich hörte mich atmen. Ich war unnatürlich entspannt, wie schwebend. Langsam wichen die Schmerzen und blockierten nicht länger meinen Kopf. Meine Ohren hörten etwas. Ich hörte Atem, fremden Atem. Ja, ich war wohl nicht allein. Jetzt, wo ich die Augen öffnete sah ich ein Fahrrad. Ich konnte es erst gar nicht einordnen, aber ja, ich hatte ja ein Fahrrad überfahren. Das Fahrrad war rot. Von dem roten Lack hob sich deutlich ein weißer Aufkleber ab, mit schwarzer Schrift. Eine Weile sah ich auf das verschwommene Schwarz, dann wurde die Schrift deutlich „Arbeit zu erst für Deutsche“. Ein Ruck ging durch mich, erst durch meinen Verstand, dann durch meinen Körper. Ich hatte ihn ja gleich gesehen. Er lag unter seinem Fahrrad und sein Bein war verdreht- Pirx das Schwein!

Er war es wirklich, kaum zu fassen. Er war es. Die Sache hatte etwas von einem Theaterstück, pro und Kontra treffen sich. Wie oft schon hatte ich gedacht, dies müßte man Pirx mal sagen, wenn ich wieder etwas gehört oder gelesen hatte, was seine rechten Theorien widerlegte. Jetzt konnte ich es. Mir viel auf, das ich ihm zum ersten mal so nah war, keiner von uns konnte entfliehen. Ich konnte ihm nun alles sagen, aber ich.... ich wußte nicht wo ich anfangen sollte. Verdammt, mein Schädel brummte immer noch.
Jetzt wandte er mir sein Gesicht zu. Ich fühlte Haß, klar. Ich hatte auch, undeutlicher, Angst vor ihm. Er lag unter seinem zerschrammten Rad, ich hatte noch das Moped zwischen den Beinen. Wir sahen uns stumm an.
Es drängte mich dieses Schweigen zu durchbrechen, mit etwas Provokanten, am besten mit einer Beleidigung. Aber Pirx blutete. Wieso sah ich das erst jetzt? Wenn du wirklich der „Freund aller Menschen bist“, der du gern sein willst, dachte ich, dann mußt du jedem helfen. Selbst Lutz Pirx Vielleicht gerade ihm, fragte hämisch eine innere Stimme. Er fuhr auf der falschen Seite sagte ich mir. Aber scheiße, ich hatte ihn umgefahren. Es widerstrebte mir, aber ich zog das Fahrrad von ihm herunter. Ich bemühte mich sogar vorsichtig zu sein, aber nicht all zu sehr. Blut klebte an seinem Fahrrad, es war etwas dunkler als der rote Lack.
Sein Bein war verdreht, es sah so aus als würde es höllisch weh tun und Lutzies Gesicht war auch vor Schmerz verzerrt. Aber er machte nicht den Mund auf. Er schrie nicht und sagte kein Wort. Weder „Danke“ noch „verpiss dich“. Das ärgerte mich und irgend wann mußte ja einer anfangen zu sprechen. „Du warst auf der falschen Seite du Geisterfahrer“ sagte ich. Aber schon beim Sprechen erschien es mir als unpassender Einstieg. „Hast du mich deshalb umgefahren“, knurrte er zurück „oder weil ich auf mein Land stolz bin“. Wieder schwiegen wir. Ich hatte mich auf mein liegendes Moped gesetzt. Mein Bein tat mir immer noch weh. Ich überlegte was weiter zu tun sei.
„Verbandszeug“ sagte ich laut „ich glaub ich hab Verbandszeug dabei“ und froh darüber mit etwas beschäftigt zu sein, kramte ich unter meinem Sitz herum. Ich fand ein paar Baumwollbinden, sonst nichts. Das würde reichen müssen dachte ich und näherte mich Lutzens Bein. Der hob abwehrend die Hände, aber mir schien, das er sich nur halbherzig gegen die Hilfe währte. „Das wird jetzt etwas weh tun“ sagte ich und er nickte. Ich versuchte meiner Stimme einen sanften Klang zu geben.
Schon als ich sein Hosenbein hochzog, konnte Pirx einen Schrei nicht mehr unterdrücken. Sein Bein war blau und am Knie zeigte eine Wunde rotes Fleisch. Ich starrte darauf und fühlte mich hilflos. Meine Tatkraft verließ mich bei diesem Anblicke, ich konnte nur an die Schmerzen denken, die eine solche Wunde verursachen mußte. „Lenk ihn ab“ dachte ich mir. Das war sicher keine medizinisch effektive Methode. „Wo wolltest du hin Lutz?“ fragte ich trotz dem, bekam aber nur ein hilfloses Wimmern als Antwort.
Ich kam wohl nicht drum herum Hand an die Wunde zu legen, obwohl ich natürlich keinen Schimmer hatte wie man so etwas machte. Als erstes mußte ich wohl sein Bein richtig drehen, wenn ich es verbinden wollte. Wir bissen beide die Zähne zusammen, er weil er sah was ich vorhatte, ich weil er schrecklich schreien würde.
Und er schrie! Ein kurzer Schrei, aber in meinen Ohren hallte er noch lange
nach.
Nun lag das Bein gerade da und mit zitternden Händen wickelte ich die Binde um das Knie. Sie blieb weiß, durchtränkte sich nicht mit Blut. Das hielt ich für ein gutes Zeichen. Blieb nur zu hoffen, das die Binde nicht weiß blieb, weil ich sie so lose gewickelt hatte. Das Bein sah richtig komisch aus, mit den lose herab hängenden Schlingen. Aber besser würde ich es nicht hinkriegen, nicht mit meinen zwei linken Händen, nicht wenn sie vor Aufregung zitterten.
Jedenfalls schrie Lutz nicht mehr, er lag ruhig und hatte die Augen geschlossen. Fast glaubte ich er sei eingeschlafen, als er den Mund öffnete und mit gepreßter Stimme sagte „Ich bin zu meinem Sohn gefahren, nach Sternburg ins Heim“ .Vielleicht lag auch Ironie in seiner Stimme, aber darauf achtete ich gar nicht. Ich war viel zu überrascht! Alles was ich als Antwort herausbrachte war ein „aha“.
Sternburg dachte ich immer wieder, Sternburg. Lutz hatte ja keine Ahnung was dieser Ort für mich bedeutete! In Sternburg, im Heim für schwer Erziehbare, hatte Tanja gelebt, meine Schwester. Schon über zwei Jahre war ich nicht mehr dort gewesen. Aber sofort erstanden in meinem Kopf die langen Flure wieder auf, das grüne Linoleum und die braunen Türen, jede mit einem Namensschild. Tanja hatte erst den Raum 206 gehabt, dann103 und zum Schluß die 208. Weitere Fenster meiner Erinnerung öffneten sich, ich sah auf ein mal die Tür zur 209. Auf dem Namensschild stand M. Pirx. Tanjas Nachbar hatte Pirx gehießen. Damals hatte ich mich über den Namen gewundert und Tanja gefragt, ob ihr Nachbar ein Pole war. Hatte ich wirklich die ganze Zeit nicht mehr daran gedacht, oder hatte ich das Namensschild in Sternburg nur nie mit dem Rechtsradikalen von Bornschein in Verbindung gebracht?
„Zimmer 209“ sagte ich zu Lutz und nun war es an ihm erstaunt zu sein. Sein langsames gequältes Nicken erübrigte die Frage ob das wirklich sein Sohn war.
Der Verband fing jetzt doch an sich rot zu färben, aber Lutz Pirx achtete darauf nicht. Auch Schmerzen schien er kaum noch zu verspüren. Vorsichtig richtete er sich auf und begann zu erzählen.
Er erzählte natürlich von seinem Sohn, welche Probleme sein Sohn ihm gemacht hatte, das er begeisterter Modellbauer war und wieviel Charme er hatte. Er schwärmte- und fluchte. Lutz sprach vielleicht eine halbe Sunde lang, manche seiner Probleme kannte ich von Tanja, andere nicht. Es überraschte mich, wie offen er war, das er auch seine eigenen Fehler nicht verschwieg. Nach dieser halben Stunde war ich stellte ich erstaunt fest, daß ich diesen Mann anfing zu mögen. Hin und wieder glitt mein Blick verstohlen über das rote Fahrrad und den weißen Aufkleber darauf. Lutz liebt seinen verhaltensgestörten Sohn dachte ich, aber... „Lutz“ fing ich an und schielte auf den Aufkleber. Aber ich konnte ihn einfach nicht fragen wie das zusammen passte. Sowas kann doch gar nicht zusammen passen.
Das war natürlich nicht das Ende meines Abenteuers mit Lutz. Da war noch ein Auto, daß einige Minuten später anhielt, ein Arzt der noch zwanzig Minuten später dazukam und so weiter. Aber entscheidend für jenen Tag war all das nicht. Dieser Tag hatte überhaupt erstaunlich wenig Konsequenzen für mich. Wenn ich an meinen Unfall denke, denke ich daran, was ich über einen Jungen namens Michael Pirx gehört habe

Was denke ich nun von Lutz Pirx? Ich weiß es nicht. Hasse ich ihn noch? Ja, ich glaube schon. Gestern hab ich ihn gesehen, in Bornschein am Markt. Er stand vor der Litfaßsäule und klebte Plakate an. „Junge Nationale“ und „NPD- die einzig wahre Opposition „ . Ich sah deutlich wie er versuchte sein rechtes Knie nicht zu sehr zu belasten. Wenn er sich hinkniete, um den großen Pinsel in den Leimtopf zu tauchen, verzog ein Schmerz sein Gesicht. Er war so flüchtig, ein Augenzucken fast nur, das ihn sonst niemand bemerkte. Aber ich sah ihn.
Als ich dann Ali den Dönermann schwer bepackt über den Markt kommen sah, schluckte ich. Er sah Pirx nicht, zwischen ihnen war die Telefonzelle, aber Pirx hatte Ali gesehen. Ich ging zwei Schritte auf die beiden zu und stockte. Ich wollte, .... aber ich konnte nicht. Pirx stellte Ali ein Bein, das Bein das ich ihm verbunden hatte und lachte als er fiel. Fladenbrot rollte über den Markt und ich haßte Lutz Pirx. Ich haßte ihn wirklich!




P.S. lasst euch davon aber nicht entmutigen. Menschenliebe wird siegen!

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innergetic
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Registriert: Not Yet

Hmmmm.

Ein paar Sachen vorab:
1. Es gibt so wenig Bratskartoffeln wie es Verbandszeug gibt.
2. Gebrochene Beine sollte man nicht bewegen (jeder Chirurg dankt es dir)
3. Bei einem offenen Bruch ist das lose Abpolstern nur vernünftig.
4.Jemand mit einem offenen Beinbruch redet normalerweise nicht lockerflockig über die Probleme schwer erziehbarer....

Ok, zum Text. Das alte Problem der Abhängigkeit von Gut und Böse, wo ich jetzt die gute, alte Antwort geben muss, du musst auch den Bösen helfen, um besser zu sein als sie.

Die Unverbesserlichen gibt es immer wieder.

Was hätte der Erzähler tun sollen? Weiterfahren (kaum auffällig) und diesem Pryxdfklsdj? den Triumph gönnen, dass er auch noch dafür bestraft wird?
Mein Triumph wäre es, mir zu sagen, ich tue das für mein Gewissen, nicht für ihn. Meine Feinde zu lieben, ok. Aber ich bin auch nur ein Mensch.

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