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Leselupe.de > Gereimtes
Weltgeschichtliches
Eingestellt am 11. 01. 2004 00:03


Autor
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M├Â├čner, Bernhard
Routinierter Autor
Registriert: Dec 2001

Werke: 89
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Moritat von Hunnen und den alten Rittersleuten...

Wir Dichter sind seit alter Zeit
beliebt ob unsrer F├Ąhigkeit
in kunstvollen, gereimten S├Ątzen,
die unsre Leser an uns sch├Ątzen,
in Epen, Versen und Gedichten
Geschichtliches so zu berichten,
dass jeder Leser meint beim Lesen,
der Dichter w├Ąr dabei gewesen.

Was w├╝sste man von Odysseus
und von dem G├Âttervater Zeus,
wenn nicht ein Dichter wie Homer
Verk├╝nder ihrer Taten w├Ąr,
der die Olympier, die antiken,
samt ihren Helden sowie Kriegen,
kunstvoll beschrieb und ├╝berdies
sie so unsterblich werden lie├č?
Der Dichter nur verleiht der Zeit
den Hauch der Unverg├Ąnglichkeit!

Die Helden liegen l├Ąngst im Grab,
selbst ihre G├Âtter traten ab,
sie wurden abgesetzt und floh'n
verschreckt von ihrem G├Âtterthron,
verjagt von Hunnen und Barbaren,
die f├╝rchterliche Krieger waren!
Sie kreuzten auf in w├╝sten Herden,
wie festgewachsen auf den Pferden.
Das Wesen dieser Reiterhorden
bestand im Rauben und im Morden,
sie schlugen ihre Schreckenspur
quer durch Europas Hochkultur.

Die Dichter wandten sich voll Grausen
weit ab von den Kulturbanausen!
Fiel so ein W├╝stling tot vom Pferde,
versank er ruhmlos in der Erde;
kein Dichter lieh dem toten Leib
den Nimbus der Unsterblichkeit.
Kein Epos, kein Gedicht bezeugen
der Hunnen ungehobelt Treiben,
und deshalb wei├č man nur von ihnen,
dass man sich freute, als sie gingen.

Worauf die neue Zeit begann:
Die k├╝hnen Ritter traten an!
Die Ritter ohne Furcht und Tadel,
von hohem und von niedrem Adel,
die Siegfriede und Parsivale
mit weichem Herz und harter Schale,
Besch├╝tzer von bedr├Ąngten Damen
und Gr├╝nder von ber├╝hmten Namen.
Doch leider Gottes war nicht jeder
der Ritter auch ein Drachent├Âter,
so mancher trieb noch nebenbei
gemeine Wegelagerei:
Wer zahlte, durfte weiterfahren,
um Geld erleichtert, oder Waren,
wer ohne Mittel war, den stie├č
er roh ins finstre Burgverlies.
Der arme Mann erfuhr sodann,
wer von der Armut zehren kann.

Verlie├č ein Ritter einst sein Weib
f├╝r kurze oder lange Zeit,
und war dieselbe sch├Ân und jung,
so brachte er (zur Vorbeugung)
am letzten Tag, bevor er schied,
sie noch zum alten Wagenschmied.
Der hieb von einem Eisenreifen
einen gen├╝gend breiten Streifen,
und schmiedet den dem jungen Weib
um ihren zarten Unterleib,
auf dass der ritterliche Gatte
auch unterwegs Gewissheit hatte:
Der schwere Eiseng├╝rtel hemmt
des Weibes Lust, sie geht nicht fremd!
Der G├╝rtel war zwar unbequem,
sowohl beim Sitzen und beim Geh'n,
doch er erf├╝llte seinen Zweck:
Der Ritter ritt beruhigt weg.

Die Einsamkeit bedr├╝ckt sie sehr,
der Eiseng├╝rtel noch viel mehr,
der scheuerte am Leib und rieb;
sie ging daher zum jungen Schmied
und klagte diesem ihren Schmerz.
Der hat zum Gl├╝ck ein gutes Herz;
er schafft der Dame, die noch jung,
sogleich etwas Erleichterung.
Vielleicht, da sein Bem├╝hen frommt,
ist's m├Âglich, dass sie wiederkommt.

Was dann geschah, dar├╝ber spricht
ein wohl erzog'ner Dichter nicht!
Dem Ritter ist, bei Licht besehn,
in diesem Falle Recht gescheh'n.
Denn der, in seines Kaisers Heer,
zog in dem heil'gen Land umher,
wo er den Muselmann bekriegt,
manchmal verliert und manchmal siegt.
Zuletzt bekam er einen Orden
vom Kaiser, mit viel guten Worten,
worauf er ehrenvoll verschied!
Das freut die Witwe und den Schmied,
womit die Sage noch am Ende
ein sagenhaftes Ende f├Ąnde.





__________________
-Bernhard M├Â├čner-

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B.Wahr
???
Registriert: Dec 2001

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Endlich kapiert

Hallo Bernhard,

endlich, endlich versteh ich die Redewendung "geh nicht zum Schmiedchen, geh lieber gleich zum Schmied"!

Danke f├╝r Deine allerliebste Weltgeschichtsaufkl├Ąrung. Sehr sch├Ân und h├Âchst am├╝sant, da h├Ątt ich auch fr├╝her in Schulzeiten nicht gemeckert...

Liebe Gr├╝├če und W├╝nsche ├╝bern Wald
B.Wahr

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gareth
Fast-Bestseller-Autor
Registriert: Dec 2003

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Hallo Bernhard,

das ist richtig gut und zwischendurch ganz besonders.

Und weil ich das ehrlich meine, krittel ich mal an den beiden Doppelzeilen rum:

kein Dichter lieh dem toten Leib
den Nimbus der Unsterblichkeit.

und deshalb wei├č man nur von ihnen,
dass man sich freute, als sie gingen

aber nur wegen der Reime.
Ich finde sie beide vom Inhalt her sehr gelungen, mich wurmt nur, dass die Reimworte nicht richtig gut sind.

Aber nimm das blo├č nicht wichtig.
Das Gedicht ist und bleibt gut!

Gr├╝├če von gareth

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alfi
???
Registriert: Dec 2003

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hi Bernhard

Wenn ich 20 w├Ąre, w├╝rde ich sagen bohh eyy geil voll krass alder.
Da ich aber 60 bin sage ich es schlichter: super gemacht als Streiflichter durch die Weltgeschichte, kann man es kaum besser erz├Ąhlen.
__________________
alles was sich reimt ist nicht-
automatisch ein Gedicht. (alfi)

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LuMen
H├Ąufig gelesener Autor
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Geschichte am├╝sant

Hallo Bernhard,

Dein poetischer Streifzug durch die mittelalterliche Geschichte hat mich sehr am├╝siert! Die von gareth vermerkten kleinen "Unebenheiten" kann man dar├╝ber glatt vergessen.
Geht der Streifzug bald weiter? Ich bin gespannt auf das n├Ąchste Kapitel!

Herzliche Gr├╝├če
LuMen

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