Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92250
Momentan online:
119 Gäste und 6 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Feste Formen
Weltwort (Sonett)
Eingestellt am 11. 12. 2011 13:07


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
Walther
Routinierter Autor
Registriert: Sep 2004

Werke: 1537
Kommentare: 9781
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Walther eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Weltwort


Es sprach aus ferner Zeit sich mir ein Wort
Ins Ohr und wollte erst mal l├Ąnger bleiben;
Es bat mich, dies und es hier zu beschreiben,
Und sagte sich dahin, als fl├Âg es fort

Und k├Ąm nie mehr zur├╝ck an jenen Ort
Des ersten Kennenlernens. Welches Treiben
Durchflie├čt den Wintermorgen: Augenreiben,
Ein m├╝des Dehnen, Weihnachtstage, Mord

Am In-sich-Ruhen, Zu-sich-Finden, und
Den Hauch von Nebelatem blasen Winde
So schnell hinweg, wie Phrasen meinen Mund

Verlassen. Ob ichÔÇÖs jemals wiederfinde,
Das eine Wort, das Welten ganz macht, rund?
Es dr├╝ckte aus, was nicht nur ich empfinde.

__________________
Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

Version vom 11. 12. 2011 13:07
Version vom 14. 12. 2011 20:50

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Vera-Lena
Routinierter Autor
Registriert: Oct 2002

Werke: 671
Kommentare: 10342
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Vera-Lena eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Lieber Walther,

bei diesenm wundersch├Ânen Gedicht hat man wieder die Leseschwierigkeiten wegen der vielen Enjambements.

Hat man sich durch dieses Labyrinth aber erst einmal hindurch gefunden, bleibt keine Frage mehr offen.

Das sind die wenigen tiefen Lebensaugenblicke, wenn eine Wahrheit uns anr├╝hrt, meistens, ohne dass wir danach gesucht h├Ątten, einfach so, wie vom Himmel gefallen. Aber da wir noch nicht geistig und spirituell weit genug entwickelt sind, k├Ânnen wir diesen lichten Moment nicht so erhalten, wie er uns begegnet ist. Er taucht ab ins Unbewusste, um eines Tages genau so pl├Âtzlich wieder aufzutauchen.

Stille k├Ânnte eine Unterst├╝tzung dabei sein, aber sie wird "gemordet" ├╝bert├Ânt von der Hektik des Tages und das "In-sich Ruhen, Zu-sich Finden" wird unm├Âglich gemacht.

Ach, ja.....es gibt ├ťbungen, die, t├Ąglich ausge├╝bt, Wege ├Âffnen, um auf die Seelentiefen zu zu schreiten. Der Mensch ist nicht wirklich verlassen, Gott sei Dank.

Und die bange Frage, ob dieses allm├Ąchtige Wort wieder auftauchen wird .....

Dazu m├╝sste ich jetzt selbst ein Gedicht schreiben (fehlten mir nicht Zeit und Inspiration), denn ich bin davon ├╝berzeugt, dass dieses Wort unverlierbar in der Welt gegew├Ąrtig ist.

F├╝r mich geh├Ârt dieser Text zu Deinen gelungensten Sonetten dazu. Ich w├╝nchte, ich h├Ątte ein Programm, um es Dir vorzulesen zu k├Ânnen, denn das "rund" erh├Ąlt durch diese kleine Abseitsstellung ein besonderes Gewicht. Wenn ich das l├Ąse, k├Ânnte man es auch so mith├Âren. Nun ja, es geht eben nicht. Schade

Liebe Gr├╝├če
Vera-Lena


__________________
Der Mensch ist sich selbst das gr├Â├čte Geheimnis, ein unverzichtbarer Blutstropfen im Universum, ein Spiegel allen Seins.

Bearbeiten/Löschen    


Walther
Routinierter Autor
Registriert: Sep 2004

Werke: 1537
Kommentare: 9781
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Walther eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Lb. Kalei,

Deine ausf├╝hrliche Kritik werde ich separat aufgreifen, bin gerade etwas eilig unterwegs, daher erstmal ein herzliches Danke f├╝r Deine hilfreichen Anmerkungen, die der n├Ąheren Betrachtung zugef├╝hrt werden, versprochen!

LG W.

Lb. Vera-Lena,

danke f├╝r Deinen Eintrag und vielmals Entschuldigung f├╝r die Schwierigkeiten beim Lesen. Hier ein anderes Satzbild:

quote:
Es sprach aus ferner Zeit sich mir ein Wort ins Ohr und wollte erst mal l├Ąnger bleiben; es bat mich, dies und es hier zu beschreiben, und sagte sich dahin, als fl├Âg es fort und k├Ąm nie mehr zur├╝ck an jenen Ort des ersten Kennenlernens. Welches Treiben durchflie├čt den Wintermorgen: Augenreiben, ein m├╝des Dehnen, Weihnachtstage, Mord am In-sich-Ruhen, Zu-sich-Finden, und den Hauch von Nebelatem blasen Winde so schnell weg, wie die Phrasen meinen Mund verlassen. Ob ichÔÇÖs jemals wiederfinde, das eine Wort, das Welten ganz macht, rund? Es dr├╝ckte aus, was nicht nur ich empfinde.
Macht das das Lesen einfacher und den Sinn klarer?

In der Tat ist das ein Gedicht f├╝r eine an und f├╝r sich kontemplative Zeit wie die Adventszeit. Und in der Tat k├Ânnte man meinen, da├č das gesuchte "Weltwort" durchaus eine direkten Bezug zu dieser Zeit im Jahr hat. Und ebenso ist es gerade unser Leben, was hier beschrieben wird, das das Erinnern, das Aufsp├╝ren, das Verinnerlichen verunm├Âglicht.

Daher ist das Gedicht und sein "Gehetztes" ein Spiegelbild und zugleich ein Menetekel. Kann etwas anderes als ein solches St├╝ck Sprache dies besser verdeutlichen? Ich glaube nicht. Jedenfalls ist das ein Weihnachtsgedicht. Auch und gerade, weil man es nicht bemerkt, wenn man sich nicht auf das Gedicht einl├Ą├čt.

Ich hoffe, seine St├Ąrke liegt darin, da├č es auch "formlos" gelesen werden kann. Denn genau das ist mein Credo: Die Sprache mu├č in der Form liegen, als w├Ąre es nie anders vorgehabt gewesen. Und darin arbeite ich hart und konsequent in meine Texten. Manchmal komme ich an das Ideal heran, manchmal nicht.

Danke f├╝r Deine Anmerkungen und Analysen. Wie immer sind diese tiefer gehender als das Gedicht selbst.

LG W.
__________________
Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

Bearbeiten/Löschen    


Walther
Routinierter Autor
Registriert: Sep 2004

Werke: 1537
Kommentare: 9781
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Walther eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Lb. Kalei,

habe oben S2V4 umformuliert. Nun zu Deinen Anmerkungen:

"wollte erst mal l├Ąnger bleiben"
=> Das Weltwort wollte schon l├Ąnger bleiben, allein wir lie├čen es nicht. Der Ton ist ironisch zu verstehen. Es ist offensichtlich schwer, das zu erkennen. M├Âglichweise ├╝berfordere ich an dieser Stelle manche meiner Leser. Das w├Ąre schade, aber auch das ist interessant zu wissen.

"dies und es"
=> Dieses Bild ist eine Ironisierung von "dies und das". Meine Sprachspiele haben zumeist einen tieferen Sinn. Hier wird die Ebenen des Gedichtes angesprochen: Es wird "dies" = "das Gedicht" und "es" = "das Weltwort" "beschrieben". Was ist daran so schlecht?

"sagte sich dahin"
=> "Das sagt sich so leicht dahin" ist eine stehende Formulierung, die auf den bekannten Unterschied zwischen Reden und Tun verweist.

"Ein m├╝des Dehnen, Weihnachtstage, Mord"
=> Das "Mord" ist ein klassisches Enjambement und geh├Ârt in den n├Ąchsten Vers. Es scheint mir f├╝r den Leser ohne Weile nicht leicht zu sein, den ganzen Satz, der Verse ├╝berspringt, im Blick zu haben. Das ist traurig, liegt aber wohl daran, da├č wir Gedichte lesen anstatt sie stimmlos zu rezitieren, dann w├╝rde diese Schmakazien ins Gesicht springen. Schade drum, aber, s.oben, das war wohl zuviel des Guten, ich werde es mir hinter die Ohren schreiben.

Ich hoffe, die Anmerkungen haben weitergeholfen. Mnachmal mu├č man leicht frustriert zur Kenntnis nehmen, da├č die Mittel, die man einsetzt, einfach nicht recht z├╝nden wollen.

Danke und lieber Gru├č W.
__________________
Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

Bearbeiten/Löschen    


3 ausgeblendete Kommentare sind nur f├╝r Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
Zur├╝ck zu:  Feste Formen Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!