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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Wendepunkt
Eingestellt am 14. 06. 2019 14:43


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timilu
Autorenanw├Ąrter
Registriert: Apr 2019

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Schl├╝sselerlebnisse sind die Vorboten gro├čer Ver├Ąnderungen im Leben. Nach einem solchen, bemerke ich zufrieden, dass an dieser Aussage nichts dran ist. Alles l├Ąuft weiter wie bisher. Abgesehen von der Reiselust, die sich eingeschlichen hat. Abgesehen davon, dass ich jetzt gerne alleine mit mir bin. Weshalb auch immer.

Doch dann ist es da. Wie ein aufgeregtes Kind zupft es an mir herum. Zieht mich in neue Richtungen. Zeigt mir, was ich alles haben kann, wenn ich nur mutig genug daf├╝r bin. Es weckt Begehrlichkeiten, die mir fremd sind. Immer schneller verlangt es von mir, ihm zu folgen. Zu fernen Orten mit unbekannten Zielen. Das Dr├Ąngen wird energischer und je weniger Aufmerksamkeit ich dem Kind schenke, desto quengeliger wird es. Am Ende liegt es tobend auf dem Boden und ich w├╝nsche mich weit weg von dieser unangenehmen Szenerie.

Es macht mich ratlos. Die Emotionen, die es in mir hervorruft, brechen mein Inneres auf, setzten einen Fragenkatalog in Gang, f├╝r dessen Beantwortung ich Wochen brauche. Mit diesen aufgew├╝hlten Empfindungen stehe ich am Morgen auf. Sie begleiteten mich durch den Tag und bei Nacht nehme ich sie mit in den Schlaf. Ich glaube, das ist der Moment, wo sich viele klar werden, dass es Zeit ist, zu neuen Ufern aufzubrechen. Das alte Leben hinter sich zu lassen. Der Aufbruch zu einer Reise ohne R├╝ckfahrschein. Ist mir das auch klar?

Die Gef├╝hle ├╝berfordern mich und das tobende Balg dazu. Es befeuert diesen Prozess weiter in mir. Tag f├╝r Tag, Nacht f├╝r Nacht, mit jedem Atemzug, in jeder Sekunde. Ich bin nicht gl├╝cklich. Alles in mir dr├Ąngt auf eine einschneidende Ver├Ąnderung. Ich schrecke zur├╝ck und bewege mich nicht. Verlockungen rauschen an mir vorbei, wie ein wilder Gebirgsstrom. Soll ich hineinspringen? Mich mitrei├čen lassen? In ihm untergehen? Das Rauschen l├Ąsst nach, wird ruhiger, doch die Gef├╝hle sind weiter in Aufruhr. Tag f├╝r Tag, Nacht f├╝r Nacht.

Und was mache ich? Ich schaue zu dem Kind, das mit den F├Ąusten auf den harten Boden trommelt, und mit den Beinchen in die Luft strammt. Das seine Wut, Verletzlichkeit und den Frust ├╝ber das Vorenthaltene, in die Welt hinausschreit. Mit einem Mal wird es still. Es setzt sich auf und ein L├Ącheln legt sich auf sein nasses Gesicht.
Ich schaue zweimal hin, weil ich es nicht fassen kann. Die aufgebrochene Gef├╝hlswelt meiner Seele hat sich beruhigt, wie ein tosendes Meer nach dem Sturm. Spiegelglatt liegt sie vor mir und die zufriedene Mimik des Kindes spiegelt sich darin. Es ist nichts passiert und nichts hat sich ver├Ąndert.

Doch, etwas ist anders. Ich bin wieder in meinem alten und aktuellem Leben angekommen und begr├╝├če, das warme Gef├╝hl des Gl├╝cks in mir. Alles ist gut, so wie es ist. Ohne einer Versuchung nachgegeben zu haben, habe ich etwas zur├╝ckbekommen, das verloren schien und dabei immer in mir war: der Schl├╝ssel zum Gl├╝ck.

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