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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Wendezeit
Eingestellt am 26. 05. 2018 21:55


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KathaSonne
AutorenanwÀrter
Registriert: May 2018

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Er wollte unbedingt, dass sie dieses Mal ein Glas nimmt. FrĂŒher hat sie es direkt in den Strahl gehalten. Meist aber zitterte ihre Hand so sehr, dass der Strahl versiegte, bevor das StĂ€bchen mit der FlĂŒssigkeit benetzt werden konnte.
Es funktioniert nicht mit einem einzigen Tropfen, hat er gesagt. Sie hat es nicht sofort verstanden. Einmal fiel es ihr herunter, so aufgeregt war sie. Das ist schon eine Weile her, vielleicht zwei oder drei Jahre. Da musste sie sofort ein neues kaufen. Sonst durfte sie immer warten, eine Woche oder auch zwei. Das StÀbchen darf nicht zu nass werden, hat er gesagt.

Es muss diesmal einfach klappen. Wenn nicht, wird sie diese Nacht keinen Schlaf finden. Er wird wieder auf das StĂ€bchen schauen, sie wird den Kopf senken. Dann wird er sie schĂŒtteln, gegen die Wand pressen und wĂŒrgen. So genau kann man es nicht voraussehen. SpĂ€ter dann, wenn er sich beruhigt hat, sein Blick wieder sanfter geworden ist, wird er wortlos das Haus verlassen und erst im Morgengrauen zurĂŒckkehren. Mit frischen Mohnblumen, manchmal sind einige Rosen dazwischen. Eine Mischung aus Aftershave und billigem Scotch wird noch Stunden spĂ€ter in der Luft liegen, wenn sie sein FrĂŒhstĂŒcksbrötchen belegt. Er wird seinen besten Anzug wĂ€hlen, so wie er es immer macht, wenn ein wichtiger GeschĂ€ftstermin ansteht. Am spĂ€ten nachmittag wird sie den BMW vorfahren hören, schnellen Schrittes wird er zur HaustĂŒr laufen. Sie wird prĂŒfen, ob der Kaffee die richtige Temperatur hat. Einmal hatte sie sich vertan und die falsche Thermoskanne erwischt. Vom Vortag. Das war schlimm. Aber er kann ja auch anders sein. So liebevoll.

Wenn jemand sie auf die blauen Flecken auf den Oberarmen anspricht, wird sie sagen, sie sei die Treppe heruntergestĂŒrzt. Das kann ja schließlich mal passieren. Sie wird sich natĂŒrlich gut ĂŒberlegen mĂŒssen, welche Treppe sie wĂ€hlt. Am besten die Kellertreppe. Das Licht im Treppenhaus ist kaputt. Genau. LĂ€cheln ist wichtig. Immer lĂ€cheln. Das sagt er ihr immer wieder. NĂ€chste Woche wird der Vorstand zu Besuch sein. Er hat zum Dinner eingeladen. Ente wird es geben. Ente passt gut. Ihre schwarze Strickjacke wird sie tragen. Die mit den schwarzen Pailletten, die die Arme bedeckt. Schließlich ist es kalt im November. Dazu die silberne Kette, die er ihr zum 5. Hochzeitstag geschenkt hat. Er hat ihr vorgerechnet, wie viele Stunden er dafĂŒr arbeiten musste, fĂŒr den kleinen Brillanten im Schmetterlings-AnhĂ€nger.

Die Ente muss hervorragend werden, mit schöner Kruste. Dann wird er sie zufrieden anlĂ€cheln und die Vorstandsmitglieder werden anerkennend mit dem Kopf wippen. Wenn er befördert wird, werden sie eine Kreuzfahrt machen, sagt er. Der erste Urlaub seit der Hochzeitsreise. Auf die Malediven. Oder die Seychellen. Mallorca ist ihm lieber. Nicht so weit. Außerdem bekommt man dort deutsches Essen. Sie werden die Reise im Winter machen. Dann kann sie wieder ihre schwarze Strickjacke tragen. Die steht ihr gut, findet er.

Bei ihrem ersten Kennenlernen, damals auf der Veranda eines gemeinsamen Freundes. Einen kurzen Rock trug sie. Sexy nannte er es. Sie kicherte nur verlegen. Den Rock von damals, sie hat ihn weggeworfen. Erinnerungen. Tragen kann sie ihn nicht mehr. Die Leute wĂŒrden Fragen stellen. Krampfadern, nein,ja, ich muss es mal abklĂ€ren lassen. Ein guter Arzt fĂŒr Venenkrankheiten? Ja, gerne, schick mir doch eine email. Dann schaue ich da mal vorbei. Momentan sieht es aber zeitlich schlecht aus. Du weißt ja, der Haushalt.

Sie hĂ€lt das StĂ€bchen ins Glas. FĂŒr genau fĂŒnf Sekunden. So hat er es ihr gesagt. Ein paar Minuten Geduld braucht sie jetzt. Das StĂ€bchen liegt vor ihr. Die chemischen Prozesse sind kompliziert. Er hat es ihr erklĂ€rt. So genau erinnert sie sich nicht. Bis jetzt ist alles gut gelaufen. Es war nur wenig FlĂŒssigkeit fĂŒr wenige Sekunden. Die letzten paar Minuten muss sie noch durchstehen. Sie muss es einfach schaffen.

Das StĂ€bchen liegt in einer Schatulle auf dem KĂŒchentisch. Er wird sie öffnen, das StĂ€bchen herausnehmen und ein Photo machen. Dann wird er seinen Chef anrufen. Und die Kollegen. Die Eltern auch. Die Schwestern und Großeltern. Alle werden sie ein Photo bekommen von dem weißen StĂ€bchen mit den zwei blauen Balken. Es wird ein MĂ€dchen werden. Da wird er sich sicher sein.

Sie fĂŒllt zwei GlĂ€ser mit Rotwein. Er möchte entspannen, wenn er mĂŒde von der Arbeit kommt. Wenige Tropfen Gift werden reichen. Es wird ein schneller Tod sein.

Sie lĂ€chelt, nimmt einen tiefen Schluck und schließt die Augen.
















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DocSchneider
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