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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Wenn der Kuckuck dreimal klopft
Eingestellt am 06. 03. 2018 12:26


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G. R. Asool
???
Registriert: Apr 2017

Werke: 7
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Cavan saß in seiner winzigen Küche und starrte auf die halbe Dose Bohnen in Tomatensoße und den Kanten Brot. Sein graues Haar stand kraus zu allen Seiten ab. Er löste die braunen Augen von seinem baldigen Abendessen und ließ sie nochmals über die Schränke, von denen die einst weiße Farbe blätterte, wandern. In ihnen war jetzt nichts Essbares mehr.
    Das Knurren seines Magens holte ihn in die Gegenwart zurĂĽck. Die Gicht-steifen Finger griffen nach dem Buttermesser auf dem klapprigen KĂĽchentisch. Mit zittrigen Händen kratzte er ĂĽber die grĂĽne Stelle im Brot.
    Von unter dem Tisch kam ein Fiepen. Cavans knotige Hand beruhigte den mageren Irischen Wolfshund.
    â€žSchon gut mein Junge.“
    Cavans HĂĽfte knackte, als er sich von dem hölzernen Stuhl hievte. Einen Moment stand er an den Tisch gelehnt, auf wackeligen Knien und suchte sein Gleichgewicht. Nachdem er sich traute, die Tischkante loszulassen, nahm er die Dose. Von seinem Hund beobachtet schlurfte er zum Herd, stellte den Topf darauf und schĂĽttete die Bohnen hinein. Er drehte den Gashahn auf und drĂĽckte den ZĂĽnder.
    Tick tick tick - nichts.
    Erneut versuchte er es. Tick tick tick.
    Er lieĂź den ZĂĽnder los, denn er erinnerte sich an den letzten Brief von der Gasgesellschaft.
    ZurĂĽck am Tisch schob er die ungeöffneten gelben Umschläge beiseite und stellte die kalten Bohnen vor seinen Platz.
    Der Hund quiekte. Cavan kraulte ihn hinter dem Ohr. „Es wird schon wieder gut.“ Er nahm das harte Brot und legte es dem Tier vor die Pfoten. Die schwarz glänzende Nase beugte sich zu der Offerte und schnĂĽffelte. Nachdem der Hund seinen Kopf auf seine Beine gelegt hatte, seufzte Cavan. „Schon gut, alter Junge.“ Er nahm das Brot und stellte die Bohnen an dessen Stelle.
    Es klopfte an der TĂĽr. Cavan zögerte und horchte, unsicher, etwas wahrgenommen zu haben, doch zur Bestätigung klopfte es erneut. Seine HĂĽfte schmerzte beim Aufstehen. Seine Knie knackten und knirschten. Wieder klopfte es.
    â€žIch komme schon.“
    Vor der TĂĽr stand eine junge Blondine in einem anthrazit farbenen GeschäftskostĂĽm.
    â€žGuten Tag, Olga Kever mein Name. Gerichtsvollzieherin. Sind Sie Herr Make?“
    Cavan nickte.
    â€žCavan K. Make?“
    â€žJa. Bitte, kommen Sie rein.“ Er schlurfte in die KĂĽche und bot der Frau einen Stuhl an, bevor er sich, ein Ă„chzen unterdrĂĽckend, auf seinem Platz niederlieĂź. Sie verharrte mit leicht geöffneten Mund. Einen Moment war nur das Schmatzen des Hundes zu hören. Cavan beobachtete ihre blauen Augen, die ĂĽber die leeren Schränke wanderten. „Darf ich Ihnen etwas anbieten?“
    Olga blinzelte verlegen. „Äh … nein, danke.“
    Cavan, erleichtert ĂĽber ihre Antwort, konnte dennoch nicht aufhören, mit dem gichtigen Daumen an seinem Teller zu fingern. Als er sah, wie die Frau auf das harte, schimmelige Brot schaute, schob er es beiseite und senkte den Blick. Endlich setzte die Dame sich auf den angebotenen Stuhl.
    â€žHerr Make, ist das ihr Auto in der Einfahrt?“
    Cavan nickte.
    â€žHerr Make, es wurde ein … “, sie räusperte sich und begann erneut, „Herr Make, es wurde ein Pfändungstitel gegen Sie erwirkt.“ Sie legte ein Schreiben auf den Tisch. Ihr Kugelschreiber huschte ĂĽber Ihren Notizblock. „Ich muss ihr Fahrzeug heute pfänden. Ich werde beim Rausgehen ein Pfandsiegel anbringen. Das bedeutet fĂĽr Sie, dass jegliche weitere Nutzung untersagt ist. Sollten Sie dem nicht nachkommen, machen Sie sich des Siegelbruchs strafbar. Haben Sie das verstanden?“
    Cavan, die Augen auf den Boden gerichtet, nickte.
    â€žIn den nächsten Tagen wird eine Parkkralle angebracht.“ Ihre Stimme zitterte unmerklich.
    Cavan hatte wieder begonnen, mit dem Daumen an seinem Teller zu spielen.
    â€žDas ist Ihre Kopie des Pfändungsprotokolls.“ Sie riss das Papier von Ihrem Block und schob es Cavan zu. „Auf der RĂĽckseite finden Sie weitere Details und an wen Sie sich wenden können, falls Sie Einspruch einlegen möchten.“
    Cavans Augen blieben starr auf den Brotkanten geheftet. Die Blondine erhob sich, um zu gehen, doch zögerte. Cavan konnte ihren Blick spĂĽren, wie sie ihn musterte. Ein ReiĂźverschluss ratschte auf. Die Frau wĂĽhlte in ihrer Handtasche. Ein Knopf poppte und ihre schlanken Finger legten einen FĂĽnfer auf den Tisch. Cavan schaute nicht auf. Zitternd nahm er den Schein und verstaute ihn in seiner Hosentasche. Die Frau stand immer noch da und schluckte. Ein weiterer Griff in ihre Geldbörse beförderten noch ein paar Geldscheine hervor, dann verschwand sie eiligen Schrittes. Das Stakkato ihrer Stöckelschuhe hallte noch nach, während Cavan auf das Geld starrte. Der Hund leckte sich die Schnauze und legte den Kopf in Cavans SchoĂź. Der kraulte ihn hinter dem Ohr. „Es wird alles wieder gut.“ Die Birne in der Deckenlampe flackerte und das Licht ging aus.



Version vom 06. 03. 2018 12:26
Version vom 13. 03. 2018 12:10

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Weltenwandler
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Hallo G. R.Asool,

deine Geschichte lässt sich flüssig lesen und hat einen ansprechenden Stil.

Hier ein paar Anmerkungen:

Bei der Beschreibung des alten Mannes musst du nicht zu sehr aus den Vollen schöpfen - ein paar Altersgebrechlichkeiten oder böse Briefe weniger und deine Figur ist authentischer- trotzdem natürlich mitleiderregend genug.

Ein paar Rechtschreibanmerkungen:

quote:
mageren, Irischen Wolfshund
loszulassen, nahm er die Dose.
, unsicher, etwas wahrgenommen zu haben - doch ....
anthrazitfarbenen
aufhören, mit dem gichtigen Daumen...
harte, schimmlige Brot
angebotenen Stuhl.
anbringen - das bedeutet
Sollten Sie dem nicht nachkommen, machen Sie sich
In den nächsten Tagen wird eine Parkkralle
wieder begonnen, mit dem
Das Staccato ihrer Stöckelschuhe hallte



Versuche, beim nächsten Mal etwas genauer zu korrigieren und saubere Absätze einzufügen. Bei deiner Schreibtechnik kannst noch darauf achte, pfiffigere Beschreibungen wie "Das Staccato der Stöckelschuhe" einzubauen. Zur Taktik: Wenn du die Polarisierungen des Textes noch besser dosierst, wirst du authentischer!

Alles in Allem jedoch schlĂĽssig - eine Text, der funktioniert!

Tobid

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G. R. Asool
???
Registriert: Apr 2017

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Hey Tobid,

vielen Dank fĂĽr deine Anmerkungen.
Der Duden empfiehlt allerdings Stakkato mit K.
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GruĂź
GR

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Weltenwandler
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Hallo GR,

Meine Anmerkung zum "Staccao" war durchaus positiv gemeint - dieses Bild war gut formuliert.

Ob du dich am italienischen Vorbild mit c oder der "eingedeutschten" Form orientieren willst, sei dir ĂĽberlassen. Ich bezog mich in diesem Fall auf das Wort "hallten" , das eigentlich "hallte" heiĂźen mĂĽsste. Die Schreibung mit cc war eine Unsauberkeit meinerseits.

Wir machen alle Fehler, deswegen sind wir ja hier

GrĂĽĂźe,
Tobid

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G. R. Asool
???
Registriert: Apr 2017

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Hey Tobid,

da haben wir ja schön an einander vorbei geredet.

GruĂź
GR

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