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Leselupe.de > Kurzprosa
Wenn der Tag keine Ruhe gibt
Eingestellt am 25. 03. 2006 09:37


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Franka
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Wenn der Tag keine Ruhe gibt


Es wird Abend. Die Sonne malt mit letzter Kraft den Himmel purpurrot.
Ich stehe am Fenster und genieße dieses Schauspiel der Natur. Als mir kĂŒhl wird, hole ich eine Decke, lege sie um meine Schultern und kuschele mich in meinen Lieblingssessel. Dabei schaue ich zu dir hinĂŒber.

Du bist auf dem Sofa eingeschlafen. Dein Dienst war anstrengend. Acht Stunden habt ihr den kleinen Jungen operiert.
Und doch konntet ihr ihn nicht retten. Drei Rippen hatten sich zu tief in seine LungenflĂŒgel gebohrt.
Tiefe Falten haben sich in dein Gesicht gegraben. Unruhig wĂ€lzt du dich hin und her. Ein leichtes Stöhnen dringt zu mir herĂŒber.

Ich greife die Decke enger.
In meinem Bauch strampelt die Kleine, kann wohl auch nicht schlafen. Beruhigend lege ich beide HĂ€nde auf den Bauch, streichele ihn sanft und summe leise ein Schlaflied.

Als ich wieder aufsehe, regnet es. Murmelgroße Tropfen fĂ€rben den Schnee auf unserer Terrasse blutrot. Ich muss an Schneewittchen denken:“ So weiß wie Schnee und so rot wie Blut...“
Das Weiß des im Abenddunkel funkelnden Schnees fĂ€llt auf mein Gesicht. Breitet sich aus. Langsam den Hals hinunter.
Gebrochene Rippen krallen sich wie knochige Finger in mein Herz, verlangsamen seinen Schlag, sosehr, das ich und auch die, die dann kommen, es nicht mehr schlagen hören. Erstarrt sitze ich da. Mein Atem gefriert langsam und haucht dadurch Eisringe in den Raum.
MĂ€nner in Schwarz betten mich neben einen totenbleichen Jungen auf einen Operationstischtisch.
In mir Bewegung. Mein MÀdchen, es kÀmpft, gegen die KÀlte.
Plötzlich stehst du neben mir. Ein Skalpell glĂ€nzt in deiner Hand. Ich spĂŒre einen scharfen Schmerz und höre dich eine Nabelschnur durchtrennen. Verschwommen, wie durch dicken Nebel, sehe ich ein Kind auf deinem Arm. Es ist völlig rosa und ich begreife, dass dies unsere Tochter ist.
ZĂ€rtlich schaust du sie an und gibst sie danach einer fremden, weinenden Frau.
Der fremde Junge neben mir greift nach dieser Frau, grĂ€bt seine Finger in ihren Arm und flĂŒstert: „Aber ich, ich bin doch dein Kind. Du kannst mich doch nicht hier neben der Fremden lassen.„
Ich aber will schreien: “Es ist mein Kind!”. Doch mein Mund ist inzwischen zugefroren.
TrĂ€nen rollen ĂŒber mein kaltes Gesicht, als sich eine Hand warm auf meine Schulter legt. Ich höre dich sagen:
“Liebling, du bist ja völlig durchgefroren. Warum schlĂ€fst du hier im Sessel? Komm wir gehen ins Bett.”
Ich werde ins Schlafzimmer getragen, spĂŒre deinen warmen Körper und in meinem Bauch bewegt sich Maria.




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Inu
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Hallo Franka

Dein Text scheint mir die – gut gelungene - Beschreibung eines Traumes. Wenn es da eine Metaphorik gibt, dann ist sie mir zu vage, zu unklar. Der Grund all dieser großen Ängste der Schwangeren ist fĂŒr mich nur begrenzt nachvollziehbar. Wer ist der fremde Junge, der umgekommen ist?

quote:
MĂ€nner in Schwarz betten mich neben einen totenbleichen Jungen auf einen Operationstischtisch.
In mir Bewegung. Mein MÀdchen, es kÀmpft, gegen die KÀlte.
Plötzlich stehst du neben mir. Ein Skalpell glĂ€nzt in deiner Hand. Ich spĂŒre einen scharfen Schmerz und höre dich eine Nabelschnur durchtrennen.

Die mangelnde Harmonie ( oder der von ihr befĂŒrchtete Mangel an Harmonie) zwischen der Prot. und ihrem Mann, dem Chirurgen, kommt m.E. zum Ausdruck. Dann ist da noch diese fremde Frau im Traum.
Man kann natĂŒrlich viele GedankengĂ€nge und Mutmaßungen beim Lesen anstellen.
Bei einer wirklich ergreifenden Geschichte erwarte ich etwas mehr ErlĂ€uterung und Klarheit der ZusammenhĂ€nge. Hier habe ich das GefĂŒhl, irgendwie nicht satt geworden zu sein.

Viele GrĂŒĂŸe
Inu

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Franka
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Feb 2006

Werke: 208
Kommentare: 2387
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Liebe Inu,

danke fĂŒr dein Feedback und ja, diese Geschichte ist nichts weiter als die Beschreibung eines Albtraums. Zu Beginn habe ich versucht einige FĂ€hrten zu den Unsachen/Ausgangspunkten zu legen.


LG Franka

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Milko
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Registriert: Nov 2006

Werke: 284
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des nachts werden augen geöffnet

bei manch einem fallen glasmurmeln zu boden

andere schicken sterne in den himmel
-fĂŒr mich franka
sind es hier sterne
( ich hoffe man versteht was ich meine-
wie geht man mit Àngsten um ?
und deine schrift ist den trÀumen nahe ,
im traum wurde ich noch nie satt !
gm
__________________
gedachtDenn die Einen sind im DunkelnUnd die Andern sind im LichtUnd man siehet dieIm LichteDie im Dunkeln sieht man nichtBerthold Brecht

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