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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Wenn nur nicht dieses helle Licht wäre?
Eingestellt am 25. 10. 2003 00:19


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glasperlenspielerin
???
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Wenn nur nicht dieses helle Licht wäre!


Wenn nur nicht dieses helle Licht wäre! Manchmal ist es an, manchmal nicht. Wenn ich nur wüsste, wer es immer anmacht. Dabei möchte ich nur ein bisschen schlafen. Bin so müde.
Manchmal wenn ich gerade kurz vorm Einschlafen bin, dann fährt mir so ein sonderbarer Blitz durch den Körper. Das hatte ich schon als kleines Mädchen. Man träumt dann schon so halb vor sich hin, meistens, dass man irgendwo herunterfällt, und plötzlich zuckt man zusammen. Eben wie von einem Blitz getroffen. Danach muss ich immer lachen. Es fühlt sich zu komisch an. Und es kribbelt danach überall so seltsam. Als würden Ameisen unter der Haut laufen. Oben, im Rücken fängt es an und wandert dann immer bis in die Zehenspitzen, so dass es mich ganz schüttelt. Dieses Kribbeln habe ich oft in letzter Zeit. Ich kann mich nicht erinnern, dass es jemals so oft war.
Überall habe ich dann eine Gänsehaut. Es kribbelt und kribbelt. Manchmal scheint es gar nicht aufhören zu wollen, dann kommen mir Tränen vor Lachen. Wahrscheinlich lache ich um mit diesem seltsamen Gefühl irgendwie fertig zu werden.
Was besonders seltsam ist, immer wenn ich nachts im Bett liege, kann ich mich sehen als kleines Mädchen, nicht einfach so, wie man Erinnerungen an irgendwelche Landschaften oder längst verstorbene Onkel und Tanten hat, schwach und farblos, sondern so, als wäre ich tatsächlich da. Als wäre ich wieder jung und unbeschwert, was man so gerne von Kindern sagt; unbeschwert, von der Tristesse des Lebens und seinen ständigen sinnlosen Enttäuschungen und Vergeblichkeiten. Ich sehe mich irgendwo stehen, im Haus, in meinem Zimmer oder Küche und ich kann es tatsächlich fühlen.
Ich rieche den holzigen Geruch unserer alten Küchenmöbel, spüre den grünen Teppichboden unter meinen bloßen Füßen und sehe jede Einzelheit glasklar vor mir. Sogar das Geräusch der Schubladen jeder einzelnen Kommode habe ich noch im Ohr und überall das ansteckende, übermütige Lachen meiner Eltern. Wie lange ist das jetzt her? Ja, fünf Jahre sind wir jetzt hier.
Irgendwie verwundert es mich, dass ausgerechnet jetzt all diese Erinnerungen so detailgenau wiederkommen. Das erscheint mir schon sehr sarkastisch. Aber wenn man genauer hinsieht, ist in der Natur so einiges sarkastisch, so dass die Vermutung nahe liegt, jemand mit einem ausgeprägten schwarzen Humor, steht und wacht über den Dingen, kann sich manchmal einfach nicht bezwingen, seine Macht für einen seiner Meinung nach wahnsinnig komischen Einfall zu missbrauchen.
Doch muss ich ehrlich gestehen, dass mir das vertraut vorkommt, denn als Mensch neigt man ja gerne dazu, seine Macht über andere Wesen zu seiner eigenen Belustigung zu benutzen. Meine Katze und diverse Insekten könnten da auch so Einiges über mich erzählen.
Na ja, und wenn ich mich unterlegenen Lebewesen gegenüber gottgleich und grausam benehme, wie könnte ich da von dem „großen Schöpfer“ mir gegenüber anderes erwarten? Wie Puppen wirft er uns durch die Gegend und lenkt unser Schicksal manchmal in groteske Bahnen.
Diese elenden Bauchschmerzen. Immer diese Bauchschmerzen in letzter Zeit. Ich habe wohl wieder etwas Falsches gegessen. Es rumort in meinem Magen, und dass nicht mal leise. Ich hoffe, es stört hier keinen. Aber, selbst wenn, es kümmert sich doch hier keiner um mich. Seltsamerweise habe ich mir nie Gedanken über eine solche Situation gemacht, in die ich jetzt grausamerweise hineingeraten bin.
Jetzt höre ich wieder das leise Weinen meiner Mutter nebenan. Seit wir hier sind, weil Vater uns nicht mehr liebt, lacht sie nicht mehr.
Also, was auch immer der "große Schöpfer" für Pläne mit mir hat, ich bin jedenfalls nicht damit einverstanden
Nur schlafen möchte ich, bin so müde.

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