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Leselupe.de > ErzÀhlungen
Wer braucht dich denn?
Eingestellt am 28. 11. 2014 11:49


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Rafi
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Registriert: Jun 2014

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Wer braucht dich denn?

Er ließ die Betonfinger hinter sich, die grau in den Himmel ragten, den Dschungel aus Stein und Glas und Stahl. Seit zwei Jahren lebte er dort; seit zwei Jahren starb er dort. Du schaust aus dem Fenster und siehst das Hochhaus, das neben dir thront. Da ist kein Himmel. Balkons sind da, senkrecht, waagerecht, KĂ€stchen, KĂ€stchen, KĂ€stchen. Hunderte, Tausende, Millionen. Graue Bienenwaben, verdorrte Geranien, leere Fenster. Das tötet dich. Zermalmt wird man da zwischen den kalten Riesen, die wie zum Hohn ein StĂŒck Rasen zu ihren FĂŒĂŸen ausgebreitet haben, auf dem keine Blume wĂ€chst und den man nicht betreten darf. Im ewigen Schatten liegt ein Kinderspielplatz in Agonie, verfault und lĂ€sst die Gelenke seiner Schaukeln kreischen, wenn ein Windstoß sich in die HĂ€userschluchten wagt. MĂ€nner gibt es da im Block, deren Augen hohl und deren Gesichter grau sind. Auch Frauen, die gebeugt gehen, weil das Leben ihnen das RĂŒckgrat bricht. Kinder, die Misstrauen ausspucken und darauf warten, grĂ¶ĂŸer zu werden und stĂ€rker, damit sie sich aus der Tristesse befreien können; sie werden nie groß genug und stark genug.

WĂ€re ich ein Held, dachte er, dann könnte ich die Kinder retten. Und Maja, vor allem Maja. Aber ich bin kein Held. Ich habe keine Kraft, kann nicht fliegen und nicht die Zeit zurĂŒckdrehen. Bin nur einer von vielen, so vielen. Wir reihen uns ein und warten darauf, dass es endlich besser wird. Aber das wird es nicht. „Leider nichts dabei fĂŒr Sie“, sagt der Sachbearbeiter. „Zeigen Sie doch auch mal selbst Initiative“. Dann stammeln wir, dass wir ja schon Bewerbungen geschrieben haben und dass wir noch nicht mal eine Antwort bekommen haben, und es ist uns peinlich. Wir starren auf den Linoleumboden, der die Farbe einer alten, marmorierten Apfelsine hat, und wir spielen mit unseren Fingern, weil wir sonst ja nichts haben, an dem wir uns festhalten können. Dass wir in zwei Wochen wiederkommen sollen, sagt er, dass er ja nichts dafĂŒr kann und dass wir ja irgendwie auch ein bisschen selbst schuld sind, weil wir keinen passenden Schulabschluss haben und keine passende Ausbildung gemacht haben und keine passende Weiterbildung. Dann stehen wir auf, und wir gucken immer noch auf den Boden, und dann sagen wir: „Danke“. Ja, tatsĂ€chlich, wir bedanken uns. WofĂŒr?

WĂ€re ich klĂŒger, dachte er nun, dann könnte ich Judith ein neues Kleid kaufen. Oder vielleicht zehn neue Kleider. Wir könnten in Urlaub fahren, nach Italien oder mal nach Frankreich. Aber ich bin nicht klĂŒger, ich habe keinen passenden Abschluss und auch sonst nichts Passendes. Wenn ich selbst nicht immer mehr verkĂŒmmern wĂŒrde, weil ich’s einfach nicht mehr aushalte, dann wĂŒrde vielleicht auch Judiths Lachen nicht so verdorren. Wie die Geranien, die kein Licht bekommen. „Irgendwann wird’s schon wieder“, sagt sie, aber ich sehe ja, dass sie mich dabei nicht ansieht. Sie will mir Mut machen, dabei brauchte sie doch jemanden, der ihr mal Mut macht. Einen braucht sie, der ihr Lachen mit Licht gießt und der Maja vor den Betonburgen rettet. Mich brauchen sie nicht. Judith nicht und Maja nicht und erst recht der Sachbearbeiter nicht. Niemand braucht mich.
WĂ€re dieser Gedanke ein klĂ€ffender Köter gewesen, er hĂ€tte ihn verscheuchen können. Einfach einen Fußtritt geben, dann wĂ€re Ruhe gewesen. Aber das „Niemand braucht dich“ klebte in seinem Kopf wie Dreck, dessen Gestank man tagelang nicht von den HĂ€nden waschen kann. Das macht einen fertig, das quĂ€lt einen. Da will man weg, einfach nur weg, weil man’s nicht mehr aushĂ€lt, gequĂ€lt zu werden. Das hat man irgendwann so satt, dass man anfĂ€ngt zu laufen, und dann will man gar nicht mehr aufhören zu laufen, weiter, immer weiter, bis das „Niemand braucht dich“ einen nicht mehr findet. Aber das passiert nie. Weil man ja nicht vor seinem Kopf weglaufen kann. Nicht vor dem.

Es war frĂŒh, als er durch die FußgĂ€ngerzone ging. Ein Heer von Fensterputzern war damit beschĂ€ftigt, die glĂ€sernen Fassaden blankzuwischen. Glitzernde Neonwelt, Verlockung, Reiz. Fortunas FĂŒllhorn fĂŒr die, welche es sich leisten konnten; Pandoras BĂŒchse fĂŒr die anderen. Da kratzen sie die Nacht von den Schaufenstern, polieren TĂŒrgriffe aus Messing oder Edelstahl, schrubben die Gehsteige, damit kein Schmutz unter die Schuhsohlen gerĂ€t. König Konsum will es sauber haben. Seine Untertanen begrĂŒĂŸt er mit einem LĂ€cheln; sie haben es verdient.
HĂ€tte ich mehr Geld, dachte er, dann wĂŒrde ich mich auch von diesem sĂŒĂŸen Duft locken lassen. Dann wĂŒrde ich kaufen und kaufen, und es wĂ€re mir egal, dass ich wie eine Fliege wĂ€re, die in den BlĂŒtenkelch fĂ€llt, um Nektar zu saufen. Es wĂ€re mir egal, dass mein Fleisch sich dadurch auflöste, bis nichts mehr von mir ĂŒbrig wĂ€re als das, was ich gekauft habe. Es wĂ€re mir egal. Aber ich habe kein Geld. Hab keine FlĂŒgel. Kann nicht fliegen.

Im Park bei den BĂ€umen sah er welche, die noch weiter unten waren als er. Nicht viel weiter, nur einen Schritt. Sie tranken und stritten sich, sahen zerrissen aus und verströmten den Gestank von Armut. Sich selbst hatten sie aufgegeben vor langer Zeit; damals, als sie aufgegeben worden waren. Da hocken sie nun erbĂ€rmlich und saufen, die Kinder kommen zum Spielen und stolpern ĂŒber die ausgemergelten Körper ihrer VĂ€ter und MĂŒtter. Im Dreck liegen sie unter den BĂ€umen und sind Dreck, und wenn sie nicht keifen, dann schnarchen sie. Schlafen ihren Rausch da aus, weil sie kein anderes Bett haben, kein Heim. Wenn du unten bist, am Boden kriechst, dann siehst du nichts als Fußsohlen, die auf dir herumtrampeln. Auf irgendwas mĂŒssen sie ja laufen, um fortzukommen. Auf dir, wenn du gefallen bist.

Weiter ging er bis zum Fluss, da hielt er inne. MĂ€chtige Basaltsteine schĂŒtzten das Ufer davor, von den trĂŒben Wellen davongerissen zu werden. Ein kilometerlanges graues Band, wirr und uneben, fast wie ein kleines Gebirge, in dem Wanderer sich verlaufen und in Felsspalten stĂŒrzen oder Gipfel erklimmen konnten. Oben an der Uferböschung gab es einen Weg fĂŒr SpaziergĂ€nger. Eine Promenade, die beleuchtet war, und an der es auch CafĂ©s gab und Imbissbuden. Um diese Jahreszeit war alles leer; der Herbstwind trieb die KĂ€lte vom Fluss herauf zur Böschung.
Man konnte ĂŒber das GelĂ€nder und ĂŒber die Basaltsteine hinunter ans Flussufer klettern. Nun saß er da und beobachtete die mĂŒde Sonne dabei, wie sie ihre Bahn vollendete. Er hockte auf einem flachen Stein, und zu seinen FĂŒĂŸen leckten die Wellen am Land und ĂŒbten sich in Geduld, weil sie wussten, dass am Ende doch kein Basalt ihnen wĂŒrde standhalten können. Wasser siegt immer.
Stunden saß er da unten, eine Statue, die das Licht dabei beobachtete, wie es sich violett fĂ€rbte. Wie sich die Nacht mit klammen Fingern herantastete, wie der Tag verging. Der schwarze Fluss, eine trĂŒbe, zĂ€h vor sich hinfließende Schlange aus Wasser, Schmutz und Schlamm, in deren Mitte sich ein einsamer Schubkahn mĂŒde abwĂ€rts treiben lĂ€sst. Und mit ihm treibt alles, was der Fluss mit sich nehmen kann. WĂ€hlerisch ist er nicht; reißt alles an sich, schiebt, zieht und trĂ€gt ein jegliches dem großen Ziel entgegen: dem Meer. Sinnlos, sich dagegen zu wehren. Wer hoch will zur Quelle, der muss stark sein, braucht Maschinen und Kraft, um der Leichtigkeit des Sich-treiben-lassens zu widerstehen.

Das Leben ist ja auch ein Fluss, kam es ihm in den Sinn. Einer, der mich ertrÀnkt. Ich kann nicht mehr schwimmen.
Der Kahn ließ die gierigen Wellen anschwellen. Fast erreichten sie schon seine FĂŒĂŸe. Noch nicht, dachte er, habt Geduld. Erst wenn ich es will, dann dĂŒrft ihr mich nehmen. Ich will ja sonst nichts, hab nichts zu wollen. „Es kriegt ja nicht jeder die Arbeit, die er will“, sagt der Sachbearbeiter und meint, dass das Leben eben nun mal kein Wunschkonzert sei. Und Judith fragt: „Was willst du eigentlich?“, und er sagt: „Nichts. Gar nichts will ich.“
Nur vielleicht, dass Maja noch einmal, ein einziges Mal nur noch zaubert. Dass sie „Hallo Papa“ sagt und damit die Scherben zusammenklebt, die seine TrĂ€ume und Hoffnungen waren. Nur ein Mal noch, ein letztes Mal. Zwei einfache Worte, ein LĂ€cheln, ausgebreitete Arme. Maja braucht nicht mehr, um glĂŒcklich zu sein. Noch nicht. Aber bald. Und fĂŒr das, was sie dann glĂŒcklich macht, stehe ich ihr nur im Weg. Sie braucht mich nicht.

Geehrt werden nur die Toten, dachte er und blickte auf die Lichter, die sich von der gegenĂŒberliegenden Uferpromenade im Wasser spiegelten und zuckten. Über Tote sagt man nichts Schlechtes, man erinnert sich ihrer im Guten. Nur wer tot ist, behĂ€lt seine WĂŒrde auf ewig. Die Lebenden machen Fehler, sie stolpern und verlieren. Sie mĂŒssen sich rechtfertigen und entschuldigen, mĂŒssen VerstĂ€ndnis zeigen und Verantwortung. Danke sagen. Wieviel leichter hat man es doch, wenn man tot ist.

Er rutschte ein StĂŒck tiefer. Die Wellen zuckten gegen seine Schuhspitzen.
Einmal tief Luft holen, stellte er sich vor, dann abtauchen, sich dem Reißen hingeben, schwerelos sein. Ich muss dagegen ankĂ€mpfen, nach oben zu wollen. Bis ganz nach unten in die schwarze KĂ€lte muss ich und dann ausatmen. Wasser in meine Lungen lassen, dem Fließen nachgeben. Nicht wehren, nicht rudern, nicht wollen. Wie lange es wohl dauert?
Er streckte seine Beine aus. Als die FĂŒĂŸe eintauchten, stellte er fest, dass das Wasser gar nicht so kalt war. In der Ferne dröhnte ein Nebelhorn, ein Hund klĂ€ffte. Die Wellen plĂ€tscherten gegen die Steine, und es klang wie ein Lied. Rhythmisch, hell, fröhlich.
Judith wird trauern. Doch Trauer vergeht, wie auch Liebe vergeht. Wer nicht mehr da ist, verblasst. Ob er nun tot ist oder einfach gegangen. Irgendwann erinnert man sich nicht mehr richtig an sein Gesicht und auch nicht mehr an die Liebe. Er war schon lange gegangen. Damals, als er zum ersten Mal zum Jobcenter gegangen war, war er von Judith gegangen. Von ihr und von Maja und von sich selbst. Wenn ĂŒberhaupt, war da jetzt nur noch eine blasse Liebe.

Er sagte: „Jetzt ist es Zeit“, und der Nachtwind antwortete: „Ja.“
„Ich kann es“, sagte er, „nur dieses eine Mal das, was ich will“. „Ja, komm“, wisperte der Fluss. „Lass dich fallen, kleiner Mann, einfach fallen. Ich nehme dich mit auf eine Reise, die grĂ¶ĂŸte von allen. Nimm deinen kleinen Mut und deine kleine Hoffnung, nimm dein kleines Leben und schenke es mir. Du kannst doch nichts damit anfangen, jetzt nicht mehr. Ich aber weiß es zu schĂ€tzen. Ich trage es hinaus, weit bis ans Ende der Zeit. Ich bin nicht wĂ€hlerisch, kleiner Mann, bin schnell zufrieden!“
Mit unsicheren Schritten stakste er ĂŒber die Steine, die schwarz waren und tĂŒckisch. Schon reichte ihm das Wasser bis zu den Knien, griff nach ihm, nach seinen Beinen, den HĂŒften. Der Fluss zog an ihm, sanft, ganz sanft wollte er ihn in seine Arme gleiten lassen.
So hÀlt man die Liebe noch ein bisschen lÀnger lebendig, dachte er, und die Achtung. Drei Schritte noch oder vier, und ich werde niemals wieder versagen. Judith wird frei sein; Maja nicht enttÀuscht.

Die Wellen griffen nach seinem Hemd.
Mein Tod wird euer Leben sein. Kein Kriechen mehr, keine DemĂŒtigung. Champagner sollst du trinken, Judith, lachen und glĂŒcklich sein. Und Maja, meine liebe, kleine Maja – um die Welt sollst du reisen mit deinen Freunden, lachen und glĂŒcklich sein. Mein Papa, sollst du sagen, mein Papa war ein starker Mann. Er hat sich um mich gekĂŒmmert, immer. Mein Papa!

Der kalte Fluss presste seine Brust zusammen. Er saugte an ihm, wurde zu klebrigem Nektar, aus dem es kein Entrinnen gab.
Bald seid ihr frei. Trauert nicht lange, nur ein bisschen. Sucht euch ein schönes Haus mit einem Garten, der jeden Tag die Sonne sieht. Stellt ein Foto auf den Kaminsims, lasst es verstauben, bis es blass wird und mein Gesicht darauf verschwimmt. Dann werft es weg und vergesst. Vergesst. Vergesst 


Eine Stimme riss ihn in dem Moment aus seinen Gedanken, in dem er Luft holte und bereit war: „Tommy! Tommy bist du das?“
War es ein Traum?
„Tommy! Bitte, komm zu mir!“
Nein. Das war keine Einbildung. Er wandte sich um, sah eine Silhouette sich vor den Lichtern der Stadt abzeichnen. Judith!
Sie kletterte ĂŒber das GelĂ€nder, aber sie wagte sich nicht auf die Basaltsteine, die da bucklig wie gefĂ€hrliche Tiere auf ihre FĂŒĂŸe lauerten. „Komm doch zurĂŒck, Tommy. Bitte! Ich brauche dich doch – wir brauchen dich!“

Er wusste nicht, wie er sich aus dem Wasser gelöst und die Böschung hochgeklettert war. Er spĂŒrte nicht die KĂ€lte an seinem zitternden Leib, er war nur erstaunt, Judith zu sehen.
„Ich habe den ganzen Abend nach dir gesucht“, sagte sie, als sie ihn umarmte und ihn wĂ€rmte und ihre Kraft in ihn strömen ließ. „Ich bin so froh, dass ich dich gefunden habe.“
Maja stand vor ihm, ihre Augen leuchteten im Dunkeln. Neugierig schaute sie ihn an, lĂ€chelte. Sie liebte ihn. Ohne Bedingungen, ohne Status, ohne Zweifel. Sie liebte ihn, und sie zauberte. Sie sagte: „Hallo, Papa!“
__________________
Wer stets nur in die Fußstapfen anderer tritt, wird niemals eigene Spuren hinterlassen 


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cellllo
Guest
Registriert: Not Yet

Ein starker, sehr anrĂŒhrender Text !
Ich wĂŒrde ehrlichgesagt GAR NICHTS kĂŒrzen, um brav
dem gehetzten ungeduldigen Leser von heute entgegenzukommen,
denn es sind alles ganz starke anrĂŒhrende Bilder und Situationen,
die Situation beim Sachbearbeiter, auch die Konfrontation mit den Obdachlosen, alles sehr stark gestaltet !
Ich hab mal - gemĂ€ĂŸ dem Vorschlag von CPMAN - die du-SĂ€tze
den nachfolgenden man-SĂ€tzen anverwandelt und deshalb
die ersten paar SĂ€tze als Abschnitt abgesetzt = Betonung.
Minimale Umstellungen ergaben sich : z.B. zieht der blau geschriebene Satz
nun am StĂŒck durch bis zum Ausruf ! u.Ă€.
und dann fließt es weiter bis zum ĂŒberraschenden Schluss !
Der Titel in der du-Form ist gut und zieht den dadurch angesprochenen Leser
in den Text, fordert seine Identifikation mit dem Er/Ich.....

Wer braucht dich denn ?

Er ließ die Betonfinger hinter sich, die grau in den Himmel ragten,
den Dschungel aus Stein und Glas und Stahl.
Seit zwei Jahren lebte er dort - nein : seit zwei Jahren starb er dort.

Da ist kein Himmel. Man schaut aus dem Fenster und sieht das Hochhaus,
das daneben thront. Balkone sind da, senkrecht, waagerecht, KĂ€stchen,
KĂ€stchen, KĂ€stchen, Hunderte, Tausende, Millionen, graue Bienenwaben,
verdorrte Geranien, leere Fenster : Das tötet !
Zermalmt wird man da
zwischen den kalten Riesen, die wie zum Hohn ein StĂŒck Rasen zu ihren FĂŒĂŸen ausgebreitet haben, auf dem keine Blume wĂ€chst und den man nicht betreten darf. Im ewigen Schatten liegt ein Kinderspielplatz in Agonie, verfault und lĂ€sst die Gelenke seiner Schaukeln kreischen, wenn ein Windstoß sich in die HĂ€userschluchten wagt. MĂ€nner gibt es da im Block, deren Augen hohl und deren Gesichter grau sind. Auch Frauen, die gebeugt gehen, weil das Leben ihnen das RĂŒckgrat bricht. Kinder, die Misstrauen ausspucken und darauf warten, grĂ¶ĂŸer zu werden und stĂ€rker, damit sie sich aus der Tristesse befreien können; aber sie werden nie groß genug, nie stark genug.

WÀre ich ein Held, dachte er, dann könnte ich die Kinder retten.
Und Maja, vor allem Maja ! Aber ich bin kein Held. Ich habe keine Kraft,
kann nicht fliegen und nicht............


cellllo

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