Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, müssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92211
Momentan online:
266 Gäste und 13 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kindergeschichten
Wer hat Rudolf Rotnase geklaut?
Eingestellt am 17. 12. 2008 19:58


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Bowlmaker
Hobbydichter
Registriert: Oct 2008

Werke: 3
Kommentare: 0
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Bowlmaker eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Der Weihnachtsmann wohnt in Finnland und heißt dort Joulupukki.
Joulupukki wohnt mit seiner Frau Mouri, seinen Weihnachtswichteln und natürlich mit Rudolf Rotnase sowie den anderen Rentieren am und im Berg Korvatunturi.
Bald ist Weihnachten und bislang verlief alles nach Plan.
Oooooooooooooooooooooooo

Wer hat Rudolf Rotnase geklaut?

22.. Dezember
„Joulupukki, Joulupukki“. jammerte die immer näher kommende kreischende Stimme.
„Joulupukki!“ Krachend flog die Küchentür auf.
Joulupukki, der am Küchentisch saß und seinen Morgenkaffee schlürfte, schob seine Brille auf die Nase und schaute auf den vor ihm auf und ab hüpfenden Wichtel.
„Was ist so wichtig, dass du mich störst, Wichtel 37?“
„Joulupukki“. kreischte der Kleine,“ ich heiße doch Pimo und, und, und ...“.
„Das weiß ich, aber ich kann mir Namen nun mal nicht merken. Wichtel 37. Jetzt hör auf zu stottern und sag, was los ist.“ Joulupukki schaute den Kleinen streng an.
„Rudolf ist weg“, platzte es aus Wichtel 37. „Rudolf ist nicht in seinem Stall. In seinem Stall ist er nicht. Weg ist er! Gggganz wwweg.“
Er hüpfte mit hochrotem Kopf von einem Bein aufs Andere.
Joulupukki verschluckte sich fast und starrte den Wichtel an.
„Wie? Rudolf ist nicht in seinem Stall. Rudolf ist immer in seinem Stall. Was soll das heißen, Wichtel 37?“
„Das soll heißen, dass Rudolf nicht in seinem Stall ist. Ich habe alles abgesucht. Er ist weg!“ Wichtel 37 schnaufte.
„Rudolf ist weg. Rudolf ist immer da, Er war noch nie allein weg“, murmelte Joulupukki.
Er nahm noch einen Schluck Kaffee und stand auf.
„Pimo trommele alle Wichtel von 21 bis 55 zusammen. Wir suchen gemeinsam alles noch einmal ab. Wir treffen uns im Stall. Und sage auch Frau Joulupukki Bescheid. Sie soll erstmal zu mir kommen.“
„Mach ich Joulupukki.“ Wichtel 37 schaute ihn an.
„Joulupukki hat mich Pimo genannt. Das hat er noch nie getan. Hm. Aber die Lage ist ja auch ernst“, wunderte er sich. Dann drehte er sich um und lief zu den Werkstätten. Immer wieder kreischte er laut: „Alle Wichtel von 21 bis 55 sollen sich in den Ställen treffen. Rudolf ist verschwunden.“

Währenddessen streifte sich Joulupukki seine Hosenträger über und stieg in seine dicken Stiefel. Hin und her lief er in der Küche. Er überlegte. „Unser Rudolf soll nicht im Stall sein. Das kann eigentlich gar nicht sein. Solange ich denken kann, und das ist schon sehr, sehr lange, ist das noch nie passiert. Was ist ihm geschehen? Wir haben nur noch zwei Tage bis Weihnachten. Das ist eine Katastrophe. Wer soll denn den Schlitten am Heiligen Abend ziehen. Rudolf kennt die kürzesten Wege.“
Er wollte Wichtel 37 hintereilen, da kam Frau Joulupukki gerade um die Ecke.
„Pukki, was ist denn los?“
„Mouri. Schreckliches ist passiert. Rudolf ist weg.“
„Was? Das ist ein Scherz. Rudi ist weg?
„Ja. Leider kein Scherz. Komm mit. Wir gehen zu den Ställen und suchen gemeinsam mit den Wichteln noch einmal alles ab.“
Sie hasteten sie zu den Ställen. Der Weg dorthin war recht weit. Aus allen Ecken strömten die Wichtel zusammen, als beide dort ankamen. Wichtel 37 wartete schon. Er stand auf einem Futtersack und machte auf wichtig.
„Die Wichtel 21 bis 35 suchen an den Zäunen und Toren. Und schaut auch außerhalb der Zäune. Die Wichtel 36 bis 41 suchen in den hinteren Ställen und der Rest sucht die Werkstätten ab. Vielleicht hat sich Rudolf ja dorthin verlaufen.“
„Und zählt alle Rentiere durch. Es müssen 14 sein. Nicht, dass er sich zwischen ihnen versteckt hat“, rief Mouri den davonhüpfenden Wichteln hinterher. Sie schaute Joulupukki an, der da stand und an seinem Bart zupfte.
„Das kann alles nicht wahr sein. Ich glaube, ich träume nur“, brummte er. Er lief durch den Stall, schaute in jede Ecke und hinter jeden Strohballen. Dann schaute er sich Rudolfs Futtertrog an. Viele Rentierabdrücke und kleine Wichtelschuhabdrücke waren hier zu sehen.
„Fast alle Spuren sind verwischt. Zu viele Wichtel sind hier rumgelaufen“.
Hilflos schaute er Mouri an und dann Wichtel 37. Aber die schauten genauso hilflos. Er wendete sich wieder dem Futtertrog zu.
„Hm, hm, hm ...“. Joulupukki schob seine Brille auf die Stirn.
„Kommt her. Schaut. Das hier sind Rudolfs Spuren. Die kenne ich genau. An seinem hinteren Huf fehlt eine kleine Ecke. Die ist ihm rausgebrochen, als er im letzten Jahr beim Eisangeln auf dem Eis ausrutschte. Und hier sind Wichtelschuhabdrücke und noch Schleifspuren. Und noch Abdrücke von anderen Rentieren“. Aufgeregt winkte er Mouri und Wichtel 37 heran. Alle drei beugten sich über die Abdrücke.
„Stimmt. Rudis Abdrücke sind hier. Zeig mal deine Schuhe Wichtel 37. Schau Pukki, die Abdrücke sind kleiner als die von Wichtel 37.“
„Ja und die Schleifspuren müssen von einem Futtersack sein“, piepste Wichtel 37.
„Vier andere Rentiere waren hier. Das sind ihre Spuren. Und dann sind sie ein Stück in die Richtung gelaufen.“ Mouri zeigte Richtung Zaun.
„Rudolf mag es doch gar nicht, wenn die anderen Rentiere an seinem Trog sind. Da ist er pingelig.“ Mouri zog ihre Mütze tiefer ins Gesicht. „Und Rudis Spuren führen auch zum Zaun. Allerdings hören sie auf, wo kein Dach mehr ist. In der Nacht hat es geschneit und alle weiteren Spuren sind verschwunden.“
Joulupukki schaute die Beiden an.
„Also. Ganz eindeutig stimmt hier was nicht.
„Natürlich stimmt hier was nicht. Sonst wäre Rudolf ja hier!“, piepste Pimo ein wenig vorlaut.
„Wichtel 37, sei nicht so vorlaut.“ Ärgerlich schaute ihn Joulupukki an.
„Aber er hat doch recht“, sagte Mouri, die sich immer wieder die Spuren anschaute.
„Ja natürlich hast du Recht, Wichtel 37. Entschuldige. Aber ich weiß nicht mehr, was ich denken soll. Noch nie gab es eine solche Situation, Und das zwei Tage vor Weihnachten.“
„Schon gut“, piepste Wichtel 37 und sprang auf den Rand von Rudolfs Futtertrog. Dort lief er auf und ab. Eigentlich war es mehr ein Hüpfen. Wichtel können gar nicht richtig laufen. Sie hüpfen und springen andauernd.
Laut und durcheinander kreischend kamen die Wichtel 21 bis 55 aus allen Richtungen wieder zusammen.
„Rudolf nicht gefunden“.
„Kein Rudolf weit und breit.“
„Rudolf ist wie vom Erdboden verschwunden.“
Joulupukki hielt sich die Ohren zu.
„Müsst ihr denn alle durcheinander reden? Und kreischt nicht so.“
„Wir können doch nur piepsen und kreischen“, kreischten alle gemeinsam.
Wichtel 37 hörte auf zu hüpfen und stand breitbeinig auf dem Futtertrogrand.
„Und? Erzählt! Was habt ihr gefunden oder gesehen?“
Wichtel 22 trat einen Schritt vor.
„Gar nichts haben wir gefunden. Alles haben wir abgesucht. Alle Rentiere haben wir gefragt, ob sie was gesehen oder gehört haben. Fast alle sagten, dass sie geschlafen haben.“ Er zögerte ein wenig.
„Was?“, fragte Joulupukki, “Fast alle haben geschlafen und der Rest? Was hat der Rest gemacht?“
„Tja“ stotterte Wichtel 22“, „ich weiß nicht so recht. Vier Rentiere waren ein wenig komisch. Aber.... vielleicht kam es mir auch nur so vor. Ich war ja so aufgeregt.“
„Schon gut, schon gut“, brummte Joulupukki, „ihr könnt jetzt alle wieder an eure Arbeit gehen.“
„Ich geh mal zu den anderen Rentieren und frage sie noch einmal“, sagte Mouri und sie stapfte davon.
„Das ist schon wieder seltsam. Vier Rentiere waren komisch?“ Joulupukki schaute zu Wichtel 37, der auf den Rand vom Futtertrog schon wieder auf und ab hüpfte.
„Ja, ja, seltsam“, kreischte der, und dann fiel er in den Futtertrog.
„Hilfe, Hilfe“. Man hörte ein Plumpsen und dann ein Niesen.
„Hatschi, Hatschi. Ich bin doch allergisch gegen Heu“, keuchte und schniefte Wichtel 37 und rappelte sich auf. Er schaute sich in dem Trog um und sah was Weißes hinten in der Ecke. Er kämpfte sich durch das Heu. Immer wieder war ein „Hatschi“ zu hören und dann hielt er triumphierend einen Zettel in die Luft.
„Joulupukki, Joulupukki“. Seine Stimme überschlug sich gewaltig.
„Komm her und schau, was ich gefunden habe.“
Joulupukki beugte sich zu ihm runter und nahm den Zettel. Wichtel 37 stellte er auf den Rand vom Futtertrog.
„Was ist das für ein Zettel?“ Wichtel 37 war ganz aufgeregt.
„Moment. Langsam, langsam“. Joulupukki schob seine Brille auf die Nase. „Da steht tatsächlich was drauf.“
„Und was?“ Wichtel 37 wippte ungeduldig mit dem Fuß.
Während Joulupukki las, wurden seine Augen immer größer, seine buschigen Augenbrauen zogen sich zusammen, sein Kopf lief puterrot an und seine Nasenflügen zitterten.
„Mouri, Mouri“, brüllte er und lief hinter Mouri her. “Diese Unverschämtheit und Unbegreiflichkeit musst du dir anschauen.“
„Was Unverschämtes und Unbegreifliches steht denn nun auf dem Zettel?“, kreischte Wichtel 37, der hinter ihm herrannte.
„Warte es ab. Und hör auf zu kreischen! Dass ihr Wichtel immer so kreischen müsst.“
Außer Atem erreichten sie Mouri, die stehen geblieben war.
„Was seid ihr denn so aufgeregt? Ist Rudi aufgetaucht?“, fragte sie.
„Nein. Rudi ist nicht aufgetaucht, aber dafür eine Nachricht für mich“, schnaubte Joulupukki. Er war außer sich vor Wut
„Unglaublich. Das ist unglaublich. Das ist Meuterei. Und das vor Weihnachten. Mouri. Lies selbst.“
Mouri nahm ihm den Zettel aus der Hand und las:

Führ Joulupukki
Wir ham Rudolf Rotnase!
Wir sagen aba nich wär wir sint

Mouri schaute nachdenklich auf den Zettel. Sie drehte ihn hin und her, aber mehr, als die Nachricht, war auf dem Zettel nicht zu entdecken.
„Pukki, schau dir mal die ganzen Schreibfehler an.“ Sie hielt ihm den Zettel hin.
„Schreibfehler?“ Joulupukki betrachte die Nachricht. „Und? Was können wir daraus schließen? Finden wir Rudi dadurch?“
„Nein. Rudi finden wir dadurch nicht, aber wir können daraus schließen, dass unsere Wichtel nicht die Übeltäter sind. Unsere Wichtel können alle richtig schreiben.“ Mouri schaute Joulupukki und Wichtel 37 an. „Kommt mit zurück. Bevor wir mit den Rentieren sprechen, schauen wir uns alle Spuren noch einmal genau an.“
Gemeinsam gingen sie wieder zu Rudolfs Futtertrog.
Joulupukki bückte sich.
„Schaut. Hier sind Rudis Abdrücke. Deutlich am hinteren Huf, wo ein Stück fehlt, zu erkennen.“
„Genau“, sagte Mouri. „Und hier sind Abdrücke von vier anderen Rentieren. Man kann sehen, dass sie von dahinten gekommen sind und man kann sehen, dass sie wohl ziemlich ratlos waren.“
„Wieso ratlos?“, fragte Joulupukki.
„Pukki, schau genau hin. Sie standen hier und scharten im Schnee. So etwas würden sie nie vor einem vollen Futtertrog machen. Sie scharrten im Schnee, weil sie nicht wussten, was sie tun sollten.“
„Hm, hm“, brummte Joulupukki.
„Genau“, sprach Mouri weiter. „Die Abdrücke von den Wichteln müssen wir nicht weiter beachten. Also ich glaube nicht, dass unsere Wichtel was damit zu tun haben.“
„Glaubst du das wirklich, Mouri?“, schmunzelte Joulupukki. „Wenn ich da an Wichtel 37 denke, kann ich mir so einiges vorstellen. Der ist doch ein ganz Gewiefter.“
Laut protestierend fiel ihm der Wichtel ins Wort.
„Ich stehle keine Rentiere und schon gar nicht Rudolf Rotnase“, kreischte er.
„Ha, ha, ha. Das weiß ich doch Wichtel 37. Ich wollte dich doch nur auf den Arm nehmen“, sagte Joulupukki laut lachend.
„Ja, ja. Immer auf die Kleinen“, maulte Wichtel 37.
„Nun hört endlich auf, ihr Beiden. Es gibt Wichtigeres zu tun. Hier kann man noch etwas erkennen.“ Mouri fuchtelte aufgeregt mit den Armen. „Kommt, kommt.“
Joulupukki und Wichtel 37 eilten zu ihr.
„Schaut. Hier sind Rudis Abdrücke. Das sieht man ganz deutlich und sie führen anscheinend zu dem kleinen Tor da hinten. Genau wie die Schleifspur von dem Futtersack. Glaube ich. Leider hören die Spuren auf, wo das Stalldach endet.“
„Frau Joulupukki“. Wichtel 37 zeigte auf einen kleinen Schuhabdruck neben Rudolfs Abdrücke. „Hier ist auch ein Wichtelschuhabdruck. Oder?“ Er kratzte sich am Kopf.
„Tja. Ich weiß nicht. Eigentlich traue ich unseren Wichteln so eine Entführung nicht zu.“ Mouri schaute die Beiden nachdenklich an. „Da muss jemand anderen hinterstecken. Aber wer?“
„Ich glaube das auch nicht“, sagte Joulupukki. „Unsere Wichtel machen so etwas nicht. Aber ich muss jetzt ins Weihnachtsmanndorf fahren. Die Kinder kommen bald.“ Er wandte sich Mouri zu.
„Gewiss“, sagte diese. „Neue Spuren finden wir jetzt sowieso nicht. Ich werde die Schneekönigin anrufen, dass sie mir ein paar Elfen schicken soll, die mir meine Zimtsterne backen. Ich bin heute zu aufgeregt. Und dann werde ich vorsichtshalber ein paar Rentiere für den Schlitten einweisen und mit ihnen reden.“
Die Beiden gingen zu ihrem Haus zurück. Joulupukki drehte sich um.
„Wichtel 37. Hole dir noch zwei oder drei Wichtel. Und ihr passt auf, ob hier was passiert. Wir sehen uns heute Abend.“
„Machen wir Joulupukki.“ Wichtel 37 hüpfte auch von dannen.

Joulupukki und Mouri kamen in der Küche an.
„Also. Ich verstehe das Ganze nicht, Pukki.
Warum entführt jemand Rudolf?“ Sie griff zum Telefonhörer.
„Hallo. Bist du es Schneekönigin“ Ich brauche deine Hilfe. Warum? Unser Rudolf ist entführt worden. Wir haben zwei Tage vor Weihnachten. Das Weihnachtsgebäck ist noch nicht fertig gebacken. Kannst du mir ein paar Elfen schicken, damit sie das für mich erledigen? Danke Schneekönigin. Und schicke mir die Geschicktesten.“
Mouri schüttete sich einen Kaffee ein und setzte sich an den Tisch. Inzwischen hatte sich Joulupukki umgezogen.
„Ich fahre jetzt. Hoffentlich wissen wir heute Abend mehr“. Er stapfte nach draußen zu seinem Schneemobil und brauste davon.
Mouri blieb am Tisch sitzen und schaute nachdenklich in ihren dampfenden Kaffee. Immer wieder schüttelte sie den Kopf und brummelte vor sich hin. Noch nie, zu keiner Zeit, war so etwas passiert. Sie hatte absolut keine Vorstellung, was letzte Nacht geschehen war. Oder hatte Rudolf das selber ausgeheckt? War er unzufrieden? Rudolf war inzwischen auch alt geworden und die letzten Jahre nörgelte er immer mal wieder. Ihm fiel es immer schwerer, den Schlitten allein zu ziehen. Aber Pukki hatte das immer überhört. Aber würde er so kurz vor Weihnachten ihm so einen Streich spielen? Ja. Vielleicht. Nein. So etwas wollte Mouri nicht glauben. Entschlossen stand sie auf. Es klopfte an der Tür. Mouri öffnete.
„Ach ihr seid es. Es ist schön, dass euch die Schneekönigin so schnell geschickt hat. Kommt. Ich bringe euch in die Backstube.“ Mouri winkte den Elfen zu. In der Backstube war emsiges Treiben. Die Wichtel, die dort arbeiteten, schwatzten kreischend alle durcheinander. Mouri wandte sich zu den Elfen.
„Daran müsst ihr euch nicht stören. Wichtel kreischen. Ihr seit für die Zimtsterne verantwortlich. Schaut. Hier sind die Rezepte.“ Mouri drückte ihnen ein Heftchen in die Hände. „Wenn ihr Fragen habt, fragt die Wichtel.“ Sie zwinkerte mit den Augen und sagte lachend: „Und nicht all zu viel naschen.“. Dann wandte sie sich um und lief zu dem Gang, der zu den Ställen führte. Es war ein langer Gang. Mouri schaute sich um, aber hier gab es keine Möglichkeit, Rudolf zu verstecken. Es gab keine Nischen oder Verschläge. Am Ende des Ganges war eine Tür. Dahinter wurde im Winter das Heu gelagert. Die Tür war nie abgeschlossen. Mouri öffnete sie und schaute hinein. Aber außer Heuballen gab es da nichts zu sehen. Mouri schloss die Tür wieder und betrat den vorderen Stall. Hier hielt sich eigentlich Rudolf auf. Er liebt es seinen Futtertrog für sich allein zu haben. Ein Stück weiter hielten sich die anderen Rentiere auf. Eigentlich waren es keinen richtigen Ställe. Vielmehr waren es große Gehege. Sie waren zur Hälte in den Berg gebaut und hatten ein Holzdach. Nach vorne waren sie offen, damit die Rentiere auch im Winter raus konnten. Alle Futtertröge standen schnee- und windgeschützt. Hinten an der Wand lag Stroh. Darauf lungerten Wichtel 37 und die anderen Wichtel. Ansonsten war der Stall leer.
„Pimo ist hier alles klar?“, rief Mouri rüber.
„Alles klar hier Frau Joulupukki. Nix ist passiert.“
„Dann will ich mal weiter zu den Rentieren.“ Mouri ging weiter. Die meisten Rentieren standen an ihren Futtertrögen. Ein paar scharrten im Schnee. Keines der Tiere schien aufgeregt. Mouri schaute sich um.
„Guten Tag Mädels. Ihr habt ja gehört, was letzte Nacht hier passiert ist. Hat keine von euch was gesehen oder gehört?“
Die Rentiere schnaubten. „Wir haben nicht gesehen oder gehört. Die ganze Nacht hat es doch so heftig geschneit. Wir lagen ganz hinten an der Wand auf dem Stroh und schliefen.“
Das älteste der Rentiere kam auf Mouri zu. „, Frag die vier da draußen. Die lagen in der Nacht nicht bei uns und den ganzen Morgen verhalten sie sich schon komisch.“ Mouri schaute zu den Rentieren, die im Schnee scharrten rüber. „Das haben mir die Wichtel auch schon erzählt“, sagte sie und ging zu den Rentieren rüber.
„Guten Morgen ihr vier“, rief sie. Die Rentiere erschraken fürchterlich und sofort riefen sie: „Wir haben nichts gesehen. Wir wissen von nichts.“
Mouri schaure sie prüfend an. „Ihr schwindelt doch. Was ist passiert? Was habt ihr gesehen? Ich sehe es euch an, das ihr was gesehen habt.“ Sie zwickte einem der Rentiere leicht ins Ohr..
„Wwwir hhaben gar nichts gesehen!“, stotterten alle im Chor. Mouri trat ganz nahe an sie ran und schaute ihnen in die Augen.
„Jetzt erzählt mir, was ihr gesehen habt. Wir brauchen Rudi doch. In zwei Tagen ist Weihnachten. Ihr wollt doch auch, dass Rudi wieder kommt. Oder?“
„Doch natürlich wollen wir, dass Rudolf wieder kommt. Aber wir haben nichts gesehen.“, sagte eines der Rentiere.
„Und außerdem will sie uns zu Wurst machen, wenn wir reden“, verplapperte sich ein anderes Rentier.
„Ich wusste es doch. Ihr wisst was. Wer will euch zu Wurst machen? Eins kann ich euch versprechen. Wenn ihr nicht redet, mache ICH euch zu Wurst. Also los!“ Mouri war richtig zornig.
„Redet!“
Die Rentiere umringten Mouri.
„Frau Joulupukki. Viel wissen wir ja nicht. Wir konnten nicht schlafen und hielten uns hier draußen auf. Da haben wir Rudi an seinem Futtertrog gesehen. Und eine Fackel haben wir gesehen. Die beiden sprachen miteinander. Aber wir konnten nicht verstehen, was sie redeten. Also sind wir hin zu Rudi und fragten ihn, ob alles in Ordnung sei. Aber Rudi geantwortete nicht. Und dann hat die Fackel gesagt, wenn wir erzählen würden, was wir gesehen hätten, würde sie uns zu Wurst machen. Ehrlich. Das ist alles. Mehr wissen wir nicht.“
Mouri war total verwirrt. „Eine Fackel will euch zu Wurst machen? Und Rudi hat nichts gesagt? Komisch. Alles sehr seltsam.“
„Eines haben wir doch noch gesehen. Rudi hatte ein Tuch über den Augen und einen Strick um den Hals.“
„Los kommt mit rüber.“ Sie gingen zu den anderen Rentieren und Mouri sagte:“ „Ich komme morgen früh wieder. Ich brauche vier von euch, die den Schlitten ziehen, falls Rudi nicht rechtzeitig wieder zurück kommt. Überlegt, wer von euch das machen will.“
Mouri stapfte davon und murmelte vor sich hin.
„Seltsam. Alles ist seltsam. Eine Fackel will aus Rentieren Wurst machen, Rudi antwortet nicht und hat ein Tuch vor den Augen und einen Strick um den Hals. Ich weiß nicht, was ich davon halten soll.“

Mittlerweile war es schon wieder dunkel geworden. Sie stoppte bei den Wichteln.
„Kommt ihr mit? Joulupukki wird bald zurück sein. Ich werde Essen machen und später reden wir.“
Die Wichtel sprangen auf. „Ja wir kommen mit. Mach uns heiße Schokolade und Plätzchen, Frau Joulupukki. Es ist ganz schön kalt geworden.“ Mouri lachte. „Das ist ein gute Idee. Ich werde uns heiße Schokolade machen. Kommt.“
Gemeinsam gingen sie in die Küche. Es war eine gemütliche Küche. Im Herd prasselte das Feuer und von der Decke hingen die Töpfe und Pfannen. Auf dem Tisch lag eine blauweiß karierte Decke. Die Wichtel lümmelten sich auf die große Sitzbank und Mouri schüttete Milch in einen großen Topf und stellte ihn auf den Herd. Aus dem Schrank holte sie Spekulatius und große Becher. Als die Milch kochte, schüttete sie Kakaopulver und Zucker hinein und rührte kräftig. Dann goss sie den Wichteln und sich die heiße Schokolade in die Becher.
Aus der Ferne hörte Mouri ein Knattern.
„Oh. Joulupukki kommt wieder heim.“ Sie holte noch einen Becher aus dem Schrank und setzte sich auch. Sie rührte in ihrem Becher. Die vier Wichtel schmatzen und schlürften alle durcheinander.
„Oh je“, sagte Mouri. „Ihr habt ja gar kein Benehmen. Ihr schmatzt und schlürft und schlingt.“
„Wichtel schmatzen und schlürfen und schlingen immer“, nuschelte Wichtel 37 mit vollem Mund. „Außerdem schmeckt es doch so gut.“ Er grinste und stopfte sich noch mehr Spekulatius in den Mund.
Polternd kam Joulupukki in die Küche.
„Puh. Ist das ein Wetter. Es schneit schon wieder ordentlich.“ Er setzte seine dicke Fellmütze ab und zog den Pelzmantel aus.
„Hm. Heiße Schokolade. Das ist jetzt genau das Richtige.“ Er setzte sich und nahm einen Schluck.
„Das tut gut“ brummte er.
Dann wurde er ernst.
„Schaut, was ich vor der Tür gefunden habe“. Er zog einen zettel aus der Hosentasche und reichte ihn Mouri.
Sie las vor:
Rudolf Rotnase hatt Hunger
Legt häute abent noch vil Häu
In seinen Trog
Wir hohlen es später ab
ABA NICH SCHNÜFELN!!
p.s. und Epfel
Mouri legte den Zettel auf den Tisch und alle schwiegen. Nur das Schmatzen der Wichtel war noch zu hören. Joulupukki schaue sie an.
„Gut. Dann gehen wir mal in den Stall und legen Heu hin.“ Wichtel 37 stand auf. „Los kommt“, rief er den anderen Wichteln zu. Sie hüpften davon.
„Und denkt an die Äpfel. Rudi mag sie so gern“, rief Mouri ihnen hinterher.
Sie füllte sich und Joulupukki noch einmal heiße Schokolade nach.
„Pukki, wie war es im Weihnachtsmanndorf?“
„Wie immer. Heute waren nicht so viele Kinder da. Es ist wohl kein neues Flugzeug gelandet.“ Joulupukki schnaufte. „Ich habe den Postwichteln von der ganzen Sache erzählt, aber auch sie waren ratlos und fürchterlich erschrocken.“ Er nahm einen großen Schluck.
„Das tut richtig gut“. Er stellte den Becher auf den Tisch zurück.
„Wie war dein Tag? Ist was Neues passiert?“
„Nö. Passiert ist nichts“. Mouri hatte ganz rote Wangen von der heißen Schokolade bekommen. „Aber ich habe was rausgefunden.“
„Was denn?“ Joulupukki schaute sie an.
„Ja weißt du Pukki. Ich habe mit den Rentieren gesprochen. Bis auf vier haben alle nichts gesehen oder gehört. Aber die haben was gesehen. Sie konnten nicht schlafen und lagen nicht bei den anderen Rentieren, sondern waren draußen im Gehege. Da sahen sie, wie Rudi neben einer Fackel zu dem kleinen Tor gehen wollte.“
„Neben einer Fackel?“ Joulupukki machte große Augen.
„Warte ab Pukki. Also Rudi wollte zu dem kleinen Tor gehen. Sie liefen zu ihm hin und fragten ihn, was los sei. Aber Rudi gab keine Antwort. Außerdem hatte er ein Tuch vor den Augen und einen Strick um den Hals. Eine Fackel stand neben ihm. Und die Fackel fauchte die vier Rentiere an, dass sie aus ihnen Wurst machen würde, wenn sie reden würden. Rudi und die Fackel sind dann zum Tor gegangen. Aber mehr hätten sie auch nicht gesehen.“
Joulupukki wollte nicht glauben, was er da hörte.
„Eine Fackel, die redet und Rentieren androht, Wurst aus ihnen zu machen. Mouri was soll das alles?“ Er schüttelte den Kopf.
„Pukki, ich glaube nicht, dass die Vier schwindeln. Die waren vollkommen durch den Wind. Die haben sich die Geschichte nicht ausgedacht.“
Joulupukki sprang auf und lief in der Küche hin und her.
„Rudi ist nicht mehr da und sprechende Fackeln. Was hat das Ganze zu bedeuten? Und dann noch der neue Zettel, dass Rudi Hunger hat. Wer hat ihn vor die Tür gelegt?“ Er schnaubte wie ein wild gewordener Stier.
„Zum Donnerwetter. Wo bleiben denn diese unnützen Wichtel? Die müssen doch längst wieder hier sein.“
Dann hörte man ein Trampeln und Kreischen vor der Küche. Die Tür wurde aufgestoßen und die vier Wichtel hüpften herein,.
„Hier sind wir wieder“, kreischten sie. „Joulupukki, wir haben alles erledigt. Einen großen Sack Heu haben wir neben den Trog gestellt und noch einen extra großen Sack Äpfel. Frau Joulupukki. Da kann sich Rudi rund fressen.“
“Was habt ihr so lange rumgebummelt?, knurrte Joulupukki.
„Wir haben nicht gebummelt. Es war viel Arbeit, das alles zu erledigen“, kreischten die vier empört.
„Schon gut, schon gut. Ich bin nur nervös..“ Joulupukki schaute die Vier entschuldigend an.
„Für uns ist das auch eine schlimme Sache. Nicht zu wissen, was mit Rudolf los ist, macht uns ganz krank. Aber wir knurren nicht so“, piepste Wichtel 37.
„Ja. Entschuldigung Wichtel, aber ...“. Joulupukki zupfte ein wenig verlegen an seinem Bart.
„Schon gut“, piepsten die vier.
„Habt ihr was gesehen? Fackeln zum Beispiel?“. Fragte Joulupukki.
„Fackeln? Nein. Keine Fackeln. Es hat sich nichts verändert. Außer, dass es wieder ordentlich schneit.“ Wichtel 37 schaute Joulupukki an.
„Was ist jetzt? Sollen wir Wache schieben?“
Joulupukki fuchtelte mit den Händen.
„Nein, nein. Außerdem steht auf dem Zettel, dass nicht schnüffeln werden soll.“
„Wichtel geht jetzt schlafen. Morgen früh sehen wir weiter. Gute Nacht.“
„Bis Morgen. Gute Nacht.“, kreischten die vier und hüpften aus der Küche.
Joulupukki nahm beide Zettel vom Tisch und las sie noch einmal durch.
„Mouri, ich verstehe wirklich nichts mehr. Wir wissen nicht, warum Rudi entführt wurde. Sie schreiben uns auch nicht, was sie von uns wollen, damit wir Rudi wiederbekommen. Eigentlich wissen wir nur, dass Rudi Hunger hat.“ Joulupukki knüllte die Zettel zusammen. „Verdammt, Verdammt. Wie geht es nun weiter?“
Mouri nahm seine Hand. „Pukki, ich weiß auch nicht weiter. Heute können wir sowieso nichts mehr machen. Komm, wir gehen auch schlafen. Vielleicht wissen wir morgen mehr.“

23. Dezember
Als Joulupukki am Morgen in die Küche kam, hatte Mouri schon heißen, starken Kaffee gekocht und rührte gerade in der Hafergrütze.
„Guten Morgen Pukki. Wie hast du geschlafen? “
„Schlecht. Sehr schlecht. Ich habe geträumt, dass aus Rudi Wurst gemacht wurde und eine Fackel hat sie uns gebracht. In Scheiben geschnitten auf einer Platte und mit Äpfeln garniert.“, gähnte Joulupukki verschlafen.
„Oh je. Das ist ja ein schlimmer Traum gewesen.. Trink erst einmal einen Kaffee.“ Mouri stellte einen heißen Pott Kaffee auf den Tisch.
Vor der Küchentür hörte man ein Kreischen und Trampeln.
„Was? So früh sind die schon auf?“, wunderte sich Joulupukki.
„Die riechen die Hafergrütze“, lachte Mouri.
Die Küchentür wurde aufgestoßen und mit schnuppernden Nasen kamen Wichtel 37 und die anderen drei Wichtel herein,
„Hm. Es riecht hier so gut nach Hafergrütze“, kreischten sie.
„Und nach herrlich heißer Schokolade“ piepste Wichtel 37 und schaute Mouri verschmitzt an.
„Schon gut, schon gut. Ich mache euch ja heiße Schokolade.“ Mouri schütte Milch in einen Topf. „Setzt euch erst einmal.
„Und kreischt nicht so“. Joulupukki hielt sich die Ohren zu.
„Ok, ok. Wir werden nur leise kreischen“, piepste Wichtel 37.
Mit leuchtenden Augen betrachteten die Vier ihre vollen Teller und dann hörte man nur noch ein schmatzen und schlürfen und das Prasseln des Herdfeuers. Joulupukki sandte ein Stoßgebet zur Küchendecke.
Nach dem Frühstück Joulupukki rückte seine Brille zurecht.
„Ihr Wichtel geht schon mal in die Ställe und schaut, ob was passiert ist und füttert die anderen Rentiere. Frau Joulupukki und ich kommen später nach. Aber vorher muss ich einen Brief schreiben.“
Alle schauten ihn verwundert an. Auch Mouri.
„Einen Brief?“, fragten alle gleichzeitig.
„Ja, einen Brief an die Entführer. Ich will wissen, warum Rudi entführt wurde.“ Joulupukki schaute alle an.
„Und bindet euch einen Schal um. Letzte Nacht hat es wieder ordentlich geschneit und es ist bitterkalt. Verschwindet jetzt.“
Dann ging er zur Kommode und holte einen Schreibblock aus der Schublade. Er kaute an seinem Bleistift und überlegte länger. Dann schrieb er:
Warum habt ihr Rudolf Rotnase entführt?
Geht es ihm gut?
Was müssen wir tun, damit Rudolf zurückkommt?
Ich bin sehr traurig und verdammt wütend!
Joulupukki
Er und Mouri banden sich auch dicke Schals um und eilten zu den Ställen. Dort fanden sie eine aufgeregte und wild kreischende und umherhüpfende Horde von vier Wichteln vor.
„Ruhe““, donnerte Joulupukki. Sofort waren alle vier still.
„Wichtel 37, was ist passiert, dass ihr so aufgeregt seid?“, wandte er sich an den Wichtel.
„Heu und Äpfel sind geholt worden. Beide Säcke sind nicht mehr da und hier sind die Schleifspuren“, piepste Wichtel 37.
„Natürlich sind sie geholt worden. Deshalb haben wir sie ja hingestellt“, schnaubte Joulupukki.
„Natürlich. Aber wir sind so aufgeregt, weil wir was Neues gesehen haben. Schau Joulupukki.“ Wichtel 37 zeigte auf die Schleifspur. Auch ein wenig Heu war verstreut. Und ein paar Äpfel lagen rum.
„ Hier ist die Schleifspur der Säcke. Sie führt zum Tor. Aber nur ein Schuhabdruck ist zu sehen. Nur Einer hat die Säcke geholt.“
„Nur Einer? Das kann nicht sein. Ach. Ich weiß auch nicht. Zum Donnerwetter. Was passiert hier?“, flüsterte Joulupukki. Zum Schreien und Poltern war er gar nicht mehr fähig.
„Aber wenigstens bekommt Rudi ordentlich zu fressen“, lächelte ihm Mouri zu.
„Ja. Wenigstens bekommt er genug zu fressen“, brummte er und holte seinen Brief für die Entführer aus der Hosentasche. Er nagelte ihn an den Futtertrog.
„Vielleicht bekommen wir ja Antwort.“
Joulupukki drehte sich um.
„Ich muss jetzt ins Weihnachtsmanndorf. Bis heute Abend.“Dann ging er.
Mouri schaute ihm hinterher. Man sah ihm an, wie traurig und entrüstet und zornig er war. Morgen ist Weihnachten. Was passiert, wenn Rudi morgen nicht zurück ist?
Entschlossen wandte sie sich den Wichteln zu.
„Ihr macht hier den Boden sauber. Fegt die Reste von dem Heu zusammen und hebt auch die Äpfel auf. Dann füllt ihr den Trog neu. Achtet darauf, dass Joulupukkis Zettel gut zu sehen ist.“
„Machen wir. Sollen wir wieder Wache schieben?“, fragte Wichtel 37.
„Nein. Das ist nicht nötig. Ich gehe jetzt zu den Rentieren und weise sie in den Schlitten ein. Vorsichtshalber. Auf dem Rückweg komme ich hier ja wieder vorbei. Wenn was passiert ist, werde ich es sehen.“
„Und wenn ihr fertig seid, helft den anderen Wichteln in den Werkstätten beim sortieren und einpacken.“ Mouri lächelte krampfhaft.
„Jawohl Frau Joulupukki.“ Emsig machten sich die Wichtel an die Arbeit.
Mouri ging weiter zu den Rentieren.
„Guten Morgen meine Lieben. Alles in Ordnung bei Euch? Habt ihr letzte Nacht was gesehen?“
Die Rentiere schnaubten freudig, als sie Mouri sahen.
„Hallo Frau Joulupukki. Hier ist alles in Ordnung. Ja. Wir haben gesehen, dass der Sack Heu und danach der Sack mit den Äpfeln zu dem kleinen Tor gingen. Weil Säcke aber nicht gehen können, haben wir uns schlafen gelegt.“
„Da habt ihr recht. Säcke können nicht gehen. Habt ihr vier Rentiere für den Schlitten ausgesucht?“, fragte Mouri.
„Ja haben wir. Nimm die vier Rentiere, die Rudi vorgestern Nacht gesehen hatten. Die waren schon mal im Schlitten und kennen sich ein wenig aus.“
„Das ist gut“. Mouri winkte die vier heran.
„Ihr kennt euch mit dem Schlitten aus?
„Ja. Wir haben mit Rudi mal geübt. Er ist ja schon alt und ein wenig müde. Und wenn fünf den Schlitten ziehen, geht alles ein wenig einfacher und schneller, sagt Rudi.“
„Aha. Sagt Rudi das?“ Mouri zwinkerte ihnen zu. „Oder habt ihr euch das ausgedacht?“
„Nein. Das hat Rudi damals gesagt. War ja auch nur für den Notfall oder so.“
Mouri überlegt.
„Dann muss ich euch ja gar nichts zeigen. Die Wegbeschreibung lege ich euch hinten auf die Strohballen. Schaut sie euch gut an.“
Mouri überlegte.
„Habt ihr letzte Nacht was gesehen oder gehört?“, fragte sie dann.
„Ja, wir haben gesehen, dass der Sack Heu und der Sack Äpfel zum Tor laufen wollten. Aber das ging nicht so gut. Dann haben wir die Fackel gesehen. Sie hat geschimpft, weil immer Heu aus dem Sack fiel“, sagte eines der Rentiere.
„ Wir haben uns dann aber versteckt. Wir wollen doch keine Wurst werden“, meinte ein anderes.
„Ist schon recht ihr Angsthasen“. Mouri lachte
„Ich wünsch euch allen einen schönen Tag. Schaut euch gut die Wegbeschreibung an und achtet auf sie.“
Die sprechende Fackel ging Mouri nicht aus dem Kopf. Davon hatte sie noch nie gehört. Als sie an Rudis Futtertrog vorbeikam, war alles still. Vor dem Trog stand ein Sack Heu und ein Sack Äpfel. Der Brief von Joulupukki war gut zu sehen und kein Heu lag mehr auf dem Boden.. Die Wichtel hatten alles schön sauber gemacht.
„Sie kreischen zwar fürchterlich, aber sie sind doch lieb und fleißig“, lobte Mouri die Wichtel in Gedanken.
Sie zog den Schal enger und rieb sich die Hände und ging zurück in die Küche. Dort brühte sie sich einen neuen starken Kaffee. Sie setzte sich an den Tisch und sah dort einen Zettel. Mouri wurde unsicher.
„Pukki hat die Zettel doch zerknüllt. Der lag doch vorhin noch nicht hier. Oder?“ Sie schaute sich in der Küche um. Aber sie war ganz allein.
Mouri nahm den Zettel uns las ihn.
Gästern war zu fil Futter im Trok.
So fil könen wir nich schläpen.
Auserdem wirt Rudolf Rotnase dann zu fät.
Jetzt musste Mouri aber fürchterlich lachen. Der Entführer macht sich Sorgen, dass Rudi zu fett. würde. Wenn der wüsste, was Rudi alles fressen kann.
Mouri schaute sich wieder in der Küche um. Wie kam der Zettel auf den Tisch?
„Papperlapapp. Das wird sich schon noch aufklären.“ Entschlossen legte sie den Zettel auf den Tisch zurück.
„Oh je ich habe die Elfen ganz vergessen.“ Mouri hastete zu den Backstuben. Dort war wie immer ein Gekreische und Gehüpfe. Und die Elfen kreischten und hüpften mit.
Mouri lachte. „Ihr habt aber schnell gelernt.“ Sie schaute sich die Zimtsterne an, die die Elfen gebacken hatten. Sie probierte einen.
„Lecker. Richtig lecker sind sie geworden“, lobte sie die Elfen. „Und verpackt habt ihr die meisten auch schon. Ihr wart ja richtig fleißig Ich danke euch schön. Ihr könnt jetzt zurück zur Schneekönigin.“
„Wir haben gerne gebacken“, wisperten die Elfen. „Es viel Spaß gemacht. Viel mehr Spaß, als immer nur Schnee herzustellen.“
„Ja, wenn das so ist, könnt ihr im nächsten Jahr wiederkommen“, lachte Mouri und drückte den Elfen ein paar Tüten mit Zimtsternen und Pfeffernüssen in die Hände.
„Also Danke schön und grüßt die Schneekönigin von mir.“
Sie nahm noch ein frisch gebackenes Brot für den Abend mit und machte sich auf den Weg in die Küche.
Joulupukki war schon da, als sie dort ankam. Er hatte den zettel gelesen und schimpfte laut vr sich hin.
„Was bilden die sich eigentlich ein? Und auf meinen Brief haben sie auch nicht geantwortet.“
„Ich weiß auch nicht Pukki. Alles ist so schrecklich. Ob wir Rudi je wiedersehen?“ Sie schniefte in ihr Taschentuch.
„Ach Mouri. Nicht weinen.“ Joulupukki nahm sie in den Arm. „Es wird alles wieder gut. Ich weiß nur nicht, ob noch vor Weihnachten.“
Sie setzten sich an den Tisch
„Rudi ist mit Sicherheit nichts passiert. Sonst hätten sie ihm kein Futter gegeben. Die wollen mir eins auswischen. Rudi ist nur Mittel zum Zweck. Und ich bin so wütend, weil ich das alles nicht verstehe.“
Krachend wurde die Küchentür aufgestoßen. Außer Atem stürmte Wichtel 37 herein.
„Joulupukki, Frau Joulupukki. Kommt schnell mit. Die Fackel ist am Trog und singt.“
„Die Fackel singt?“. Joulupukki schaute ungläubig.
„Ja. Sie singt ‚Stille Nacht, heilige Nacht’. Sogar richtig gut“.
„Wichtel 37 ...“ . wollte Joulupukki poltern, aber Wichtel 37 war schon wieder weg. Joulupukki und Mouri stürmten hinter ihm her. Unterwegs erzählte ihnen Wichtel 37, dass er und drei anderen Wichtel den ganzen Nachmittag im Heuraum waren und durch die angelehnte Tür den Trog von Rudi beobachtet haben. Und dann sahen sie, wie die Fackel durch das kleine Tor kam und zum Trog ging. Dort las sie den Zettel von Joulupukki und fing an zu singen. Er, Wichtel 37,
sei dann ganz schnell in die Küche gelaufen.
Die drei kamen in Rudis Gehege an. Mit einem Ruck blieben sie stehen. Da stand die Fackel noch immer am Trog und sang. Dabei sammelte sie herausgefallene Äpfel ein.
Joulupukki blieb vor Staunen der Mund offen und die Stimme versagte ihm
„Was ist denn hier los?“, krächzte er
Erschrocken drehte sich die Fackel um.
„Ich hab euch doch geschrieben, dass ihr nicht schnüffeln sollt“, erboste sie sich. Sie ließ die Apfel fallen und bewegte sich auf das kleine Tor zu.
„Oh je, sieht das komisch aus, wenn eine Fackel läuft. Sie wackelt so dabei, als ob der Sturm durch sie bläst.“ Joulupukki wischte sich die Tränen aus den Augen. Ihm war nicht zum Lachen zumute, aber er konnte nicht anders.
„Joulupukki“, kam es zischend vom Tor. „Das Lachen wird dir noch vergehen. Rudi bekommt heute Abend nichts zu fressen!“
Dann erlosch die Fackel und es wurde still. Die drei starrten auf das Tor und dann schauten sie sich an.
„Was war das denn jetzt?, murmelte Mouri.
„Keine Ahnung“, schnaufte Joulupukki. „Mouri, kneif mich mal in den Arm. Vielleicht ist es nur ein Traum.“
„Es ist kein Traum Pukki. Leider.“ Sie drehte sich zu Wichtel 37. Aber der stand nicht mehr neben ihr. Der lief mit den, inzwischen aus dem Heuraum, gekommenen Wichteln zu dem kleinen Tor, wo die Fackel verschwunden war.
„Schaut nur“, kreischten sie im Chor. „Die Fackel hat Füße.“
Joulupukki und Mouri betrachteten die Spuren.
„Die Fackel hat aber kleine Füße.“, bemerkte Mouri. „Ob doch einer unserer Wichtel der Übeltäter ist?“
„Wir Wichtel sind keine Fackel. Keiner von uns. Und wir stehlen auch Rudi nicht“, regte sich Wichtel 37 auf.
Und die drei anderen piepsten: „Nee . Von uns ist das keiner. Wir sind keine Rudolf-Entführer. Keiner von uns.“
„Das glaube ich eigentlich auch nicht“, sagte Mouri. „Aber ich weiß überhaupt nicht mehr, was ich glauben soll.“
„Kommt alle mit in die Küche. Ich koche uns heiße Schokolade. Heute passiert hier nichts mehr.“
Alle gingen zurück. Keiner sprach. Kein Wichtel kreischte.
In der Küche erwartete sie eine neue Überraschung. Wichtel 37 lümmelte sich auf das Sofa, da sah er den Zettel.
„Hier liegt ein neuer Zettel“,kreischte er.
„Das ist der Zettel von vorhin“, sagte Mouri.
Joulupukki wühlte in seiner Hosentasche und zog einen Zettel heraus.
„Den habe ich hier. Es muss ein neuer Zettel sein“.
Mouri nahm den Zettel und las vor:
Bin ein wenik sauer
Ihr hapt geschnüfelt
Fui
Trotzdem wisst ihr nix
Di fakkel
„Verflixt und zugenäht“, polterte Joulupukki. „Wie kam die Fackel so schnell in die Küche?“ Er schaute sich um, aber alles sah aus wie immer, außer dass vier Wichtel auf dem Sofa rumlümmelten.
„Dann will ich mal heiße Schokolade machen“. Mouri schüttete Milch in den Topf und holte die Becher aus dem Schrank. Auch Zimtsterne stellte sie auf den Tisch.
„Hm. Lecker“, piepsten die Wichtel in heller Vorfreude. Sie merkten, dass kreischen jetzt nicht angesagt war.
Joulupukki saß zusammengesunken auf seinem Stuhl
„Ich mag jetzt nichts trinken und essen“, brummte er.
Die Wichtel dagegen ließen es sich gut schmecken.
„Wichtel, wenn ihr fertig seit, geht schon mal in die Werkstätten. Schaut, ob die Geschenke alle verpackt sind. Joulupukki und ich müssen uns noch ein wenig ausruhen. Wir kommen später nach.“
Mouri setzte sich zu Joulupukki an den Tisch.
„Wie es wohl Rudi geht?“ brummte er. „Ich hoffe, dass man ihm nichts getan hat.“
„Ich glaube nicht, dass man Rudi was antut oder ihm was angetan hat, Pukki. Das muss was mit dir zu tun haben.“
„Ja. Das glaube ich auch. Aber ich kenne keine Fackeln oder habe Fackeln was getan. Auch sonst habe ich keine Idee“
Die Wichtel erhoben sich und rieben ihre Bäuche.
„Lecker war das“, piepsten sie. Laut kreischend und polternd verließen sie die Küche.
Joulupukki hielt sich die Ohren zu. „Kreischt nicht so!“
Aber das hörten sie schon nicht mehr.
Mouri stellte einen Becher Kaffee vor Joulupukki.
„Komm Pukki, trink wenigstens einen Kaffee.“ Beide schwiegen. Nur das Prasseln des Herdfeuers war zu hören.
Joulupukki sah man an, dass er sich große Sorgen machte und dicke Zornesfalten liefen über seine Stirn. Auch Mouri starrte bedrückt vor sich hin. Zwischendurch schniefte sie immer wieder in ihr Taschentuch..
Joulupukki erhob sich.
„Komm Mouri. Wir gehen zu den Wichteln und schauen wie die Arbeit vorangeht. Das lenkt wenigstens ab.“
In der vorderen Halle der Werkstätten war ein emsiges Treiben. Etliche Wichtel verpackten die Geschenke, andere stapelten sie neben dem Schlitten auf und wieder andere beluden den Schlitten. Das war Routinearbeit. Jahrelang geübt. Jeder Wichtel wusste, was er zu tun hatte. Allerdings verlief das Ganze nicht leise. Ganz nach Wichtelart kreischten alle durcheinander.
„Ruhe“, donnerte Joulupukki.
„Wo ist den Wichtel 37?„ Joulupukki schnappte sich einen Wichtel und schaute ihn an.
„Die Wichtel 37, 21, 22 und 55 sind im Heuraum. Sie schaffen dort Platz für den Schlitten“, piepste der Wichtel. „Dann kann der Schlitten heute Nacht nicht geklaut werden.“
„Das ist eine gute Idee“. Joulupukki nickte anerkennend. „Ihr taugt ja doch alle was“, schmunzelte er.
Laut wie ein Düsenjet schwoll das Kreischen der Wichtel an.
„NATÜRLICH taugen wir was. Wir alle sind fleißige und taugliche Wichtel.“ Alle schauten Joulupukki empört und beleidigt an.
„Kein Wunder, dass Rudi geklaut wurde“, kam ein Piepsen aus der hintersten Ecke.
„Wer hat das gepiepst? Komm sofort zu mir!“ Joulupukkis Stimme klang zornig.
„Ich war das“ piepste ein kleiner Wicht.
„Wer bist du denn?“, fragte ihn Joulupukki.
„Ich weiß es nicht genau. Ich glaube, ich bin Wichtel 106. Ich müsste in der Liste nachschauen. Mein richtiger Name ist Samuli“, antwortete der Kleine mutig und auch ein wenig trotzig.
„Was sollte das eben heißen? Kein Wunder, dass Rudi geklaut wurde“. Joulupukki nahm ihn hoch und stellte ihn auf eine Kiste.
“Das soll heißen, dass du immer brummst und grummelst“, Die Stimme von Wichtel 106 zitterte ein wenig, aber mutig fuhr er fort. „Oft sagst du unfreundliche Sache. Vor allem zu allen, die kleiner sind als du. Wir kennen dich ja“. Er sprang vom Stapel
„Aber...“, stotterte Joulupukki.
„Naja. Aber andere kennen dich nicht so gut. Wer weiß, auf welche Gedanken da manche kommen.“ Wichtel 106 verschwand wieder in seine Ecke und packte weiter Geschenke ein.
Joulupukki schaute betoffen auf den Boden.
„Pukki. Da hat Wichtel 106 nicht so ganz unrecht“. Mouri zwinkerte ihm zu. „Aber komm jetzt. Wir gehen in den Heuraum.“ Sie wandte sich um und Joulupukki folgte ihr mit schweren Schritten.
„Mouri. Stimmt das wirklich, was Wichtel 106 da sagte?“
„Ja. Du bist schon hin und wieder ein ordentlicher Brummbär“, lachte Mouri.
Sie kamen im Heuraum an. Fleißig stapelten die Wichtel die Heuballen in einer Ecke aufeinander.
„Wichtel 37. Komm mal zu mir?“
Wichtel 37 kam zu ihm. „Was ist los, Joulupukki?“, fragte er.
„Bin ich unfreundlich?“, flüsterte der ihm zu.
„Manchmal schon“, piepste Wichtel 37 zurück.
„Ich bin nicht unfreundlich“, grummelte Joulupukki.
„Oh doch. Du bist manchmal sogar ziemlich unfreundlich. Oft bist du unfreundlich zu jedem, der kleiner als du bist“,. Wichtel 37 schaute ihn fest an.
Mouri zog an Joulupukkis Hand. Sie wollte die Situation ein wenig entschärfen.
„Komm Pukki, wir gehen zu den Rentieren und schauen, ob dort alles in Ordnung ist.“
Zu den Wichteln sagte sie:.
„Ihr macht hier weiter. Das sieht ja schon alles ganz toll aus.“
Joulupukki tätschelte den Kopf von Wichtel 37 und schlug ihm auf die Schulter.
„Da hat Frau Joulupukki recht. Das habt ihr toll gemacht.“ Er schaute freundlich in die Runde und flüsterte Wichtel 37 zu: „Ich bin nicht unfreundlich.“ Dabei lachte er.
Als sie bei den Rentieren ankamen, war alles still. Die meisten dösten vor sich hin. Die vier Auserwählten waren noch fleißig dabei die Wegbeschreibung zu studieren.
Joulupukki kraulte einem der jungen Tiere hinterm Ohr.
„Ihr seid ja noch richtig fleißig. Gut so. Also gute Nacht. Wir sehen uns morgen früh. Aber ich hoffe, dass morgen früh Rudi wieder da ist. Gute Nach und ruht euch gut aus.“
Die Rentiere schnaubten freundlich.
Auf dem Weg zur Küche nahm er Mouris Hand.
„Hoffentlich wird alles gut. Die Fackel macht mir Angst.“
„Ja. das hoffe ich auch. Mir macht die Fackel auch Angst“, sie drückte seine Hand.
„Weißt du Mouri. Ich glaube, unsere Wichtel haben Recht. Ich bin vielleicht wirklich manchmal ein wenig zu ruppig.“
„Doch. Unsere Wichtel sind schon ganz was Besonderes.“
Sie kamen in der Küche an. Dort war alles unverändert. Kein neuer Zettel lag auf dem Tisch. Sie wurden Beide im Ungewissen gelassen.
„Ich mach uns noch eine heiße Schokolade“, sagte Mouri.
„Eine gute Idee, und ich kram mal meine Sachen zusammen.“ Joulupukki ging in die Kleiderkammer und holte seinen warmen roten Weihnachtsmantel und auch seine Weihnachtszipfelmütze. Er nahm auch die hohen schwarzen Stiefel. In der Küche setzte er sich und bürstete sie blitzeblank.
Inzwischen war auch die heiße Schokolade fertig.
Mouri schüttete die Becher voll und beide nahmen einen Schluck.
„Lecker. Weißt du Mouri. Im Moment glaube ich nicht, dass wir Rudi bis morgen zurück haben. Die Fackel hat uns keine Antwort gegeben.. Ich hoffe nur, dass die vier jungen Rentiere alles schaffen, wenn Rudi nicht zurückgekommen ist.“ Er seufzte und nahm noch einen Schluck.
„Morgen ist ein anderer Tag“, antwortet Mouri. „wir werden es ja morgen früh sehen.“
Sie tranken ihre Schokolade aus und gingen dann schlafen. Es war ein langer und aufregender Tag gewesen.

24. Dezember
Die ganze Nacht hatte es heftig geschneit und es schneite noch immer. Joulupukki krabbelte aus dem Bett. Tief und fest hatte er geschlafen. Gähnend ging er in die Küche. Da stand schon der heiße Kaffee auf dem Tisch und Mouri rührte, wie jeden Morgen, in der Hafergrütze.
„Guten Morgen Mouri“, brummte er.
Mouri lächelte ihm zu. „Guten Morgen Pukki. Dein Kaffee steht schon auf dem Tisch.“ Sie hatte ihren Brummbären schon recht lieb.
Joulupukki schaute aus dem Fenster.
„Es schneit noch immer tüchtig. Da werden sich die Menschenkinder aber mächtig freuen. Für uns ist es beschwerlicher, wenn uns der Schnee und der Wind ins Gesicht weht. Ich werde noch meinen ganz dicken Schal mitnehmen, Mouri. Den, den du mir vor Jahren gestrickt hast.“
Er setzte sich und schlürfte seinen Kaffee und löffelte seine Hafergrütze. Dabei schmatzte er ordentlich.
„Du schmatzt wie unsere Wichtel“, bemerkte Mouri.
Joulupukki lachte. „Nicht nur Wichtel schmatzen und schlürfen, wenn es so gut schmeckt.“
Er schaute Mouri an.
„Was erwartet uns wohl gleich im Stall?“
„Haben wir irgendwie eine neue Nachricht erhalten?“
„Nein“, sagte Mouri, „jedenfalls nicht hier in der Küche.
Die Wichtel 37, 21, 22 und 55 stürmten in die Küche.
„Guten Morgen. Es riecht hier so lecker. Wir haben Hunger.“
„Setzt euch. Ich bringe euch gleich etwas.“ Mouri füllte die Schüsseln mit Hafergrütze und stellte Becher auf den Tisch. Dann kochte sie noch schnell heiße Schokolade und setzte sich auch.
Joulupukki nahm noch einen Schluck Kaffee.
„Wichtel habt ihr auf dem Wege hierher was Ungewöhnliches gesehen?“
„Nö. Nix gesehen. Wir sind direkt hierher gekommen“ antwortete Wichtel 37 mit vollem Mund, „aber gleich wissen wir mehr“
„Ja, gleich wissen wir mehr“, murmelte Joulupukki und trank seinen Kaffee aus.
Dann zog er seine Hosenträger über die Schulter und darüber noch einen dicken Pullover. Beim Anziehen der Stiefel musste ihm Mouri helfen. Er zog sich seinen Mantel an und schnappte seine Mütze.
„Kommt alle. Lassen wir uns überraschen“, sagte er mit leiser Stimme.
Alle sechs verließen die Küche und gingen schweigend den langen Gang zu den Ställen entlang. Am Heuraum angekommen, öffnete Wichtel 37 die Tür.
„Huch.“ Er rieb sich die Augen. Der Raum war leer. Kein Schlitten stand da. Nur das gestapelte Heu lag in der Ecke.
„Das gibt es doch nicht. Jetzt ist der Schlitten auch noch geklaut worden.“
„Was?“ riefen Joulupukki und Mouri wie aus einem Munde. Sie schauten in den Raum. Der war leer. Kein Schlitten war zu sehen.
„Jetzt haben wir den Salat. Rudi weg, Schlitten weg. Nun fällt Weihnachten aus.“ Joulupukki schluckte und Mouri fing an zu schluchzen.
Währenddessen waren die Wichtel schon weitergegangen.
Dann war nur noch ein Schreien zu hören.
„Rudi, Rudi da bist du ja. Wo warst du? Oh, ist das schön, dass du wieder da bist?“
Joulupukki und Mouri zuckten richtig zusammen. Sie wandten sich um und hätten fast Wichtel 37 umgerannt, der zurückgekommen war.
„Rudi ist wieder da. Unser Rudi ist wieder da. Und der Schlitten steht da auch“, kreischte er.
Joulupukki und Mouri rannten so schnell sie konnten. Joulupukki lief auf Rudi zu und umarmte ihn, und er zog an seinen Ohren und kniff ihn in die Backe.
„Da bist du ja wieder, mein Bester! So ein Glück. Geht es dir gut?“
Rudi schnaubte nur.
Dann blicke sich Joulupukki um. Da stand Rudi, eingespannt in den Schlitten und mit ihm die vier jungen Rentiere. Und neben Rudi stand die Fackel.
„Überraschung!“, schallte es aus ihrer Richtung.
„Fröhliche Weihnachten.“
Dann erlosch die Fackel. Dafür stand da jetzt einer kleiner Kerl mit wuscheligen rotblonden Haaren und vielen Sommersprossen im Gesicht.
„Hallo Joulupukki“, sagte er mit einem spitzbübischen Grinsen, „ich habe dir Rudolf zurück gebracht. Sogar eingespannt habe ich ihn schon, damit du keine Zeit verlierst. Hi, hi.“
Joulupukki und Mouri standen da mit offenen Mündern und sahen ungläubig das Ganze an. Selbst die Wichtel kreischten kein Wort.
Joulupukki erholter sich als Erster.
„Bist du die Fackel?“ schnaubte er und schaute den kleinen Kerl prüfend an.
„Ich habe dich irgendwo schon mal gesehen.“
„Ja, ja. Du hast mich schon mal irgendwo gesehen“, kicherte der Kleine.
„Stimmt. Ich habe dich schon mal gesehen. Aber wo?“ Joulupukki kratzte sich am Kopf.
„Ja, ja“, kicherte der Kleine wieder, „Auch Joulupukki kommt in die Jahre.“
„Was soll das denn heißen?“. Bedrohlich schwoll Joulupukkis Stimme an.
„Ich mein ja nur“ kicherte der kleine aus sicherer Entfernung. Das war aber nicht weit genug. Mit einem riesigen Schritt war Joulupukki bei ihm, schnappte ihn am Kragen und hob ihn hoch.
„Du bist ganz schön frech“, donnerte Joulupukki“. „Jetzt sage mir sofort, wer du bist und warum du Rudi entführt hast. Sofort!“
Der Kleine zappelte an Joulupiukkis Arm.
„Erst lass mich runter. So kann ich nicht sprechen.“
Joulupukki ließ ihn fallen.
„Autsch!“ Der Kleine rappelte sich auf und klopfte den Schnee von seiner Hose.
„Mein Name ist Harald. Ich komme aus Norwegen. Und ich bin ein Troll.“ Gespannt schaute er Joulupukki an.
„Na Joulupukki. Erinnerst du dich jetzt an mich?“
„Ja da kommt mir eine leichte Erinnerung. Letzten Sommer .Rovaniemi. Arbeitsamt. Natürlich. Da habe ich dich gesehen“ brummte Joulupukki.
„Genau. Da hast du mich gesehen. Dir fehlten einige Weihnachtswichtel und das Arbeitsamt sollte dir welche vermitteln. Aber es gab keine Wichtel zu vermitteln.. Wer will denn schon Weihnachtswichtel werden heutzutage.?“
„He, he“ protestierte Joulupukki, „ich habe dich doch angesprochen.“
„Ja angesprochen hast du mich. Aber als du erfahren hast, dass ich ein Troll bin – was hast du da gesagt? Lass mich überlegen.“ Harald kratzte sich am Kopf.
„Genau. Du hast gesagt, dass du faule, dumme und stinkende Trolle nicht gebrauchen kannst. Erinnerst du dich Joulupukki?“
„Das soll ich gesagt haben?“ brummte Joulupukki. „Hm, aber dafür ist jetzt keine Zeit mehr. Ich muss los. Der Weg ist weit.“
Joulupukki stapfte zum Schlitten.
„Wieso sind die vier Rentiere eingespannt? Rudi ist doch wieder zurück. Spann sie wieder aus Wichtel 37.“
Der wollte dem Befehl folgen, aber Rudi zupfte ihn an der Jacke und zog ihn zurück.
„Die Vier bleiben eingespannt“ wandte sich Rudi an Joulupukki. „Ich bin schon ein wenig alt. Der Weg ist weit und zu Fünft zieht sich der Schlitten leichter.“
„Blanker Unsinn!“ Joulupukki stapfte mit dem Fuß auf.
„Wichtel 37 spann die Rentiere aus. Aber schnell.“
„Wenn du ihn das machen lässt, bewege ich mich nicht von der Stelle“ sagte Rudi mit leiser Stimme, „Dann können die Kinder lange auf ihre Geschenke warten.“
„Das ist Rebellion“. Joulupukki schnappte nach Luft. „Das hat die doch bestimmt der Troll eingeflüstert!“ wütete er.
„Nein. Hat er nicht. Da bin ich von ganz allein draufgekommen. Mir fällt es immer schwerer diesen schweren Schlitten zu ziehen.. Du sitzt ja nur im Schlitten, aber ich muss ihn ziehen. Ich will ihn nicht mehr alleine ziehen“ Rudi schnaubte wütend.
Joulupukki war fassungslos. Sein ruhiger, manchmal zwar ein wenig zickiger, Rudi war ein Rebell.
„Papperlapapp.“ Joulupukki stieg in den Schlitten.
„Komm Wichtel 37. Dann bleibt es eben wie es ist.“
Wichtel 37 beeilte sich in den Schlitten zu hüpfen.
Aus Haralds Richtung kam ein verhaltenes Kichern und selbst Mouri konnte sich nur mühsam das Lachen verkneifen.
Joulupukki schaute verdrießlich zu ihnen rüber. „Lacht ihr nur. Aber das ist Rebellion!“
„Ho Ho Ho Rentiere. Auf geht’s!“
Der Schlitten ruckte an.
„Troll , du erklärst mir morgen alles. Das war nicht fein, was du getan hast. Komm zum Frühstück“, rief er Harald noch zu, als er an ihm vorbei fuhr.
Der Schlitten erhob sich in die Luft.
„Komm gesund zurück“, rief Mouri noch hinterher.



„So ihr vier. Ich werde uns jetzt erst einmal heiße Schokolade kochen.“ Sie wandte sich Harald zu. „Magst du Zimtsterne?“
Harald fing an zu hüpfen wie die Wichtel.
„Ich mag alles. Aber vor allem heiße Schokolade und Zimtsterne.“
Mouri zwinkerte ihm zu. „Ja, ja. Du bist mir vielleicht einer.“
Sie kamen in der Küche an. Die Wichtel 21,22 und 55 lümmelten sich auf die Bank und Harald schaute sich interessiert um. Mouri drehte sich zu ihm um.
„Hier kennst du dich ja schon aus. Und übrigens“, sie zeigte auf die Zettel auf dem Tisch, „deine Rechtschreibung lässt sehr zu wünschen übrig!“
Harald kratzte sich am Kopf. „Ffft...so oft schreibe ich keine Zettel. Ich spreche lieber.“
Mouri lachte laut. Sie goss allen heiße Schokolade in die Becher und stellte eine große Schüssel mit Zimtsternen auf den Tisch und setzte sich auch.
„Da hast du ja richtig was angerichtet und mir und Joulupukki große Sorgen bereitet, Harald.“
Mouri betrachtete ihn. Da saß dieser kleine Kerl vor ihr und schaute in keiner Weise schuldbewusst aus. Im Gegenteil. Vergnügt stopfte er die Zimtstern in sich hinein und schlürfte, genau wie die Wichtel, die heiße Schokolade.
„Ich weiß, aber Joulupukki brauchte mal einen Denkzettel. Er ist zwar Joulupukki, aber er muss nicht so unfreundlich und brummig sein“, lachte Harald und stopfte sich noch einen Zimtstern in den Mund.
„Genau“ kreischte Wichtel 55, „oft ist er unfreundlich und meistens brummig. Nicht zu dir, Frau Joulupukki. Auch mit Rudolf geht er meistens freundlich um. Aber wer kleiner als er ist, zu dem ist er sehr oft unfreundlich. Wir kennen ihn ja und sind daran gewöhnt.“
„Aber Leute, die ihn nicht so gut kennen, sind vielleicht sauer“, fiel ihm Wichtel 22 ins Wort.
„Ihr habt ja recht. Joulupukki ist schon ein ordentlicher Brummbär.“ Mouri schaute sehr ernst. „Aber Rudolf zu entführen ist nicht der richtige Weg, um ihn zu ändern.“
„Vielleicht doch. Joulupukki brauchte einen Denkzettel. Kann ich noch heiße Schokolade haben?“ nuschelte Harald mit vollem Mund.
„Wenn Joulupukki morgen wieder da ist, erzähle ich die ganze Geschichte. Jetzt muss ich essen. Ich hatte die Tage nicht so viel und Heu ist nicht gerade meine Lieblingsspeise. Und immer nur Äpfel. Na ja.““
„Sei froh, dass Rudi Äpfel so gerne mag, sonst hättest du gar nichts zu essen gehabt“, sagte Mouri ein wenig ärgerlich. Aber trotzdem sprang sie auf und schnitt ihm zwei ordentlich dicke Scheiben Brot ab und stellte auch Schinken auf den Tisch.
„Und wir?“ protestierten die Wichtel.
„Ihr bekommt natürlich auch was.“ Mouri schnitt noch mehr Scheiben ab und stellte auch noch Käse und saure Gurken auf den Tisch. Dann wurde es still in der Küche. Außer Schlürfen und Schmatzen war nichts mehr zu hören.
„Trolle beherrschen diese Technik ebenso wie unsere Wichtel,“ dachte Mouri lächelnd.
Nach dem Essen räumte Mouri den Tisch ab.
„Ihr geht jetzt in die Werkstätten und helft den anderen Wichteln aufzuräumen. Harald schläft heute Nacht bei Euch. Das Bett von Wichtel 37 ist ja frei. Wir sehen uns morgen früh zum Frühstück, wenn Joulupukki ausgeschlafen hat.“
Noch kauend hüpften die Wichtel und Harald zur Tür .
„Wir sind dann mal weg.“
„Und hüpfen kann er auch.“ Mouri war erstaunt.
„Und du kleiner Troll. Nicht „schnüfeln. “ Mouri drohte ihm verschmitzt mit dem Finger.
„Ich muss nicht schnüffeln. Ich habe schon alles gesehen“, lächelte Harald und ließ die verdutzt dreinschauende Mouri zurück.
„Mit dem werden wir noch unsere Freude haben. Armer Pukki.“ murmelte sie und bereitete sich eine heiße Tasse Kaffee. Sie setzte sich auf das Sofa, legte ihre Beine hoch und genoss den Kaffee in kleinen Schlucken. Dabei überdachte sie die vergangenen aufregenden Tage. Dabei nickte sie ein.
Von einem Geräusch gestört, schrecke sie auf. Harald stand vor ihr.
„Hast du mich erschreckt. Was willst du denn hier, kleiner Troll?“, krächzte sie mit verschlafener Stimme.
„Die Zimtsterne haben so gelockt“ lispelte er.
„Nein. Doch. Die Zimtsterne haben schon gelockt. Aber ich muss mit dir reden, bevor Joulupukki morgen wieder da ist.“
Mouri hielt ihm den Teller mit den Zimtsternen hin.
„Willst du auch noch einen Becher heiße Schokolade?“
„Gerne. Heiße Schokolade und Zimtsterne. Lecker. Gab es bei mir daheim nie.“ Harald setzte sich an den Tisch.
„Kleiner Troll, was musst du den so dringendes mit mir besprechen?“
Harald kicherte und gluckste ausnahmsweise nicht. Er blickte sehr ernst.
„Frau Joulupukki. Ich weiß nicht wie ich beginnen soll. Weißt du, ich bin nicht so böse. Natürlich treibe ich viel Schabernack und bin übermütig. Das ist Trollart und ich bin ein Troll. Im Sommer hatte ich mich so über Joulupukki geärgert. Es war nicht so schlimm, das er sagte, wir Trolle seien faul und dumm. Damit hat er sogar ein bisschen Recht. Aber als er sagte, dass ich stinke. Hat mich doch ordentlich geärgert. Ich bade sogar übertrieben oft. Aber das schlimmste war, dass mich Joulupukki, als er wusste, das ich ein Troll bin, überhaupt nicht mehr beachtet hat. Er schaute mich nicht an. Er sprach nicht mit mir. Er war einfach unfreundlich. Das kränkte mich und ich wollte ihn bestrafen. Das ist auch Trollart.“ Harald schaute Mouri zerknirscht an, aber auch trotzig.
„Das wollte ich dir sagen Frau Joulupukki, bevor ich Joulupukki morgen alles erkläre, und ich möchte mich bei dir entschuldigen wegen der Sorgen um Rudolf. Das war’s. Kann ich noch einen Zimtstern haben?“
Mouri reichte ihm die Schüssel mit den Zimtsternen.
„Geh jetzt kleiner Troll. Wir sehen uns morgen beim Frühstück.“

25. Dezember
Gut gelaunt und ausgeschlafen kam Joulupukki am späten Morgen in die Küche. Mouri hatte Kaffee schon fertig und rührte in der Hafergrütze.
„Guten Morgen Mouri. Was für ein herrlicher Morgen heute doch ist.“ Joulupukki setzte sich.
„Guten Morgen Pukki. Stimmt. Ein herrlicher Morgen. Hast du gut geschlafen?“
„Ja. Tief und fest.“ Joulupukki gähnte ausgiebig.
„Du hast ja so gute Laune.“ Mouri schaute ihn verwundert an. Eigentlich war Joulupukki immer müde und brummig, wenn er von der weihnachtlichen Schlittenfahrt zurückkam. Er klagte über Rückenschmerzen . Aber heute. Er strahlte und seine Augen blitzten. Er stand sogar auf und rührte die Hafergrütze.
„Mouri koch du schon mal für die Wichtel einen großen Topf Schokolade.“ Er rührte eifrig. „Und für den Troll natürlich auch“, fügte er noch hinzu.
„Die Schlittenfahrt verlief prima. Die neuen Rentiere haben ihre Sache richtig gut gemacht. Ein Glück, dass wir sie dabei hatten. Sie kannten die Strecke gut und Rudi war glücklich. Ich habe doch schon immer gesagt, dass Rudi ein wenig Hilfe braucht. Er ist ein wenig alt geworden.“
„Das hast du schon immer gesagt Pukki?“ Mouri staunte. „Da kann ich mich aber an ganz andere Worte erinnern.“
„Schon gut. Rudi hat es gesagt. Er hat schon seit einigen Jahren genörgelt. Er wollte schon länger Hilfe.“ Joulupukki schlürfte seinen Kaffee. „Und alles verlief so gut, dass wir es jetzt jedes Jahr so machen werden. Auch Wichtel 37 war mir eine große Hilfe. Er reichte mir alle Pakete, und wenn ein Schornstein zu eng für mich war, rutschte er durch . Wir alle hatten viel Spaß auf der Fahrt.“
Vor der Küchentür war ein Gekreische und Getrampel zu hören, dann flog die Küchentür auf. Die Wichtel und Harald hüpften rein.
„Guten Morgen“ kreischten die fünf gemeinsam, „Wie gut es hier duftet. Wir haben mächtig Hunger!“ Sie setzten sich an den Tisch und Mouri beeilte sich ihre Becher mit heißer Schokolade zu füllen. Jeder bekamen eine große Schüssel gefüllt mit Hafergrütze. In der Mitte machte Mouri eine kleine Kuhle. Da goss sie heiße Butter rein und bestreute das ganze mit Zucker. Obendrauf kam noch eine Mandel. Das es allen schmeckte hörte man wieder am Schlürfen und Schmatzen.
“Köstlich“ nuschelte Joulupukki.
„Oh ja, es schmeckt ganz wunderbar Frau Joulupukki.“ Harald verdrehte die Augen. „So was Leckeres habe ich noch nie gegessen. Meine Mutter konnte nur Buchenblättersuppe mit getrockneten Raupen zum drüber streuen kochen.“ Ihm rutschte ein kleiner Rülpser raus.
„Ups. Tschuldigung.“
„Troll bitte! Erzähl hier nichts von getrockneten Raupen. Da vergeht mir ja der Appetit“ schnauzte ihn Joulupukki an.
„Tschuldigung. Kommt nicht wieder vor.“ Harald schob sich noch einen Löffel Brei in den Mund.
Es scharrte an der Küchentür. Mouri machte sie auf. Rudi stand vor der Tür.
„Da bist du ja mein Lieber“ sagte Mouri. „Komm herein. Ich habe hier eine Schale mit Äpfeln für dich vorbereitet.“
„Das ist gut. Ich habe mächtig Hunger. Moin moin Allerseits.“ Er stürzte sich auf die Äpfel. Noch kauend fragte er: „Hat euch Harald schon alles erklärt?“
„Nein. Noch nicht. Wir wollten erst frühstücken. Aber wenn du fertig bist, Rudi, können wir anfangen.“ Joulupukki erhob sich und holte seine Brille vom Küchenschrank. Er sammelte auch alle Zettel ein, die er von der Fackel erhalten hat. Dann schüttete er sich noch einen Kaffee ein und stellte einen Stuhl in die Mitte der Küche. Er schaute sich um. Alle waren fertig mit frühstücken. Joulupukki hustete und räusperte sich. Dann setzte er seine Brille auf.
„Troll setz dich da auf den Stuhl und erzähl uns, weshalb du Rudolf Rotnase entführt hast. Erzähl uns auch, wieso du ein Troll bist, aber auch eine Fackel. Das interessiert mich sehr. Fang an!“
Harald stellte sich auf den Stuhl und wollte beginnen.
„Ich haben setzen gesagt“, schnauzte Joulupukki.
„Dann bin ich ja noch kleiner. Ich kann freier sprechen, wenn ich stehe. Bitte Joulupukki.“
„Meinetwegen“, knurrte Joulupukki, „dann bleib eben stehen. Aber fang endlich an!“
„Nun. Ich heiße Harald und bin ein Troll. Genauer gesagt: ein Waldtroll. Es gibt auch noch andere Trolle. Steintrolle, Bergtrolle und noch viele andere mehr. Zuhause bin ich am Geiranger Fjord in Norwegen. Meine Familie lebt dort noch. Ich habe noch etliche Brüder und Schwestern und...“
„Das interessiert doch nicht, unterbrach ihn Joulupukki laut. „Ich will wissen, warum du Rudi geklaut hast.“
„Doch. Das interessiert. Du musst doch alles von mir wissen, sonst verstehst du mich nicht.“ Harald hockte sich auf die Stuhllehne.
„Also. Ich habe noch etliche Brüder und Schwestern. Aber von denen muss ich wirklich nicht erzählen. Ich bin77 Jahre. Für einen Troll ist das noch nicht so alt. Mit der Zeit wurde mir zuhause ziemlich langweilig. Immer nur Wanderer erschrecken machte auf die Dauer keinen Spaß. Also ging ich auf Wanderschaft. Zuerst war ich in der Hauptstadt. In Oslo. War ganz schön dort, aber viel zu hektisch. Dann ging ich nach Stockholm. Dort las ich ein Anzeige, dass ein Zirkus Artisten suchte. Ich bewarb mich als Zwerg, der mit zweiköpfiger Dame kämpfen wollte. Aber die hatten kein Interesse. Außerdem gäbe es keine zweiköpfigen Damen, sagten sie mir. Auch sonst hätten sie keinen Job für Zwerge. Enttäuscht ging ich wieder. Ich verdingte mich dann als Vorgartenzwerg. Aber das war nur ein Sommerjob. Im Winter sollte ich in den Keller. Und dann ...“
„Troll übertreib es nicht. Ich will nicht deine Lebensgeschichte hören. Komme endlich zur Sache“ donnerte Joulupukki zornig.
„Schon gut, schon gut. Es wurde sowieso zu langweilig als Vorgartenzwerg.“ Harald hopste vom Stuhl und nahm einen Schluck Schokolade.
„Mein Hals ist ganz trocken.“ Er sprang wieder auf den Stuhl.
„Wo war ich?“
Joulupukki starrte ihn nur an.
„Ach ja. Genau. Langeweile als Vorgartenzwerg. Ich reiste dann nach Finnland und kam im Sommer in Rovaniemi an. Dort ging ich zum Arbeitsamt und wollte nach Arbeit fragen. Genau an dem Tag warst du auch auf dem Arbeitsamt. Du hast nach Weihnachtswichteln gefragt. Aber der Arbeitsamtmann sagte dir, dass es im Moment schlecht mit Wichteln aussähe, weil kein Wichtel mehr Weihnachtswichtel werden wolle. Aber da gäbe es einen Troll. Der würde doch passen. Außerdem würde der Arbeit suchen.“ Harald schnaufte und hüpfte auf dem Stuhl hin und her.
„Aber du, Joulupukki, hast mich noch nicht einmal mehr angeschaut, als du erfahren hast, dass ich ein Troll bin. Dem Arbeitsamtmann hast du gesagt, dass du faule, dumme und stinkende Trolle nicht gebrauchen könntest, und du bist einfach an mir vorbeigegangen. Da bin ich so wütend geworden, und ich wollte mich an dir rächen.“
Harald lehnte sich gegen die Stuhllehne und machte eine Pause. Dann redete weiter.
„Ich wusste, wer Joulupukki ist. Hatte schon viel von ihm gehört. Ich wusste auch, dass er und Rudolf Weihnachten mit dem Schlitten über den Himmel sausen, um den Kindern ihre Geschenke zu bringen. Ich überlegte hin und her. Dann kam mir die Idee. Wenn Rudolf Weihnachten nicht da wäre, könnte Joulupukki den Kindern keine Geschenke bringen.“
„Aber dann wären doch die Kinder bestraft worden! Die wären sehr traurig geworden, weil sie umsonst auf Joulupukki gewartet hätten.“ Mouri fuchtelte mit ihrem Kochlöffel durch die Luft.
„Das stimmt. Die Kinder wären bestraft worden, aber dann hätten sie Joulupukki vielleicht keine Wunschzettel mehr geschickt und Weihnachten wäre abgeschafft worden. Joulupukki hätte dann auch zum Arbeitsamt gemusst um sich einen Job zu suchen. Und er hätte keinen gefunden, weil man einen Joulupukki nicht bräuchte, wenn es kein Weihnachten mehr gäbe. Und einen anderen Job hätte er auch nicht unbedingt gefunden, weil er ja auch in die Jahre gekommen ist.“
Mouri blieb die Luft weg. „Das hast du geplant. Deshalb hast du Rudi geklaut? Wolltest du wirklich, dass Weihnachten abgeschafft wird?“
„Im Sommer wollte ich das schon.“ Trotzig schaute Harald in die Runde.
„Auf jeden Fall bin ich Joulupukki gefolgt, als er zum Korvatunturi zurück fuhr. Ihr müsst wissen, wir Trolle können uns unsichtbar machen. Joulupukki du hast mich nicht bemerkt. Im Wald habe ich dann eine Hütte gebaut. Es war viel Arbeit für so einen kleinen Troll wie mich. Sie war nur so groß, dass Rudi und ich Platz darin hätten. Für Rudi habe ich eine gemütliche Ecke hergerichtet.“
„Das stimmt“, fiel ihm Rudi ins Wort. „Bei dir war es richtig gemütlich und du hast gut für mich gesorgt.“
„Rudi sei ruhig! Nur der Troll soll sprechen“, brummte Joulupukki.
„Erzähl weiter Troll.“
„Nun. Im Herbst habe ich im Wald für mich Beeren gesammelt. Aber so richtig satt wurde ich davon nicht. Und so bin ich hin und wieder in eure Backstube und habe mir Brot und Speck, manchmal auch Käse, gestibitzt. Aber nur manchmal, Frau Joulupukki. Wenn man sich unsichtbar machen kann, klappt so etwas gut.“ Harald kicherte. „Es ist so richtig lustig in euren Werkstätten und Backstuben.“
„So, so. Überall hast du also rumgeschnüffelt.“ bemerkte Joulupukki.
„Nein. Ich habe nicht geschnüffelt. Ich habe mir nur alles genau angeschaut. Und später, im Winter, war ich oft in den Ställen und habe Rudolf beobachtet. Ich wollte wissen, wie er so ist und, ob er Theater machen würde, wenn ich ihn mitnehmen würde. Aber Rudolf war kein Problem. Ich wusste, dass mit ihm alles glatt laufen würde.“
„Du hast mich die ganze beobachtet?“ schnaubte Rudi empört
„Ruhe“, donnerte Joulupukki. „Weiter Troll!“
„Vor drei Tagen war es dann soweit. Ich holte Rudolf. Die Neugier der vier Rentiere störte zwar ein bisschen, aber ich konnte sie überreden mit keinem zu sprechen.“
„Ja. Weil du ihnen angedroht hast Wurst aus ihnen zu machen“, erinnerte ihn Mouri.
„Das war nicht so nett. Ich weiß.
Aber das ist eben Trollart.“
„Mit Rudolf lief alles gut. Wir haben uns prima verstanden und viel miteinander geredet. Er hat von dir erzählt, Joulupukki. Er sagte, dass du zwar sehr oft brummig und auch ein wenig unfreundlich bist, aber ansonsten hätte man mit dir viel Spaß. Zum Beispiel, wenn ihr im Januar immer zum Eisangeln fahrt. Da seist du immer sehr lustig und niemals brummig. Außerdem könntest du weltmeisterlich Fische grillen. Und er sagte mir, dass mein Plan nicht gut sei Weihnachten zu zerstören. Joulupukki und er, Rudolf Rotnase, seien sehr wichtig für alle Kinder, und sie wären sehr , sehr traurig, wenn Joulupukki nicht mehr käme. Und dann haben wir uns die Äpfel geteilt. Aber es hat mich sehr nachdenklich gemacht, was Rudolf gesagt hat..“
Harald setzte sich hin.
„Ich beschlo0 also ihn zurück zubringen. Aber weil ich dich immer noch ein wenig bestrafen wollte, sollte er erst am Heiligen Abend wieder im Stall sein. Du hast mich im Sommer sehr gekränkt. Joulupukki.“ Harald wollte vom Stuhl springen.
„Stopp“, rief Joulupukki. „Eine Frage habe ich noch. „Wieso warst du eine Fackel?“
„Das kann ich ganz einfach erklärte“, lachte Harald. „Ich kann mich zwar unsichtbar machen, aber im Dunkeln gucken kann ich nicht. Deshalb musste ich ein Fackel mitnehmen. Und darum habt ihr auch nur eine Fackel gesehen.“
Er hüpfte vom Stuhl und stellte sich vor Joulupukki und Mouri.
„Ich möchte mich bei euch entschuldigen für den Ärger und die Sorgen um Rudolf, und ich bin froh, dass es so ausgegangen ist und Rudolf wieder hier ist. Jetzt brauche ich aber noch einen Zimtstern und eine frische Tasse heiße Schokolade. Mein Hals ist ganz trocken vom Reden.“ Harald zwinkerte den Beiden verschmitzt zu. „Das ist auch Trollart.“
Joulupukki hatte die ganze Zeit still und nachdenklich auf seinem Stuhl gesessen.
„Mouri, nun mach schon. Gib dem Troll heiße Schokolade und Zimtsterne. Nicht, dass er uns verhungert. Wir brauchen ihn noch..“ brummte Joulupukki. Und er wandte sich zu Harald.
„Troll, im neues Jahr gehst du als Erstes in die Wichtelschule. Deine Rechtschreibung ist ja grauenhaft. Danach sehen wir weiter.“
„Jawoll Joulupukki. Als Erstes im neuen Jahr.“
Mouri hatte noch mehr Schokolade gekocht und noch mehr Zimtsterne auf den Tisch gestellt. Alle griffen zu. Nur Schlürfen und Schmatzen und das Prasseln des Herdfeuers war zu hören.





Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


2 ausgeblendete Kommentare sind nur für Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
Zurück zu:  Kindergeschichten Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!