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Leselupe.de > Kurzgeschichten
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Eingestellt am 02. 10. 2015 20:08


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He de Be
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Apr 2013

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Ich bin ganz gut im Aus-der-haut-fahren. Vor Jahren hatte man mich deshalb HB-M√§nnchen genannt, worauf ich jedes mal sagte: hl. Warum, sage ich sp√§ter. Zu Zeiten des besagten M√§nnchens kannte man anscheinend noch ein Gegenmittel, besagte Zigarette eben. Das Strichm√§nnchen fuhr aus der Haut beziehungsweise in die Luft und eine Stimme aus dem Off sagte dann: ¬ę¬†Aber wer wird denn gleich in die Luft gehen?!¬†¬Ľ Schwupp kam das Angebot, doch lieber eine HB zu rauchen.

HB gibt es schon lange nicht mehr, war aber damals ziemlich erfolgreich. Vor allem war es die Werbung daf√ľr, nicht so ein Flop wir die von Lux sp√ľl sp√§ter, der man schon l√§ngst eine Goldmedaille f√ľr den gr√∂√üten Werbeflop aller Zeiten h√§tte geben sollen. Beide waren von meinem Vater ausgedacht worden, das aber h√§tte ich damals in der Schule besser nicht erz√§hlt.

Mein Vater bestand Zeit seines Lebens darauf, dass in der Werbung f√ľr dieses Sp√ľlmittel eine ganze gescheiterte Revolution steckte, ausgeheckt von seiner Werbeagentur und finanziert von Unilever.
¬ę¬†Wenn das geklappt h√§tte¬†¬Ľ, rief er jedes Mal, wenn er es wieder einmal geschafft hatte, das Thema aufs Tablett zu bringen, ¬ę¬†dann lebten wir heute in einer viel besseren Welt¬†!¬†¬Ľ (Ja Sohn! Ich beherrschte den Konjunktiv!) Jedes Mal setzte er auch noch eins drauf¬†: ¬ę¬†Und an mir liegt es nicht, dass daraus nichts wurde¬†!¬†¬Ľ

¬ę¬†Und an wem sonst¬†?¬†¬Ľ fragte meine Mutter dann jedes Mal mit spitzer Zunge, ¬ę¬†vielleicht an mir¬†?¬†¬Ľ

Meine Mutter hatte au√üer dem Werbesprucherzeuger selbstverst√§ndlich auch bald das Zeug im Haus, das mit besagter Werbung an den Mann und vor allem an die Frau hatte gebracht werden sollen. Allerdings hatte sie das Etikett auf dem Geschirrsp√ľlmittel eiligst √ľberklebt. Ich wusste warum, irgendwie, und dann doch wieder nicht, jedenfalls nicht so genau. Ich hatte immerhin eine Ahnung davon bekommen, dass und wieso diese Kampagne ein Flop werden w√ľrde, wie gesagt, seit ich in der Schule davon erz√§hlt hatte. Und ich hatte es mir irgendwie sogar gew√ľnscht.

Denn wegen dieser Werbung sa√ü ich eines Morgens mit aufgeplatzer Lippe am Fr√ľhst√ľckstisch, w√§hrend der Blick meines Vaters auf ein Pflaster fiel, das auf der Sp√ľlmittelflasche klebte.

¬ę¬†Was ist das denn das¬†?¬†¬Ľ fragte er sofort.

¬ę¬†Was¬†?¬†¬Ľ fragte meine Mutter. Ich ging schon mal auf Halbmast.

¬ę¬†Das Plaster da¬†!¬†¬Ľ Mein Vater deutete mit halbvollem Mund, einer Kopfbewegung und dem Messer in der Hand in Richtung Sp√ľle.

¬ę¬†Ach das ?¬†¬Ľ sagte meine Mutter, ¬ę¬†das wundert dich¬†? Wieso fragst du nicht deinen Sohn, woher er eine aufgeplatzte Lippe hat¬†?¬†¬Ľ

Ich hatte es bef√ľrchtet. Meine Mutter hatte mich diesbez√ľglich schon am Vorabend ausgefragt. Ich hatte bei der Gelegenheit schon nichts dazu sagen wollen. M√§nnerangelegenheiten eben. Wahrscheinlich wollte sie deshalb jetzt meinen Vater mit reinziehen. Der schaute sich die Lippe an, fand aber wohl, dass es nicht halb so schlimm sei.

¬ę¬†Da hat der Sohnemann wohl eine dicke Lippe riskiert, was¬†?!¬†¬Ľ rief er laut lachend.

¬ę¬†Genau¬†!¬†¬Ľ rief ich und sprang schnell auf, um meine Sachen zu packen und zu verschwinden.

Meine Mutter rief hinter mir her, dass sie aber gerne gewusst h√§tte, was da vorgefallen sei. Sie hatte jedoch keine Chance, denn gleichzeitig hatte mein Vater immer noch wissen wollen, wieso die Sp√ľlflasche mit dem Pflaster verklebt sei.

¬ę¬†Sie hatte halt ein Leck¬†!¬†¬Ľ sagte meine Mutter nun kurzerhand. Dem Tonfall konnte man entnehmen, dass sie damit die Fragestunde als beendet ansah. Meine Mutter war Lehrerin.

Sie hatte sich an der Schule im Lehrerzimmer genug Sticheleien anh√∂ren m√ľssen. Immerhin waren sie nicht b√∂se gemeint und wirklich witzig. Sie musste selbst zugeben, dass sie es auch zum Schieflachen komisch fand, wenn der eine Kollege sich √ľber diese Werbung hermachte. ¬ę¬†Willst du nicht noch einmal den S-pot ver-s-potten¬†?¬†¬Ľ s√§uselte gleich darauf der n√§chste auf Hamburgerisch. ¬ę¬†Klar doch¬†!¬†¬Ľ rief der, ¬ę¬†aber nur, wenn Frau Kollegin sich mit gro√üer S-leife am R√ľcken bereit macht¬†!¬†¬Ľ Schon kr√ľmmten sie sich vor Lachen.


Das aber hat mir meine Mutter erst gestern erz√§hlt, drei√üig Jahre sp√§ter¬†! Gestern, am vierten Todestag meines Vaters. Zuf√§llig war ich in meiner alten Stadt und besuchte sie in unserem alten Haus. Und zuf√§llig fiel mein Blick auf die Flasche mit dem Geschirrsp√ľlmittel, die wirklich immer noch an derselben Stelle steht wie damals, wenn auch Arbeitsfl√§che und Sp√ľle inzwischen erneuert wurden.

Wie in alten Zeiten sitzen wir in der K√ľche und trinken Kaffee.

¬ę¬†Ups¬†¬Ľ, sage ich lachend, ¬ę¬†die sieht beinahe aus wie die von damals, wei√üt du noch¬†?¬†¬Ľ

¬ę¬†Klar¬†¬Ľ, sagt meine Mutter, ¬ę¬†wie k√∂nnte ich die vergessen¬†?¬†¬Ľ.

Der Spot hatte damals nicht nur f√ľr Spott gesorgt, sondern auch ein gewaltiges Loch in die Haushaltskasse gerissen, hatte doch mein Vater deswegen bald darauf einen Job weniger.

¬ę¬†Wei√üt du, woher ich die aufgeplatzte Lippe hatte¬†?¬†¬Ľ frage ich nun meine Mutter, die verneint.

¬ę¬†Ich hatte mich mit ein paar Jungs aus der Schule gepr√ľgelt, wegen der Werbung, die Papa gemacht hatte, der f√ľr das Sp√ľlmittel.¬†¬Ľ

¬ę¬†Deswegen pr√ľgelte man sich¬†?¬†¬Ľ fragt meine Mutter.

¬ę¬†Nein¬†¬Ľ, sage ich, ¬ę¬†nat√ľrlich nicht. Sie hatten schon noch etwas mehr gesagt.¬†¬Ľ

Meine Mutter schaut mich fragend an und ich fahr also fort¬†: ¬ę¬†Na etwa, dass meine Mutter ja wohl jeden fff..¬†¬Ľ ‚Äď hier r√§uspere ich mich ‚Äď ¬ę¬†und ich auch nichts weiter sei als ein motherfucker oder so. Da bin ich dann halt in die Luft gegangen¬†!¬†¬Ľ

¬ę¬†Klar¬†¬Ľ, sagt meine Mutter, ¬ę¬†hattest keine HB zur Hand, was¬†?!¬†¬Ľ

Wir lachen. Dann erst f√§llt mir wieder ein, dass die Geschirrsp√ľlflasche damals mit einem Pflaster verklebt war.

¬ę¬†Ach so¬†!¬†¬Ľ rufe ich, ¬ę¬†du auch¬†!¬†¬Ľ

¬ę¬†Was auch¬†?¬†¬Ľ

¬ę¬†Du hattest auch deinen Teil abbekommen wegen dieser Werbung¬†!¬†¬Ľ

¬ę¬†Nein¬†!¬†¬Ľ sagt da meine Mutter, ¬ę¬†ich hatte nur die Nase voll von den schl√ľpfrigen Bemerkungen dar√ľber.¬†¬Ľ

¬ę¬†Papa fand die Kampagne ja bis zuletzt ganz toll¬†¬Ľ, sage ich nach einer Pause. ¬ę¬†Hat ihn denn damals keiner schon vorher darauf hingewiesen, was das lostreten w√ľrde¬†?¬†¬Ľ

¬ę¬†Doch, klar. Er hatte gro√üe M√ľhe, seinen Entwurf in der Agentur und dem Hersteller gegen√ľber durchzusetzen. Dar√ľber haben wir n√§chtelang diskutiert.¬†¬Ľ Sie schaut f√ľr gef√ľhlte f√ľnf Minuten zum Fenster hinaus und f√ľgt dann erst hinzu¬†: ¬ę¬†Ich habe ihm damals auch gesagt, dass das doch nicht ginge¬†: Eine Hausfrau, die f√ľr ein Sch√§ferst√ľndchen den Abwasch auf sp√§ter verschieben w√ľrde ‚Äď dank des genialen Sp√ľlmittels .. ¬†¬Ľ Wieder h√§lt sie inne. Dass ihr Mann daraufhin damals, abends im Bett, gesagt hatte¬†: ¬ę¬†Nee, dank des genialen Mannes¬†!¬†¬Ľ - und sich mit diesen Worten lachend auf sie geworfen hatte, verheimlicht sie.

Ich sehe, wie ihre Lippen sich f√ľr einen Moment zu einem Schmunzeln verziehen.

Nach einem Schluck aus der Kaffetasse sage ich¬†: ¬ę¬†Ja, diese Werbung an sich war ein Hammer und gleichzeitig voll daneben. Das Produkt war ja vielleicht gut, nur die in der Kampagne angepeilte K√§uferschaft nicht ganz die Richtige¬†!¬†¬Ľ

¬ę¬†H√§¬†?¬†¬Ľ macht da meine Mutter.

¬ę¬†Na ja, wenn man damit junge Leute angesprochen h√§tte, Studenten, oder alleinstehende M√§nner, die schon mal den Abwasch warten lassen - wollen¬†!¬†¬Ľ meine ich.

¬ę¬†Das h√§tte auch nichts ge√§ndert¬†¬Ľ, sagt meine Mutter, ¬ę¬†es gibt Dinge, die gibt es, die darf man jedoch nicht als solche benennen, das nennt sich tabu.¬†¬Ľ

¬ę¬†Jetzt willst du auch noch wie Papa damit anfangen, dass diese Werbung an den Grundfesten der Gesellschaft ger√ľttelt h√§tte und eine Revolution ausgel√∂st¬†?¬†¬Ľ

¬ę¬†Ja¬†¬Ľ, sagt da meine Mutter pl√∂tzlich, ¬ę¬†eigentlich hatte er Recht, dein Vater.¬†¬Ľ

¬ę¬†Was¬†?!¬†¬Ľ platzt es da aus mir raus, ¬ę¬†hast du immer noch nicht gemerkt, wie sexistisch das Ganze war?!¬†¬Ľ

¬ę¬†Nein, wieso denn das jetzt¬†?!¬†¬Ľ ruft sie zur√ľck.

¬ę¬†Weil jetzt leben gleich .. gleichbedeutend sein soll mit Sex¬†?!¬†¬Ľ schreie ich laut und gehe schon wieder in die Luft.

¬ę¬†Ja, wieso denn wohl nicht¬†?!¬†¬Ľ kreischt meine Mutter und f√§hrt aus der Haut.


Schon weiß ich wieder, woher ich das habe.




    Anmerkung I¬†: Trotz etlicher Recherchen im Netz habe ich leider kein einziges Video mit dieser Werbung gefunden, nicht einmal ein Foto oder auch nur einen Hinweis. Vielleicht wird jemand anderes ja f√ľndig. Ich schw√∂re bei allem, was mir hoch und heilig ist sowie allen m√∂glichen sonstigen Leuten wichtigen Dingen, dass es sie wirklich gegeben hat, genauso wie das Sp√ľlmittel¬†: Lux sp√ľl sp√§ter. In der Werbung dazu sieht man eine Frau, die vor einer Sp√ľle steht, das hei√üt einen Ausschnitt ihrer R√ľckseite von der Taille bis zum Beinansatz. Eine gro√üe Schleife ziert diese R√ľckenansicht und kn√ľpft praktischerweise eine adrette Arbeitssch√ľrze √ľber dem feinen Kleid fest. Gerade will sie den Abwasch in Angriff nehmen, da treten zwei M√§nnerh√§nde in Erscheinung, packen mit zartem Griff die Zipfel der Schleife und ziehen diese damit langsam auf ‚Äď wie man vermuten soll, um ihr die Sch√ľrze und - bei Gefallen .. wohl noch mehr - auszuziehen. Aber bevor man das alles auch zu sehen bekommt: Schnitt¬†- cut! - und schon wird von unsichtbarer Hand die Flasche mit dem Geschirrsp√ľlmittel drin und 'Lux sp√ľl sp√§ter'-Etikett drauf ins Bild geschoben, zusammen mit dem Text, von dem ich nicht mehr wei√ü, ob er zu h√∂ren oder zu sehen war¬†: ¬ę¬†Leb jetzt, sp√ľl sp√§ter¬†¬Ľ.

    Anmerkung II¬†: Die in dieser Geschichte erw√§hnten Produkte und deren Werbung gab es wirklich¬†; Personen und Handlung jedoch sind frei erfunden. Jede √Ąhnlichkeit mit toten oder lebenden Personen ist nicht beabsichtigt und w√§re rein zuf√§llig.


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Je ernster die Lage desto komischer die Leute

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