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Leselupe.de > Humor und Satire
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Eingestellt am 10. 09. 2006 11:25


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Raniero
Textablader
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Registriert: Oct 2005

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Der junge aufstrebende Architekt Stankowitz war auf dem Wege nach oben, im wahrsten Sinn des Wortes, allerdings mehr in physischer Hinsicht als in der Verfassung seines GemĂŒtes.
Er befand sich im Aufzug des großen VerwaltungsgebĂ€udes, um seinem Auftraggeber, den Leiter der Abteilung fĂŒr stĂ€dtische Planungen, Baudirektor MĂŒller einen Besuch abzustatten.
Seine AuftrĂ€ge bezog der Architekt ausnahmslos aus diesem Bereich, allerdings ĂŒberstiegen diese bisher allesamt kaum ein gewisses eher bescheidenes Maß an architektonischem Können, denn außer einigen kleineren bis mittelgroßen Garageneinheiten im Rahmen kommunaler Wohnbebauung hatte er noch nichts Besonderes auf dem Reißbrett vorweisen mĂŒssen; die grĂ¶ĂŸeren, interessanteren und auch lukrativeren Projekte waren an die Konkurrenz gegangen, an seine Berufskollegen, die sich in der behördlichen Hierarchie weiter nach oben entworfen hatten.

„Hallo, mein Lieber!“ begrĂŒĂŸte der Baudirektor den Architekten, jovial wie stets,
„was kann ich fĂŒr Sie tun?“
Stankowitz fĂŒhlte sich nicht so wohl in seiner Haut und druckste ein wenig verlegen herum; er wusste nicht so recht, wie er anfangen sollte.
„Na, ja, die Sache ist die, Herr MĂŒller, eigentlich bin ich das heißt um genauer zu sein mein BĂŒro nicht groß ausgelastet. Ich resp. wir könnten mehr leisten, um es einmal gerade heraus zu sagen, wenn wir mehr AuftrĂ€ge hĂ€tten.
Nun war es heraus, wenn auch in ziemlich umstÀndlicher Manier.
„Ja, mein lieber Stankowitz, wem sagen Sie das“, entgegnete der Baudirektor, „wir wĂŒrden auch mehr tun, in dieser Hinsicht, glauben Sie mir, wenn die finanzielle Großwetterlage eine andere wĂ€re. Aber Sie wissen ja selbst, die Mittel sind knapp, heutzutage, vor allem die der öffentlichen Hand, und außerdem, das brauche ich Ihnen ja nicht zu erlĂ€utern, können wir die AuftrĂ€ge natĂŒrlich nur im Rahmen von öffentlichen Wettbewerben vergeben; anders geht es nun mal nicht, es handelt sich schließlich um Gelder der Steuerzahler, da sind uns die HĂ€nde gebunden“.
„Aber natĂŒrlich, Herr Baudirektor, selbstverstĂ€ndlich“, entgegnete Stankowitz schnell, um dem Eindruck entgegenzutreten, als hĂ€tte er etwas anderes erwartet, „nicht dass Sie mich missverstehen, alles muss natĂŒrlich seine Ordnung haben.“
„Ja, dann sind wir uns ja einig, lieber Herr Stankowitz, „dennoch habe ich das GefĂŒhl, als seien Sie nicht ganz zufrieden mit uns, Ihrem Auftraggeber“.
„Ja, sehen Sie, Herr MĂŒller, wir planen immer nur Garagen, und dabei hĂ€tten wir durchaus die KapazitĂ€t, etwas Anderes, GrĂ¶ĂŸeres auf die Beine zu stellen. Aber bei den Ausschreibungen derartiger Projekte werden wir von vorneherein erst gar nicht in den engeren Bieterkreis einbezogen“.
„Soso, Herr Stankowitz, Sie haben bisher nur Garagen fĂŒr uns geplant? Woran liegt das denn?“
Baudirektor MĂŒller wurde nachdenklich. „Vielleicht sollten Sie etwas mehr Eigenwerbung betreiben.“
„Jawohl, Herr MĂŒller, daran hatte ich auch schon gedacht, aber zu einer vernĂŒnftigen Werbung gehört in erster Linie eine aussagekrĂ€ftige Referenzliste als Darstellung unseres bisher geleisteten Planungsumfanges, und da kann ich nichts anderes als Garagen anbieten. Ich habe mich sogar mit dem Gedanken getragen, einen grĂ¶ĂŸeren Kalender mit graphischen Darstellungen unserer Projekte in Auftrag zu geben, aber, sagen Sie mal ehrlich, Herr Baudirektor, wer hat schon Interesse an einem Kalender mit zwölf Garagen?“
„Da mögen Sie Recht haben, Herr Stankewitz, ein Kalender mit zwölf Garagen, das ist sicher nicht gerade eine effiziente Form der Werbung. Aber, halt, warten Sie mal, mir fĂ€llt da etwas ein“ huschte ein LĂ€cheln ĂŒber das Gesicht des Baudirektors, „lassen Sie das mal mit dem Kalender, ich habe eine bessere Idee. Schicken Sie mir doch bitte einmal Fotographien von Ihren Garagen zu. Dann werden wir weitersehen. Allerdings muss ich Sie bitten, sich ein wenig zu gedulden; ich fahre ĂŒbermorgen in Urlaub, fĂŒr drei Wochen, und nach meinem Urlaub vereinbaren wir einen Termin bei mir, und dann sehen wir weiter, in dieser Angelegenheit“.
Stankewitz wĂŒnschte seinem Hauptauftraggeber einen schönen Urlaub, und man verabschiedete sich, fĂŒr einige Wochen.

Nach einer angemessenen Frist fand sich der Architekt wieder im BĂŒro des Baudirektors ein.
„Wie war der Urlaub, Herr MĂŒller?“
„Ach, ja, das Wetter war so lalala, und wissen Sie, ich muss Ihnen gestehen, diese Urlaube sind alle gleich fĂŒr mich, mehr oder weniger, und man ist direkt froh, wieder am Schreibtisch zu sitzen. Was kann ich fĂŒr sie tun, mein Bester?“
Der Architekt erinnerte ihn an den Grund ihrer Zusammenkunft.
„Ach so, ja, es fĂ€llt mir wieder ein, Herr Stankewitz. Wissen Sie was, jetzt gehen wir erst einmal einen Kaffee trinken, in unserem Casino. Ich lade Sie ein, mein Lieber.“
„Aber nicht doch Herr Direktor, ich lade Sie ein!“
„Nein, lassen Sie mal“, beharrte der Baudirektor eigensinnig, „mein lieber Herr Architekt, Sie trauen mir doch wohl zu, Sie zu einer Tasse Kaffee einzuladen?“
„Aber natĂŒrlich, Herr Direktor, ich meinte nur...“

Sie nahmen Platz, im Casino des großen VerwaltungsgebĂ€udes, und der Leiter der Abteilung fĂŒr stĂ€dtische Planungen gab persönlich die Bestellung auf, ein Umstand, der beim Bedienungspersonal fast fĂŒr Aufregung sorgte.
Kaum, dass der Kaffee auf dem Tisch stand, zĂŒckte Baudirektor MĂŒller einen druckfrischen FĂŒnfzigeuroschein.

Als der Architekt die Banknote sah, stockte ihm der Atem;
auf der Vorderseite des Geldscheins sah man deutlich das Abbild einer Garagenanlage; Garagen, die er, Eugen Stankowitz entworfen hatte.

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