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Leselupe.de > Humor und Satire
Werbung für Schmerzfreie
Eingestellt am 19. 05. 2006 08:56


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Duisburger
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Gott, bin ich froh, dass mir das mal einer so deutlich gesagt hat.
Ich hatte ja keine Ahnung.
Wäre mir nie aufgefallen.
Aber jetzt ist alles gut.
Jetzt weiß ich Bescheid.
Wovon ich eigentlich rede?
Von der Werbung natürlich, speziell der Fernsehwerbung.
Ach, Sie gucken sich das aus Prinzip nicht an?
Zappen sofort weg?
Schlimmer Fehler.
Sie wissen gar nicht, was Sie da alles verpassen. Welche fundamentalen Weisheiten und elementaren Erkenntnisse Sie sich entgehen lassen. Nirgendwo wird Ihnen so deutlich klargemacht, was Sie eigentlich für ein Idiot sind, wenn Sie diese besonderen, vor Einmaligkeit und Genialität sprühenden, nur hier und heute zu diesen so extrem günstigen Preis zu bekommenden Produkte nicht sofort erwerben.
Ich habe natürlich erst einmal sämtliche einschlägigen Telefonnummern der entsprechenden Call-Center in das Kurzwahlverzeichnis meines Telefons übernommen, um sofort reagieren zu können, wenn die netten Damen und Herren von QVC und wie die anderen Firmen auch alle heißen mögen, mir sagen, was ich unbedingt für meinen Seelenfrieden noch haben muss.
Sie werden es sich nie verzeihen, wenn sie beispielsweise diesen genialen Knoblauchschneider aus weißen Kunststoff für nur 49 Euro nicht unverzüglich Ihr Eigen nennen.
Wie, Sie essen keinen Knoblauch?
Was ist denn das für eine Ausrede.
Haben Sie denn nicht richtig hingehört?
Die Dame im Fernsehen hat doch deutlich gesagt, für Sie und Ihre Gäste.
Sie dürfen nicht immer nur an sich denken.
Also, wirklich.
Wirtschaftsschädling.
Dieses kolossale Wunderwerk moderner Küchentechnik harmoniert übrigens in grandioser Art und Weise mit meinen kürzlich erworbenen, mehrfach für Form und Funktion ausgezeichneten, spielend leicht zu handhabenden Teigschabern, welche mich den nun wirklich nicht einmal die Entwicklungskosten deckenden lächerlichen Spottpreis von 19,99 Euro gekostet haben. Das sind auch wundervolle Geschenke für die liebe Verwandtschaft.
Oma Meisenbrink fehlten die Worte, als ich ihr das Gerät in Aktion zeigte. Sie meinte lediglich, dass der Preis wohl ein wenig überhöht sei. Mitnichten.
Ich habe ihr natürlich ausführlich erklärt, dass hier jeder Cent gut angelegt ist, was ja wohl auch die begeisterten Statements dieser amerikanischen Hausfrauen belegen, welche in Werbespott immer wieder eingeblendet werden. Die Begeisterung ist so groß, dass der Anbieter sogar mit dem Synchronisieren nicht mehr nachkommt, aber dem Zuschauer diese Bewertungen nicht vorenthalten will und so die Lippenbewegungen nicht immer ganz zum Text passen. Aber das sind Kleinigkeiten, über die man als erfahrener Zuschauer gnädig hinwegsieht.

Sicher, ich habe mittlerweile ca. 22 Fitnessgeräte (incl. den Bodyshaper und den AB-Glider), und mein Wohnzimmer sieht mittlerweile aus wie das Fitnessstudio von Arnold Schwarzenegger, und eigentlich hasse ich Sport und mit meinen 62 kg habe ich das auch gar nicht nötig, aber ich könnte ja mal dick werden. Irgendwann.
Genau wie Sie.
Und dann.
Ich bin gerüstet.
Und Sie?
Na also.
Außerdem gewinnt man durch das regelmäßige Bestellen auch neue Freunde. Der Fahrer von der Post beispielsweise begrüßt mich immer mit einem Lächeln und einem Handschlag, obwohl er nach der Lieferung des großen Body-Former-Centers (Edelstahl, 184 Teile) lieber woanders hingeschlagen hätte. Mein ruhige, freundliche Art und ein Obolus von 20 Euro überzeugten ihn dann doch von der Sinnhaftigkeit meines Kaufes.
Sicherlich kommt diese Woche auch wieder der nette Herr von diesem Inkassounternehmen, obwohl ich ja der Meinung bin, dass es ein wenig kleinlich ist, wegen sechs rückständiger Raten gleich jemanden vorbeizuschicken.
Die sollten mal die anderen Firmen fragen, bei denen ich bestellt habe, die sind momentan noch übler dran und begnügen sich mit Mahnbriefen.
Reicht doch auch.
So, in fünf Minuten ist es wieder soweit. Telefon und Schreibblock liegen bereit. Sicherlich gibt es wieder etwas, was ich noch nicht habe, aber unbedingt brauche, auch wenn ich es mir eigentlich nicht leisten kann.
Aber was tut man nicht alles für die goldene Bestellkarte der vereinigten TV-Shop`s (USA, Kanada und Süd-Albanien). Die fehlenden 2600 Euro sind doch spielend bestellt und dann wird es richtig billig.
Zwei Prozent auf alles (ausgenommen die Warengruppen 1, 2 und 4-8, in den Warengruppen 3 und 9 nur an Werktagen in der Zeit von 03.00 Uhr bis 03.30 Uhr, andere Warengruppen sind hiervon ausgenommen).
Jetzt sagen Sie selbst: Was will man mehr?

__________________
Unter den Kastraten ist der eineiige König (unbekannter Gas- und Wasserinstallateur).

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flammarion
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erwähnen wäre auch noch das mangelhafte deutsch in der werbung. eine zeit lang hieß es: jetzt lach ich da drüber, worüber es auch immer gewesen sein mag und gegenwärtig nimmt sich jemand dem problem an. da vergißt man doch vor schreck, wofür eigentlich geworben wird. oder dieser entsetzliche werbespot - bitte nicht mit tt - , wo der mann sagt: du darfst dir was wünschen. und sie antwortet: hab ich schon. und sofort verunglückt der mann. was soll denn das? das kann doch nicht verkaufsfördernd sein . . .
lg

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Old Icke

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sabiko
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Du hast einige der Gründe amüsant umschrieben, aus denen ich gerne Werbung kucke. Neben den vielen, super billigen Muss-ich-einfach-haben Produkten bekommt man außerdem noch eine genaue Anweisung darin, zu welcher gesellschaftlichen Gruppe man gehört und was man als Vertreter dieser für Aufgaben wahrzunehmen hat. Also, ich bin die "Ich kaufe den Öko-Hustensaft und das tolle Weißwaschmittel und versorge mütterlich meine Familie"-Liga.
summa summarum: Ein flüssig zu lesender , humorvoller Text, über den man aber nicht nur schmunzelt, weil es leider tatsächlich die unter uns gibt, die der Werbung hörig sind und dafür monatlich vom Kuckuck besucht werden.

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Duisburger
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Hallo,

vielen Dank für die freundlichen Kommentare. Der Text ist schon etwas älter und ich finde, dass es immer mehr und schlimmer wird. Neben den reinen Shopping-Kanälen wird man jetzt auch schon in der Hauptsendezeit mit kurzen Spots aus dieser Richtung gequält.
Auch gebe ich flammarion recht, dass die Werbung sich immer mehr im Sprachgebrauch an bestimmten Bevölkerungsschichten orientiert und die deutsche Sprache dabei auf der Sterecke bleibt. In vielen Werbespots wird der Zuschauer dann eben mit jenen grausamen Klischess bedient, von dem die Macher meinen, er würde sie erwarten.

lg
Duisburger
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ENachtigall
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Hallo Duisburger,

der Text ist sehr amüsant zu lesen und bestätigt mich darin, verschiedene Fernsehgespenster einfach von "Innen" an der ausgeschalteten Mattscheibe abprallen zulassen. Um so größer ist das Vergnügen, sich hin und wieder über sie zu belustigen. Wirklich schlimm dran sind in der Tat Menschen, die einem inneren Zwang gehorchend, dem nicht wiederstehen können. Da hilft nur radikales Eingreifen von Angehörigen, die unter den Folgen mitleiden, wie seinerzeit meine Tante, die ihrem Mann kurzerhand sämtliche Kreditkarten entzog, nach dem ersten Besuch des Vollziehers.

Gerne gelesen.

Schönen Gruß

Elke

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