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Leselupe.de > Kindergeschichten
Wetterzauber
Eingestellt am 20. 11. 2001 12:15


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hera
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Gelangweilt saß ich mit meiner Freundin Arabella im Zimmer. Die Winterferien waren fast vorbei und es hatte noch nicht geschneit.
„Sag mal“, fragte ich meine Freundin, „du hattest doch von deiner Uroma dieses seltsame Hexenbuch geerbt. Steht da nicht drin, wie man Schnee zaubern kann?“
„Drin steht das schon, ich kann mich erinnern. Aber wer glaubt denn diesen Humbug vom Wetterzauber?“
„Aber uns ist langweilig. Wir sind in diesem Winter noch kein einziges Mal Schlitten gefahren. Könnten wir es nicht probieren? Einfach nur so zum Zeitvertreib?“
Arabella ging im Zimmer auf und ab und ĂŒberlegte. „Also gut, man muss eine Schlange und ein Huhn in einem Kessel im Freien kochen.“
„Das ist alles?“, fragte ich erstaunt. „Brauchen wir keine drei Haare vom Teufel oder so was?“
„Nein, nur ein Huhn und eine Schlange, ich weiß es noch genau.“
„HĂŒhner haben wir in der Scheune.“
„Gut, dann besorge ich die Schlange und wir treffen uns morgen oben am Waldrand.“ Arabella gab mir einen freundschaftlichen Stoss in die Rippen und ging.
Ich machte mich auf den Weg zur Scheune. Nachdem ich eine halbe Stunde die HĂŒhner gescheucht hatte, bis sie so viele Federn verloren hatten, dass sie fast nackt waren, erwischte ich endlich eins. Ich packte es und zerrte das um sich hackende Vieh zum Holzklotz. Ich erhob die Axt, aber ich konnte nicht zuschlagen.
Trotzdem fand ich mich mit einem Huhn am nÀchsten Tag am Waldrand ein. Arabella platzte fast vor Lachen, als sie mein gefrorenes und zerteiltes Huhn in der Aluschale sah. Aber was hÀtte ich tun sollen? Ich habe mir einfach eins im Supermarkt gekauft. Arabellas Schlange war auch nicht besser. Sie war in Alkohol eingelegt und garantiert viel Àlter als mein Huhn. Und unter uns, sie stank schon.
Arabella hatte ein Gestell aus dicken Stöcken gebaut und einen alten zerbeulten Topf daran aufgehĂ€ngt. Es konnte losgehen. Die besoffene Schlange kam ins Wasser und mein Huhn. Es war auch noch fertig gewĂŒrzt, mit Paprika. Hoffentlich wĂŒrde der Schnee nicht eine rote FĂ€rbung annehmen.
Wir zĂŒndeten unsere HolzstĂŒckchen an. Es dauerte eine ganze Weile, bis das Wasser anfing zu kochen. Als sich kleine Dampfwölkchen bildeten, bat mich Arabella zurĂŒckzutreten. AndĂ€chtig rĂŒhrte sie in der Suppe. Die freie Hand hatte sie erhoben und schien etwas zu murmeln. Reichten Huhn und Schlange allein doch nicht aus? Musste noch ein ordentlicher Hexenspruch her?
Es passierte nichts. Arabella meinte, man mĂŒsse eben warten, bis der aufsteigende Qualm den Himmel erreicht hĂ€tte.
Aber es war ziemlich ungemĂŒtlich bei dieser KĂ€lte so lange auszuharren. So saßen wir zusammengekauert auf meinem Schlitten und klapperten mit den ZĂ€hnen. Plötzlich sprang Arabella auf. „Ich habe ja das Wichtigste vergessen! Man muss den Kessel umstoßen, damit der Zauber wirksam wird.“
Ich hechtete hoch und stieß den Kessel mit dem Fuß um. Sofort spĂŒrte ich einen eisigen Wind im Gesicht. Von ferne hörten wir Grollen wie von Donner. Zuweilen bewegte ein Wind die Äste der BĂ€ume. Kleine Steine, die eben noch festgefroren waren, wirbelten vom Erdboden auf. Die Stimmen des Waldes wurden lauter. Hörte ich da Wolfsgeheul? Rasch ziehende Wolkenfetzen bildeten sich am Himmel. Arabella stand auf und begann zu tanzen. Sie hĂŒpfte von einem Bein aufs andere und grölte undefinierbares Zeug. Da es ziemlich kalt war, tanzte ich mit. Wenn uns jemand gesehen hĂ€tte, er hĂ€tte glattweg die HexenjĂ€ger auf uns gehetzt.
Die ersten zarten Schneeflocken erreichten meine Wange. Wir schrieen vor lauter Freude und tanzten noch wilder. Die Zunge weit herausgestreckt, stellten wir fest, dass der Schnee nach HĂŒhnersuppe schmeckte. Dieser seltsame Nachgeschmack veranlasste uns allerdings, die Zunge wieder einzuziehen.
Zwei Minuten spĂ€ter war der Schneesturm perfekt. Wir retteten uns unter die BĂ€ume und warteten ab. Nach einer halben Stunde war der Spuk vorbei. Erstaunt und unglĂ€ubig betrachteten wir die weiße Pracht. Waren wir das wirklich gewesen? Der Schnee war etwa zehn Zentimeter hoch, sehr fest und eignete sich prima zum Schlittenfahren. Das lag bestimmt daran, dass das Huhn tiefgefroren war.
Wir setzten uns auf meinen Schlitten und ich zeigte Arabella, was eine richtige Chaosfahrt ist.
Der Schnee reichte leider nicht mal bis ins Tal. Es waren nur ein paar hundert Quadratmeter mit Schnee bedeckt, wie sich herausstellte. Laut Wetterbericht, den wir spÀter aufmerksam hörten, hatte es nirgends geschneit.

Nun, ich habe diese Geschichte aufgeschrieben, damit du weißt, was du tun musst, wenn es dieses Jahr wieder nicht schneit. Probiere es aus! ErzĂ€hle es deinen Freunden. Umso mehr Leute mitmachen, umso besser. Hinter den Hexenspruch bin ich allerdings nicht gekommen, aber du hast ja Phantasie.

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Willi Corsten
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Hallo hera,
Du bist mir ja eine ganz Schlimme. Mit Hexenkult vertraut und so. Kein Wunder, dass da eine fantasievolle Geschichte herausgekommen ist.
Fröhliche Schlittenfahrt wĂŒnscht
Willi

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hera
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Lieber Willi!

Vielen Dank fĂŒr dein Interesse.
Wollen wir mal hoffen, dass es von alleine schneit.

Viele GrĂŒĂŸe, hera

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flammarion
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hallo hera,

vielen dank fĂŒr diese heitere geschichte. habe mich amĂŒsiert. mach mal so weiter. ganz lieb grĂŒĂŸt
__________________
Old Icke

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hera
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Hallo flammarion!

Freut mich, dass dir die Geschichte gefallen hat.
Ich schreibe schon fleißig an der NĂ€chsten.

Schönen Tag noch, hera

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