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Leselupe.de > Horror und Psycho
What you see....
Eingestellt am 24. 08. 2007 08:51


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Catweazle
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Registriert: Aug 2007

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What you see

Man sagt, dass im letzten Augenblick das ganze Leben an einem vorbeizieht. In diesem Fall war es nur ein kurzer Eindruck. Sein Leben war kurz gewesen, vor allem sein zweites. Das erste endete mit dem Unfall. Sein zweites begann damit ihm. Und damit begann auch der RĂŒckblick im letzten Moment seines Lebens.

Er erwachte plötzlich und schweißgebadet wie aus einem Alptraum. Alles um ihn herum war dunkel. Er setzt sich ruckartig im Bett auf. DafĂŒr wurde er mit einem brennenden Schmerz im Gesicht und in den Augen bestraft. Seine Hand ging zum Kopf und ertastete vorsichtig die Bandagen. Er konnte sich nicht erinnern. Warum war er hier? Was war geschehen?
Bei diesen Fragen begann sein Herz wie wild zu hĂ€mmern, und er hörte zum ersten Mal bewusst das laute Piepsen der Maschine neben sich. Dann erklang ein Rauschen und er ahnte, dass eine TĂŒre geöffnet wurde. Kurz darauf schien Licht durch seine geschlossenen Augen.
Er spĂŒrte, wie das Bett sich bewegte und seine Finger in eine warme Hand genommen wurden.
„Wie geht es ihnen?“, sprach eine sanfte, weibliche Stimme.
Als er nur ein Grunzen zustande brachte, streichelte sie seine Hand.
„Sie haben lange geschlafen, aber sie werden wieder gesund. Sie hatten einen Unfall.“
Er presste ihre Hand aus Angst vor der Erinnerung. Doch es stellten sich keine Bilder ein. Nur Dunkelheit.
„Wie?“, fragte er.
„Ein Autounfall. Sie haben ihr Augenlicht verloren.“
Er straffte sich in seinem Bett.
„Aber beruhigen sie sich. Wir haben ihnen zwei neue Augen eingesetzt. Sie werden wieder sehen können.“
Er hörte sie noch etwas von Organspende sagen, doch da war er schon fast wieder eingeschlafen.

Sein Leben Ă€nderte sich nach dem Unfall. Er war vorher ein junger, nicht unattraktiver Mann gewesen. Trotzdem war er immer verkrampft geblieben, nicht nur was den Kontakt zum anderen Geschlecht betraf. MĂ€dchen konnte er nicht anlĂ€cheln, selbst wenn sie nett zu ihm waren. Seine Phantasien aller Art zĂŒgelte er durch reine Willensanstrengung. Kneipentouren waren ihm fremd und Freunde hatte er kaum welche.
Und nun starrte er in den Spiegel und wusste nicht mehr weiter. Quer durch sein Gesicht verlief eine dĂŒnne, kaum sichtbare Narbe von der Verletzung, die ihn auch sein Augenlicht gekostet hatte. Und mitten aus diesem ihm eigentlich so vertrauten Gesicht starrten ihn zwei fremde Augen an. Und sie schienen zu lĂ€cheln.
Er hatte Karl im Krankenhaus kennen gelernt. Er schien Karl auf den ersten Blick sympathisch zu sein, denn der junge Mann plapperte von Anfang an drauflos und sollte fĂŒr die nĂ€chsten Wochen nicht mehr aufhören. So kam es, dass sich um Karl und ihn eine kleine Clique aus Pflegern und Krankenschwestern bildete, die auch nach der Entlassung aus dem Krankenhaus bestand hatte. Sein Leben fing an sich zu verĂ€ndern.
WĂ€hrend er frĂŒher oft zu Hause gesessen hatte und vor seinem Computer oder seinen BĂŒchern gegrĂŒbelt hatte, fand er sich nun im Mittelpunkt von immer mehr Bekannten und Freunden abends in den Kneipen und Diskotheken der Umgebung wieder. Dabei habe ich mich gar nicht verĂ€ndert, dachte er. Aber die Menschen fingen an, anders als frĂŒher auf ihn zu reagieren.

An diesem Abend saßen sie zu siebt in der Kneipe und ließen den Abend ausklingen. Er hatte sich zurĂŒckgelehnt, genoss die neue AtmosphĂ€re und lauschte der angeregten Unterhaltung zwischen Karl und einigen Pflegern.
Wenn er sich ĂŒberwand und den Mund öffnete, um etwas beizutragen, sahen die anderen ihn an und hörten zu. Meist lachten sie danach oder nahmen den Punkt begierig auf, um ihn zu diskutieren. Das war ein vollkommen neues LebensgefĂŒhl. Ihm wurde fast mulmig vor GlĂŒck. Er starrte gedankenverloren in die Dunkelheit der GaststĂ€tte, als ihm jemand auf den Arm tippte.
„Hast Du mal ne Kippe?“, fragte eine junge Frau neben ihm.
Er griff zur Packung auf dem Tisch und hielt sie ihr hin. Seine Augen wanderten ĂŒber ihr Gesicht und ihre Haare. Dann senkte er seinen Blick und starrte auf den Hals, die BrĂŒste und den Bauch. Vor seinem inneren Auge begannen ihre Kleider zu verschwinden. Langsam, StĂŒck fĂŒr StĂŒck, Schicht fĂŒr Schicht lösten sich zuerst der Pulli, dann das Unterhemd auf, bis sie nackt neben ihm saß.
Als sie seinen Blick bemerkte, lachte sie.
„Kommst Du mit nach draußen eine rauchen? Hier ist es mir zu stickig.“
Er nickte nur und stand auf.

Das eiskalte Wasser aus dem Hahn lief ĂŒber sein Gesicht. Er prustete und hob den Kopf. Seine Augen starrten ihn aus dem Spiegel an. Waren dass seine Augen? Wenn nicht, wessen Augen waren es dann? Und was machten sie mit ihm? Sie ließen ihn Dinge sehen, von denen er vorher nie gewagt hatte zu trĂ€umen. Sie zeigten ihm die Wirklichkeit in einem anderen Licht. Bestimmte Dinge wirkten so... begehrenswert. Seine Augen zeigten ihm die Sachen, die er haben musste! Er wurde immer schwieriger seiner Lust zu widerstehen. Er fing an die Kontrolle zu verlieren.
Er blickte sich um. Das MĂ€dchen aus der Kneipe lag dort bĂ€uchlings auf seinem Bett. Sie hatte die Bettdecke nur notdĂŒrftig ĂŒber den RĂŒcken gezogen. Um sie herum schimmerte das Licht. Sie hatte diese gewisse Aura. Die Luft um sie herum schien zu glĂ€nzen und zu flimmern. Seine Augen hafteten auf ihrem RĂŒcken. Sie zog ihn an.
Nein, er wurde angezogen, ließ sich anziehen. Irgendwo tief in ihm schrie sein altes Bewusstsein auf. Doch die Person, die er mal war, war dort verschĂŒttet. In ihm herrschte nur noch was er sah. Und langsam ging er auf sie zu.

Nachdem er wegen mehrfachen Mordes zum Tode verurteilt wurde, durfte er ein letztes Mal telefonieren. Er wÀhlte die Nummer der Klinik, in der er aufgewacht war und wartete.
Das Telefon tutete leise. Dann wurde abgehoben.
„Augenklinik Lichtblick, Prof. Dr. Schmitz am Apparat.“, hörte er eine freundliche Stimme am anderen Ende.
Er nannte seinen Namen und wartete auf eine Reaktion.
Zuerst folgte Stille, dann fuhr die Stimme kurz angebunden fort:
„Ich habe von Ihnen in den Nachrichten gehört. Eine Schande, um die Zeit, die wir in sie investiert haben. Sie sind nicht besser als der Spender Ihrer Augen. Was wollen Sie von mir?“
„Herr Professor, sie sprechen den Punkt bereits an. Woher stammen meine Augen?“
Wieder folgte eine kurze Stille.
„Sie wussten es nicht?“, flĂŒsterte er?
„Nein.“
„Ihre Augen stammen von einem verurteilten Mörder, der erst vor wenigen Wochen hingerichtet wurde.“

„Wartet, ich habe noch einen letzten Wunsch!“, schrie er.
„Was denn?“, fragte der WĂ€rter, der seine Hand schon auf den Hebel gelegt hatte.
„Ich will nicht, dass irgendetwas von mir als Organspende freigegeben wird. Vor allem nicht meine Augen! Ihr dĂŒrft mir meine Augen nicht nehmen.“
Der WĂ€chter lachte.
„Du bist gut. Das kannst Du vergessen, die Augen bringen doch am meisten.“
Dann drĂŒckte der WĂ€rter den Hebel nach unten.

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Duisburger
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Hallo,

mmmh, Horror und Psycho heisst diese Rubrik. VerspĂŒren konnte ich beides nicht bei deinem Text. Woran liegt das?

Einmal fĂŒr mich wohl an der Folgerung:
Augen des Mörders transplantiert und so auch selber einer geworden. Weil er nun was sieht, was er mit seinen alten Augen vorher nicht so gesehen hat. Das hieße im Umkehrschluss, dass die Augen seine GefĂŒhle verĂ€ndert haben und das kann ich nicht so recht nachvollziehen.
Selbst wenn, so frage ich mich, warum auf einmal seine Umwelt so positiv auf ihn reagiert, warum sich die Frauen an seinen Hals werfen. Was hat das mit seinem neuen "Sehvermögen" zu tun?
Das scheint mir alles zu konstruiert. Wie auch der Verlauf der Geschichte. Darauf zu kommen, dass seine neuen Augen jene eines Mörders sind, ist so schwer nicht. Zu vorhersehbar, finde ich.

Formal gibt es kaum was zu meckern, sauber zu lesen, auch wenn man merkt, dass du schnell zum Ende kommen wolltest.

lg
Duisburger

__________________
Unter den Kastraten ist der eineiige König (unbekannter Gas- und Wasserinstallateur).

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Catweazle
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Hallo Duisburger,

danke fĂŒr Deine konstruktive Kritik.
Bei richtigen Auswahl des Forums war ich mir nicht sicher. Vielleicht habe ich mich hier vergriffen. Kann ich nicht so gut einschÀtzen. Ich dachte, dass das ganze ein wenig Psycho ist.

Es freut mich, dass die Geschichte halbwegs gut zu lesen war.
Inhaltlich hatte ich mir vorgestellt, dass die Augen ihn und seine GefĂŒhle verĂ€ndern. So als ob die Augen eine eigene Art hĂ€tten.
Wer weiss schon, was man wirklich sieht, was die Augen einem nur vorspielen und was ein anderer Mensch mit anderen Augen sieht, wenn er etwas betrachtet.
Vielleicht haben die Augen eines Mörders ihn Dinge gezeigt, die es fĂŒr ihn unmöglich machten, seiner Lust oder diesem Anblick zu wiederstehen. Und was pasiert, wenn diese Augen in einen neuen Körper kommen.
Ich fand gerade diesen vorher-nachher Gedanken interessant.

Warum reagiert die Umwelt anders auf ihn? Nun vielleicht, weil seine Augen nun das gewisse Etwas habe, diesen "Blick", der Offenheit und neugierieges Intesse zeigt. Und zwar unabhÀngig davon, ob der Mensch hinter den Augen wirklich so empfindet....

Da dies aber offensichtlich nicht rĂŒberkommt und ich zu schnell und zu offensichtlich zum Schluß komme, muss ich die Geschichte noch mal ĂŒberarbeiten.

Nochmal vielen Dank fĂŒr die Auseinandersetzung mit meiner Story

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