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Leselupe.de > Humor und Satire
Widerspruch
Eingestellt am 09. 12. 2007 21:44


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Rumpelsstilzchen
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Untere Bauaufsicht der Samtgemeinde
xxxxxxxx
Rathausplatz 1
xxxxx xxx...dorf


Sehr geehrte Damen und Herren!

Mit Ihrem Schreiben vom 14.10.2007, unter Bezug auf meinen Antrag vom 02.09.2007 zu Umbau und Erweiterung meiner Betriebsr├Ąume, teilten Sie mir mit, da, ausweislich der Ihnen zu Verf├╝gung stehenden Aktenlage, schon f├╝r die bestehende Nutzung keine Genehmigung Ihrer Beh├Ârde vorliegt, insoweit mit einem negativen Bescheid zu rechnen sei. Zudem fordern Sie mich unter Androhung eines Ordnungsgeldes auf, binnen vier Wochen einen Antrag auf nachtr├Ągliche Genehmigung der derzeitigen Nutzung zu stellen, andernfalls der Betrieb sofort einzustellen sei.

Hiermit lege ich f├Ârmlich Widerspruch gegen diesen Bescheid ein.

Begr├╝ndung:
Die urkundliche Erw├Ąhnung meiner Institution findet sich bereits in Aufzeichnungen aus dem 18ten Jahrhundert vor Chr..., Sie wissen schon, wen ich meine. Die Fortschreibung erfolgte damals sporadisch, ab dem ersten Buch Henoch jedoch kontinuierlich bis zur Petrusoffenbarung und dar├╝ber hinaus bis in die aktuelle Kirchenlehre. In der festen ├ťberzeugung der Rechtm├Ą├čigkeit meines Betriebes, erlaube ich mir den bescheidenen Vorschlag, ein Amtshilfeersuchen an die Biblioteca Vaticana zu stellen.

Im ├╝brigen bitte ich um z├╝gige Pr├╝fung der dort vorliegenden Dokumente und des vorliegenden Antrags auf Umbau und Erweiterung, da die anstehenden Reservierungen einen Ausbau dringend erforderlich machen

mit freundlichen Gr├╝├čen

Beliar Satanos

_________________________________

Untere Bauaufsicht der Samtgemeinde
xxxxxxxx
Rathausplatz 1
xxxxx xxx...dorf


Ihr Zeichen: 23/07-64
Bezug: Mein Antrag auf Umbau und Erweiterung vom 02.09.2007
Ihr Schreiben vom 14.10.2007
Mein Widerspruch vom 15.10.2007
Ihr Schreiben vom 14.11.2007

Sehr geehrter Herr Grimmel!

Herzlichen Dank f├╝r die relativ prompte Reaktion auf meinen Widerspruch vom 15.10.2007. Relativ, weil aus meiner pers├Ânlichen Zeitwahrnehmung ein kaum wahrzunehmender Zeitraum, jedoch f├╝r den Betriebsablauf von desolater Wirkung: inzwischen sind wir erstmalig seit Bestehen der Einrichtung zu Schichtbetrieb in der Siedeabteilung gezwungen.

Selbstverst├Ąndlich ist dies nicht als Kritik an der Arbeitsweise Ihres Hauses zu verstehen, vielmehr m├Âchte ich hiermit lediglich die Dringlichkeit der beantragten Ma├čnahmen verdeutlichen, in der sicheren ├ťberzeugung, dass Sie Ihr nach bestem Verm├Âgen Rechnung tragen werden.

Zu Ihrem Schreiben vom 14.11.2007:
Bedauerlicherweise verf├╝gen wir ├╝ber keine aktuellen Bestandspl├Ąne. Ich kann hier nur auf die einschl├Ągigen Betriebsbeschreibungen verweisen, die in den bereits genannten Aufzeichnungen enthalten sind. Diverse bildhafte Darstellungen sind leider nur sehr eingeschr├Ąnkt repr├Ąsentativ, da weniger durch Anschauung, denn durch Imagination der K├╝nstler gepr├Ągt. Hinzu kommt, dass auch wir um st├Ąndigen Fortschritt bem├╝ht sind und die Zeichen der Zeit (drohende Energieknappheit, Klimawandel etc.) wahrnehmen. Nur noch ein geringer Prozentsatz der Seelen wird derzeit mit fossilen Energietr├Ągern gesotten, die meisten unserer Eisgrotten sind inzwischen vakuumisoliert und die Schallenergie der Schmerzensschreie wird zu nahezu siebzig Prozent zur├╝ckgewonnen.

Sehr geehrter Herr Grimmel, Sie k├╝ndigen in Ihrem Schreiben einen Besichtigungstermin des Au├čenmitarbeiters Ihres Hauses f├╝r den 04.12.2007 an. Leider ist dies nicht m├Âglich, da laut Reservierungsliste der Zutritt f├╝r Ihren gesch├Ątzten Herrn Kowalczick erst am 26.02.2011 vorgesehen ist. Unsere futurologische Abteilung hat ermittelt, dass Herr Kowalczick sich zu diesem Zeitpunkt seit achtzehn Monaten im Ruhestand befinden wird und somit nicht mehr als Amtsperson t├Ątig werden kann.

Zuversichtlich, dass die Kompetenz Ihres Hauses in der Lage ist, auch ausschlie├člich an Hand der Aktenlage die beantragte Genehmigung auf Umbau und Erweiterung positiv zu bescheiden, habe ich diesem Schreiben die gew├╝nschten zus├Ątzlichen acht Ausfertigungen des bereits vorliegenden Antrages beigef├╝gt. F├╝r eine zeitnahe Weiterleitung der jeweiligen Exemplare an die entscheidungsbeteiligten Fach├Ąmter w├Ąre ich dankbar.

mit freundlichen Gr├╝├čen

Beliar Satanos


_________________________________


Untere Bauaufsicht der Samtgemeinde
xxxxxxxx
Rathausplatz 1
xxxxx xxx...dorf


Ihr Zeichen: 23/07-64
Bezug: Mein Antrag auf Umbau und Erweiterung vom 02.09.2007
Ihr Schreiben vom 14.10.2007
Mein Widerspruch vom 15.10.2007
Ihr Schreiben vom 14.11.2007
Mein Schreiben vom 15.11.2007
Ihr Schreiben vom 10.12.2007

Sehr geehrter Herr Grimmel!

Selbstverst├Ąndlich bin ich gerne bereit, den umfangreichen Fragenkatalog in Ihrem Schreiben vom 10.12.2007 ersch├Âpfend zu beantworten. Jedoch erfordert dies auf Grund der bereits fr├╝her angesprochenen Dynamik der betrieblichen Entwicklung meines Unternehmens einige innerbetriebliche Recherche, deren Ergebnisse ich Ihnen unmittelbar nach Erhalt mitteilen werde, damit Sie diese, f├╝r die Gesamtentscheidung offenbar bedeutsamen, Einzelaspekte bewerten k├Ânnen.

Ich will mich an dieser Stelle auf den Punkt 63 Ihres Schreibens beschr├Ąnken, in dem Sie nach der Anzahl der f├╝r unsere Einrichtung
a. auf eigenem Grundst├╝ck vorhandenen
b. durch Baulast auf fremden Grundst├╝ck gesicherten
c. auf ├Âffentlichem Grund abgel├Âsten
Stellpl├Ątze fragen:
wir verf├╝gen ├╝ber keine der genannten Arten von Stellpl├Ątzen, da hierf├╝r keinerlei Bedarf besteht. Insoweit beantrage ich hiermit prophylaktisch Befreiung von den Festsetzungen der Stellplatzverordnung, auf wenn unsere Hausjuristen, trotz intensiven Studiums derselben, bislang unsere Einrichtung keiner der dort aufgef├╝hrten Nutzungskategorie eindeutig zuordnen konnten. Allenfalls allgemein als Versammlungsst├Ątte lie├če unser Betrieb sich betrachten, hei├čt es in der Stellungnahme, die ich zu Ihrer Kenntnis in Kopie diesem Schreiben anf├╝ge.

Begr├╝ndung f├╝r den Antrag auf Befreiung von den Festsetzungen der Stellplatzverordnung:
Der gesamte Publikumsverkehr verl├Ąuft unidirektional. Wer einmal hier ist, bleibt. F├╝r immer. Aus diesem Grund erfolgt die 'Fahrt zur H├Âlle' grunds├Ątzlich und immer mit dem betriebseigenen Shuttleservice. Da dieser ausschlie├člich mit den gestaltimmaneten Fortbewegungsmitteln meiner Mitarbeiter betrieben wird, besteht auch kein Bedarf an stellplatzerfordernden Betriebsfahrzeugen. Ebenso wenig sind Privatfahrzeuge der Betriebsangeh├Ârigen vorhanden, zum Einen wegen der bereits erw├Ąhnten individuell vorhandenen Fortbewegungsm├Âglichkeiten (Fl├╝gel o. ├Ą.), zum Anderen, weil meine Mitarbeiter hier auch ihren Dauerwohnsitz haben. Gleichwohl will ich nicht verhehlen, dass in einer Besenkammer ein paar historische Flugger├Ąte vor sich hin stauben m├Âgen, da ich sicher davon ausgehe, dass Sie Ihre Entscheidungshoheit nicht dazu missbrauchen werden, hieraus einen Stellplatzbedarf im Sinne der Verordnung abzuleiten.

Abschlie├čend m├Âchte ich an Sie appellieren, von der Anordnung weiterer Ortsbesichtigungen abzusehen. Auch wenn Herr Kowalczick zur Unzeit und mit Dienstausweis unsere Einrichtung aufsuchte, gab es kein Zur├╝ck, was ich wegen der dadurch verursachten St├Ârungen in der QUALit├Ątsabteilung sehr bedauert habe. Insbesondere auch Sie selbst, Herr Grimmel, sollten von einer m├Âglicherweise in Betracht gezogenen pers├Ânlichen Visitation unseres Betriebes unbedingt Abstand nehmen. W├╝rde doch andernfalls Ihre zweifellos vorhandene Fachkompetenz und Ihre inzwischen profunde Kenntnis der Aktenlage zu meinem Antrag auf Umbau und Erweiterung vom 02.09.2007 f├╝r die Entscheidungsfindung Ihres Hauses verloren sein.


mit freundlichen Gr├╝├čen

Beliar Satanos

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Untere Bauaufsicht der Samtgemeinde
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Rathausplatz 1
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Ihr Zeichen: 23/07-64
Bezug: Mein Antrag auf Umbau und Erweiterung vom 02.09.2007
Ihr Schreiben vom 14.10.2007
Mein Widerspruch vom 15.10.2007
Ihr Schreiben vom 14.11.2007
Mein Schreiben vom 15.11.2007
Ihr Schreiben vom 10.12.2007
Mein Schreiben vom 11.12.2007
Ihr Schreiben vom 13.12.2007

Sehr geehrter Herr Grimmel!

Nichts liegt mir ferner, als Ihnen in die Aus├╝bung Ihrer dienstlichen Pflichten hinein zu reden oder Sie gar zu bedrohen. Meine Empfehlung, auf einen pers├Ânlichen Besichtigungstermin vorerst zu verzichten, erging ausschlie├člich aus der Besorgnis um die z├╝gige Genehmigung unseres Erweiterungsvorhabens und der daf├╝r unabdingbaren Unversehrtheit Ihrer Amtsperson.

Als Zeichen meiner Bereitschaft zur Mitwirkung (soweit es in meinen bescheidenen Kr├Ąften steht) an einer rechtssicheren Bearbeitung meines Antrags vom 02.09.2007 auf Umbau und Erweiterung unserer Einrichtung ist diesem Schreiben eine detaillierte Beschreibung der brandschutztechnisch relevanten Bauteile unseres Habitats beigef├╝gt. Diese habe ich von unserer technischen Abteilung erstellen lassen, da die Herren Schwarz und Klein der Abteilung ÔÇ×vorbeugender BrandschutzÔÇť der hiesigen Feuerwehr an der Berichterstattung bedauerlicherweise voraussichtlich dauerhaft gehindert sind. Erlauben Sie mir an dieser Stelle meinem Erstaunen ├╝ber die ├Ąu├čerst unzul├Ąngliche Ausr├╝stung beiden Oberbrandmeister auszudr├╝cken ÔÇô immerhin h├Ątte ich bei einem solchen Au├čentermin ein professionelleres Auftreten erwartet, als in dunkelblauer Dienstuniform mit drei├čigprozentigem Polyamidanteil. Es stinkt jetzt noch.

Sehr geehrter Herr Grimmel, m├Âglicherweise werden Sie in der Brandschutzbeschreibung Angaben zu Rettungswegen und Fluchtwegkennzeichung vermissen. Da es keine Rettungswege gibt, hat sich bisher eine Kennzeichnung derselben er├╝brigt. Insoweit beantrage ich vorsorglich Befreiung von den einschl├Ągigen gesetzlichen Vorgaben, unbenommen der bisher noch nicht erfolgten Zuordnung unserer Anlage zu einer definierten Nutzungsart.
Begr├╝ndung:
Fluchtm├Âglichkeiten sind mit dem Hauptbetriebszweck unserer Einrichtung unvereinbar.

Auch wider bisheriger Erfahrung hoffe ich mit unverminderter Zuversicht, dass Sie nunmehr auf die Anordnung weiterer Ortstermine verzichten. Seien Sie versichert, dass wir alle f├╝r Ihre Entscheidungsfindung erforderlichen Fakten wahrheitsgetreu und r├╝ckhaltlos dokumentieren werden; geschieht dies doch in unserem ureigenen Interesse an der h├Âchst dringlichen Erweiterung unseres Instituts. Beizeiten werden Sie sich davon pers├Ânlich ├╝berzeugen k├Ânnen.

mit freundlichen Gr├╝├čen

Beliar Satanos

__________________
Ich glaube
an das Gesetz
der kritischen Masse


Version vom 09. 12. 2007 21:44
Version vom 10. 12. 2007 21:32
Version vom 10. 12. 2007 23:45
Version vom 11. 12. 2007 22:46

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majissa
Autor mit eigener TV-Show
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Tolle Idee, m├Âcht ich mal sagen und gleich hinzuf├╝gen, dass ich als Leser gern mehr davon h├Ątte - insbesondere diverse pikante Details aus Beliar Satanos'"Betriebsr├Ąumen". Herrlich ├╝brigens, wie sein Tonfall ├╝ber die gesamte Korrespondenz hinweg so erstaunlich gelassen und friedvoll bleibt. Da wird das mulmige Gef├╝hl verst├Ąrkt, auf einer tickenden Zeitbome zu sitzen. St├Ąndig fragt man sich, wann er wohl die Nerven verliert. Sprachlich ists Lesegenuss! Inhaltlich sollte es mit der B├╝rokratie nicht ├╝bertrieben werden. Der Teil ├╝ber die Stellplatzverordnung liest sich etwas z├Ąh. Ansonsten wars herrlich.

Majissa

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