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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Wie damals
Eingestellt am 23. 04. 2009 17:03


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moersmaus
Festzeitungsschreiber
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Eine Bekannte von mir wurde k├╝rzlich von ihrem Freund verlassen. Sie schrieb in ihrer Mail: ÔÇťLiebeskummer ├Ąndert sich nie. Es ist wie damals, als ich sechzehn war und es tut genauso weh. Und wie damals sind es Freundinnen, die einem beistehen.ÔÇť
Was ich nicht wusste ist, dass man auch mit Anfang drei├čig einen Kuss wie einen ersten richtigen Kuss erleben kann, genauso wie damals...

Zun├Ąchst zweifelte ich jedoch daran, dass es ├╝berhaupt zu irgendeinem Kuss kommen w├╝rde. Ich h├Ątte fast abgewunken und mich davon gemacht, als er aus dem Auto stieg. Wenn da dieses Telefonat nicht gewesen w├Ąre. Ich kann mich nicht daran erinnern, wann ich das letzte Mal so lange mit jemandem telefoniert hatte. Es gab so viele Gemeinsamkeiten.
Er war nicht ganz so niedlich wie auf dem Bild, damit war wohl zu rechnen. Ein bisschen Verlust gibt es immer. Aber irgendwie f├╝hlte ich mich pl├Âtzlich nicht mehr wohl; nicht, dass er absto├čend war oder so, nur anders als erwartet, als ertr├Ąumt...

Wir wollten ins Kino gehen, in die Nachmittagsvorstellung. Das Kino war bei unserer Ankunft aber noch geschlossen. Also gingen wir zum Bahnhof, um eine Kleinigkeit zu essen. ÔÇ×Pommes lieber mit Mayo oder mit Ketchup?ÔÇť frage ich ihn. ÔÇ×Mit Ketchup!ÔÇť Na super, kaum ist er da, fangen die Differenzen an! Ich hatte den Eindruck, dass er seine Pommes nur deshalb mit den Fingern a├č, weil ich es tat und er mir imponieren wollte. Zudem fiel mir auf, dass er nicht viel sagte und mich fast gar nicht direkt ansah, oder nur dann, wenn ich weg schaute.
Sp├Ąter kauften wir die Karten, ein Jumbo-Getr├Ąnk mit zwei Strohhalmen und eine mittlere T├╝te Popcorn. Irgendwann sa├čen wir dann im Kinosaal, der Film fing an und alles war entspannt. Als ich zwischendurch in die Popcornt├╝te griff, fanden meine Finger zun├Ąchst seine Hand. Ich griff daran vorbei und schnappte mir zwei St├╝ckchen. Beim n├Ąchsten Mal war er auch wieder in der T├╝te und streichelte sanft meine Finger.
Die Ber├╝hrung war nur sehr kurz, doch sie fuhr mir durch Mark und Bein und endete zwischen meinen Schenkeln. Damit h├Ątte ich nicht gerechnet. Meine Hand ist eine erogene Zone ÔÇô eine verdammt erogene Zone!
Ich nahm ein St├╝ck Popcorn und steckte es ihm sanft in den Mund und lie├č ihn meine Fingerspitzen k├╝ssen. Er legte seine Hand auf meinen Oberschenkel. Mir war bewusst, dass wir geradewegs auf einen Kuss zusteuerten, aber ich z├Âgerte ihn noch ein wenig heraus. Ich liebe es, Dinge hinauszuz├Âgern, auf die ich mich freue ÔÇô wohl wissend, dass Spannung und Vorfreude oft viel sch├Âner sind als die Sache selbst.
Ich legte meine Hand auf seinen Oberschenkel und streichelte langsam hinauf zu seinem Scho├č. Voller Erstaunen stellte ich fest, dass hier schon alles bereit war f├╝r Gr├Â├čeres. Der Typ hatte mich eben kaum angesehen, fast nichts gesagt und jetzt platzt er gleich. So ist das also!
Langsam n├Ąherten sich unsere Gesichter einander an, aber anstatt mich sofort zu k├╝ssen, rieb er langsam seine Nase an meiner. Die Erinnerung an eine fast vergessene Liebe lie├č mich vertrauensvoll den Kopf zur Seite neigen und es einfach geschehen lassen.
Ich hasse dieses hektische Abgeschlecke, K├╝sse, die einem Wettbewerb gleichen, bei dem jeder so schnell und gr├╝ndlich wie m├Âglich den Mundraum des anderen inhalieren muss. Der Gedanke daran breitet sich vor jedem Kuss mit einem unbekannten K├╝sser schnell und panisch in meinem K├Ârper aus. Unsere Lippen trafen sich jedoch kurz und sanft. Und dann noch mal etwas l├Ąnger. Er war sehr weich, warm, nicht nass und schmeckte gut. Das vertraute Gef├╝hl vom Nase reiben wurde noch intensiver. Selbst als seine Zunge langsam den Weg zu meiner suchte, blieb die Situation entspannt und gelassen wie zuvor. F├╝r einen kurzen Augenblick breitete sich in mir die schmerzliche Erkenntnis aus, dass ich schon lange nicht mehr so gek├╝sst hatte. Der Spa├č an der Sache selbst und nicht der Kuss als Entree oder Gimmick zu Sex ÔÇô das hatte es seit meinem ersten Kuss nicht mehr gegeben. Ich w├╝nschte, ich k├Ânnte dieses Gef├╝hl konservieren und in Flaschen abf├╝llen. Vielleicht w├╝rde ich dann aber zu viel davon nehmen. Vielleicht w├╝rde das Besondere verloren gehen.
Vielleicht gelingt es mir jetzt aber auch selbst, dieses Gef├╝hl nicht zu vergessen. Mich nicht noch mal durch die Ereignisse des Lebens von der Erinnerung trennen zu lassen ÔÇô die Erinnerung an damals, an den ersten Kuss. Und die Erinnerung an den Kuss, der wie der allererste Kuss war.

Version vom 23. 04. 2009 17:03

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Gernot Jennerwein
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Hallo @moersmaus
(muss im google nachschaun, was moers bedeutet)

quote:
Zun├Ąchst h├Ątte ich jedoch nicht damit gerechnet, dass es ├╝berhaupt zu irgendeinem Kuss kommen w├╝rde. Ich h├Ątte fast abgewunken und mich davon gemacht, als er aus dem Auto stieg. Wenn da dieses Telefonat nicht gewesen w├Ąre. Ich kann mich nicht daran erinnern, wann ich das letzte Mal so lange mit jemandem telefoniert hatte. Und wir hatten so viele Gemeinsamkeiten.
Ich hatte ja schon damit gerechnet, dass er nicht ganz so niedlich wie auf dem Bild sein w├╝rde. Ein bisschen Verlust gibt es immer; aber irgendwie f├╝hlte ich mich pl├Âtzlich nicht mehr wohl; nicht, dass er absto├čend war oder so, nur anders als erwartet, als ertr├Ąumt...

Du siehst selber, in diesem Absatz kommt das "hatten und h├Ątten"
einfach zu oft vor. Versuche es zu reduzieren, formuliere es zum Teil auf andere Art.

Ich hab das gerne gelesen, du schreibst sehr sicher, aber etwas st├Ârt mich und zwar: Der Mann da, der ist und bleibt ein Fremder, kommt dem Leser nicht n├Ąher, er wirkt sozusagen gef├╝hlskalt. Du schreibst es eigentlich sehr gut, versuchst gelungen eine romantische Stimmung aufkommen zu lassen, nur es kommt keine W├Ąrme von diesem Mann herr├╝ber, ich sp├╝re jedenfalls nichts.
Die List w├Ąre, dass du dem Mann, im Verlauf der Geschichte, einen Vornamen gibst, das w├╝rde ihn gleich um vieles symphatischer machen.

Gru├č Gernot
(Einer, der manchmal auch romantisch sein kann)



__________________
der Sibirier

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moersmaus
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Vielen Dank...

f├╝r den netten und hilfreichen Kommentar!

@moers - Es geht nicht um die Stadt oder so sondern um Walter Moers. Ich bin schon lange in verschiedenen Literaturforen die moersmaus. Seltsamerweise hat noch nie jemand an IHN gedacht...
__________________
I keep six honest serving-men(They taught me all I knew);Their names are What and Why and When And How and Where and Who.
Rudyard Kipling

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bluefin
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hallo @moersmaus,

sch├Ân, dass es dich gibt und dass du zu uns gefunden hast. @gernot hat das meiste ja schon gesagt und du hast es z. t. ber├╝cksichtigt.

ich wei├č nicht, ob's gut w├Ąre, den typen definitiv zu beschreiben - es gen├╝gt in der tat, zu sagen, er w├Ąr nicht ganz der, den man sich eigentlich ertr├Ąumt hat. und im kino ist's eh dunkel - sch├Ân, wie du den kuss beschreibst und die ber├╝hrungen davor: gef├╝hle, nicht bilder.

was mir gar nicht gef├Ąllt, ist die billignummer mit den pommes rot-wei├č. wer, wie beschrieben, die drei├čig schon hinter sich hat, sollte auch die frittenbuden hinter sich haben - jedenfalls beim ersten date. die ketchup-mayo-nummer als qualifikationskriterium macht die sache ein wenig l├Ąppisch, find ich. sowas ist bei teenies vielleicht noch wichtig, sp├Ąter aber nicht mehr. wenn, dann sollte man entt├Ąuscht sein, dass man nur pommes kriegt, statt wenigstens eine pizza oder was noch besseres (oder so).

liebe gr├╝├če aus m├╝nchen

bluefin

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suzah
Guest
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wie damals

hallo moersmaus,

"Er war nicht ganz so niedlich wie auf dem Bild, damit war wohl zu rechnen."

du triffst dich doch nicht mit einem kleinkind, das wort "niedlich" finde ich daher nicht so passend, wenngleich pommes und popcorn darauf schlie├čen lassen, dass der junge mann wohl knapp vollj├Ąhrig ist.

liebe gr├╝├če suzah

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Gernot Jennerwein
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Hallo@suzah

Das Wort "niedlich" hat moersmaus hier sehr ├╝berlegt und gut gew├Ąhlt, denn in diesem Satz macht sie deutlich, wie sie diesem Mann ├╝berlegen ist, was f├╝r die Entwicklung der Geschichte wichtig ist, so sehe ich das.

Gru├č Gernot
__________________
der Sibirier

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