Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, müssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92255
Momentan online:
287 Gäste und 7 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzprosa
Wie das Eichhörnchen zu seinem Schweif kam
Eingestellt am 12. 05. 2001 00:08


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Willi Corsten
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Apr 2001

Werke: 87
Kommentare: 1122
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Willi Corsten eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Als Gott am sechsten Tag die Tiere und die Menschen erschaffen hatte, ließ er sich auf einen Felsen nieder und ruhte ein wenig aus. Er kramte die Pfeife aus der Tasche und stopfte eine Prise Tabak hinein. Dann holte er mit mächtiger Hand einen Blitz vom Himmel und setzte das würzige Kraut in Brand. Weil die Tabakblätter aber noch keine Zeit zum Trocknen gefunden hatten, triefte das Mundstück bald schon von übel riechendem Seiber. Der Herrgott spuckte den braunen Sud aus und überlegte, womit er den Pfeifenstiel reinigen könnte.
Von einem Zedernbaume aus hatte das Eichhörnchen neugierig das verdrießliche Treiben beobachtet. Es huschte den Stamm hinunter, näherte sich zutraulich seinem Herrn und sagte: „Bei der Schöpfung wurde mir versehendlich nur ein kurzer Stummelschwanz zugeteilt, daher mache ich Dir einen Vorschlag. Wenn du mir statt des kleinen Büschels einen schönen, bauschigen Schweif mit auf den Lebensweg gibst, putze ich Deine Pfeife, dass sie blank wird wie der junge Morgen.“
Gott Vater strich nachdenklich über seinen weißen Bart, rief den Fuchs herbei und sprach: „Im Übereifer habe ich dir mehr als genug von der prächtigen Rute gegeben, so ist es nur recht, diesem klugen Waldbewohner ein Stück davon zu schenken.“
Reinecke Fuchs war zufrieden mit der Weisung, zumal er seine liebe Mühe mit der Lunte hatte, die länger als sein Rücken war und sich wieder und wieder im Unterholz verharkte.
So holte der Herrgott das goldene Messer aus seiner Werkstatt und fuhr prüfend mit dem Daumen über die scharfe Klinge. Dann schenkte er dem Fuchs einen tiefen Schlaf, trennte eine Spanne von der Rute ab und fügte sie dem Büschel des Eichhörnchens hinzu. Dankbar nahm das possierliche Tierchen nun die Pfeife in die Hand und wienerte und putzte das Mundstück mit dem neuen Schweif, dass es eine helle Freude war.
Und als die Sonne hinter den Hügeln versank und der sechste Tag zu Ende ging, lehnte sich der Schöpfer behaglich zurück, entlockte der Pfeife wundersame Rauchkringel und schickte sie als federzarte Schäfchenwolken hinauf an das Himmelszelt.

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


flammarion
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Jan 2001

Werke: 278
Kommentare: 8208
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um flammarion eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
diese

geschichte muß ich rügen. es widerstrebt mir sehr, zu glauben, daß so etwas zauberhaftes wie der schweif eines eichhörnchens für so einen entsetzlichen dreck wie pfeifensabber hergenommen wird! außerdem verbitte ich mir, daß der herrgott raucht! wenn man damals schon was vom tabak gewußt hätte, wäre das rauchen garantiert zu den todsünden gezählt worden. ganz lieb grüßt
__________________
Old Icke

Bearbeiten/Löschen    


Willi Corsten
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Apr 2001

Werke: 87
Kommentare: 1122
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Willi Corsten eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
Liebe oldicke

Tut mir leid, dass ich mit dieser Geschichte Deine Gefühle verletzt habe. Das war wirklich nicht meine Absicht.
Andererseits folgende Überlegung: Der Text wurde in 2 Pfarrgemeindebriefen abgedruckt und etliche Male in kirchlichen Kreisen vorgetragen. Die ‚kleine Schwäche‘ unseres Herrgottes rief stets nur beifälliges Schmunzeln hervor.
Und meine Liebe zu Eichhörnchen kennst Du ja aus der Kurzgeschichte ‚Eichhörnchen Floo‘. Auch diesem Tierchen wollte ich also gewiss nichts Böses.
Liebe Grüße sendet Dir
Willi

Bearbeiten/Löschen    


flammarion
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Jan 2001

Werke: 278
Kommentare: 8208
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um flammarion eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
bei

dieser geschichte stehe ich zwischen baum und borke. natürlich ist sie mit deinem köstlichen humor geschrieben und ich habe auch geschmunzelt. ich kann mir auch gut vorstellen, daß die geschichte selbst pfarrern gefällt (vor allem, wenn sie selber raucher sind). da wird einfach mal nicht daran gedacht, wann der tabak zu uns nach europa kam. wenn der herrgott nämlich tatsächlich raucht, dann müssen wir ihn ab sofort mit "Manitou" anreden. ganz lieb grüßt
__________________
Old Icke

Bearbeiten/Löschen    


Willi Corsten
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Apr 2001

Werke: 87
Kommentare: 1122
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Willi Corsten eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
Hallo oldicke

einfach köstlich, Dein 'Manitou'.
Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich auch ab und an ein Pfeifchen rauche. Ist neben dem Schreiben aber das einzige Laster, dem ich fröhne.
Ganz liebe Grüße
Willi

Bearbeiten/Löschen    


leonie
Guest
Registriert: Not Yet

hallo willi

Mir gefallen deine Geschichten einfach, so auch diese.
Naja, ich denke das auch der Herrgott so seine Schächen hat und das er selber über dieses Märchen geschmunzelt hätte.
liebe grrüße leonie

Bearbeiten/Löschen    


Zurück zu:  Kurzprosa Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!