Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, mĂŒssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92248
Momentan online:
303 Gäste und 17 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzgeschichten
Wie das Leben so spielt
Eingestellt am 10. 09. 2010 23:04


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Otto Lenk
Routinierter Autor
Registriert: Nov 2001

Werke: 620
Kommentare: 3361
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Otto Lenk eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Bei uns hat sich vor einiger Zeit ein Biber eingenistet 
 besser gesagt ‚eingedammt‘. Er sagt, er kĂ€me aus dem nahen Kanada, doch schmecke ihm das Holz dort nicht mehr, in Kanada, drum sei er da. Ich hĂ€tte nichts dagegen eigentlich, wĂ€re da nicht eben jenes ‚eigentlich‘, wirft es doch ein ganz anderes Licht auf die Geschichte. Und das scheint so:

Bei uns hat sich vor einiger Zeit ein Biber eingenistet 
 besser gesagt ‚eingedammt‘. Und dieser Damm lĂ€uft quer durch unsere Badewanne, den Flur, in die KĂŒche hinein, um dort im SpĂŒlbecken zu enden. Der Biber meint, das alles hĂ€tte seine Ordnung, mĂŒsse so sein. Aber fĂŒr uns bleibt dabei natĂŒrlich einiges auf der Strecke, auf eben jener Strecke, die jetzt mit Holz gefĂŒllt. Wollte man die Strecke nĂ€her benennen, fielen da einem Dinge wie baden, duschen, abwaschen, HaustĂŒr öffnen und Ă€hnliches ein. FrĂŒge man den Biber, wĂŒrde er meinen, dafĂŒr gĂ€be es jetzt Holzberge zu besteigen, das Haus aus dem Fenster verlassen und Ă€hnliches. Ich könnte dann einwenden, dass unser Carport jetzt keine Überdachung mehr habe, geschweige denn einen Carport, und ich mittlerweile merkwĂŒrdige GerĂ€usche aus dem Dachstuhl vernĂ€hme. Er wĂŒrde mit ‚schau mal im Internet unter ‚Biber und Naturschutz‘ nach‘ kontern und mir etwas von Biberrechten erzĂ€hlen. Den europĂ€ischen Gerichtshof möchte ich in diesem Zusammenhang gar nicht erwĂ€hnen. Die Tage sagte ich ihm, dass dies doch keine ZustĂ€nde seien. Dieses bejahte er. Er wisse, meinte der Biber, von keinem seiner Artgenossen, der unter einem solchen Wassermangel leiden mĂŒsse. Meine Entgegnung, dass wir nur noch mit kniehohen Gummistiefeln durchs Haus waten könnten, ließ er nicht gelten. Dies liege nun einmal in der Natur der Dinge, meinte er. Außerdem solle ich nicht vergessen, dass wir durch sein DaSein jetzt immer genĂŒgend Anmachholz fĂŒr unseren Ofen hĂ€tten. Ich antwortete ihm, dass der Ofen unter Wasser stĂŒnde, worauf er meinte, ich solle nicht so kleinlich seinund die Dinge im grĂ¶ĂŸeren Rahmen sehen. Meinen Einwand, dass es im ganzen Haus keinen einzigen Bilderrahmen mehr gĂ€be, wischte er mit einem Schwanzpatscher beiseite. Wir, meine Familie und ich, sind nervlich ein wenig angegriffen. Auch riechen wir nicht mehr ganz frisch, trotz all dem Wasser im Haus. Ängste machen sich breit, handelt es sich bei unserem Haus doch um ein Fachwerkhaus. Wir vermeiden es, ihm, den Biber, dies, durch unsere Angst, spĂŒren zu lassen. Aber der Junge ist gewieft. Er kann in unseren Augen lesen. Außerdem riecht er Holz auf
1000 Kilometer Entfernung. Vor zwei Tagen erwischte ich ihn dabei, wie er an der Wand roch. Seitdem haben wir Schichtdienst. Einer von der Familie ist immer in des Bibers NÀhe. Ablenkung ist angesagt. Immer, wenn der Kerl anfÀngt, unsere WÀnde zu beschnuppern, lenken wir ihn mit
einem StĂŒck Anmachholz aus dem Supermarkt ab. ‚Schau mal, was ich hier habe‘! und schwupp, ab in den Bau damit. Ein zweites Familienmitglied wischt. Einer von uns kann sechs Stunden schlafen. Gut, es gibt Konflikte auf der Arbeit, hat die KonzentrationsfĂ€higkeit doch merklich nachgelassen, aber wir bemĂŒhen uns. Der Naturschutzbund hat uns Hilfe zugesagt. Unser Haus soll das erste Haus werden, das unter Natur- und Denkmalschutz steht, ob der Einmaligkeit der/des Bewohners. Man sagte uns zu, dass der Wasserstand die 40cm Marke nicht ĂŒbertrĂ€fe, man wolle dies mit Einsatz von Pumpen erreichen. Wir mĂŒssten uns diesbezĂŒglich keine Sorgen machen. Es gĂ€be schon Pumpen, die in einem ertrĂ€glichen LĂ€rmpegel lĂ€gen. Auch wĂŒrde man uns mit Holz versorgen, falls das vor Ort nicht reiche. NatĂŒrlich mĂŒssten wir in Kauf nehmen, dass eine wöchentliche Kontrolle stattfĂ€nde. Man mĂŒsse sich ja vergewissern, dass es unserem putzigen Mitbewohner gut ginge. Einen Raum im ersten Stock hĂ€tte man auch gerne, da ein Mitglied des Naturschutzbundes wohl immer wieder einmal zwecks Forschungsarbeiten fĂŒr einige Zeit unsere Gastfreundschaft in Anspruch nehmen mĂŒsse. Auch wolle man es Schulklassen ermöglichen, einen Biber so nahe erleben zu können. Dies sei doch bestimmt in unserem Sinne, lĂ€ge uns die Zukunft unserer Kinder doch bestimmt am Herzen, meinte man. Wir sagen nur noch ja. Sind von einem Nicksyndrom befallen. Die Pillen und Therapiestunden helfen dabei und auch bei der BewĂ€ltigung unserer Ängste, der AlptrĂ€ume, die uns bisweilen verfolgen. Auf meine Bitte hin hat unser Therapeut einige GesprĂ€che mit Biber gefĂŒhrt, die zur Folge hatten, dass Biber uns nun tĂ€glich einige Zahnstocher auf die Treppe legt. Dies sei sein von Herzen kommendes Zeichen des guten Willens, ein Entgegenkommen seinerseits, obwohl wir ihm, dem Biber, meist mit griesgrĂ€mischem Gesicht entgegentreten wĂŒrden, was einem gutem Auskommen mit uns nicht gerade zutrĂ€glich wĂ€re. In diesem Zusammenhang ließ er es sich nicht nehmen, die positiven Schwingungen der Mitarbeiter des Naturschutzbundes und der Schulklassenkinder zu erwĂ€hnen und zu loben, die es ihm, dem Biber, erleichterten, in dieser schwierigen Umgebung zu leben. Trotz der Tabletten hegen meine Familie und ich MordplĂ€ne gegenĂŒber dem Biber, den Mitarbeitern des Naturschutzbundes und ja 
 auch gegenĂŒber den
Schulklassenkindern. Einerseits arbeiten wir an PlĂ€nen, die eine Vergiftung der oben erwĂ€hnten Kreaturen vorsehen, anderseits erwĂ€gen wir ernstlich die Sprengung des Hauses, mit uns drinnen. Wir stellen uns vor, dies in jenem Augenblick zu tun, wenn der naturwissenschaftliche Mitarbeiter des Naturschutzbundes den Schulkindern vom Leben des Biber erzĂ€hlt, welcher in diesem Augenblick auf seinem Bau sitzt, dĂ€mlich lĂ€chelt und dabei ist, unsere Zahnstocher zu fertigen. Genau in diesem Moment wollen wir die Bombe zĂŒnden. Wir wollen fĂŒr den Bruchteil einer Sekunde sehen und genießen, wie dem verdutzten Biber der fast fertiggestellte Zahnstocher durch die Wucht der Detonation durchs Maul fliegt und ihn, den Biber, an seinem schönen Hals wieder verlĂ€sst. Wir trĂ€umen von diesem Augenblick, der ein gewisses ‚UPPSSS‘, bei herausquellenden AugĂ€pfeln, in den Pupillen des Bibers haben wird.
Es ist soweit. Wir haben es durch eine Ablenkungsaktion meines Sohnes geschafft, die Bombe im Bau des idiotischen, von Herzen gehassten und verachteten Bibers zu platzieren. Die Schulklasse ist da, der Volltrottel vom Naturschutzbund bla-blat vor sich hin, und Biber sitzt auf seinem Bau, mit dem Zeichen seines guten Willens im Maul. Der Wecker ist der ZĂŒnder. Er wird zur vollen Stunde lĂ€uten. Nur noch wenige Augenblicke. Ich blicke wissend und lĂ€chelnd in die Augen meiner Lieben. Auch sie lĂ€cheln. In diesem Moment klingelt der Wecker, ich werde schweißgebadet wach, warte auf das GerĂ€usch der Explosion
doch nichts passiert.
Nur ein Traum, denke ich, ziehe meine Gummistiefel an, und gehe einem neuen Tag entgegen.

__________________
Der Kopf denkt weiter als man denkt.

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Retep
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Jun 2008

Werke: 41
Kommentare: 607
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Retep eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Morgen Otto,

deine Geschichte hat mich sehr amĂŒsiert, mit Humor und Ironie geschrieben.

Zum Text:

quote:
Und das scheint so
- anders formulieren ?

quote:
das alles habe seine Ordnung
?

quote:
die jetzt mit Holz gefĂŒllt ist

quote:
da einem Dinge wie Baden, Duschen, Abwaschen,HaustĂŒr öffnen und Ähnliches ein

quote:
das Haus aus dem Fenster zu verlassen und Ähnliches.

quote:
Wir vermeiden es, ihm, dem Biber, dies (kein Komma) durch unsere Angst, spĂŒren zu lassen.

quote:
Nur ein Traum, denke ich, ziehe meine Gummistiefel an, und gehe einem neuen Tag entgegen.
- Der Schluss gefÀllt mir, wegen der Gummistiefel nehme ich an, dass der Biber tatsÀchlich da ist, der Traum nur die geplante Explosion ist.

Sehr gerne gelesen und TrÀnen gelacht!

Gruß

Retep



__________________
>Die Kritiker nehmen eine Kartoffel, schneiden sie zurecht, bis sie die Form einer Birne haben, dann beißen sie hinein und sagen: „Schmeckt gar nicht wie Birne.“< (Max Frisch)

Bearbeiten/Löschen    


Ralf Langer
Routinierter Autor
Registriert: Sep 2009

Werke: 304
Kommentare: 2919
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Ralf Langer eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

hallo
eine schoene sehr unterhaltsame geschichte ueber menschen und biber
mir gefaellt dein fluessiger stil
und hier vor allem wie sehr es dir gelingt den phamtastischen ansatz als normal hinzunehmen.

es waere eine nette idee diese familie mal bei den bibers einziehen zu lassen
um herauszufinden wie wohl die biber
dann empfaenden

aber das ist wohl eine andere geschichte
lg
ralf
__________________
RL

Bearbeiten/Löschen    


3 ausgeblendete Kommentare sind nur fĂŒr Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
ZurĂŒck zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!