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Leselupe.de > Kindergeschichten
Wie die Maus Kassandra zu ihrem Namen kam
Eingestellt am 11. 02. 2005 10:36


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MĂ€rchentante
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Wie die Maus Kassandra zu ihrem Namen kam. Eine Überarbeitung

AllmĂ€hlich neigte der Sommer sich seinem Ende zu. Die Felder waren abgeerntet und das Laub der BĂ€ume fĂ€rbte sich bunt. Die ersten Singvögel sammelten sich um in den warmen SĂŒden aufzubrechen. Die Störche waren schon dorthin unterwegs, und in der Nacht hörte man die WildgĂ€nse rufen. Mild schien tagsĂŒber die Sonne vom blauen Himmel. Des nachts wurde es schon empfindlich kĂŒhl. FrĂŒhmorgens waren Wiesen, BĂ€ume und StrĂ€ucher von Raureif ĂŒberzogen. Viele kunstvoll gewebte Spinnennetze zierten die StrĂ€ucher. Sie glitzerten in der Morgensonne wie aneinandergereihte Diamanten. Viele Tiere in Wald und Feld fingen an sich VorrĂ€te fĂŒr den langen Winter zuzulegen. So auch eine Feldmausfamilie.
Alle mussten mit anfassen denn so eine MĂ€usefamilie war groß. Der Winter konnte bitterkalt und sehr lang werden, vor allem, wenn es nicht genug zu essen gab. Selbst die Kleinsten waren fleißig, obschon ihnen das Spielen und Umhertollen natĂŒrlich besser gefiel. „Ihr habt im Winter noch genug Zeit zum Spielen,“ sagte die Mutter mahnend, „die VorrĂ€te sind fĂŒr uns alle ĂŒberlebenswichtig.“ UnermĂŒdlich sammelten sie Körner, NĂŒsse und SĂ€mereien fĂŒr ihre Vorratskammern tief unten in der Erde.

Am Abend wenn die Arbeit getan war, saß die Familie zusammen und machte es sich gemĂŒtlich. StĂŒrmte es draußen mal richtig wurde es besonders kuschelig in ihrem Bau. Dies war heute so ein Abend. Schon morgens sah man, dass das Wetter umschlagen wĂŒrde. Die Sonne ließ sich kaum blicken. Es wurde zusehends grauer, und Wolkenfetzen jagten ĂŒber den Himmel. Jetzt hatte zu regnen begonnen. Sie hörten das Prasseln bis hinunter in den Bau. Heulend pfiff der Wind durch das GestrĂŒpp in ihrem Knick Ungeduldig warteten die MĂ€usekinder auf ihre Großmutter. Wo blieb sie nur? Sie war die einzige die an diesem Abend noch fehlte. Die Kleinen liebten sie ĂŒber alles. Sie war nicht nur eine liebe Oma, sondern konnte auch wunderbare Geschichten erzĂ€hlen. Nie ließ sie sich lange von den Kindern bitten, und auch die Erwachsenen hörten ihr gern zu.
Plötzlich hörten sie ein GerĂ€usch im Gang. Das musste sie sein. TatsĂ€chlich, aber wie sah sie aus? Pitschnass und abgehetzt stand die Großmutter vor ihnen. Alle wollten sofort wissen was passiert war. „Mann Leute,“ begann diese völlig außer Atem zu erzĂ€hlen, „bin ich vielleicht geflitzt. Habe auf dem Weg nach Hause einige Leckereien fĂŒr unsere Vorratskammern aufgestöbert, als es anfing zu regnen. Plötzlich lief ich einem unserer Ă€rgsten Feinde, einer elenden Katze, fast in die Arme. Dieses Biest hat mich fast erwischt. Ich musste einen Umweg laufen damit sie nicht herausbekommt wo wir wohnen.“ Sie schĂŒttelte ihr Fell, dass die Wassertropfen nur so flogen und setzte sich in die Mitte der Familie, die sich von dem anfĂ€nglichen Schrecken wieder erholt hatte. „Dann hast du ja ein richtiges Abenteuer erlebt,“ rief eine der kleinen MĂ€use. „Das stimmt,“ sagte die Großmutter, „doch habe ich euch schon mal von dem grĂ¶ĂŸten Abenteuer meines Lebens erzĂ€hlt?“ Und wĂ€hrend sie mit der Geschichte anfing wurde es ganz still. Groß und Klein hingen wie gebannt an ihren Lippen.

„Vor langer Zeit, eure Eltern waren ungefĂ€hr so alt wie ihr heute, da hat sich etwas ungeheures ereignet. Ich erlebte etwas von dem noch lange gesprochen werden sollte.
Alle Mitglieder unserer Familie waren den ganzen Sommer ĂŒber damit beschĂ€ftigt VorrĂ€te zu sammeln. Ihr wisst wie viel Arbeit das bedeutet wenn die Familie so groß ist wie unsere. Alle wollen tĂ€glich satt werden. Ist der Winter lang und streng, kann es mit dem Essen manchmal ganz schön knapp werden. Wie soll man in dieser eisigen Zeit an Nahrung kommen, in der hartgefrorenen Erde wĂ€chst ja nichts.
Eines Tages, der Winter wollte einfach kein Ende nehmen, tagte der Familienrat. Die Kontrolle der VorrĂ€te hatte ergeben, dass sie nicht mehr allzu lange reichen wĂŒrden. Eigentlich hĂ€tte der FrĂŒhling schon seinen Einzug halten mĂŒssen, aber er schien sich in diesem Jahr Zeit zu lassen. Zwar strahlte die Sonne am Tage manchmal recht warm vom Himmel, aber die NĂ€chte waren bitterkalt. Es fror wirklich schlimm, das könnt ihr mir glauben. FĂŒr eine kurze Zeit waren die Mahlzeiten noch gesichert, aber sollte das Winterwetter andauern kĂ€me eine Hungersnot auf uns zu.
Plötzlich erinnerte ich mich an ein Menschenhaus in unserer NĂ€he. Zu diesem Haus gehörte ein großer Garten, in dem ein Vogelhaus stand. Dort wurden den ganzen Winter ĂŒber die Vögel versorgt, die nicht im Herbst in den SĂŒden zogen. Schon oft hatte ich das beobachten können wenn ich an klaren Tagen gelegentlich um den Bau lief um zu sehen, wie weit es mit dem FrĂŒhling war. Da die Menschen tĂ€glich das Futterhaus auffĂŒllten, mussten sie irgendwo einen Vorrat angelegt haben. Einmal wagte ich mich aus meinem sicheren Versteck und rannte so schnell ich konnte zum Futterplatz. Kamen die Vögel um sich die Nahrung zu holen, ging es meist hoch her. Dadurch fiel manch Leckeres auf den Boden und wartete nur darauf eingesammelt zu werden. Köstlichkeiten wieSonnenblumenkerne, mit Fett umhĂŒllte NĂŒsse und derlei mehr lagen unter dem Vogelhaus. Haben die ein Leben dachte ich, tun nichts, legen keine VorrĂ€te an und werden so köstlich verpflegt.
Schnell nahm ich so viel ich tragen konnte auf und rannte wieder zurĂŒck. Unterwegs musste ich mich vor den Katzen der Nachbarschaft in acht nehmen die stĂ€ndig irgendwo herumlungerten.

Unsere Leute staunten nicht schlecht als ich ihnen meine SchĂ€tze zeigte. Jeder durfte mal davon kosten. Ja, wenn wir mehr davon haben könnten wĂ€ren wir gerettet. Nun galt es herauszufinden wo die Menschen das Vogelfutter lagerten. Da ich den Weg zu ihrem Haus bereits kannte, meldete ich mich freiwillig fĂŒr diese Aufgabe. Nach der Morgenmahlzeit machte ich mich auf. Vorsichtig lugte ich um alle Ecken und hielt Ausschau nach unseren Feinden. Auch den Himmel suchte ich mit den Augen ab. Außer den Katzen gab es nĂ€mlich noch andere die uns gefĂ€hrlich werden konnten. Manch eine von uns ist schon in einem unvorsichtigen Moment von einem Raubvogel in den MĂ€usehimmel befördert worden. Der bitterkalte Wind zerzauste mein Fell. Ich hatte das GefĂŒhlt als wĂŒrden meine Pfoten am Boden festfrieren. Jetzt bloß die VorrĂ€te finden und schnell zurĂŒck ins warme Heim. Ich raste los.

Jede Ecke auf dem GrundstĂŒck nahm ich genau unter die Lupe. Nichts! Niedergeschlagen und traurig wollte ich aufgeben, als mein Blick auf einen kleinen Schuppen neben dem Haus fiel. Eilig lief ich hinĂŒber in der Hoffnung dort fĂŒndig zu werden. Plötzlich hörte ich Schritte nĂ€her kommen. Oh je, was nun? Schnell versteckte ich mich unter einem Holzstoß. Einer der Menschen kam direkt auf mich zu. Mir stockte der Atem. Mein MĂ€usefell strĂ€ubte sich vor Angst. Ausgerechnet neben mir blieb er stehen. Autsch! Ein heftiger Schmerz durchzuckte mich. Ich hielt mir mein MĂ€ulchen zu um nicht laut aufzuschreien. Dieser Mensch stand doch tatsĂ€chlich auf meinem Schwanz! Unvorsichtigerweise hatte ich vergessen ihn unter das Holz zu ziehen. Nun drehte sich der Zweibeiner zu einem der Regale um. Er nahm einen Eimer und eine kleine Schaufel herunter. Dann verließ er den Schuppen in Richtung Vogelhaus. Ich atmete erleichtert auf. Gott sei Dank war mein Schwanz nicht allzu sehr in Mitleidenschaft gezogen worden. Ganz allmĂ€hlich verzog sich auch der Schmerz. Von meinem Versteck aus konnte ich sehen, wie der Mensch das Futter fĂŒr die Vögel ausstreute. Ich jubelte. In diesem Eimer waren also die Leckereien. Wir wĂŒrden uns hier morgen unseren Nachschub holen. Vorher aber musste ich noch einen Weg finden, um auf das Regal und in den Eimer gelangen zu können. Das dĂŒrfte nicht allzu schwer sein. Ich hatte auch schon eine Idee. Man mĂŒsste sich an den Regalen hoch hangeln, ĂŒber die vielen Dinge die dort ĂŒberall herumliegen springen und auf die Schaufel klettern. Von dort aus ist es dann nur noch ein kleiner Sprung bis auf den Eimerrand. Warum sollte es nicht klappen? Schließlich sind wir MĂ€use nicht nur schlau, sondern auch flink und gelenkig. Nachdem Eimer und Schaufel wieder im Regal standen, verhielt ich mich noch eine Weile mucksmĂ€uschenstill. Erst als ich nichts mehr von dem Menschen hörte traute ich mich aus meinem Versteck. Sofort machte ich mich an die Arbeit.

Ich muss schon sagen, so einfach war das dann doch nicht. Ein paar mal wĂ€re ich fast abgestĂŒrzt. Endlich schaffte ich es bis auf den Schaufelstiel. Von dort sprang ich auf den Rand des Eimers und oh Schreck, er war leer Leute, leer, leer! Vor Aufregung verlor ich mein Gleichgewicht und fiel hinein. Schnell versuchte ich herauszuklettern. An den glatten WĂ€nden fand ich keinen Halt. Immer wieder rutschte ich ab und fiel auf den Boden zurĂŒck. Was nun? Was sollte aus mir werden? War nun alles aus? Bange Gedanken kreisten in meinem Kopf. Halb wahnsinnig vor Angst kauerte ich in diesem Eimer. Ich hatte weder Essen noch Trinken, es war fĂŒrchterlich kalt und nirgends konnte ich mich vor Feinden in Sicherheit bringen. Da hatte ich mir ja was schönes eingebrockt.

Mittlerweile wurde es immer kĂ€lter, der Abend nahte. Bibbernd kauerte ich mich zusammen. Ich fror erbĂ€rmlich und der Hunger machte mich ganz elend. Auch das noch! Zu meinem Entsetzen hörte ich ein GerĂ€usch in dem Schuppen. Da schlich doch wer herum! Eine Dose fiel mit einem Poltern aus dem Regal auf den Holzhaufen. Ich erstarrte. Wenn es nun eine von diesen gierigen Katzen ist? Im Stillen schloss ich mit meinem Leben ab. Aus dieser Lage gab es fĂŒr mich kein Entrinnen mehr. Hin war ich so oder so. Ob ich nun elendig verhungern und erfrieren, oder eine Mahlzeit fĂŒr eine Katze werden wĂŒrde. Diesen Platz verlasse ich sicher nicht mehr lebend dachte ich verzweifelt. Nach einer Weile jedoch wurde es zu meiner großen Erleichterung wieder still um mich herum. GlĂŒck gehabt! Draußen war es jetzt fast dunkel. Letztes Vogelgezwitscher verstummte. Quakend hĂŒpfte ein Frosch irgendwo unter mir umher. Die KĂ€lte kroch unbarmherzig in mir hoch. Ich konnte meine Glieder kaum noch bewegen. Im Laufe der Nacht verlor ich irgendwann das Bewusstsein.

Wie aus weiter Ferne hörte ich plötzlich aufgeregte Stimmen. Noch ganz benommen dachte ich, lebe ich oder bin ich schon im Himmel? Ich spĂŒrte wie man mich hin und her schĂŒttelte. Es gelang mir nicht mich zu bewegen. Jemand sagte: „Schau mal die arme kleine Maus, sie ist verhungert. HĂ€tten wir den Eimer doch gestern schon wieder aufgefĂŒllt.“ Eine andere Stimme sagte hastig: „Schnell ins Haus mit ihr vielleicht ist sie noch zu retten. Sie braucht dringend WĂ€rme und etwas Essbares, das arme Ding.“ AllmĂ€hlich kam ich zu mir. Vorsichtig öffnete ich meine Augen. Ich sah den Menschenmann und seine Frau die mir das Leben retten wollten. Aber warum nur? Meine Angst war sehr groß. Das war alles so seltsam. Die meisten Menschen fĂŒrchteten sich vor uns MĂ€usen. Dies ist mir unbegreiflich, denn wir tun ihnen nichts zuleide und sind froh, wenn sie uns nichts antun.
Vor allem die Menschenfrauen reagieren hysterisch. Kreischend springen sie auf StĂŒhle sobald sie eine von uns nur von weitem sehen. Sogar mit Schlappen schlĂ€gt man nach uns und ĂŒberall stellt man raffiniert gefĂŒllte Fallen auf. Selbst die Katzen werden von ihnen gehalten damit sie uns zu fangen.
Doch in diesem Moment war mir alles egal denn ich merkte wie wohlige WĂ€rme mich umhĂŒllte. Sie hatten mich in einen BehĂ€lter mit duftendem Heu gesetzt. Haferflocken standen dort in einem SchĂŒsselchen als erste Mahlzeit bereit. Auch ein wenig frisches Wasser stand daneben. Aber dann kam der nĂ€chste Schreck. Ein Riese von Hund stand vor meiner Bleibe. Neugierig starrte er mich an. Beinahe blieb mir ein Haferflocke im Halse stecken. Du meine GĂŒte! Soviel Aufregung fĂŒr eine einzige kleine Maus, das konnte ich kaum noch verkraften. Sofort kroch ich tief ins Heu. Die Menschen stellten mich nun so hoch, dass ich fĂŒr diesen Riesen unerreichbar war. „Wie niedlich sie ist,“ hörte ich sie sagen, „diese Öhrchen und die lustigen KullerĂ€ugelein und das lange SchwĂ€nzchen. Gleich nach dem Essen fahren wir in die Stadt. Dort kaufen ihr ein Haus in dem sie sich wohl fĂŒhlt. Sie soll es gut bei uns haben. Einen Namen bekommt die Maus auch, das muss sein.“
Was die wohl mit mir vorhaben, dachte ich. Es war ja schön das sie mich gerettet haben, aber warum ließen sie mich jetzt nicht einfach wieder laufen? Wollten sie mich etwa auf ewig hier einsperren? Dieser furchtbare Gedanke löste Entsetzen in mir aus. Traurig saß ich unter dem Heu und harrte der Dinge die da noch kommen sollten. Erschöpft von den Strapazen der vergangenen Nacht fiel ich endlich in einen tiefen Schlaf.

Der wurde allerdings sehr unsanft unterbrochen, als sich auf einmal meine Unterkunft bewegte. Die Menschenfrau rief: „Hallo kleines MĂ€uschen. Schau mal, du hast jetzt ein schönes großes Haus.“, und schon plumpste ich mitsamt dem Heu in meine neue Umgebung. „Es ist so groß“, rief sie weiter, „dass du auch darin springen und nach Herzenslust toben kannst. Wir stellen es ans Fenster damit du viel Sonnenschein hast. Ach ja, wir nennen dich ĂŒbrigens Kassandra. Das ist ein wirklich hĂŒbscher Name fĂŒr so eine niedliche Maus.“
So, nun hatte ich also meinen Namen weg: Kassandra. Eine Maus die Kassandra heißt! Auf so etwas können auch nur die Menschen kommen. FĂŒr alles und jeden haben sie einen Namen.
Die beiden meinten es wirklich gut mit mir. Es fehlte mir an nichts und mein Fensterplatz war erste Klasse. Nur das sie mich jedes Mal wenn sie Besuch von anderen Menschen bekamen zeigen mussten, ging mir gehörig auf den Wecker. Schließlich war ich doch kein AusstellungsstĂŒck.

AllmĂ€hlich fasste ich immer mehr Zutrauen zu ihnen. Kamen sie dicht an mein Heim heran, lief ich zu ihrem EntzĂŒcken auf sie zu. Vorsichtig ließ ich mich streicheln. Ich muss schon sagen, das war ein nettes GefĂŒhl. Eigentlich hĂ€tte ich zufrieden sein mĂŒssen, doch das alles machte mich nicht glĂŒcklich. Wenn die Sonne in mein Haus schien kam ich fast um vor Heimweh. Des Abends konnte ich oft vor Sorgen um die Familie nicht einschlafen. Wie mochte es ihnen ergehen? Hatten sie alle genĂŒgend zu essen? Suchten sie noch nach mir, oder fingen sie an mich zu vergessen? Fragen ĂŒber Fragen. So manche Nacht weinte ich mir meinen Kummer von der Seele.

Nun war ich schon eine ganze Weile bei den Menschen. Die ersten Singvögel waren wieder zurĂŒck und die Sonne bekam mit jedem Tag mehr Kraft. Öfter sah ich jetzt auch bunte Schmetterlinge ĂŒber die duftende FrĂŒhlingswiese flattern. Die Bienen flogen summend von Blume zu Blume. Die Natur erwachte zu neuem Leben.
Eines Morgens veranstaltete ich das Theater meines Lebens. Mich ergriff eine solche Unruhe, dass ich wie wild in meinem Haus herumsprang. Ich tobte, turnte an den Gittern herum und stieß die SchĂŒssel mit meinem Essen um. Ich musste hier unbedingt raus. Viel zu lange hatte man mich eingesperrt! „Was Kassandra nur heute hat?“, fragte die Menschenfrau erstaunt. „Ob sie sich freut weil der FrĂŒhling endlich seinen Einzug hĂ€lt?“ So ein Blödsinn! Ich wollte meine Freiheit nichts anderes. Eine Maus gehört in die Natur und nicht in ein Gehege, wo man stĂ€ndig begafft wird! Außerdem brachte mich mein Heimweh fast um.


„Ich glaube sie möchte frei sein.“, meinte ihr Mann. „Sie hat sich gut bei uns erholt. Sicher will sie wieder zu ihrer Familie, wir sollten sie laufen lassen.“ Oh ja, er hatte es richtig erkannt. Hoffentlich taten sie es auch, und das möglichst schnell. Mein Herz zersprang fast vor Aufregung. „Meinst du wirklich?“, fragte die Menschenfrau. Ihre Stimme klang traurig. „Ich hatte mich schon so an sie gewöhnt. Doch ich glaube du hast recht. Wir wollen sie nicht unnötig quĂ€len. Gleich lassen wir sie im Garten laufen.“ Jetzt ging es also los. Vor Übermut war ich kaum noch zu bremsen. Sie stellten mein Haus auf die Wiese und öffneten das TĂŒrchen.
Das war ein GefĂŒhl kann ich euch sagen! Mit einem Satz war ich draußen. Dankbar drehte mich noch einmal nach ihnen um, schließlich retteten sie mich aus höchster Not. Sie riefen mir hinterher zu: „Mach’s gut kleine Kassandra, pass gut auf dich auf. Sollte es dir im nĂ€chsten Winter wieder schlecht ergehen, kannst du zu uns zurĂŒckkommen.“ Dann rannte ich so schnell ich nur konnte zu unserem Bau.

Als ich endlich wieder zu Hause ankam war die Freude groß. Lange hatte die ganze Familie nach mir gesucht und dachte ich sei umgekommen. Zum GlĂŒck fanden sie in der Zwischenzeit ebenfalls den Futterplatz der Vögel. Dank der heruntergefallenen Körner konnten alle den harten Winter ĂŒberstehen.
Das also war die Geschichte meines grĂ¶ĂŸten Abenteuers Kinder und nun, marsch ins Bett, es ist sehr spĂ€t geworden.
Atemlos hatten sie zugehört. „Oh, jetzt wissen wir auch warum die Erwachsenen dich manchmal Kassandra nennen“, rief eine der kleinen MĂ€use. „Diese Geschichte war die spannendste die du uns jemals erzĂ€hlt hast.“, sagte eine andere. „Ja, und sie ist wahr, vom Anfang bis zum glĂŒcklichen Ende“, lachte die Großmutter.

Unterdessen war die Nacht hereingebrochen. Hin und wieder funkelte ein Stern durch die Wolken und der Mond lugte auf die Erde. Still und friedlich war es ĂŒberall. Die kleinen MĂ€usekinder trĂ€umten in ihrem Nest von dem Abenteuer ihrer Großmutter. Bald bricht ein neuer Tag an. Er wird viel Arbeit und MĂŒhen fĂŒr sie alle mit sich bringen, aber ebenso auch Freude und Spaß. Und wer weiß, vielleicht ein neues, großes Abenteuer.



Dagmar Buschhauer



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Barbarella
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Hallo Dagmar,

eine wunderschöne Geschichte, die Du da geschrieben hast . Man kann sich alles bildhaft vorstellen, die Vögel in ihrem Futterhaus, wie alle VorrĂ€te herantragen, von der KĂ€lte vielleicht schon rote NĂ€schen haben, wie hoch die Eimer"mauern" erscheinen mĂŒssen und vieles mehr. WĂ€re ich eine Bilderbuchzeichnerin, wĂŒrde ich es gerne umsetzen .

Ich freue mich auf Deine nĂ€chste Kindergeschichte (und wenn Du sie als Fortsetzungsgeschichte ... also in HĂ€ppchen ... veröffentlichst, erhöht das sicher noch die Spannung *miau* - aber das ĂŒberlasse ich natĂŒrlich Dir ).

Viele GrĂŒĂŸe von
Barbarella

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