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Leselupe.de > Kindergeschichten
Wie die Pilze zu ihren Hüten kamen
Eingestellt am 09. 07. 2002 09:21


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Frieda
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Wie die Pilze zu ihren Hüten kamen

Wißt ihr, wie die Pilze zu ihren Hüten kamen? Oder warum der leuchtend rote Hut des Fliegenpilzes weiße Flecken hat? Oder warum der Kartoffelbovist statt eines Hutes einen Kartoffelsack trägt? Nein? Dann hört mal zu, das war so: Früher hatten die Pilze noch keine Hüte, so wie wir sie kennen. Sie standen mit ihren braunen, weißen oder gelblichen Stielen im Wald herum und waren eigentlich ganz zufrieden. Niemand störte sich daran, man kannte es ja nicht anders. Aber dann kam eines Tages der Elfenkönig auf die Idee, den Wald zu verschönern. Nicht nur die Blumen, auch die Pilze sollten neu eingekleidet werden. Die Pilze selber schlugen vor, daß jeder von ihnen einen schönen Hut bekommen sollte. Bisher waren sie ja auch ziemlich unscheinbar. Ohne jeden Schmuck standen sie auf ihren kurzen und langen, dicken und dünnen Stielen. Ein passender Hut für jeden Pilz, ja das wäre das Richtige.

Zuerst schickte der Elfenkönig seine Umfrage-Elfen aus. Sie sollten herausbekommen, welche Farben und Schnittmuster die Pilze bevorzugten. Der Steinpilz zum Beispiel wünschte sich eine rundliche Kappe in sanftem Braun. "Wir wollen auch braune Kappen, wir wollen auch braune Kappen", lispelten aufgeregt die kleinen Stockschwämmchen. Der vornehme Champignon, hätte gern ein ähnliches Modell wie die Stockschwämmchen, aber größer und in leuchtendem Weiß. "Ich möchte einen möglichst auffallenden Hut. Er muß groß und knallrot sein, damit die Menschen sehen, daß ich giftig bin", sagte der Fliegenpilz. "Ach", meinte der Gold-Röhrling, "bei mir kommt doch keine andere Farbe als Gold infrage." "Ein kräftiges Ockergelb wäre schön, und der Hut muß leicht und locker sein, mit schwungvollen Wellen", bemerkte verträumt der Pfifferling. Nur der dicke Bovist, der immer und überall ein bißchen spät dran ist, rieb sich verschlafen die Augen. "Welchen Hut ich möchte? Ist mir doch egal. Macht ihr mir nur irgendeinen Hut, er wird mir schon gefallen"

Anschließend kamen die Schneider-Elfen, mit Maßband, Zettel und Bleistift, um bei den Pilzen maßzunehmen, schließlich sollte alles wie angegossen passen. Die Pilze freuten sich, daß es nun bald losgehen würde mit den neuen Hüten und stellten sich willig in Position. Am meisten freuten sich die kleinen Stockschwämmchen. Sie waren sehr aufgeregt und konnten gar nicht still stehen. Die armen Elfen hatten wirklich Mühe, sich eins zu greifen und es zu vermessen. Bei den anderen ging es schon ruhiger zu. Nur der Fliegenpilz ging den Elfen auf die Nerven: "Daß mir der Hut nur nicht zu klein wird. Habt ihr auch wirklich ganz genau gemessen?" Und der dicke Bovist, der immer und überall ein bißchen spät dran ist? Er hatte keine Lust, vom Bett aufzustehen und streckte einfach seinen großen Zeh zum Fenster hinaus. Die Elfen waren schon zu müde, um das zu bemerken. Schließlich hatten sie den ganzen Tag nur Pilze vermessen und sehnten den Feierabend herbei. Also nahmen sie die Maße des - immerhin sehr beachtlichen - großen Bovisten-Zehs.

Jetzt hieß es warten für die Pilze, denn so fleißig die Schneider-Elfen auch nähten, ein paar Tage brauchten sie schon, um hunderte von Pilzhüten fertigzustellen.
Endlich aber war es so weit, der große Tag der Hutausgabe war gekommen. Einige Pilze hatten schon die Nacht vor der Elfen-Werkstatt verbracht, sie konnten es kaum abwarten und wollten unbedingt die ersten sein. Pünktlich um acht erschien der Elfenkönig selbst und öffnete die Tür. "Langsam, einer nach dem anderen, es ist doch für jeden einer da", mahnte er die hereindrängenden Pilze. Und da lagen sie sauber aufgereit in den Regalen. Große und kleine Hüte, Mützen, Kappen, rund oder flach, mit verschiedenen Mustern, in allen möglichen Braun-, Weiß-, Rot- und Gelbtönen. Die Schneider-Elfen hatten sie mit viel Liebe und Geschick genäht, sie sahen wirklich prächtig aus. Ganz vorne sah man die winzigen hellbraunen Käppchen der Stockschwämmchen. Da lag der edle braune Hut des Steinpilzes neben dem blendendweißen des Champignons. Der Gold-Röhrling betrachtete zufrieden seine goldglänzende Rundkappe. Nein, war das eine Freude, als sie lachend und schwatzend ihre neuen Kopfbedeckungen anprobierten. In der Ecke stand der Pfifferling und konnte sich gar nicht sattsehen. Was für ein wunderbare Hut, mit herrlich schwungvollen Wellen, genau wie er ihn sich gewünscht hatte. Als die Reihe an den Fliegenpilz kam, konnte der vor lauter Aufregung kaum ein Wort herausbringen. Da war er, sein Traumhut, groß und leuchtend rot, ohne jeden Makel. "Na los, setz ihn auf!", riefen die anderen Pilze. Alle drängten sich um ihn herum, jeder wollte den schönen Fliegenpilz ganz aus der Nähe bewundern.

Aber oh weh! In all dem Gedränge und Gemenge hatte der Fliegenpilz den Hut fallenlassen. Von den anderen Pilzen hatte das so schnell keiner mitbekommen, dazu war das Durcheinander einfach zu groß. Als der Fliegenpilz ihn endlich aufheben konnte, war er unter den Füßen der Pilze schon grausam zugerichtet worden. Ach, wie sah der schöne Hut jetzt aus! Ganz verschmutzt und zerknittert, sogar einige Löcher hatte er. "Was sollen wir nur tun?" Die Schneider-Elfen rangen verzweifelt die Hände. "Wir haben keinen Stoff mehr, um einen neuen Hut zu machen. Waschen und bügeln kann man ihn noch, aber womit flicken wir die Löcher?" "Mit dem zerrissenen Ding kann ich mich auf keinen Fall im Wald blicken lassen. Und ganz ohne Hut? Nein, das geht jetzt nicht mehr, alle Pilze tragen heutzutage einen Hut", maulte der Fliegenpilz. "Also Stoff haben wir keinen mehr, aber hier liegt noch ein kleines Käppchen, gehört das jemandem?" Keiner meldete sich, die Pilze waren alle versorgt, jeder hatte bekommen, was er sich gewünscht hatte. "Na dann ist es wohl übrig, dann können wir den Stoff doch zum Flicken nehmen", meinten die Schneider-Elfen. "Was? Diese schmutzig-weißen Flicken auf meiner schönen roten Kappe?", jammerte der Fliegenpilz. Die anderen versuchten ihn zu trösten. "Warte es doch ab, bestimmt sieht er nachher viel schöner aus als vorher." Die Schneider-Elfen machten sich also ans Werk, und tatsächlich, nach einer Weile war der Fliegenpilz gar nicht mehr traurig. Frisch gewaschen und gebügelt und mit lustigen runden weißen Flecken, ja, das gefiel ihm. Eine der Elfen reichte ihm den Hut: "So fertig, setz ihn mal auf, aber diesmal vorsichtig." "Hurra, das ist es. Warum bin ich nicht eher darauf gekommen? Seht mal, wie gut er mir steht". So war also auch der Fliegenpilz zufriedengestellt, und gemeinsam machten sich alle auf den Heimweg

Und der dicke Bovist, der immer und überall ein bißchen spät dran ist? Er hatte natürlich die Hutausgabe verschlafen. Als er sich endlich aufgerappelt hatte, war die Elfen-Werkstatt längst geschlossen. Nur eine Putz-Elfe war noch am Ausfegen, morgen sollte es gleich weitergehen, denn für die Waldblumen mußten noch die neuen Blütenkostüme genäht werden. "Ich weiß, es ist schon etwas spät, aber könntest du mal nachsehen, ob noch ein Hut für mich übrig ist?", fragte der Bovist. "Na gut, weil du's bist". Gemeinsam sahen sie überall nach, jeder Schrank, jedes Regal, jede Kiste wurde sorgfältig durchsucht, aber es war kein Hut zu finden. "Ach ja", erinnerte sich die Putz-Elfe. "Da war eine weißliche Kappe übriggeblieben. Niemand wollte sie haben, also haben die Schneider-Elfen sie als Flicken für den Fliegenpilzhut genommen. Aber tröste dich, die wäre dir sowieso viel zu klein gewesen." Jetzt war es dem Bovisten doch peinlich, daß er verschlafen hatte. Eine zu kleine Kappe war besser als gar keine, dachte er. Alle würden über ihn lachen wenn er als einziger Pilz keinen Hut hatte. So ganz nackig, nur mit seinem Stiel konnte er sich im Wald nicht mehr blicken lassen. "Warte mal, ich habe eine Idee", die Putz-Elfe kramte in einer großen Kiste herum. "Hier ist noch ein alter Kartoffelsack, vielleicht können wir daraus etwas machen." "Uii fein", lachte der Bovist. "Als Hut ist er zu groß, aber ich könnte ganz hineinschlüpfen", und schon hatte er sich den Sack übergestülpt. "Steht mir ausgezeichnet", sagte der dicke Bovist, der nie und nirgends seine gute Laune verliert. "Von heute an nenne ich mich Kartoffelbovist."

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hera
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Hallo Frieda!

Meiner 9jährigen Tochter Katharina hat die Geschichte sehr gut gefallen. Das der Bovist nun einen Kartoffelsack tragen muss, fand sie besonders lustig.

Aber auch mir hat die Geschichte gefallen. War mir eine Freude, sie zu lesen.

Tschüssie hera

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Frieda
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Hallo hera,

freut mich sehr, daß Dir meine Geschichte gefallen hat. Besonders natürlich, daß Deine Tochter sie mag. Ich veröffentliche nie eine Kindergeschichte, ohne daß mindestens ein Kind sie gelesen und für annehmbar gehalten hat. Meine Enkel (6 und 8 Jahre) mochten sie jedenfalls auch.

Liebe Grüße
von Frieda

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flammarion
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hm,

neckische geschichte. kommt in meine sammlung. obwohl es unwahrscheinlich ist, daß der fliegenpilz erst im allgemeinen interesse steht und dann keiner merkt, wie ihm der hut runterfällt. darum auch nur 7 punkte von mir. ganz lieb grüßt
__________________
Old Icke

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Frieda
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Hallo flammarion,

so unwahrscheinlich ist das gar nicht. Stell Dir mal die aufgeregt durcheinanderwuselnde Pilzbande vor. Da reicht schon die Schrecksekunde, um den Hut jämmerlich zu zertrampeln. Es rechnete ja auch keiner damit, daß der Fliegenpilz ihn plötzlich fallenläßt. Aber trotzdem danke für den Hinweis, ich werde mir die Stelle bei Gelegenheit nochmal vornehmen.

Liebe Grüße
von Frieda

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Frieda
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Hallo flammarion,

ich habe mir Deinen Hinweis nochmal durch den Kopf gehen lassen, und je länger ich drüber nachdachte, desto mehr war ich überzeugt, an der Stelle etwas ändern zu müssen. Zwei kleine Wörtchen (im folgenden fett gedruckt) an der richtige Stelle eingefügt, machen die Sache schon wesentlich glaubhafter.

"Von den anderen Pilzen hatte das so schnell keiner mitbekommen, dazu war das Durcheinander einfach zu groß."

Nochmal danke für Deine Hilfe
Frieda

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